Effizientes Doppel: Wärmepumpe und Klimagerät in einem
Praxisbeispiel zeigt rund 40 % niedrigere Energiekosten nach der Sanierung
Seit Juli 2025 wird die Doppelhaushälfte überwiegend per Luft-Luft-Wärmepumpe beheizt. An kalten Wintertagen ergänzt ein Kaminofen die Wärmeversorgung. Bild: FGK
Im Sommer wird die Luft-Luft-Wärmepumpe zum Kühlen und Entfeuchten der Räume genutzt – besonders oft im Homeoffice im Dachgeschoss. Bild: FGK
Die Hitzewellen der vergangenen Wochen zeigten wieder deutlich, warum Gebäude nicht nur auf den Heizbetrieb ausgelegt sein sollten. Ebenso wichtig sind angenehme Bedingungen im Sommer, um Gesundheit, Wohnkomfort und Leistungsfähigkeit zu erhalten. Von besonderer Bedeutung ist das für ältere Menschen und andere hitzeempfindliche Personen, letztlich profitieren aber alle davon. Dennoch werden Konzepte für sommerlichen Wärmeschutz und Kühlung nur in Hitzeperioden thematisiert. Anschließend geraten sie schnell wieder in Vergessenheit – bis zur nächsten Hitzewelle.
Der Fachverband Gebäude-Klima (FGK) empfiehlt eine zukunftssichere, energieeffiziente Lösung für die Sanierung und den Neubau von Wohn- und Nichtwohngebäuden: Luft-Luft-Wärmepumpen übernehmen sowohl das Heizen im Winter als auch das Kühlen im Sommer. So ermöglicht das System mit nur einer Investition angenehme Raumtemperaturen in jeder Jahreszeit. Und es bietet einen weiteren Vorteil: Luft-Luft-Wärmepumpen können bei Bedarf die Raumluft entfeuchten und so den Komfort an schwülheißen Sommertagen weiter steigern.
Praxisbeispiel: Sanierung einer Doppelhaushälfte
Ein reales Sanierungsprojekt zeigt, wie groß das Einsparpotenzial einer Luft-Luft-Wärmepumpe sein kann: Im vergangenen Jahr wurde in einer Doppelhaushälfte mit 158 m2 Wohnfläche die Ölheizung durch zwei Multisplit-Systeme ersetzt. Ergänzt wurde die Anlage um einen neuen Trinkwasserspeicher mit elektrischem Heizstab. Einen Teil des Strombedarfs deckt die vorhandene Photovoltaikanlage.
Mit zwei Außeneinheiten und sechs Innengeräten werden sechs Räume beheizt und gekühlt. Der höchste Kühlbedarf ist im Dachgeschoss. Hier befindet sich das ganztägig genutzte Homeoffice, dementsprechend läuft dieses Innengerät viele Stunden am Tag. Die übrigen Räume werden nach Bedarf gekühlt, im Schlafzimmer auf Raumtemperaturen zwischen 21 und 25 °C, in allen anderen Räumen auf Werte zwischen 25 und 27 °C.
Die Investitionskosten für die beiden Multisplit-Systeme einschließlich Elektroarbeiten und Energieberatung sowie Ausbau und Entsorgung der Ölheizung samt Tanks betrugen rund 27 000 Euro. Die Maßnahme wurde im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit 30 % bezuschusst. Dazu kamen ca. 8000 Euro für den Trinkwarmwasserspeicher abzüglich einer Abschreibung von rund 600 Euro. Insgesamt beliefen sich die Investitionskosten auf rund 26 000 Euro brutto.
Heizkosten verringern sich signifikant
Bis zur Sanierung lagen die Energiekosten für das Heizen bei rund 2120 Euro jährlich. Nach dem ersten vollständigen Betriebsjahr der neuen Anlage errechneten die Bewohner Heizkosten in Höhe von 1220 Euro. Damit verringerten sich die Heizkosten um mehr als 40 %.
Vom Strombedarf für die Kühlung, der bei rund 350 kWh lag, deckte die Photovoltaikanlage etwa 40 %, sodass die Kühlung im gesamten Jahr lediglich 2963 Euro an Stromkosten verursachte. Die Grafik zeigt den Verlauf des Strombedarfs in einer Phase mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 27 und fast 40 °C. Bei Außentemperaturen bis ca. 30 °C kommt die Anlage mit 6 bis 8 kWh am Tag aus. Das entspricht bei einem Strompreis von 30 Cent/kWh ungefähr dem Preis für eine Kugel Eis. An extrem heißen Tagen mit Tageshöchsttemperaturen über 38 °C stiegen die Stromkosten auf den Gegenwert von zwei bis drei Kugeln Eis.
Kühlung wird zum Qualitätsmerkmal
Das Fazit aus Sicht des FGK: Durch die Kombination aus kostengünstiger Kühlung und großem Einsparpotenzial bei den Heizkosten sind Luft-Luft-Wärmepumpen eine interessante Alternative zu anderen Heizsystemen. Angesichts längerer und intensiverer Hitzewellen wird der thermische Komfort – im Sommer ebenso wie im Winter – künftig zu einem Qualitätsmerkmal moderner Wohngebäude.