Werbung

Abwassertechnik – richtig gemacht eine saubere Sache

Teil 1: Wenn einige Grundregeln beachtet werden, läuft’s im Haus gut ab

Bild 1: Füllhöhe in Abwasserleitungen (h/di).

Bild 2: Einzelanschlussleitung an Fallleitung.

Bild 3: Einzelanschluss-/Sammelanschlussleitung an Fallleitung. Der Dimensionsübergang in Sammelanschlussleitungen erfolgt scheitelgleich mit einem exzentrischen Formstück.

Bild 4: „RAUPIANO PLUS“ Einfachabzweig DN 90/90 max flow 87° mit Innenradius.

 

 

Was kann so schwer daran sein, eine Abwasserinstallation hinzubekommen? Hauptsache, das Schmutzwasser läuft ab. Gerade die sehr einfache und in vielen Fällen sogar werkzeugfreie Installation von Entwässerungssystemen verleitet zu derlei Ansicht. Steckmuffensysteme und eine sehr große Auswahl an Formteilen ermöglichen Lösungen für nahezu jede Einbausituation.

Doch wie gut funktioniert die Abwasserinstallation dann wirklich? Wie häufig kommt es vor, dass es im Ablauf „gluckert“? Nachträgliche Korrekturen sind schwierig und extrem aufwändig. Wie häufig müssen dann Reinigungsspiralen oder gar Spülgeräte eingesetzt werden, um Ablagerungen in den Abwasserleitungen zu entfernen und wenigstens wieder halbwegs die Funktion der Abwasserinstallation herzustellen?

Gerade bei der Installation von Abwasseranlagen gilt es, sorgfältig vorzugehen. Werden wichtige Grundkenntnisse richtig angewendet, funktionieren Entwässerungssysteme sicher und langlebig – und ersparen Reklamationen.

 

Wasser und Luft

Warum sind die Dimension und das Gefälle von Abwasserleitungen so wichtig? Weil durch die Auswahl der passenden Dimension und des geeigneten Gefälles die Abwasserleitung optimal genutzt werden kann. Dabei ist das erste Augenmerk auf die ausreichende Füllhöhe zu richten. Diese ist auf Grundlage der DIN EN 12056 für Abwasserinstallationen nach DIN 1986-100 auf 0,5 (h/di) festgelegt (Bild 1). 

Die geeignete Füllhöhe sorgt für eine ausreichende Schwemmwirkung im Schmutzwasserrohr, wenn zeitgleich auch das passende Gefälle (I) gewählt wird. So entsteht eine ausreichend große Fließgeschwindigkeit (v), um Ablagerungen zu vermeiden und einen Selbstreinigungseffekt zu begünstigen. Die Füllhöhe sehr hoch zu wählen, um einen möglichst hohen Abwasservolumenstrom ableiten zu können, ist zwar verlockend, aber falsch. Denn nun kommt das zweite Augenmerk der Füllhöhe ins Spiel: Die Belüftung. Durch eine ausreichend gute Belüftung kann der Leersaugung von Geruchsverschlüssen und damit dem Austritt von Kanalgasen in den Raum sehr effektiv vorgebeugt werden. Es gilt, einen Unterdruck in der Abwasserleitung zu vermeiden. Somit lautet die Aufgabe:

 

Finde die richtige Dimension

Gerade in der Abwassertechnik ist die Dimensionierung recht leicht, denn die allgemein anerkannten Regeln der Technik, allen voran die DIN EN 12056 und die nationale Ergänzung DIN 1986-100, stellen klar und nachvollziehbar die Vorgaben auf, die bei der Planung und Installation von Abwasserinstallationen beachtet werden müssen. 

Aller Anfang ist der Einzelanschluss. Die Tabelle 1 gibt gleich mehrere Informationen zu Einzelanschlussleitungen, die wichtig sind. Ohne dass ein Berechnungsprogramm benutzt oder ein Taschenrechner benötigt wird, entsteht Klarheit und Sicherheit.

Praxisbeispiel: Anschluss einer unbelüfteten Einzelanschlussleitung (Waschtisch) an die Fallleitung (Bild 2). Um diese Aufgabe lösen zu können lohnt ein Blick in die DIN 1986-100, denn dort finden sich alle wichtigen Informationen für die Praxis.

  • Dimension: DN 40
  • Anschlusswert DU: 0,5 l/s
  • Maximale Leitungslänge: 4 m
  • Maximale Absturzhöhe: 1 m
  • Anzahl Richtungsänderungen (87°): 3 (der Sifonwinkel wird hierbei nicht mitgezählt)
  • Gefälle: 1 cm/m 
  • Anschlusswinkel an die Fallleitung: 87° (für alle Anschlüsse ≤ DN 70 an die Fallleitung)

Werden mehrere Einzelanschlussleitungen zusammengebündelt, entsteht der nächste Leitungsabschnitt: Die Sammelanschlussleitung (Bild 3). Es entstehen höhere Abwasservolumenströme und auch der Einflussfaktor der Gleichzeitigkeit muss jetzt beachtet werden. 

Der Übergang auf größere Dimensionen kann bei vielen Systemen durch zentrische und exzentrische Übergangsformstücke gelöst werden. Für Sammelanschlussleitungen sind ausschließlich exzentrische Übergänge zugelassen. Besonders wichtig ist, dass stets ein scheitelgleicher Einbau erfolgt (Übergang oben). Der Hintergrund: Sicherstellung der Belüftung in der gesamten Abwasserleitung.

 

Der fachgerechte Anschluss an die Fallleitung

Speziell beim Anschluss von Einzel- und Sammelanschlussleitungen an die Fallleitung können einige Fehler gemacht werden, die im späteren Betrieb massive Störungen verursachen können. Umso wichtiger ist es, auch hier einige wenige Regeln zu beachten und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

Sammel- und Einzelanschlussleitungen in den Dimensionen ≤ DN 70 werden stets im 87°-Winkel an die Fallleitung angeschlossen (Bild 2). Dies stellt sicher, dass keine Wellenbildung in 45°-Schrägen entsteht, die unter Umständen zum Luftabschluss und somit zum Unterdruck und zur Leersaugung am Geruchsverschluss führen kann. 

Bei vielen Abwassersysteme ist ein 87°-Abzweigformteil in gleichbleibender Nennweite mit Innenradius verfügbar (Bild 4). Die Empfehlung spricht klar für den Einbau dieser Bauweise der Abzweige im Bereich der Fallleitungen. Durch den angeformten Innenradius wird die Einströmung aus der Einzel-/Sammelanschlussleitung beruhigt in die Fallleitung eingeleitet. 

 

Autor: Manfred Erk, Staatlich geprüfter technischer Fachwirt Sanitärtechnik, Handwerksmeister Gas- und Wasserinstallation, Seminarleiter Building Technology bei Rehau AG+Co

Bilder: Rehau

www.rehau.de

 

Weiter zu Teil 2 

Weiter zu Teil 3 

 


Artikel teilen: