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„Wir hören auf den Markt“

Nach der Fusion mit ezee Energie im vorletzten Jahr strebt Ritter Energie den Wandel hin zum Systemintegrator mit Herstellerkompetenz und starker Handels- und Beratungstiefe an. Ein Interview

Ritter Energie in Dettenhausen (Ritter)

Wärme- und Stromversorgung wachsen gewerkeübergreifend immer mehr zusammen. Silvia Blumenschein, Vertriebsleiterin Ritter Energie. (Ritter Energie)

Wir werden in fünf Jahren der Systempartner für erneuer bare Gebäudetechnik im deutsch sprachigen Raum sein. Wendelin Heinzelmann, Referent Interessensvertretung Ritter Energie. (Ritter Energie)

 

Die Transformation des Heizungsmarktes ist in vollem Gange. Handel und Handwerk stehen vor vielfältigen Herausforderungen – doch auch die Hersteller sind gefordert, sich neu auszurichten. Wir haben mit Silvia Blumenschein, Vertriebsleiterin bei Ritter Energie, und Wendelin Heinzelmann, Referent für Interessenvertretung, darüber gesprochen, wie das Unternehmen die Weichen für die Zukunftstellt.

IKZ: Vor ungefähr eineinhalb Jahren hat Ritter Energie mit der Fusion mit ezee Energie einen sichtbaren Wandel in der Ausrichtung des Unternehmens vollzogen. Was waren die Gründe dafür und wie würden Sie die Neuausrichtung beschreiben?

Silvia Blumenschein: Die Gründe für unsere Neuausrichtung lagen und liegen in der Marktentwicklung und den Anforderungen an eine ökologische Wärmewende. Beide Dinge sind eng miteinander verbunden und erzeugen einen Bedarf an ganzheitlichen regenerativen Energielösungen für Gebäude. Wärme- und Stromversorgung wachsen gewerkeübergreifend immer mehr zusammen. Von daher ist es nur logisch, dass wir als Hersteller diesen Trend nutzen und unser Produkt- und Leistungsspektrum ausbauen. Die Fusion mit ezee Energy hat komplementäre Kompetenzen gebündelt. Wir bringen jahrzehntelange Erfahrung in Heiztechnik und Solarthermie mit, ezee Energy Fachhandelskompetenz sowie Know-how bei PV- und Stromlösungen.

IKZ: Welche positiven Entwicklungen hat die Neuausrichtung gebracht und welche Herausforderungen waren und sind damit verbunden?

Wendelin Heinzelmann: Die Neuausrichtung hat uns eine stärkere Marktpräsenz und größere Schlagkraftgebracht. Durch die Fusion ist ein Unternehmen mit größerer Reichweite und Bedeutung im deutschsprachigen Markt sowohl für das Fachhandwerk als auch für große Projekte entstanden. Die Bündelung von Know-how und Ressourcen schafft Skaleneffekte und ermöglicht eine breitere Produktauswahl. Für unsere Partner bedeutet das, er bekommt bei uns aus einer Hand, was für eine neue Heizung oder PV-Anlage braucht. Wir haben unser Sortiment strukturiert. Paradigma steht als Eigenmarke mit hochwertiger Systemtechnik und eigener Regelung. Alternative Handelsprodukte ergänzen das Portfolio sinnvoll. Hier ist auch der PV-Bereich angesiedelt.

IKZ: Mit der breiteren Aufstellung als Vollsortimenter ist zwangsläufig etwas von Ihrer klaren Positionierung im Markt verloren gegangen. Wie wirken Sie diesem Effekt entgegen?

Silvia Blumenschein: Bezogen auf unsere Herkunft und Firmengeschichte ist diese Wahrnehmung im Markt vielleicht nicht ganz zu vermeiden. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass wir nach wie vor mit der gleichen Qualität und Begeisterung in unseren angestammten Bereichen wie Solarthermie und Pellets heizungen unterwegs sind. Insgesamt erhalten wir unsere grundlegende Identität, erhöhen aber unsere Angebotsbreite und -tiefe. Paradigma bleibt weiterhin eine eigenständige Systemmarke, die um ein breites Fachhandelssortiment ergänzt wird. Unser Fokus liegt auf der Systemkompetenz. Wir haben nicht alles, aber wir integrieren alles zu funktionierenden Systemen. Das Fachhandwerk ist und bleibt unser wichtigster Partner, den wir mit starken Serviceangeboten, wie technische Beratung, Projektunterstützung, Schulungen, Planungssupport unterstützen.

IKZ: Hat die Solarthermie heute noch Ihre Berechtigung und welche Rolle spielt sie in Ihren Überlegungen für die Zukunft?

Wendelin Heinzelmann: Solarthermie spielt weiterhin eine große Rolle bei uns. Sie kann mit jedem Wärmeerzeuger gekoppelt werden. Unser rein wassergeführtes „AquaSolar“-System ist eine ideale Ergänzung zu einem Pelletkessel oder einer Wärmepumpe als Hauptwärmequelle im Gebäude. Vor allem in den Übergangszeiten reduziert sie die Anzahl der Starts und die Laufzeit. Für alle fossilen Heizkessel im Bestand, die jünger als 15 Jahre sind, ist die Solarthermie die beste förderfähige Option zur ökologischen Nachrüstung. Hiermit kann sofort fossile Energie in einer Größenordnung von rund 30 % gespart werden. Diese Nachrüstung kann dann der Einstieg in die vollständige ökologische Umstellung einer Gebäudeheizung sein, die sukzessive geschieht, den Eigentümer nicht überfordert und dem Handwerk langfristige Umsatzpotenziale bietet.

IKZ: Was wird Ritter Energie in Zukunftsein: Entwickler, Hersteller, Fachhändler, Fachplaner, Systemintegrator, Generalunternehmer?

Silvia Blumenschein: Ritter Energie wird Systemintegrator mit Herstellerkompetenz und starker Handels- und Beratungstiefe sein, aber kein Generalunternehmer, womit wir unser Geschäftsmodell stark verändern und hohe strukturelle Risiken erzeugen würden. Wir bleiben Partner des Handwerks. Ritter Energie wird weiterhin entwickeln, jedoch nicht isolierte Einzelprodukte, sondern Systemarchitekturen und Integrationslösungen, zum Beispiel aus Photovoltaik, Wärmepumpe, Speicher und Regelung. Die Entwicklung verlagert sich vom Komponentenfokus zur Systemintelligenz. Hersteller bleiben wir gezielt und strategisch mit unserer Marke Paradigma, allerdings nur noch dann, wenn eine Profilierung durch eigene Technologiekompetenz möglich ist. Durch unser breites Portfolio agieren wir auch als Fachhändler, allerdings nicht rein transaktional, sondern mit Beratung und Service. Unsere Planungskompetenz wird ausgebaut mit Systemauslegung, Hydraulikkonzepten, PV-Integration, Förderberatung. Dabei ersetzen wir nicht das Planungsbüro – wir unterstützen das Fachhandwerk. Unsere zentrale Zukunftsrolle und Kernposition ist die Integration erneuerbarer Energiesysteme im Gebäude. Hier sehen wir einen großen Mehrwert und strategische Differenzierung.

IKZ: Welche Rolle spielt das Elektrohandwerk in Ihren Überlegungen?

Wendelin Heinzelmann: Das Elektrohandwerk wird in Zukunftnoch mehr im Bereich Heizung machen – sei es eigenständig oder in Kooperation mit einem SHK-Fachbetrieb. Mit Wärmepumpen und Photovoltaik haben diese Fachbetriebe eine vielversprechende Chance, einen neuen Geschäftszeig zu erschließen. Der Trend zur Sektorenkopplung spricht dafür und der Markt ist groß genug.

IKZ: Ritter Energie in fünf Jahren. Wie wird das Unternehmen sich im Vergleich zu heute weiterentwickelt haben?

Silvia Blumenschein: Ritter Energie wird in fünf Jahren ein Anbieter integrierter Energieplattformen sein, mit standardisierten und vorkonfigurierten Energiesystemen, digitalen Auslegungstools, Monitoring- und Optimierungsservices, Schnittstellen zu Netz, Speicher, E-Mobilität. Eine Differenzierung wird zunehmend über Software, Regelung, Systemintelligenz und weniger über Hardware erfolgen. Wir werden unser Portfolio weiter elektrifizie ren und regenerative Systeme pri orisieren. Unsere Rolle als strategischer Partner des Handwerks wird weiter ausgebaut. In Zukunftbieten wir mehr Planungsunterstützung, stellen modulare Konzepte bereit und erweitern unser zielgerichtetes Schulungsangebot.

Wendelin Heinzelmann: In Bezug auf unsere wirtschaftliche Entwicklung erwarten wir eine stärkere Marktposition im Bereich integrierter Energielösungen, höhere Wertschöpfungstiefe im Systemgeschäft, stabilere Umsätze durch Service- und Wartungsmodelle und stärkere Unabhängigkeit von Einzelproduktzyklen. Wir machen uns unabhängiger von der Konjunktur, weil wir Service, Digitalisierung und Systemlösungen ausbauen. Wir hören auf den Markt. Deshalb werden wir in fünf Jahren der Systempartner für erneuerbare Gebäudetechnik im deutschsprachigen Raum sein. Möglicherweise sind wir dann nicht der größte Volumenanbieter und auch nicht der billigste Lieferant, aber wir werden zu einem technologisch und konzeptionell führenden Integrator: stärkere Digitalisierung, Systemorientierung, elektrifiziert, servicegetrieben.

https://ritter-energie.de/

 


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