Die neuen Badewannen haben Potenzial
Die klassische Einbauwanne hat starke Konkurrenz von den neuen, freistehenden Varianten bekommen. So lassen sich bei der Planung Nutzerbedürfnisse und Raumverhältnisse in Einklang bringen
Die Badewanne hat sich vom selbstverständlichen Standard zum bewusst gewählten Badobjekt entwickelt. Die Wanne punktet beim Kunden im Privatbad neben der zunehmend wichtigeren Designqualität vor allem mit emotionalen Werten und gesundheitlichen Aspekten. Der Beitrag skizziert, wie die Planung dabei Nutzerbedürfnisse und Raumverhältnisse in Einklang bringen kann.
Es ist kein Geheimnis, dass sich der Markt für Badewannen und Duschwannen in den letzten zehn bis 15 Jahren stark verändert hat. Laut Branchenerhebungen wurden 2024 in Europa ca. 3,4 Mio. Badewannen verkauft, aber 8,7 Mio. Duschwannen. In Deutschland ging der Absatz der Badewannen ohne Projektgeschäft, also bezogen auf private Badrenovierungen und Neubau laut Heinze Sanitär-Haushaltspanel von knapp 700 000 im Jahr 2023 um 9,3 % zurück auf 631 000, während die Marktzahlen für Duschwannen im selben Zeitraum um 0,8 % stiegen, nämlich von 864 000 auf 871 000.
Was aber nicht bedeutet, dass sich im Marktanteil (40 %) der Badewannen über die Jahre nichts getan hätte. Mit der gestiegenen Bedeutung des Badezimmers als Wellness-Raum und angesichts von Trends und ästhetischen Ansprüchen an das Bad hat die klassische Einbauwanne starke Konkurrenz von den neuen, freistehenden Varianten. Das hat die Kreativität von Designern angespornt, die mit den vielfältigen Möglichkeiten von Hybridwerkstoffen spielen. Parallel haben auch die Spezialisten für Stahlemail-Wannen bei Design und Zusatzfunktionen zugelegt, mit integrierten Soundsystemen (z. B. Kaldewei). Wannen-Highlights der namhaft en Hersteller wie Bette, Duravit, Kaldewei und Repabad, nicht zuletzt von design-orientierten italienischen Marken, prägen jede Sanitärmesse.
Die Badewanne ist kein Auslaufmodell, sondern sie wird zum Komfort- und Lifestyle-Element in Privatbädern und hö-herwertigen Immobilien, wo das Gesamtbild des Badezimmers auf den Wert einzahlt. In der Beratung kann der Sanitär-profiauf innovative Materialien und ihre Formgebung, wie integrierte Ablagen, höhere Rückenlehnen, besondere Geome trie, verweisen und neue Farbkonzepte vorstellen. So lässt sich auch der neue Hang zur (dezenten) Farbigkeit im Bad aufgreifen und vor allem auf andere Elemente abstimmen.
Vom Familienbad zum Ruhepol
Die Ansprüche an ein Badezimmer sind so unterschiedlich wie die Lebensentwürfe der Kunden. Für Familien mit kleinen Kindern ist die Badewan-ne meist kein Luxusobjekt, sondern ein unverzichtbares Werkzeug im All-tag. Das Baden von Kleinkindern ist oft Teil des allabendlichen Rituals und verbindet Körperpflege mit Spiel und Entspannung. Robustheit und Pflegeleichtigkeit der Wanne stehen dabei an erster Stelle. Eine porenfreie, glasharte Oberfläche wie sie die Hersteller von Stahlemail-Wannen anbieten, hat buchstäblich schlagkräft ige Argumente.
Breite Wannenränder sind ideal, damit sich Eltern während des Badens der Kinder bequem am Rand abstützen oder darauf sitzen können. Zudem bieten Modelle mit mittigem Ablauf (Duo-Wannen) den Vorteil, dass zwei Kinder gleichzeitig ohne störenden Stöpsel im Rücken baden können. Den Komfort genießen selbstverständlich auch die Eltern beim Baden zu zweit.
In kleineren Familienbädern konkurriert die Wanne allerdings mit Stauraum, Waschmaschine oder separater Dusche. Hier bieten sich Kombilösungen an, zum Beispiel die Wanne mit Standfläche zum Duschen oder mit Aufsatz-Duschabtrennung zum Einklappen an die Wand. Wenn im kleinen Bad Dusche und Wanne parallel installiert werden sollen, kommen verkürzte Wannen (150-160 cm) in Frage, oder der Badprofimacht den Kunden mit kompakten Badewannen zum Eintauchen bekannt, wie sie in Japan üblich sind. Sie haben in der Regel eine integrierte Stufe zum Sitzen und erlauben das Einsinken ins Wasser bis über die Schulter – viel Komfort, auch wenn man auf das Ausstrecken in der Wanne verzichten muss.
Single- und Paarbad: Mehr Design, bitte!
In Single- oder Duo-Haushalten steht beim Badkomfort meist der Wellness- und Design aspekt im Vordergrund. Das Bad dient hier als privates Spa, um nach einem stressigen Arbeitstag zu entschleunigen. Nicht zuletzt Ästhetik und das haptische Erlebnis der Badewanne können überzeugen: Dünne Ränder und dynamische Formen setzen architektonische Statements im Raum. Die filigrane Formgebung ist dem Einsatz von Platten aus Mineralwerkstoff(u. a. Corian) geschuldet, die in der Verarbeitung thermoplastisch tiefgezogen werden, während es sich bei Mineralguss, wie der Name schon sagt, um gegossenes Material aus Quarzsand und Acrylharz handelt, das eine glänzende Gelcoat-Oberfläche erhält. Unter dem Eigennamen „Quaryl“ wird bei Villeroy & Boch ein Verbundwerkstoffaus Quarzsand und Acryl in präzisen Gussformen für eine glatte, homogene Oberfläche eingesetzt. In der Beratung wird es nicht zuletzt um den Geschmack des Kunden gehen: Viele bevorzugen die matte Optik und samtige Haptik der Mineralwerkstoff-Designs, andere bevorzugen eine glänzend weiße Oberfläche.
In höherwertigen Projekten kann die Wanne ein Designobjekt im Raum sein, etwa als freistehende Skulptur. In Bädern, wo dies mangels Platzes nicht machbar ist, bieten halbfreistehende Wannen eine interessante Alternative, die wandgebunden oder in einer Ecke installiert werden. Sie „sparen Platz, ohne auf die elegante Wirkung einer freistehenden Wanne zu verzichten“, zeigt sich Bette überzeugt. Verantwortlich für die Optik ist die konvexe, zum Boden organisch zurückweichende Form der Wannenschürze.
Technikaffine Singles und Paare lassen sich von multisensorischen Systemen begeistern. Die „Nuio Duo Zen Edition“ von Kaldewei zeigt, wohin die Reise gehen kann: Integrierte Bedienpanels steuern Lichtinszenierungen, Infrarot-Wärme und unsichtbare Audiosysteme. Sogenannte farblichttherapeutische Anwendungen finden sich auch anderenorts am Markt, etwa bei Repabad und verschiedenen Anbietern von Wannen mit Whirl funktion. Keine Frage, dass Farblicht in der Wanne auch den Raum in eine andere Stimmung versetzt.
Komfort und Ergonomie im Generationenbad
Viele ältere Menschen möchten nicht vollständig auf eine Wanne verzichten, sie schätzen die therapeutische Wirkung von warmem Wasser bei Gelenk- oder Rückenschmerzen. Sicherheit und Ergonomie beim Wannenbad sind für den Badplaner wichtige Gesichtspunkte. In der Beratung kommt die Kombination von Wanne und Haltegriffen und die Auswahl einer rutschhemmenden Oberfläche ins Spiel. Auch eine erhöhte Rückenlehne für aufrechtes, stabiles Sitzen, wie beispielsweise bei „Theano Curved Edition“ (Villeroy & Boch).
Von einem „Floating-Effekt“ spricht der Sanitärhersteller Toto im Hinblick auf seine freistehende Wanne „Flow“, die eine ungewöhnliche Innengeometrie aufweist. Bei ihr liegt der Beckenbereich tiefer als die Unterschenkel, der Nutzer sitzt also ähnlich wie in einem Lounge-Sessel oder auf einer geneigten Pool-Liege. Zudem ist „Flow“ mit einem Nackenschwall ausgestattet und auf Wunsch mit Massagedüsen. Unterwasserdüsen sind seit Jahrzehnten in Whirlpool-Badewannen im Einsatz, Stichwort „Jacuzzi“, die sich dem Vernehmen nach auf dem deutschen Markt immer etwas schwer taten, aber durch den Liegekomfort ein unschlagbares Argument gegenüber den vielen Brause-Technologien von Duschpaneels am Markt haben. Whirlpool-Systeme bieten Wannenhersteller wie Kaldewei, Bette und Villeroy & Boch wahlweise als Zusatzausstattung für eine Auswahl ihrer Badewannen an.
Eine Sonderform sind 2-in-1 Badewannen mit einer integrierten Tür. Solche Modelle finden sich bei Duravit, Reisser, Artweger und Schröder Wannentechnik. Sie dienen zum einen für die problemlose, alltägliche Dusche mit minimalem Einstieg in die Wanne (je nach Modell 8-13 cm), zum anderen lassen sie sich „für die Bade-Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit“ befüllen, wie es bei dem in Süddeutschland beheimateten Sanitäranbieter Reisser heißt. Wenn nicht zwingend die normgerechte Barrierefreiheit nach DIN 18040-2 gefordert ist (z. B. für die Förderung seitens Pflegekasse oder KfW-Zuschuss), sind die Kombi-Wannen generell ein Angebot für den altersgerechten Umbau: eine barrierearme (weil niedrigschwellige) Dusche mit der Option auf ein Wannenbad an derselben Stelle.
Farbe und Material für mehr Individualität
Die Verwirklichung des eigenen Geschmacks macht in der Badausstattung nicht bei Armaturen und Brausen, Badmöbeln und Raumoberflächen Halt. Auch die aktuellen Badewannen haben den Trend zur Farbe aufgegriffen. Das gibt dem Badprofineue und vor allem raumprägende Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand – beispielsweise mit der freistehenden Wanne, die auf praktisch jedem Grundriss einen Hauch von Luxus verbreitet. Der Planer wird mit den Kunden die bevorzugte Farbrichtung im gesamten Bad besprechen, also etwa eine an Naturtönen orientierte Stimmung oder ein eher technischcooles Design mit schwarzen Kontrasten. Bei den Wannen lässt sich auch wählen zwischen kompletter Farbigkeit oder Bi-Color mit einem weißen Innenraum und farbiger Ummantelung/Außenfläche (z. B. Bette, Villeroy & Boch).
So legen Kaldewei oder Bette ganze Farbfächer zur Individualisierung ihrer Stahlemail-Wannen vor. Mit berücksichtigt sind dabei auch die Duschflächen, die bei einer harmonischen Farbabstimmung im Bad nicht vergessen werden sollten. Im Trend liegen sowohl für die Wannen als auch für Duschflächen die Farben Sand, Salbei und warmes Grau (sogenannte Kitt-Farben). Alternativ kann der Badprofiauch auf starke Farbtöne, wie Kobaltblau oder Koralle, verweisen. Egal ob in Stahlemail, Sanitäracryl oder Mineralguss: Die genannten Wannenspezialisten und zahlreiche italienische Designhersteller wie Falper, Antonio Lupi, Rexa und Cielo setzen auf Farbe in unterschiedlichen Materialien, zumeist Mineralwerkstoffwie Corian und Cristalplant. Durchgefärbtes und transparentes Polyesterharz, bekannt unter dem Markennamen „Cristalmood“ (Antonio Lupi), kann für einen Hingucker im Bad sorgen.
Mineralwerkstoffhat für den Badplaner für individuelle Anforderungen aufgrund der Grundrisssituation und den Kundenwünschen einen besonderen Aspekt: Das Material lässt sich mit üblichen Werkzeugen bearbeiten, also in eine irreguläre Ecke einpassen oder an einer Stelle minimal kürzen. Auf individuelle Problemlösungen spezialisierte Wannenhersteller wie Domovari spielen hier ihre Materialkompetenz aus und bieten Wannen nach Maß, beispielsweise mit Ablagen.
Badewannen kommen nicht allein
Ein noch ganz wichtiger Beratungspunkt ist die Wahl der Wannenarmatur. Zur Auswahl steht die Wannenrandarmatur, für die es auch eine versenkte Aufbewahrung für die Auszieh-Handbrause (z. B. hansgrohe) gibt, oder die klassische Aufputz- oder Unterputz-Wannenbatterie, die sich für das Duschen in der Wanne auch mit einer Showerpipe kombinieren lässt. Bei der freistehenden Wanne ist das bodenstehende Wannenthermostat die eleganteste Lösung.
Fazit:
Während Standardlösungen bei der Badausstattung mit Badewanne an Bedeutung verlieren, wird die individuelle, kundenorientierte Planung zur Schlüsselkompetenz des Fachbetriebs, der die Vielfalt am Markt im Blick hat.
Autor: Heinz Kaiser, Journalist, Hamburg