„Ein starkes Signal für die Zukunft“
Die Wolf GmbH eröffnet am Standort in Mainburg den Wolf Campus und gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Wärmepumpen-Fertigungslinie
Mit dem neuen Schulungszentrum am Stammsitz in Mainburg errichtet das Unternehmen ein praxisnahes Trainings- und Technologietransfer-Zentrum. Auf rund 4500 m2 forscht die Technische Hochschule Deggendorf an der Gebäudetechnik von morgen und SHK-Fachkräfte sollen für die Wärmewende qualifiziert werden. Die IKZ war vor Ort und hat auch einen Blick hinter die Kulissen der Wärmepumpen-Fertigung geworfen.
„Der heutige Tag markiert einen wichtigen Meilenstein für Wolf und auch für die gesamte Ariston-Gruppe“, sagt Philip Krossa. Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Wolf GmbH. „Mit der Eröffnung feiern wir einen bedeutenden Schritt und setzen zugleich ein Zeichen für die Zukunft. Denn der Campus steht sinnbildlich für unser Ziel Wissen und praktische Erfahrung und Innovation enger zusammenzubringen.“ Er sei Teil eines umfassenden Investitionsprogrammes beim Mainburger Hersteller für Heiz- und Lüftungskomponenten. Das Unternehmen gehört seit 2023 zur Ariston-Gruppe.
„Mit dem Zusammenschluss der Ariston-Group und Wolf im Jahr 2023 – der größten M&A-Transaktion unserer Unternehmensgeschichte – ist Deutschland zu unserem größten und wichtigsten Markt geworden“, erläutert Paolo Merloni, er ist Executive Chairman. Deutschland sei bereits heute einer der zentralen Produktions- und Entwicklungsstandorte. Rund 2000 der 10000 Beschäftigten seien hier tätig. „Mit dem Wolf Campus bekräftigen wir erneut, Deutschland und Bayern langfristig ins Zentrum der Wachstumsstrategie der Ariston-Group zu stellen.“
Enge Kooperation mit Wissenschaft
Das Einmalige an diesem Konzept ist die enge Kooperation zwischen einem Unternehmen und einer technischen Hochschule. Im zweiten Obergeschoss ist ein Technologietransferzentrum für nachhaltige Gebäudetechnik der Technischen Hochschule Deggendorf untergebracht. Hier forschen sie zu vier zentralen Themenfeldern: dem nachhaltigen Bauen und Betreiben von Gebäuden, der Digitalisierung in der Gebäudetechnik, dem Einsatz von Big Data und Künstlicher Intelligenz sowie der Wärmeerzeugung, Lüftungs- und Strömungstechnik. „Auf diese Zusammenarbeit, auf dieses Miteinander freuen wir uns sehr“, sagt Prof. Waldemar Berg, Präsident der Technischen Hochschule Deggendorf. Ziel sei es, gemeinsam praxisnahe Lösungen für die Gebäudetechnik von morgen zu entwickeln.
Ingenieurskunst prägt Fertigung
Im Campus-Gebäude werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse erarbeitet, die zukünftig in der Produktion auf der gegenüberliegenden Seite Anwendung finden werden. Christian Amann, Geschäftsführer Bereich Operations führt an diesem Tag durch die Wärmepumpenproduktion. Zwischen 2022 und 2024 haben sie die Hallen komplett saniert und eine neue Fertigungslinie aufgebaut. Sie funktioniert in weiten Teilen automatisiert und ist komplett digitalisiert. Sie nennen das bescheiden „industrial Engineering“ oder Mainburger Ingenieurskunst, was sie hier geleistet haben.
Dahinter verbergen sich innovative Verfahren, wie das induktive Löten, komplexe Fertigungsprozesse und Abläufe. Zentral ist die Fähigkeit, Wärmepumpen zeitnah auf Bestellung an der Fertigungslinie zu produzieren. „Wir produzieren so viel, wie der Markt gerade von uns verlangt“, sagt Christian Amann, als er die interessierte Gruppe Fachjournalisten durch die Hallen führt. Hinter ihm transportieren Roboter-Fahrzeuge selbständig die Außeneinheiten der Monoblock-Wärmepumpen von Station zu Station. Dort nehmen sie die Fertigungsmitarbeiter in Empfang. Werfen einen Blick auf ihren Monitor und beginnen mit ihrer Arbeit.
Das ist auch eine Innovation des Mainburger Unternehmens: Jeder einzelne Fertigungsschritt wird digital an der jeweiligen Montagestation ausgegeben. Dort werden sie von den Mitarbeitern abgearbeitet und gleichzeitig dokumentiert. Sie nennen es die „digitale Werkerführung“. „Unsere Produktion folgt den Prinzipien des World Class Manufacturings“ (WCM; z. dt. Weltklasse-Fertigung), so Amann. „Wir legen Wert auf höchste Standards bezüglich Qualität, Arbeitssicherheit und Ergonomie.“ Die wesentlichen Grundsätze dieser Managementmethode sind Fertigung nach Bedarf (Just-in-Time), ein Qualitätsmanagement mit einer Null-Toleranz gegenüber Mängeln und eine vorbeugende Wartung der Produktionsanlagen. Bei Wolf liegt zusätzlich ein Fokus auf Arbeitssicherheit und Ergonomie, alles zum Wohl der „Wölfe“, wie sich die Mitarbeiter hier selbst nennen.
100 000 Wärmepumpen pro Jahr
„Heute fertigen wir 48 Monoblock-Wärmepumpen in dieser Schicht“, berichtet Amann. Das liege aktuell auch mit an der Witterung. Denn derzeit werden nicht so viele Außeneinheiten installiert. 200 Wärmepumpen können pro Schicht gefertigt werden. 100000 sind pro Jahr möglich. Die Anlagen mit einer Leistung zwischen 7 und 25 kW durchlaufen unterschiedliche Stationen. Eine zentrale davon ist die Dichtigkeitsprüfung. Mit Helium werden die Einheiten befüllt und unter Vakuum wird ihre Dichtigkeit gemessen. „Helium-Atome sind kleiner als das verwendete Kältemittel R290“, so Amann. Außerdem lasse es sich leichter detektieren. In Mainburg fertigen sie die Premium-Monoblock-Wärmepumpen für die gesamte Ariston-Gruppe.
Haben die Leitungen die Dichtigkeitsprüfung bestanden, werden die Einheiten mit dem Kältemittel R290 befüllt. Die exakte Menge werde redundant gemessen, davon hänge später der reibungslose Betrieb ab. Ist dieser Arbeitsschritt korrekt abgeschlossen, bringen die Roboter-Chassis die Außeneinheiten zu den vier Prüfständen. Diese sind auch eine Eigenentwicklung der Mainburger Ingenieursabteilung. In 15 Minuten wird jede Wärmepumpe auf Funktionstauglichkeit bei unterschiedlichen simulierten Witterungsbedingungen geprüft. Auch das geschieht voll automatisch. Vier Prüfkammern sind derzeit im Einsatz. „Wir haben Platz und können die Kapazitäten noch weiter hochfahren“, sagt Christian Amann.
Denn das ist die Philosophie des Mainburger Unternehmens: Die SHK-Fachbetriebe sollen zeitnah die bestellten Geräte bekommen. Dafür hat das Unternehmen auch in ein eigenes Logistikzentrum in Siegenburg mit 25 000 m2 Fläche investiert; direkt an der A93, die die A9 mit der A3 verbindet. Dorthin kommen die fertigen Monoblock-Wärmepumpen, nachdem sie an der letzten Station in Mainburg mit der Inneneinheit auf einer Palette vereinigt und verpackt wurden. „Hier findet die Hochzeit statt zwischen Indoor- und Outdoor-Unit“, sagt Christian Amann.
„Neuer Standard für die Branche“
„Wir wollen mit dem Wolf Campus einen neuen Standard für die SHK-Branche setzen und wir haben damit einen weiteren Meilenstein in der Pionierarbeit des Unternehmens erreicht“, erklärt Simon Westermair nach dem Rundgang durch die Fertigung bei der anschließenden Fachpressekonferenz. Der gelernte SHK-Anlagenmechaniker kommt aus der Praxis und leitet den neuen Campus. Dieser neue Standard in der Weiterbildung der Branche, von dem er spricht, ist die Kooperation des Herstellers Wolf mit der Technischen Hochschule in Deggendorf unter einem Dach. „Eine Kooperation von Hersteller und Hochschule unter einem Dach für das SHK-Handwerk praxisnah und auf Augenhöhe an einem Ort, an dem Wärme, Wissen und Wandel zusammenfinden“, beschreibt es Westermair anschaulich und verspricht: „So gelingt uns die Wärmewende, so gestalten wir erfolgreich unsere Zukunft.“
Grundlage dafür bildet ein mehrstufiges Trainings- und Schulungskonzept, das für die unterschiedlichen Bedürfnisse entwickelt wurde. Online-Trainings, sogenannte E-Learnings und digitale Schulungen, legen das Fundament. Darauf bauen die praxisnahen Schulungen an den deutschlandweiten Akademie-Standorten auf. „Bereits dort werden Anlagen zusammengebaut und in Betrieb genommen“, sagt der 35-Jährige. „Bei uns gibt es Technik zum Anfassen, in unseren Seminaren wird geschraubt.“
In den Schulungsräumen im ersten Stock des neuen Campus-Gebäudes wurden alle Anlagen nachgebaut und an ihnen wird in der Produktschulung unter praxisnahen Bedingungen gearbeitet. „Wir arbeiten am offenen Gerät“, so Westermair. Themen sind hier neben der Inbetriebnahme auch Service und Wartung sowie die Fehlersuche. „Wir wollen damit einen spürbaren Mehrwert für die alltägliche Praxis des SHK-Handwerkers schaffen.“
Wärme – Wissen - Wandel
„Der Wandel hin zu nachhaltigen Heiz- und Lüftungslösungen gelingt nur, wenn wir in Wissen und Schulung investieren und unseren Fachpartnern kontinuierliche Unterstützung bieten“, sagt Philip Krossa, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Unser Ziel ist es, Wissen so zu vermitteln, dass Innovation greifbar wird – und in die Breite getragen werden kann.“ Unter dem Leitmotiv „Wärme. Wissen.
Wandel.“ werden Fachhandwerker, Planer sowie der Großhandel im neuen Campus gezielt an nachhaltigen Heiz- und Lüftungslösungen geschult – „mit realen Anlagen, digitalen Formaten und viel Raum für Dialog“.
Weitere Informationen und Seminarbuchung unter:
www.wolf.eu/de-de/mywolf/campus
Die Anlagentechnik im Campus-Gebäude
Die gesamte Heiz- und Lüftungstechnik des Herstellers ist im Campus-Gebäude verbaut. Dazu zählen sechs Luft-Wasser-Monoblock-Wärmepumpen „CHA-16“, die in Kaskade geschaltet sind, sowie neun Sole-Wasser-Wärmepumpen „BWS-1-16“. In Kombination mit modernen Belüftungsanlagen, wie dem „KG Top 2515“ oder dem „CKL evo 6100“ sorgen sie für ein angenehmes und gesundes Raumklima zu jeder Jahreszeit in dem dreistöckigen Gebäude mit einer Nutzfläche von 4500 m2. Moderne RLT-Geräte zusammen mit intelligenter Regelungstechnik steuern die Systeme.