Silo statt Bunker?
In Ausgabe 3-2026 haben wir moderne Austragungssysteme für Pelletheizungen redaktionell beleuchtet. In Ergänzung dazu stellen wir in dieser Ausgabe vorgefertigte Pelletlagersysteme in den Fokus
Je weiter sich Holzpelletfeuerungen im Markt verbreiten, desto mehr und mehr gibt es Heizungsbesitzer, die auf schlüsselfertige Lagerlösungen setzen. Der Markt hat ein großes Angebot an vorgefertigten Pelletlagersystemen hervorgebracht. Es gibt Gewebesilos, Silos aus Metall oder Kunststoff, Flachbodensilos, Hubsilos und außerdem Erdtanks, die speziell für die Lagerung von Pellets konstruiert sind.
Das große Plus der Silos ist, dass sie sich schnell aufbauen lassen, meist innerhalb weniger Stunden. Weil sie vorgefertigt und damit standardisiert sind, sind sie auch praktisch fehlerunanfällig, was den Aufbau betrifft – Schrägbodenlager hingegen haben nach wie vor ihre Tücken, wenn man sie nicht fachgerecht versiert baut (siehe Infokasten: Der Klassiker: Nur richtig schräge ist gut). Nachteil ist, dass Silos den Platz konstruktionsbedingt weniger gut ausnutzen, wenn es sich um das klassische Gewebesilo mit seinem konisch zulaufenden Boden handelt. Neuere Konstruktionen hingegen (Hubsilos) packen sogar mehr Pellets pro Kubikmeter in den Keller als das Schrägbodenlager.
Aufbau eines Gewebesilos
Konstruktiv gesehen besteht das Gewebesilo meist aus einem würfelförmigen Sack, der in ein Traggestell aus Holz oder Metall eingehängt ist. Die klassischen Gewebesilos laufen nach unten konisch zu und enden in einem Auslauftopf, an dem das Austragungssystem angeschlossen ist, das die Pellets zum Kessel transportiert. Die Kesselhersteller bieten ihre Gewebesilos meist auch nur in Verbindung mit einem Kessel aus ihrem Haus an.
Variante Flachbodensilo
Der Ehrgeiz, mehr Pellets pro Kubikmeter unterzubringen, um somit einen strukturellen Nachteil gegenüber dem Schrägbodenlager abzumildern, führte zu Weiterentwicklungen. Die Hersteller entwickelten so genannte Flachbodensilos. Ihr Vorteil ist, dass sie bis zu 90 % des Lagerraumvolumens nutzen können, da sie komplett kubisch bis zum Boden sind, also im Vergleich zum konisch nach unten verlaufendem Silo auf gleichem Raum mehr Pellets unterbringen können beziehungsweise bei gleicher Menge weniger Raum benötigen als jene. Für sie bedarf es aber eines speziellen Entnahmesystems: Saugsysteme, wie der Pellet-Maulwurf oder Rührwerke, die auf dem Boden montiert werden. Der PelletMaulwurf ist ein Sauger, der obenauf liegend Pellets aus dem Lager absaugt. Dabei bewegt er sich über den unter ihm befindlichen Pellets (siehe auch IKZ 3-2026, Pelletaustragungssysteme).
Hubsilo vereint Flachbodensilo und Schräglager
Auf dem Weg zu einer immer mehr verbesserten Raumausnutzung wartete Ökofen als erster dann vor Jahren mit einer Neuheit auf, die als eine Art nächste Generation der Gewebesilos bezeichnet werden kann. Die Neuentwicklung kombiniert das Flachbodensilo mit einem Hubsilo in einer Form, dass temporär ein Schrägbodenlager entsteht. Hubsilos verändern ihre Form mit der Befüllung und im Zusammenspiel mit dem Füllgewicht. Dazu werden Federmechaniken eingesetzt. Das Ökofen-Silo besitzt Federmechaniken an den Seitenwänden. Im Leerzustand sind die Federn an den Seiten des trogförmigen Silos entspannt, was bewirkt, dass die Seitenwände wie bei einem Schrägbodenlager abgeschrägt sind. Unter der Last der Pellets werden die Seiten nach außen gespreizt, bis sie senkrecht stehen, wobei die Federn zugleich gespannt werden. Im Vollzustand ist das Lager also ein Flachbodensilo. Mit zunehmender Entleerung verringert sich der Druck auf die Wände und die Federn beginnen sich zu entspannen, was zur Folge hat, dass sich die Seitenwände wieder abschrägen. Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass zunächst sehr viele Pellets untergebracht werden können, der Raum also optimal ausgeschöpft werden kann, und danach die Vorteile des Schrägbodens greifen. Anders als beim Flachbodensilo kann in diesem Silo beispielsweise eine Schnecke am Boden des Silos als Austragungssystem eingesetzt werden. Bei Ökofen ist sie bereits integriert. Das „Flexilo“ schlug im Markt ein. Heute hat Ökofen nur noch dieses Hubsilo als Gewebesilo im Programm. Ein anderer Anbieter, der mittlerweile auch ein solches Hubsilo vergleichbarer Bauart in seinem Kontext anbietet, ist Hargassner. Der Gewebetank „GWT-Max“ ist in Lagerkapazitäten von 2,9 bis 8,2 t Pellets erhältlich. Bei Bedarf können auch mehrere GWT-Max mit einer Umschalteinheit kombiniert werden. Eine solche Möglichkeit zur Kaskadenschaltung bietet natürlich auch Ökofen für seine Flexilos.
Pellets auslagern: Erdtanks
Wenn im Haus der Platz nicht reicht oder fehlt für die Pelletlagerung, kann eine Außenlagerung angezeigt sein. Hierfür gibt es verschiedene technische Möglichkeiten. Ein Klassiker ist der Erdtank, der aber mit aufwändigen Tiefbauarbeiten verbunden ist, insbesondere, wenn er im Nachgang angelegt werden soll. Vom Fassungsvermögen her sollten sie einen Jahresvorrat Holzpellets fassen können. Das gilt für die anderen Lagerraum-Lösungen im Innenbereich aber auch.
Beachtlicher Erdaushub
Die Förderung der Pellets aus dem Erdtank erfolgt unterirdisch über eine Saugleitung bis zum Kessel im Gebäude. Die Tanks bestehen aus witterungsfestem Kunststoff, glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), wie die „Erdkugeln“ von Hargassner. Welche doch beachtlichen Mengen Erdreich ausgehoben werden müssen, davon geben die technischen Daten zu den beiden Erdtanks von Hargassner eine Vorstellung: Der kleinere Tank (Füllmenge bis 5,2 t Holzpellets) besitzt einen Durchmesser von 2,5 m, der größere (Füllmenge bis 6,5 t Holzpellets), 2,68 m Durchmesser.
Individuelle Abwägung
Erdtanks sind vergleichsweise teure Lagersysteme. Allerdings geht es ja auch immer um die örtlichen Gegebenheiten und Umstände. Möglicherweise ist einem Kunden ein Erdtank oder eine andere Außenlösung auch deshalb das Geld wert, weil er darüber das Pelletlager outsourcen und den dann nicht dafür in Anspruch genommenen Raum im Gebäude anders nutzen kann. Ein Kostenvergleich indes zwischen unterschiedlichen Lagersystemen am Markt gestaltet sich grundsätzlich einfach. Der Gesamtpreis für das Lagersystem (inklusive Austragung, sonstiger Bestandteile und Montage) wird durch den Stauraum geteilt, den es bietet, so erhält man die spezifischen Kosten des Lagersystems pro m3.
Autor: Dittmar Koop
Der Klassiker: Nur richtig schräge ist gut
Die (noch) am weitesten verbreitete Lösung des Lagerns von Holzpellets ist das individuell gefertigte Schrägboden-Pelletlager („Pelletbunkerlager“). Hier werden bei der Konstruktion teilweise hanebüchene Fehler gemacht. Der Bau gehört daher in die Hand von Profis. Das Schrägbodenlager ist konstruktiv gesehen vordergründig recht simpel. Es handelt sich um das Aufstellen zweier langgezogener Schrägböden in einem Raum. Im Querschnitt ergibt sich das Bild eines Dreiecks mit zwei Schenkeln, dessen Spitze nach unten weist. Dort durchläuft meist eine Förderschnecke das Lager, die die Holzpellets aus dem Lager Richtung Kessel transportiert. Die Funktion der Schrägböden ist, dass die Pellets über die Schrägen zur Schnecke rutschen. Doch der Teufel steckt im Detail: Ist der Schrägboden nicht steil genug aufgestellt, rutschen die Pellets nicht richtig nach unten nach. Ist die Oberfläche materialseitig „rauh“, wird auch hier die Förderung behindert.
Es ist vorgekommen, dass die Schnecke nicht mit einer Abdeckung versehen war, so dass es keine Druckentlastung für sie gegenüber den über ihr befindlichen Pelletmassen gab, was erstens die Förderung behindert. Zugleich reiben sich die Holzpellets, die in unmittelbarer Nähe der Förderbewegung der schraubenförmigen Bewegung der Schnecke sind, sich an der Schnecke ab. Das wiederum produziert Feinanteil im Pelletlager. So wird das Ganze dann kontraproduktiv: Um Feinanteil in der Ware möglichst gering zu halten, sieben Produzenten und Händler Pellets auf dem Weg bis zum Endkunden immer wieder ab. Feinanteil wird im fehlerhaft gebauten Pelletlager neu erzeugt. Einer der harmloseren Fehler beim Bau eines Schrägbodenlagers ist, die Befüllstutzen für den Pellettankmann schwer zugänglich anzubringen.
Jedes selbstgebaute Pelletlager muss über eine Prallschutzmatte verfügen. Als Mattenmaterial bieten sich HDPE-, EPDM-Folien oder abriebfeste Gummimatten an. Ihre Funktion ist, die in das Lager fliegenden Pellets sanft abzubremsen. Ansonsten prallen die Pellets ungebremst gegen die Wand und zerplatzen.
Der Deutsche Energieholz- und PelletVerband (DEPV) und sein Tochterunternehmen DEPI bringen seit Jahren eine Lagerraumbroschüre heraus, in der ein Großteil des Seitenumfangs dem Bau von Schrägbodenlagern gewidmet ist. Sie liefert detailliert Maße, Vorgaben und Tipps zum Lagerbau. Die 56-seitige Broschüre „Lagerung von Holzpellets“ kann als PDF kostenlos unter www.depi.de/pelletlager heruntergeladen werden.