Midijob statt Minijob - diese Vorteile haben Unternehmen
Minijobs bieten dem Arbeitgeber Flexibilität, können aber zur Kostenfalle werden. Rechtsexpertin Viola Bischoff von der Handwerkskammer Konstanz erklärt, warum es sich lohnt nachzurechnen und wann der Midijob die bessere Wahl ist.
Für viele Handwerksbetriebe klingt es attraktiv, Mitarbeiter über einen Minijob zu beschäftigen. Seit Jahresbeginn liegt die Grenze dafür bei 603 Euro im Monat. Doch Viola Bischoff, Rechtsexpertin bei der Handwerkskammer Konstanz, rät genau nachzurechnen, denn Minijobs sind nicht unbedingt die günstigste Lösung.
Wie auch andere Beschäftigte haben Minijobber Anspruch auf bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und den gesetzlichen Mindestlohn – in vielen Gewerken sogar auf höhere Branchenmindestlöhne. „Dadurch reduziert sich die Arbeitszeit schnell auf etwa zehn Stunden pro Woche“, sagt Bischoff. Steigende Mindestlöhne würden direkt zu weniger verfügbarer Arbeitsleistung führen. Zusätzlich werden für Minijobber hohe pauschale Sozialabgaben und Umlagen fällig, die Arbeitgeber tragen müssen. Das sind höchstens 31,17% des Verdienstes. „Minijobber sind auch nicht eigenständig krankenversichert. Bei längeren Ausfällen kann das ein organisatorisches und wirtschaftliches Risiko sein“, macht Viola Bischoff deutlich. „Ein weiterer Nachteil: Minijobber haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.“
Verdienstgrenzen bei Midijob regelmäßig prüfen
Für viele Handwerksunternehmen lohne sich ein Blick auf den Midijob, empfiehlt Bischoff. Dieser gilt für Beschäftigungen mit einem monatlichen Brutto-Verdienst zwischen 603,01 und 2000 Euro. Damit liegt er zwischen Minijob und regulärer Anstellung und ist sozialversicherungspflichtig. Die Sozialversicherungsbeiträge fallen gleitend von 28 auf etwa 20 % bei der oberen Verdienstgrenze. Außerdem haben Midijobber Anspruch auf Kurzarbeitergeld – ein Vorteil in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Viola Bischoff weist darauf hin, dass Betriebe die Verdienstgrenzen bei Midijobbern regelmäßig prüfen sollten: „Ein Überschreiten der Obergrenze führt zu einer voll sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Dann können die Abgaben wieder steigen.“
„Oft wirtschaftlich sinnvoller als Minijob“
Minijobs bieten also Flexibilität, können jedoch zur Kostenfalle werden. „Gerade im Handwerk ist der Midijob häufig die wirtschaftlich sinnvollere Alternative, wenn Arbeitszeiten, Mindestlöhne, Sozialversicherungsbeiträge und betriebliche Risiken realistisch kalkuliert werden“, sagt die Rechtsexpertin.
Besonders wichtig: Bei Anpassung der wöchentlichen Arbeitszeit oder beim Einsatz mehrerer Minijobber sollten Arbeitgeber die Stundensätze genau berechnen. Flyer oder Tools zur Berechnung der Handwerkerstunde helfen, die Kosten transparent zu halten. „Minijobs sind praktisch, dürfen aber nicht zur Kostenfalle werden“, so Viola Bischoff.
Midijob-Rechner: www.minijob-zentrale.de/DE/die-minijobs/midijob