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Trinkwasser braucht Schutz

Bild: IKZ

 

Es ist wichtiger als jedes Lebensmittel – und ist zugleich eine Selbstverständlichkeit geworden: die Rede ist vom Trinkwasser. Erst wenn Verunreinigungen oder bakterielle Belastungen auftreten, wird vielen bewusst, wie sensibel moderne Trinkwasserinstallationen tatsächlich sind. Genau deshalb kommt dem Schutz der Trinkwasserqualität eine immer größere Bedeutung zu. Denn die Gefährdung entsteht häufig nicht im Wasserwerk, sondern innerhalb von Gebäuden. Nicht nur durch einen nicht bestimmungsgemäßen Betrieb und falsche Betriebsparameter (Kalt- und Warmwassertemperaturen). Auch durch unsachgemäße Anschlüsse, fehlende Sicherungseinrichtungen oder unzulässige Querverbindungen.

Mit der vollständig überarbeiteten DIN EN 1717, deren Inhalte wir in dieser Ausgabe umfassend vorstellen, rückt dieses Thema erneut in den Fokus. Die europäische Norm definiert die Anforderungen zum Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen durch Rückfließen, Rückdrücken oder Rücksaugen aus angeschlossenen Anlagen und Geräten. Nach 15 Jahren wurde das Regelwerk grundlegend aktualisiert und präzisiert.

Die neue DIN EN 1717 macht deutlich, dass Trinkwasserinstallationen nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Heizungsanlagen, Regenwassernutzungen, Kühlkreisläufe oder Bewässerungssysteme stellen potenzielle Risiken dar, sobald sie – in welcher Form auch immer – mit der Trinkwasserinstallation in Verbindung stehen. Bereits kleine Nachlässigkeiten können hygienisch relevante Folgen haben. Ein klassisches Beispiel sind die in der Praxis immer noch häufig anzutreffenden typischen Schlauchverbindungen zwischen Heizung und Trinkwasser, wenn die Installation nur mit einem Rückflussverhinderer abgesichert wird. Oder der Schlauch an der Außenzapfstelle, der vom Kunden unbedarft in die Regenwasserzysterne gesteckt wird, um bei Trockenheit mal eben den Speicher aufzufüllen.

Die Norm beschreibt deshalb detailliert, wie Flüssigkeiten in fünf Kategorien eingeteilt werden und welche Sicherungseinrichtungen jeweils erforderlich sind. Je höher das Risiko einer Gesundheitsgefährdung, desto höher die Anforderungen an die Absicherung.

Für das SHK-Fachhandwerk bedeutet die neue Norm nicht nur mehr Verantwortung, sondern auch eine wichtige Beratungsaufgabe. Betreiber wissen häufig nicht, welche Risiken in ihren Anlagen bestehen. Hygieneprobleme entstehen meist schleichend und bleiben lange unbemerkt. Es geht dabei längst nicht nur um den Schutz nach DIN EN 1717. Hygienische Beeinträchtigungen haben viele Ursachen: Trinkwasserfilter, die über Jahre nicht rückgespült werden (Verkeimung), nicht genutzte Sanitärgegenstände (Stagnation), verbaute und für Trinkwasser ungeeignete Materialien, Armaturen und Bauteile (Migration von Schwermetallen). Umso wichtiger ist es, den Trinkwasserschutz und in diesem Kontext die Notwendigkeit einer regelmäßigen Instandhaltung von Trinkwasseranlagen beim Kunden vor Ort proaktiv anzusprechen – sachlich, verständlich und praxisnah.

Markus Sironi
Chefredakteur und Handwerksmeister
m.sironi@strobelmediagroup.de

 


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