Mit Forschungsprojekt steigender Nachfrage beim Pflegebad begegnen
Im Projekt „Construct-X“ entwickelt der ZVSHK als Konsortialpartner am Beispiel Pflegebad digitale Prozesse. Ersten Meilenstein auf den Frühjahrsmessen präsentiert
Beim Projekt „Construct-X“ sind bereits jetzt Sozialdienste, Pflegeund Wohnberatungen, Sanitätshäuser und Pflegekassen sowie Betroffene, Angehörige, Pflegekräfte und SHK-Betriebe aktiv mit einbezogen. (ZVSHK)
Wie lässt sich das Geschäftsfeld pflegegerechtes Bad für das SHK-Handwerk noch besser erschließen? Das ist eine Fragestellung, mit der sich der ZVSHK aktuell im Forschungsprojekt „Construct-X“ beschäftigt, welches auf die Digitalisierung der gesamten Baubranche abzielt. Am Beispiel Pflegebad werden digitale Prozesse entwickelt, die Krankenhaus, Pflege-/Wohnberatungen, Sanitätshäuser, Pflegekassen und Handwerk besser miteinander vernetzen; – für eine schnelle und sichere Rückkehr in die eigenen vier Wände. Auf den Frühjahrsmessen präsentierte der ZVSHK als Konsortialpartner des Projektes Zwischenergebnisse.
Eine ältere Person erleidet bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch. Was folgt, sind ein Klinikaufenthalt, der dauert rund 14 Tage und eine Rehabilitationsmaßnahme, die mindestens drei Wochen Zeit in Anspruch nimmt. Eine Rückkehr in die eigenen vier Wände ist in manchen Fällen nur dann möglich, wenn die Wohnung und insbesondere das Bad pflegegerecht umgebaut werden.
„Nach einem Oberschenkelhalsbruch vergeht oft zu viel Zeit zwischen Entlassung, Begutachtung, Genehmigung und Umbau“, erklärt Christian Stinner im Gespräch mit der IKZ. Er ist Referent IT-Projekte beim ZVSHK und betreut das Forschungsprojekt. Er sagt: „Die fehlende Abstimmung zwischen Sozialdiensten, Pflegekassen, Pflegeund Wohnberatungen, Sanitätshäusern und Handwerk verzögert häufig die Maßnahmen und gefährdet so die Rückkehr der betroffenen Personen nach Hause.“
KI-gestützt und vernetzt zum Kostenvoranschlag für Pflegekasse
Genau an diesem Punkt setzt der ZVSHK im Projekt „Construct-X“ an: Je früher das SHK-Fachhandwerk vor Ort von dem bevorstehenden Projekt erfährt, umso zügiger kann das Pflegebad geplant und ein Kostenvoranschlag für die Pflegekasse abgegeben werden. Wenn es nach den Willen der Entwickler geht, ist in dieser Phase unter anderem auch eine KI-Anwendung im Einsatz, die den Fachbetrieb proaktiv unterstützt und den Bedarf für die Badanpassung digital ermittelt. Auch Grundrisse, Fotos und Anforderungen können über diesen Datenraum an SHK-Betriebe übermittelt werden, wie Burckhardt Bonello, Gründer der Meistersystems GmbH bei seinem Vortrag auf der SHK+E in Essen erläutert. Sein Unternehmen ist ebenfalls am Use Case Pflegebad innerhalb des Konsortiums beteiligt und präsentiert gemeinsam mit dem ZVSHK auf der Messe einen ersten Prototyp der Plattform, zur KI-optimierten Angebotserstellung über den Datenraum. Wenn der Handwerker alle notwendigen Informationen über den Datenraum abruft bzw. abfragt, kann er, ebenfalls KI-unterstützt, einen digitalen Kostenvoranschlag für die Pflegekasse erstellen und übermitteln.
Hohe Nachfrage nach Pflegebad
„Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt in den kommenden Jahren stark an“, erläutert Matthias Thiel, er ist ebenfalls als Referent beim ZVSHK für das Thema Pflegebad zuständig. „In 20 Jahren wird es rund acht Mio. Pflegebedürftige geben. Damit wächst die Bedeutung der ambulanten Pflege – sie ist für viele Betroffene die bevorzugte und kosteneffizienteste Form der Versorgung.“ Das Pflegebad spielt dabei die entscheidende Rolle: Es entscheide über Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensqualität. „Das SHK-Handwerk modernisiert jährlich rund 800 000 Bäder, viele davon altersgerecht oder barrierearm. Im Rahmen des Projekts Construct-X entwickelt der ZVSHK praxisnahe digitale Lösungen, um Handwerk, Pflege und Kostenträger zu vernetzen.“
Die Ziele dabei sind klar: Für den ZVSHK geht es in diesem Projekt um die sichere Bereitstellung von Informationen über einen Datenraum, damit beispielsweise Kostenvoranschläge und Förderanträge durch digitale Abläufe vereinfacht und beschleunigt werden. So sollen effizientere Prozesse für Handwerksbetriebe entstehen. „Damit stärkt der Verband die Digitalisierung im Pflegebereich und verbessert die Versorgungsqualität im häuslichen Umfeld.“ Neu ist: Der ZVSHK bezieht bereits jetzt Sozialdienste, Pflegeund Wohnberatungen, Sanitätshäuser und Pflegekassen sowie Betroffene, Angehörige, Pflegekräfte und SHK-Betriebe aktiv ein und ermöglicht so eine praxisnahe Entwicklung aus realen Erfahrungen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Bei den Frühjahrsmessen in Essen und Nürnberg konnten die Verantwortlichen neben dem Prototyp der Plattform weitere zentrale Erkenntnisse präsentieren: Der Wunsch nach schneller, transparenter Kommunikation im Sinne der Betroffenen ist entscheidend. Es besteht ein großer Bedarf an einheitlichen digitalen Standards und einem gemeinsamen Datenraum. Nur so lässt sich die Effizienz der Abläufe erhöhen. Auf diesen Erkenntnissen basieren die digitalen Tools, mit denen Pflegebäder virtuell geplant, Kostenvoranschläge und Angebote erstellt und genehmigt sowie Projekte umgesetzt werden können. „ConstructX zeigt am Beispiel Pflegebad, wie Digitalisierung technische, pflegerische und handwerkliche Prozesse verknüpft“, erklärt Matthias Thiel. „Durch vernetzte Akteure entsteht ein effizientes, patientenorientiertes System.“
Bestehende digitale Lösungen für das Pflegebad
Das Projekt läuft noch bis Ende Februar 2028 und wird durch das BMWE gefördert. Es zählt zu den größten Forschungsprojekten der Baubranche. Doch bereits heute gibt es digitale Lösungen, die das SHK-Fachhandwerk bei der Arbeit unterstützen. Der ZVSHK verweist hier auf den Online-Katalog shk-barrierefrei.de. Dort findet der Handwerker umfassende und aktuell gehaltene Produktinformationen zum Geschäftsfeld „Barrierefreies Bad und WC“. Im Mitgliederbereich lassen sich nach den Wünschen der Kunden barrierefreie Produkte durch eine umfangreiche Suchfunktion ermitteln und daraus individuelle Produktübersichten erstellen. Neben den Artikelbeschreibungen sind Einbauanleitungen, technische Zeichnungen, Werkspreise, Montagezeiten und vieles mehr abrufbar. „Dies verschafft den Mitgliedsbetrieben der SHK-Organisation einen wichtigen Wettbewerbsvorsprung“, betont Matthias Thiel.
Vernetzung mit Pflegeberatung vor Ort
Die Zeit bis zum Abschluss des Forschungsprojekts können SHK-Fachhandwerksbetriebe auch nutzen, um sich zum Beispiel vor Ort mit Pflegeberatungen zu vernetzen. Das empfiehlt Heike Dickmanns, sie ist selbständige Pflegeberaterin. „Uns selbständige Pflegeberaterinnen kann man ganz einfach über eine Internetsuche finden“, sagt sie während ihres Vortrags auf der SHK+E in Essen. Eine Recherchemöglichkeit bieten auch die Seiten des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) (Kurzlink: https://kurzlinks.de/ikz-pflegebad-1). Manchmal sind es auch die Kommunen vor Ort, die die Pflegeberatung durchführen. Auch hier sei eine Vernetzung eine mögliche Option, die geprüft werden sollte.
Heike Dickmanns hat zum Abschluss ihres Vortrags noch einen konkreten Wunsch an die Sanitärhersteller und auch an das Fachhandwerk: „Eine horizontal teilbare Duschabtrennung würde unseren beruflichen Alltag in der Pflege erleichtern.“ Durch diesen Spritzwasserschutz würde die Pflegekraft beim Duschen der Patienten nicht mehr selbst nass.
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Badkomfort für alle
Was das Pflegebad heute und in Zukunft auszeichnet, ist ein ansprechendes Design und ein hoher Komfort für alle Nutzer und das generationenübergreifend. In den vergangenen zehn Jahren hat die Branche bereits zahlreiche Projekte realisiert, um der steigenden Nachfrage nach barrierefreien, altersgerechten Bädern zu begegnen. Das Forschungsprojekt „ConstructX“ ist ein weiterer Baustein auf diesem Weg, wenn es darum geht, angesichts der knappen Ressource an Fachkräften im Handwerk einer steigenden Nachfrage mit digitalen Werkzeugen zu begegnen. „Wir stehen nun an der Schwelle, wo es um die Entstigmatisierung des Pflegebades geht“, bringt Matthias Thiel in seinem Vortrag den nächsten notwendigen Schritt auf den Punkt.
Zur Projektübersicht Pflegebad beim ZVSHK: https://kurzlinks.de/ikz-pflegebad-2