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Verbandstag in turbulenten Zeiten

Das 79. Delegiertentreffen des FV SHK-BW im Europa-Park fand im Einfluss von BEG-Förderstopp und GModG-Gezerre statt – eine Rückschau

Rund 300 Teilnehmer erlebten im Europa-Park Rust mehr als nur eine Achterbahnfahrt und in den verschiedenen Veranstaltungsformaten zwei Tage voller Klartext, Praxiswissen und Austausch. Bild: FV SHK-BW

Der 79. Verbandstag des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg (FV SHK-BW) am 10. und 11. Juli 2026 im Europa-Park Rust fiel in eine turbulente Woche. Rund 300 Teilnehmer erlebten mehr als nur eine Achterbahnfahrt und in den verschiedenen Veranstaltungsformaten zwei Tage voller Klartext, Praxiswissen und Austausch – erstmals auch mit einem eigenen Azubi-Tag. Bild: FV SHK-BW

Zwischen den Veranstaltungen besuchten die Gäste den Europa-Park, der sich erstaunlich leer präsentierte, sodass neben den gefühlsmäßigen Achterbahnfahrten mit der Politik ausreichend Zeit für die echten Fahrgeschäfte blieb. Bild: FV SHK-BW

 

Die Verabschiedung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) parallel zur Delegiertenversammlung, eine über Nacht gekürzte Heizungsförderung – und mittendrin ein Verband, der Verlässlichkeit einfordert: Der 79. Verbandstag des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg (FV SHK-BW) am 10. und 11. Juli 2026 im Europa-Park Rust fiel in eine turbulente Woche. Rund 300 Teilnehmer erlebten mehr als nur eine Achterbahnfahrt und in den verschiedenen Veranstaltungsformaten zwei Tage voller Klartext, Praxiswissen und Austausch – erstmals auch mit einem eigenen Azubi-Tag.

Es war eine Punktlandung mit Ansage-Chaos: Noch am Dienstag vor dem Verbandstag war die abschließende Lesung des GModG im Bundestag abgesagt und auf September verschoben worden. Dann kam das Gesetz kurzfristig doch wieder auf die Tagesordnung und wurde am Freitag von Bundestag und Bundesrat verabschiedet, gleichzeitig zur Delegiertenversammlung in Rust. 

Die IKZ berichtete, siehe: https://www.ikz.de/detail/news/detail/update-geg-reform-gmodg-bundestag-und-bundesrat-stimmen-zu/

„Wir könnten fast live in die Bundestagssitzung reinschalten”, kommentierte der FV-Vorsitzende Stefan Menrath das Hin und Her. Umso wichtiger sei die Verschiebung der GEG-Scharfschaltung in Großstädten vom 1. Juli auf den 1. November gewesen – ein Schritt, der Städte, Betriebe und Kunden vor Chaos geschützt habe. „Die Verschiebung ist explizit ein Erfolg unseres Fachverbandes, der dies in die Diskussion in Berlin eingebracht hat“, sagte Menrath. An die Politik jeder Couleur richtete er eine unmissverständliche Botschaft: Schluss mit den ständigen Verschlimmbesserungen. Keine Reform könne so gut sein, wie die Verunsicherung schade, die jede neue Reformdebatte auslöse. Bis zur geplanten Evaluation des Gesetzes im Jahr 2030 wolle er „von keinem Politiker und keiner Partei auch nur einen einzigen Satz“ zum Heizungsrecht hören. „Jetzt ist endlich mal gut!“ 

Förderkürzung über Nacht: „Eine Katastrophe“ 
Für Empörung sorgte die kurzfristige Neugestaltung der Heizungsförderung: Am Dienstag vor dem Verbandstag wurde bekannt, dass der Haushaltsausschuss bereits am Mittwoch eine direkt wirksame Kürzung der BEG-Förderung beschließen sollte – ohne dass ein einziger Branchenvertreter informiert oder eingebunden war. „Es ist eine Katastrophe. Man hat eine ganze Branche über Nacht angehalten“, sagte Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), vor den Delegierten. Ein solches Hickhack habe der ehemalige Bundestagsabgeordnete in 20 Jahren Politik nicht erlebt. FV SHK-BW-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker bat darum, Statements für eine gemeinsame Pressemitteilung zu sammeln. Diese wurde noch direkt am Freitag versendet. Trotz stotternder Konjunktur rief Menrath dazu auf, die Chancen der Branche zu ergreifen: Klimaanlagen und Trinkwasserhygiene in Zeiten der Hitzewellen, altersgerechte Bäder für eine alternde Gesellschaft – und Künstliche Intelligenz als „Megainstrument auch für uns im Handwerk“. 

Vorstand: Nachwahl und neue Weichenstellungen 
Die Delegierten wählten Markus Rotzinger, Obermeister der Innung Freiburg, in den Vorstand nach. Er folgt auf Achim Thiel. Erfreuliches berichtete Menrath zum Thema Frauen in der Berufsorganisation: Mit GIRLS@SHK und dem SHK-Meisterinnenkreis haben sich seit Oktober 2025 zwei Netzwerke gegründet – „erste zarte Pflänzchen“, die in den kommenden Jahren wachsen sollen. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker gab einen Überblick über das breite Tätigkeitsspektrum des Verbandes im Laufe des Jahres und stellte den digitalen Jahresbericht vor. 

Nachwuchscoaching und Ausbildertreffen 
Während die Delegierten tagten, stärkten die Auszubildenden ihre Kompetenzen: Bei einem interaktiven Coaching-Workshop übten 35 Teilnehmende mit Trainerin und Coach Maren Killinger Kommunikation, Konfliktmanagement und souveränes Auftreten – gegenüber Kolleginnen und Kollegen ebenso wie gegenüber Kunden. Parallel traf sich die Fachgemeinschaft TOP Ausbilder, in der seit 2015 die besten Ausbildungsbetriebe des Verbands vereint sind. Ihr Thema: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz sinnvoll, sicher und praxisnah in den Ausbildungsalltag integrieren? Zwischen den Veranstaltungen besuchten die Gäste den Europa-Park, der sich erstaunlich leer präsentierte, sodass neben den gefühlsmäßigen Achterbahnfahrten mit der Politik ausreichend Zeit für die echten Fahrgeschäfte blieb. 

Experte: „Lieber eine Mittelklasse-Wärmepumpe, aber den Top-Installateur“ 
Den fachlichen Höhepunkt des Samstags setzte Dr. Marek Miara, Gründer des gemeinnützigen Projekts heatpumpswatch.org und langjähriger Wärmepumpen Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. Der Experte berichtete von der internationalen Fachwelt, die nicht verstehe, warum Deutschland seine Wärmepumpen-Ziele reduziere. Seine Zahlen sprachen für sich: In Norwegen liegt der Wärmepumpen-Anteil an den Heizungen bei 97 %, in Europa insgesamt bei 28 % – im Saal sorgte das für ungläubiges Gelächter. Frankreich habe den Anteil der Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern innerhalb von fünf Jahren von vier auf 45 % gesteigert. Der deutsche Markt dagegen fahre Achterbahn: plus 50 % 2022, minus 50 % 2023, plus 50 % 2024: „Das gibt es in keinem anderen Land der Welt“. Seine wichtigste Botschaft an die Betriebe: Planung, Installation und Einstellung seien absolut entscheidend für Effizienz und Langlebigkeit. Wenn er gefragt werde, rate er den Kunden stets: „Lieber eine Mittelklasse-Wärmepumpe nehmen, aber den Top-Installateur.“ 

Zukunft der Ausbildung: Zwei Welten im Betrieb 
Betriebsinhaber und Content Creator Cehan San zeigte in seinem Workshop live im Saal, wie Betriebe Instagram-Videos erstellen, schneiden und veröffentlichen – und wie er über Social Media erfolgreich Azubis rekrutiert. 
Zum Abschluss diskutierte ein Podium über die Zukunft der Ausbildung: Cehan San, Berufsschullehrer Martin Schell (Berufsschule Bühl), TOP-Ausbilder-Mitbegründer Hans-Peter Seitz und Auszubildender Simon Rentschler – der Letztgenannte berichtete auch aus dem Workshop des Vortags. Die Moderation übernahm SBZ-Chefredakteur Dennis Jäger. 

Würdigungen für besondere Leistungen und Verdienste
Ein Höhepunkt des Festabends neben dem Show-Programm des Europa-Parks war die Ehrung der Landessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2025 – dem größten Berufswettbewerb Europas mit rund 3000 Teilnehmenden. Traditionell ehrte der Fachverband bei der Mitgliederversammlung auch verdiente Ehrenamtsträger: Mit der Silbernen Ehrennadel wurden die Obermeister Thomas Braun, Harald Frick und Bernd Wölfle ausgezeichnet – alle drei seit 2016 im Amt. Die Goldene Ehrennadel erhielt Stefan Menrath für 20 Jahre Engagement in der Berufsorganisation: seit 2006 Obermeister, seit 2011 im Vorstand, seit 2023 Vorsitzender des Fachverbands. Bei seiner Ehrung kündigte Menrath an, im kommenden Jahr erneut für den Vorsitz zu kandidieren. 
Der 80. Verbandstag findet am 9. und 10. Juli 2027 in Balingen statt. 

 


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