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Abwassertechnik – richtig gemacht eine saubere Sache

Teil 2: Wenn einige Grundregeln beachtet werden, läuft’s im Haus gut ab

Bild 1: Anschluss von fäkalienhaltigem Abwasser (WC) und fäkalienfreiem Abwasser (z.B. Dusche); Spreizwinkel 180°; H ≥ 200 mm.

Bild 2: Doppelabzweig mit zwei 45°-Bogen (links) oder alternativ Schachtabzweig „Raupiano Plus“ (rechts). In beiden Fällen bleibt der Spreizwinkel ≤ 90° bewahrt.

Bild 3: Anschluss von WC und Dusche gegenüberliegend. Da bei diesem Formteil (Schachtabzweig) der Spreizwinkel nur 90° beträgt, kann der Sohlenabstand H = 0 mm gewählt werden.

Bild 4: Doppelabzweig DN 90/90 zum Anschluss gegenüberliegender WCs.

Bild 5: Kompensation der temperaturbedingten Längenänderung bei Steckmuffensystemen, hier am Beispiel 10 mm.

 

Was kann so schwer daran sein, eine Abwasserinstallation hinzubekommen? Hauptsache, das Schmutzwasser läuft ab. Gerade die sehr einfache und in vielen Fällen sogar werkzeugfreie Installation von Entwässerungssystemen verleitet zu derlei Ansicht. Steckmuffensysteme und eine sehr große Auswahl an Formteilen ermöglichen Lösungen für nahezu jede Einbausituation. In einer dreiteiligen Serie greifen wir dieses Thema groß auf.

Hier gelangen Sie zu Teil 1

Doch wie gut funktioniert die Abwasserinstallation dann wirklich? Wie häufig kommt es dann vor, dass es im Ablauf „gluckert“? Nachträgliche Korrekturen sind schwierig und extrem aufwändig. Wie häufig müssen dann Reinigungsspiralen oder gar Spülgeräte eingesetzt werden, um Ablagerungen in den Abwasserleitungen zu entfernen und wenigstens wieder halbwegs die Funktion der Abwasserinstallation herzustellen?

Gerade bei der Installation von Abwasseranlagen gilt es, sorgfältig vorzugehen. Werden wichtige Grundkenntnisse richtig angewendet, funktionieren Entwässerungssysteme sicher und langlebig – und ersparen Reklamationen.

Anspruchsvoller wird es, wenn man im nächsten Schritt Spreizwinkel beachten und damit die Gefahr der Fremdeinspülung vermeiden muss.  Die Regelungen aus der DIN 1986-100 greifen immer, wenn fäkalienhaltiges Schmutzwasser in Leitungsbereiche eingespült werden könnte, in welchen es dann zu Störungen kommen könnte. Schließlich möchte niemand in seiner Dusch- oder Badewanne alte Bekannte finden, die zuvor die Toilette hinuntergespült wurden. 

Daher ist es nachvollziehbar, dass bei direkt gegenüberliegen Anschlüssen an der Fallleitung (Spreizwinkel 180°) ein Höhenunterschied (Sohlenabstand) zwischen den Einleitungen von mindestens 200 mm bestehen muss (Bild 1). 

Diese Anforderung stellt in der Praxis oftmals eine Problemstellung dar, da somit der Abzweig für den WC-Anschluss sehr hoch angeordnet werden muss. Die Lösung dieses Problems ist die Verkleinerung des Spreizwinkels auf ≤ 90° (Bild 2). Somit darf der Höhenunterschied auf 0 mm reduziert werden. Sollen WC und Duschwanne im 180°-Anschlusswinkel auf eine gemeinsame Fallleitung angeschlossen werden und gleichzeitig ein Höhenunterschied (Sohlenabstand) von 0 mm ungesetzt werden, kommen üblicher Weise 90° Doppelabzweige zum Einbau in die Fallleitung zum Einsatz. Hier müssen dann in die jeweiligen Abgänge 45°-Bogen eingebaut werden, um die gegenüberliegenden Anschlüsse zu erreichen. Durch diese Bauweise springt die Sammel-/Einzelanschlussleitung von der Wandebene sehr weit nach vorne (Bild 2).

Werden zwei WCs gegenüberliegend (Spreizwinkel = 180°) an die gleiche Fallleitung angeschlossen darf der Höhenunterschied ebenfalls 0 mm betragen (Bild 4). Hintergrund: Die Fremdeinspülung in eine andere WC-Leitung wird unkritisch gesehen, da durch den WC-Spülvolumenstrom eine ausreichende Ausspülung vorhanden ist und somit keine Ablagerungsgefahr besteht.

 

Steckmuffenverbindung kann doch jeder, oder?

Nach einigen wichtigen Anforderungen aus der Normung für die fachgerechte Planung und Einbau von Schmutzwasserinstallationen sollen nun einige handwerkliche Hinweise für Steckmuffensysteme folgen, die ebenso zur fachlich richtigen Schmutzwasserinstallation gehören und maßgeblich dafür sorgen, dass alles richtig abläuft. 

Sehr viele Abwasser-Installationssysteme beruhen auf der Verbindungstechnik Steckmuffe. So einfach dieses werkzeugfreie Zusammenfügen von verschiedene Rohren und Formteilen erscheint, es gilt auch hier, einiges zu beachten. 

Die Rohre können mit einer feinzahnigen Säge oder mit einem Rohrabschneider auf die passende Baulänge abgelängt werden. Bitte immer beachten: Es entsteht ein Grat. Außen und beim Einsatz der feinzahnigen Säge auch innen. Dieser muss sorgfältig entfernt werden, auch wenn teilweise Hersteller diesen Verarbeitungsschritt als nicht nötig bezeichnen. 

Praxistipp: Schnittkante innen entgraten – mit dem Abwasser werden verschiedene Stoffe mittransportiert, die an Graten oder unsauberen Rohrschnittkanten nicht hängen bleiben dürfen. 

Praxistipp: Schnittkante außen entgraten und Rohrenden anfasen – somit ist ein leichteres Zusammenfügen möglich. Gleichzeitig wird vermieden, dass der Lippendichtring in der Steckmuffe verschmutzt oder gar beschädigt wird.

 

Längenausdehnung beachten

Ein Aspekt, der bei Schmutzwasserleitungen leider häufig unterbewertet und daher nicht beachtet wird ist die Tatsache, dass sich auch Schmutzwasserleitungen aufgrund von Temperaturveränderungen in der Länge ausdehnen. Durch hohe Abwassertemperaturen, z.B. aus Waschmaschinen oder Küchenspülen, sind Temperaturunterschiede von > 50 K keine Seltenheit. Somit ist auch für Schmutzwasserinstallationen die Aufnahme der temperaturbedingten Längenausdehnung vorzusehen. 

Die temperaturbedingte Längenänderung kann bei Steckmuffensystemen sehr einfach und sicher auffangen werden. Hierzu wird bei Rohren mit einer Baulänge von mindestens 1 m an der Steckmuffe eine Markierung angebracht (Bild 5). Anschließend wird das Rohrende wieder so weit aus der Steckmuffe gezogen, bis die Markierung 10 mm vor der Steckmuffe ist. Spätestens nach 3 m Rohrlänge muss eine Ausdehungsmöglichkeit geschaffen werden. Durch diese sehr einfache Maßnahme entsteht der notwendige Ausdehnungsraum bei größeren Rohrlängen. 

Vorteil von Steckmuffensystemen: In aller Regel werden für die Aufnahme der temperaturbedingten Längenänderung keine Sonderformteile benötigt.

 

Autor: Manfred Erk, Staatlich geprüfter technischer Fachwirt Sanitärtechnik, Handwerksmeister Gas- und Wasserinstallation, Seminarleiter Building Technology bei Rehau AG+Co

Bilder: Rehau

www.rehau.de

 

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