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Ohne Betriebswassersystem eine verpasste Chance

Bild: Dehoust, Leimen

 

Wasserknappheit ist längst Teil unseres Alltags: Wir erleben längere Trockenperioden und sinkende Grundwasserspiegel. In manchen Regionen herrschen zeitweise Bewässerungsverbote. Vor diesem Hintergrund wirkt es paradox, dass für Toilettenspülungen, Waschmaschinen und Bewässerung wertvolles Trinkwasser zum Einsatz kommt.

Grauwasser – also leicht verschmutztes Wasser aus Duschen, Handwaschbecken oder Waschmaschinen – macht in vielen Gebäuden 50 bis 80 % des Abwassers aus. Mit modernen, mechanisch-biologischen Verfahren und Membranfiltration lässt sich dieses Wasser zu hochwertigem Betriebswasser aufbereiten. So lässt sich der Trinkwasserbedarf eines Gebäudes signifikant reduzieren. Hinzu kommt: In Grauwasser steckt wertvolle Wärmeenergie. Wenn diese über Wärmerückgewinnung in das Heizsystem eines Gebäudes zurückgeführt wird, sinkt dessen Energiebedarf ebenfalls. Damit sparen wir nicht nur Wasser, sondern auch Heizenergie und damit CO2. Grauwasseraufbereitung mit Wärmerückgewinnung ist damit weit mehr als ein Nischenthema – sie gehört in den Werkzeugkasten moderner Klimaschutz- und Ressourcenschutzpolitik. Die Technik ist ausgereift, erprobt und wirtschaftlich attraktiv – vor allem in Hotels, größeren Wohngebäuden, Wohnheimen oder Sport- und Freizeitbauten.

Was fehlt, sind klare politische Leitplanken. In US-Metropolen wie San Francisco ist es bei Neubauten ab einer bestimmten Größe verpflichtend, Systeme zur Wasserwiederverwendung – etwa für Grauwasser und Regenwasser – vorzusehen. Spanien, das seit Jahren mit Wasserknappheit kämpft, hat die Wiederverwendung von Wasser – einschließlich Grauwasser – klar im Gesetz verankert und nutzt sie aktiv in der Stadtplanung. In Metropolen wie Barcelona gehören Zweitwassernetze für Toiletten und Bewässerung bei vielen Neubauten inzwischen zum Standard.

Deutschland diskutiert noch, andere Länder machen schon. Grauwasseranlagen müssen jedoch auch hier zum selbstverständlichen Baustein in Förderprogrammen von Bund und Ländern werden – gleichrangig mit Photovoltaik, Wärmepumpen oder Dämmmaßnahmen. Wer durch Grauwasserrecycling nachweislich Trinkwasser, Energie und Emissionen einspart, sollte dafür verlässlich unterstützt werden. Ebenso wichtig ist, dass wir unsere Regelwerke an den Stand der Technik anpassen. Wenn aufbereitetes Grauwasser eine nachgewiesene Wasserqualität erreicht, müssen wir offen darüber sprechen, in welchen Anwendungen wir es zusätzlich nutzen können. In Neubauten mit hohem Dusch- und Waschaufkommen sollte die Prüfung einer Grauwasseranlage zum Standard werden; bei Quartiersentwicklungen gehört Betriebswassermanagement von Anfang an in die Planung. Jeder Neubau ohne Betriebswassersystem ist heute eine verpasste Chance, künftige Generationen zu entlasten.

Andreas Bichler CEO der Dehoust GmbH

 


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