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TÜV-Verband veröffentlicht Baurechtsreport 2026

Mängel bei Lüftungsanlagen nehmen deutlich zu. Mehr Fokus auf resiliente Gebäudetechnik gefordert

Der TÜV-Verband veröffentlicht den Baurechtsreport 2026. Die technische Gebäudesicherheit verschlechtert sich über nahezu alle Anlagentypen hinweg. Bei einzelnen Sicherheitssystemen liegt der Anteil wesentlicher Mängel inzwischen bei über 40 %. Bild: TÜV-Verband

Bei fast jeder zweiten geprüften Lüftungsanlage konnten die Sachverständigen wesentliche Mängel feststellen. Bild: TÜV-Verband

 

Die sicherheits- und brandschutzrelevante Gebäudetechnik in Deutschland weist zunehmend gravierende Mängel auf. Laut dem aktuellen „TÜV Baurechtsreport 2026“ hatten im vergangenen Jahr gut jede dritte der wiederkehrend geprüften Anlagen „wesentliche Mängel“. Weitere 37 % der Anlagen wiesen geringfügige Mängel auf. Der TÜV-Verband fordert, Gebäudesicherheit ganzheitlicher denken und gibt Handlungsempfehlungen. Der ZVEI betont, wie wichtig die regelmäßige Wartung sicherheitstechnischer Anlagen durch das Fachhandwerk sei.

„Die Ergebnisse des aktuellen Baurechtsreports zeigen eine systemische Verschlechterung der technischen Gebäudesicherheit und des Brandschutzes“, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. „Gerade in Sonderbauten wie Krankenhäusern, Schulen, Hochhäusern oder Veranstaltungsstätten müssen sicherheitsrelevante Anlagen im Ernstfall zuverlässig funktionieren. Wenn Mängelquoten in nahezu allen Anlagentypen steigen, ist das ein ernstzunehmendes Warnsignal.“

Mängel bei Lüftungsanlagen

Besonders kritisch ist die Entwicklung bei Lüftungsanlagen. Bei fast jeder zweiten geprüften Anlage (44 %) konnten die Sachverständigen wesentliche Mängel feststellen. Rund jede vierte Anlage wies zudem geringfügige Mängel auf. Mängelfrei blieben nur 30 %. „Damit erreichen Lüftungsanlagen im Jahr 2025 den höchsten Anteil erheblicher Mängel unter allen geprüften Anlagentypen“, heißt es im Baurechtsreport.

Im Vorjahr lag die Quote wesentlicher Mängel noch bei 35 %. „Die hohen Mängelquoten zeigen, dass Defizite bei der Wartung, Instandhaltung und Abstimmung sicherheitsrelevanter Anlagen erhebliche Auswirkungen haben können“, sagt Bühler. „Gerade zentrale Brandschutzsysteme müssen im Ernstfall zuverlässig funktionieren. Fallen Lüftungs- oder Feuerlöschanlagen aus, kann sich ein Brand schneller ausbreiten und Flucht- und Rettungswege beeinträchtigen.“

Auffällig negativ hätten sich auch Feuerlöschanlagen entwickelt: Bei vier von zehn geprüften Anlagen mussten die Sachverständigen wesentliche Mängel feststellen. Damit stieg die Quote innerhalb eines Jahres um mehr als 10 %-Punkte. Lediglich 29 % blieben ohne Beanstandung. Feuerlöschanlagen gehören zu den zentralen Sicherheitssystemen eines Gebäudes und sollen Brände bereits in der Entstehungsphase eindämmen oder löschen.

Stellungnahme ZVEI

Dirk Dingfelder, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Sicherheit, hat zum Baurechtsreport eine Stellungnahme abgegeben. Er sieht einen dringenden Nachholbedarf bei der Instandhaltung von Sicherheitstechnik: „Die beste Technik verliert an Zuverlässigkeit, wenn sie 35nicht gepflegt wird. Im Markt begegnen uns immer wieder Anlagen, die nur nachlässig oder gar nicht gewartet werden.“

Die vertiefende Analyse zum Beispiel für Brandmeldeanlagen sowie Rauch- und Wärmeabzugsanlagen zeige, dass die eingesetzte Technik selten die Fehlerquelle sei. Die öffentliche Wahrnehmung sei jedoch eine andere, denn der Betreiber der Anlage werde im Report nicht sichtbar – das Typenschild des Herstellers hingegen schon. „Es gilt, die Betreiber deutlich stärker in die Pflicht zu nehmen“, so der Fachverbandsvorsitzende im Verband der Elektro- und Digitalindustrie weiter.

Zuverlässigkeit zentraler Sicherheitssysteme sinkt

Aus Sicht des TÜV-Verbands werde die Resilienz von Gebäuden angesichts hy brider Bedrohungen immer wichtiger. „Sicherheitsrelevante Anlagen müssen auch unter außergewöhnlichen Bedingungen zuverlässig funktionieren“, so Bühler. Wie anfällig zentrale Sicherheitssysteme schon heute seien, zeige auch die hohe Mängelquoten bei Anlagen für die Bereitstellung von Sicherheitsstrom und Sicherheitsbeleuchtung.

So stieg der Anteil wesentlicher Mängel bei Sicherheitsstromversorgungsanlagen innerhalb eines Jahres von 30 auf 35,2 %. Gleichzeitig war nur noch knapp jede fünfte Anlage mängelfrei. „Wie wichtig eine verlässliche Notstromversorgung für Kliniken, Pflegeheime, Schulen, Notunterkünfte oder Einkaufszentren ist, hat der Stromausfall in Berlin gezeigt“, sagt Bühler. „Hier sind die Betreiber gefordert, in die Wartung und Pflege der Anlagen zu investieren.“

Gebäudesicherheit ganzheitlich denken

Die steigenden Mängelquoten haben aus Sicht des TÜV-Verbands mehrere Ursachen. Moderne Gebäude werden technisch immer komplexer, gleichzeitig geraten Wartung und Instandhaltung vielerorts unter Kostendruck. Hinzu kommt, dass der Betrieb sicherheitstechnischer Anlagen zunehmend spezialisiertes Fachwissen erfordert. Fehler an Schnittstellen zwischen verschiedenen technischen Systemen, unzureichende Wartung oder fehlende personelle Ressourcen können dazu führen, dass Mängel entstehen oder über längere Zeit bestehen bleiben. Daher leitet der TÜV-Verband aus den Ergebnissen des diesjährigen Baurechtsreports drei zen trale Handlungsempfehlungen ab:

 

  1. Prüfung und Wartung verbindlich stärken: Sicherheitsrelevante Anlagen müssen bundesweit nach einheitlichen Standards geprüft, gewartet und dokumentiert werden.
  2. Mängel konsequent beseitigen: Festgestellte erhebliche Mängel dürfen nicht folgenlos bleiben. Betreiber müssen sicherstellen, dass sie zeitnah behoben und anschließend unabhängig nachgeprüft werden.
  3. Gebäude besser auf Krisen vorbereiten: Betreiber müssen die Resilienz ihrer Gebäude stärker in den Blick nehmen. Dazu gehören funktionierende Notstromsysteme, klare Zuständigkeiten für den Ernstfall und regelmäßig überprüfte Notfall- und Betriebskonzepte.

 

Den Baurechtsreport gibt es zum kostenfreien Download als PDF: https://kurzlinks.de/tuev-baurechtsreport

 


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