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„Fester Termin im Kalender des Fachhandwerks“

NRW-Landesinnungsmeister Ulrich Grommes im Interview mit der IKZ

Mit einem deutlichen Appell wenden sich NRW-Landesinnungsmeister Ulrich Grommes an die SHK-Fachbetriebe: „Kommt nach Essen – als Chef, als Planer, als Monteur und mit dem Nachwuchs. Es lohnt sich für jeden Betrieb, der 2026 nicht nur reagieren, sondern gestalten will.“ (Fachverband SHK NRW)

Impressionen der SHK+E Essen 2024. Volle Hallen erwarten die Veranstalter auch vom 17.-20. März dieses Jahres, wenn die Messe ihre Tore öffnet. (Schuchrat Kurbanov/MESSE ESSEN GmbH)

 

Die SHK+E Essen 2026 steht vor der Tür – und sie kommt in einer Phase, in der das SHK-Handwerk zwischen politischer Unsicherheit, technologischer Transformation und neuen Marktchancen seinen Kurs neu bestimmen muss. Sektorenkopplung, Wärmewende, Sanitärtechnik und Fachkräftesicherung sind längst keine Zukunftsthemen mehr, sondern konkrete unternehmerische Entscheidungen. Im Interview ordnet Ulrich Grommes, Landesinnungsmeister und Unternehmer aus Hamm, die aktuelle Lage ein, spricht Klartext zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und zeigt auf, welche Impulse die SHK+E Essen dem Handwerk in NRW jetzt geben kann – praxisnah, kritisch und mit Blick nach vorn.

IKZ: Seit mehr als 50 Jahren gibt es die SHK-Essen. Seit zwei Jahren trägt sie den Zusatz +E, der für den Ausstellungsbereich Elektro steht. In wenigen Wochen öffnet das „Schaufenster der Branche“, wie die Messe sich selber gern bezeichnet, ihre Tore. Welche Bedeutung hat die SHK+E 2026 für das SHK-Handwerk in NRW – speziell nach den bewegten vergangenen Jahren?

Ulrich Grommes: Die SHK+E Essen war schon immer ein fester Termin im Kalender des Fachhandwerks. Sie ist eine unverzichtbare Bühne, um Neuheiten, Systeme und Schnittstellen kennenzulernen und real zu bewerten. Wir erwarten große Neugier und freuen uns auf die vier Tage im März. Es gilt, Partner zu treffen und sich upzudaten.

IKZ: Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das SHK-Handwerk im Frühjahr 2026? Rechnen Sie mit Rückenwind oder eher Unsicherheiten?

Ulrich Grommes: Derzeit bleibt die Bundesregierung weit hinter ihren Versprechungen zurück und die Absatzzahlen der Brachenindustrie sprechen Bände. Wir alle warten auf den großen, hoffentlich klärenden Wurf. Aktuell ist die Politik der wichtigste Chancenmacher. Um der Verunsicherung Einhalt zu gebieten braucht es zeitnah den Beschluss zu einem praxisgerechten Gebäudemodernisierungsgesetz, welches sowohl Bürgerinnen und Bürgern als auch den Betrieben Klarheit und Verlässlichkeit bietet. Wenn das geschafft ist, dreht hoffentlich der Wind. Wir stehen mehr denn je bereit, Umsetzer der Wärmwende zu sein.

IKZ: Der Begriff Sektorenkopplung – also die Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität - fällt zunehmend in der SHK-Branche. In Halle 3 gibt es in diesem Jahr sogar einen eigenen Ausstellungsbereich. Welche Rolle spielt die Sektorenkopplung künftig im SHK-Handwerk - und welche Chancen ergeben sich daraus für SHK-Fachbetriebe?

Ulrich Grommes: Kunden wünschen sich zunehmend gebäude- und vor allem energietechnische Lösungen „aus einer Hand“. Viele SHK-Betriebe haben das verstanden und beschäftigen sich zunehmend mit dem Marktfeld der Sektorenkopplung, das über die reine Planung und Installation einer Wärmepumpe hinausgeht. Ob Kooperation, Fortbildung oder Integration von Fachpersonal: Es dreht sich um die Kombination aus Wärmepumpe, Photovoltaik, Speicher, Energiemanagement, Wallbox und den passenden Regelstrategien. Das Angebot wird der Nachfrage folgen und die SHK+E Essen bildet das heute schon ab. So ist das Elektroangebot in direkter Anbindung zur Heizungstechnik in Halle 3 angesiedelt.

Einen Einstieg in das Thema bietet auch unser Schaustück am Verbandsstand in Halle 2. Auf rund 40 m2 erklären unsere Techniker gemeinsam mit der SHK-Innung Köln das Zusammenspiel und die Installation aller Komponenten und beantworten technische und planerische Fragen. Einfach vorbeischauen.

IKZ: Und aktuell? Wo stehen die Betriebe bei der Umsetzung — eher am Anfang oder bereits im praktischen Doing?

Ulrich Grommes: Das Handwerk ist mittendrin. Die Wärmepumpe als Technologie bilden wir gut ab. Nichtsdestotrotz sprechen wir von einem technologischen Wandel, den jeder Fachbetrieb, egal mit welcher Ausrichtung, Personalstärke oder unter welchen regionalen Gegebenheiten für sich vollziehen muss. Als Fachverband SHK NRW ist es unsere Aufgabe mit Schulungsangeboten, Präsentationen, Impulsen und Ausstellungen für diese unternehmerische Entscheidung in Richtung elektrisch getriebene Wärmewende zu werben und mit Marktpartnern zu sprechen. Aber der breite Markt braucht noch mehr Qualifizierung, mehr Kooperation mit unseren Partnergewerken und mehr Routine in der Systemintegration.

IKZ: Sie führen in Hamm einen eigenen Betrieb, können also aus der eigenen Praxis berichten. Welche Bedeutung hat die Sektorenkopplung für Sie und wie setzen Sie sie praktisch um?

Ulrich Grommes: Für uns ist Sektorenkopplung vor allem ein Beratungs- und Planungsthema: Wir schauen nicht mehr nur auf den Wärmeerzeuger, sondern auf das Energiesystem des Gebäudes. Praktisch heißt das, wir installieren die Wärmepumpe und kooperieren mit guten Partnern aus dem Elektrohandwerk. Unser Ziel ist immer, dass der Kunde am Ende ein System bekommt, das im Alltag zuverlässig läuft und wirtschaftlich Sinn ergibt.

IKZ: Nach zwei Jahren Heizungspolitik steht nun die Sanitärtechnik wieder stärker im Mittelpunkt. Wie bewerten Sie diese Marktdynamik und was erwarten Sie für 2026?

Ulrich Grommes: Ich halte das für eine sehr realistische Marktdynamik: Sanitär lag zuletzt bei der Auftragsreichweite vor Heizung. Für 2026 erwarte ich, dass Sanitär weiter anzieht – nicht als „Ersatzthema“, sondern als eigenständiges Zukunf tsfeld mit Hygiene-, Effizienz- und Komfortfragen. Und für uns Betriebe heißt das: Wer Sanitär stark aufstellt, stabilisiert seine Auslastung auch in unsicheren Heizungsphasen. Letztlich meine ich, dass eine verlässliche Heizungsverordnung auch langfristig positive Auswirklungen auf die Investitionen im gesamten Gebäudebereich haben wird.

IKZ: Die Sanitärbranche ist in Halle 7 prominent vertreten. Welche Trends oder Innovationen erwartet die Besucher dort und wo sehen Sie als Betriebsinhaber die Trends für 2026?

Ulrich Grommes: Es ist gelungen, ein paar große Namen zurückzugewinnen - so stehen die Sanitärhallen im Zeichen von Badobjekten, Installationen vor/hinter der Wand sowie Trink- und Abwassertechnik. Die Halle 7 bekommt 2026 mit dem SanitärHub erstmals eine zentrale Impulsfläche. Der Auftakt am ersten Messetag wird vom VDMA Armaturen gestaltet, mit kurzen Präsentationen zu Sanitär-Innovationen. Darüber hinaus veranstaltet die figawa in Halle 6 erneut den renommierten „Treffpunkt Trinkwasser“ rund um die sichere Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser.

Inhaltlich sehe ich 2026 vor allem diese Trends: smarte Badlösungen, wassersparende Technik, barrierefreie Konzepte, nachhaltige Materialien – und ganz wichtig: montagefreundliche Systeme, die Zeit bei Standardarbeiten sparen.

IKZ: In den vergangenen Jahren war es relativ ruhig geworden um die Regen- oder Grauwassernutzung. Nun scheint das Thema wieder aufzukeimen und eine Renaissance zu erfahren. Sehen Sie das auch so und falls ja: Woran liegt dieser Wandel?

Ulrich Grommes: Ja, das Thema kommt zurück – weil Klimafolgen sichtbarer werden: Starkregen, Hitzeperioden, Belastung der Kanalisation und ein stärkerer Fokus auf Ressourceneffizienz. In der Branche wird das unter dem Stichwort „Schwammstadt“ diskutiert – mit Lösungen rund um Regenwassermanagement, Speicherung, Nutzung und intelligente Steuerung. Für Betriebe, die im Projektgeschäft unterwegs sind, entstehen daraus perspektivisch neue Aufgabenfelder: von Filter/Pumpentechnik über Regelung bis zur Einbindung in Gebäudekonzepte für Fassaden- und Dachbegrünung. Ebenfalls ein Thema, dass im Sanitär-Hub in Halle 7 behandelt werden wird.

IKZ: Die SHK+E setzt erfolgreich auf Nachwuchsformate wie die Azubi-Lounge, das Content-Lab, die Start-Up-Area oder den Campus SHK-Bildung. Die Azubi-Lounge rückt in diesem Jahr „Frauen im Handwerk“ in den Fokus. Warum ist das so wichtig, und was muss sich im SHK-Handwerk verändern?

Ulrich Grommes: Wir setzen bewusst auf Nachwuchsformate wie die „Azubi-Lounge“, weil wir Fachkräfte nicht „finden“, sondern gewinnen müssen. In der AZUBILounge (Stand 2B02) machen wir den Beruf für Schüler und Azubis aus ganz NRW erlebbar – mit Rallye, Praxisstationen und einer FutureArea, die zeigt, wie moderne Technik den Arbeitsalltag unterstützt. Ergänzend kommt das Thema „Frauen im Handwerk“ nicht als Symbolpolitik, sondern als echte Antwort auf den Fachkräftebedarf: Wir brauchen dieses Potenzial – und wir müssen Berührungsängste abbauen, z. B. über Formate wie die tägliche SHK-Fragendusche auf der Lounge-Bühne mit Anlagenmechanikerinnen als Role Models. Was sich verändern muss? Kultur und Alltag: respektvolle Teams, moderne Führung, passende Ausstattung, klare Entwicklungswege – und ein Berufsbild, das zeigt: SHK ist Handwerk, modern und zukunftssicher – ohne Glasdecke – für jeden.

IKZ: Welche Angebote hält der Fachverband SHK NRW für seine Beitriebe bereit? Und was gibt es auf dem Stand sonst so zu entdecken und erleben?

Ulrich Grommes: Wir sind in Halle 2 am Stand 2B03 präsent – mit dem Ziel maximaler Praxisnähe. Dafür haben wir Angebote für das gesamte Team eines Innungsfachbetriebs geschaffen: Wir beraten Unternehmerinnen und Unternehmer eins-zu-eins zu rechtlichen, betriebswirtschaftlichen, technischen und digitalen Themen. Neu ist außerdem die „Monteurtankstelle“ für Mitarbeitende: Mit Getränk, herzhaftem Snack und der ausliegenden Monteurzeitung „PRAXIS SHK+E“ kann man kurz verschnaufen und auftanken. Der Sitzbereich grenzt direkt an das Schaustück zur Sektorenkopplung an.

Auch unser beliebtes Schulungsformat „Monteurtag“ findet wieder am 18. März statt – mit vielen Updates aus unserem Team Technik in der Wissenskiste für Monteure. Die kostenlose Anmeldung ist über unsere Terminseite möglich.

Vorträge aus der aktuellen Beratungspraxis unserer technischen Referenten gibt es erneut neben unserem Stand in Halle 2 im Forum „Zukunft der Gebäudetechnik“. Dafür haben der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) und wir wieder ein produktneutrales Vortragsforum mit Beiträgen zu politischen und technischen Entwicklungen der Heizungsbranche zusammengestellt.

Und nicht zu vergessen: Unsere Messerundgänge finden zweimal täglich statt – vormittags zu Neuheiten in der Sanitär- und Heizungstechnik, nachmittags wahlweise zu KI oder Montageoptimierung.

IKZ: Abschließend die Frage: Wenn Sie einen Appell an die Betriebe formulieren müssten: Warum sollte niemand aus dem SHK-Handwerk in NRW diese Messe verpassen?

Ulrich Grommes: Weil man vom 17. bis 20. März in Essen in wenigen Stunden ein komplettes Update bekommt, lautet mein ein Appell: Kommt zur SHK+E Essen – als Chef, als Planerin, als Monteur und mit dem Nachwuchs. Es lohnt sich für jeden Betrieb, der 2026 nicht nur reagieren, sondern gestalten will.

www.shk-nrw.de

www.shke-essen.de

 


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