So gelingt die Wärmewende im Bestand
Optimierte Wärmepumpentechnik mit geringen Schutzbereichen ermöglicht flexiblere Aufstellung der Außeneinheit
Vor allem freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser von der Baualtersklasse 1949 bis 1978 bestimmen das Ortsbild von Marienheide im Bergischen Land. Wie hier ist der Umstieg auf Wärmepumpe im Bestand oftauch ohne größere Sanierungsmaßnahmen möglich und ein wichtiger Baustein der Wärmewende. (Vaillant)
Für Pia Bondke und Fabian Schiedeck wichtig: Die neue Wärmepumpe muss leise sein. Mit maximal 58,2 dB(A) Schallleistungspegel bekommen auch die Nachbarn von der 10 kW-Anlage so gut wie nichts zu hören. (Vaillant)
In Marienheide wurde in einem Einfamilienhaus – Baujahr 1973 – eine alte Ölheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt. Gleichzeitig investierten die Eigentümer noch in eine Photovoltaik-Anlage sowie einen Batteriespeicher. Das Ergebnis überzeugt und gibt ein Vorzeigebeispiel für den wirtschaftlichen Einsatz von Wärmepumpen im Bestand.
Im Bergischen Land, rund 50 km östlich von Köln, liegt das idyllische Marienheide. Stolze 85 % des Gemeindegebiets machen Wälder, Grünland und Gewässer aus. Der ehemalige Luftkurort am Quellgebiet der Wipper bietet seinen knapp 14 000 Einwohnern aber nicht nur einen hohen Freizeit- und Erholungswert. Auch die Wärmewende ist inmitten der malerischen Wald-, Seen- und Hügellandschaftnicht nur angekommen – sie ist hier Programm.
Bereits Anfang 2020 gründete die Bergische Gemeinde einen eigenen Klima beirat. Es folgte der Entwurf eines Inte grierten Klimaschutzkonzepts. Und während vielerorts noch über die kommunale Wärmeplanung diskutiert wird, hat die Gemeinde auf ihrer Website das nächste, im März 2025 mehrheitlich beschlossene Kapitel längst verkündet: den Wärmeplan für Marienheide. Dabei wurden drei potenzielle Eignungsgebiete für rohrleitungsgebundene Wärmenetze identifiziert. Trotz geeigneter Lage wollte das junge Paar Pia Bondke und Fabian Schiedeck bei der Erfüllung ihres Traums vom Eigenheim nicht auf ein künftiges Nahwärmenetz warten. Beim Kauf ihres Einfamilienhauses entschieden sie sich für eine sofort umsetzbare, zukunftssichere und klimafreundliche Lösung: den Heizungstausch Ölkessel gegen Wärmepumpe.
Ölheizung raus, Wärmepumpe und Photovoltaikanlage rein
67 % Erdgas, 29 % Heizöl – beinahe der gesamte Wärmebedarf in Marienheide wird laut Wärmeplan-Projektbericht der Gemeinde noch durch fossile Brennstoffe gedeckt. Auch das Einfamilienhaus mit dem Baujahr 1973 wurde im letzten Winter mit Öl beheizt. Für das umweltbewusste Paar, das im Oktober 2024 ihr neues Haus bezog, war allerdings klar: Das war ihr letzter fossiler Winter. „Natürlich spielten ökologische Gründe eine wichtige Rolle, weil wir bewusst auf fossile Brennstoffe verzichten wollen – der Umwelt zuliebe. Es ging uns aber vor allem um die langfristige Planbarkeit unserer Heizkosten“, erklärt Schiedeck. „Durch die steigende CO2-Bepreisung auf Öl und Gas war die vorhandene Ölheizung für uns wirtschaftlich keine zukunftsfähige Lösung, da die Preise für Öl voraussichtlich deutlich steigen werden. Durch die Wärmepumpe in Kombination mit einer PV-Anlage erwarten wir etwa eine Halbierung unserer Heizkosten, langfristige Kostensicherheit – und ein gutes Gefühl.“
Technik mit Weitblick
Für den 36-jährigen Entwickler und die 28-jährige Bürokauffrau fiel die Wahl auf eine neue Luft-Wasser-Wärmepumpe: „Wir haben uns intensiv informiert. Neben einer verlässlichen Produktqualität und gutem Service war uns ein bekannter Hersteller wichtig, damit es später auch keine Probleme mit der Verfügbarkeit von Ersatzteilen gibt. Ein leiser Betrieb war ebenfalls ausschlaggebend für unsere Entscheidung“, so Schiedeck.
Geplant und installiert wurde das runderneuerte System vom SHK-Meisterbetrieb Wirths GmbH aus Bergneustadt in Zusammenarbeit mit dem Hersteller. Beim Heizungstausch im Bestand sind immer individuelle Lösungen gefragt, weiß Gido Peuster, System Engineer bei Vaillant. „Für dieses Einfamilienhaus aus den 1970er Jahren mit rund 250 m2 Wohnfläche auf zwei Etagen war die alte Ölheizung auf 14 kW Heizlast eingestellt. Sie hatte einen Verbrauch von rund 4000 l im Jahr. Als energetische Sanierungsmaßnahmen sollen noch die oberste Geschossdecke gedämmt und die Haustür sowie einzelne Kellerfenster ausgetauscht werden. Nachdem wir mit dem Kunden alle Daten ermittelt hatten, haben wir uns bei einer Vorlauftemperatur von maximal 50 °C für die „aroTHERM plus VWL 105“ mit 10 kW und einen 300 Liter Warmwasserspeicher entschieden“, erläutert Peuster. „Die Jahresmitteltemperatur liegt in Marienheide bei 8,9 °C. Bei einer Norm-Außentemperatur von-10,1 °C wurde für besonders kalte Wintertage eine elektrische 9 kW Zusatzheizung integriert. Sie schaltet sich nach Einstellung des Bivalenzpunkts bedarfsgerecht stufig modulierend zu.“
Mit der Wärmepumpe und der PV-Anlage mit 17,8 kWp und einem 20 kWh Batteriespeicher rechnet der Projektleiter für die Wärmeerzeugung und Warmwasserbereitung mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von etwa 3,5. „Das heißt: für 1 kW investierte Arbeitsenergie bekommen wir rund 3,5 kW Wärmeenergie. Mit dem Sonnenstrom vom Dach erreichen wir somit einen Autarkiegrad von rund 50 %. Wir werden noch die Erfahrungen aus der ersten kompletten Heizperiode abwarten, um zu sehen, ob wir vielleicht noch ein bis zwei Heizkörper austauschen müssen. Aber unser Ziel ist es, die Heizkosten in etwa zu halbieren. Das hängt auch vom Nutzerverhalten ab. Aber für einen Altbau ohne größere Sanierungsmaßnahmen bei der Gebäudehülle ist das ein sehr gutes Ergebnis“, zieht Peuster ein positives Zwischenfazit.
Optimierte Wärmepumpentechnik ermöglich geringe Schutzbereiche
Die Installation der neuen Wärmepumpe war in vier Arbeitstagen erledigt. Für David Neumann, Installateur- und Heizungsbauermeister bei der Wirths GmbH, reine Routine – mit neuen Freiheiten. „Bei der Platzierung der Außeneinheit mussten wir uns keine großen Gedanken über die Abstände machen, weil der Schutzbereich dieser neuen Wärmepumpen-Generation jetzt deutlich kleiner ist. Von der Außeneinheit hatten wir etwa 7 m Leitungsweg ins Haus sowie einen Höhenunterschied von rund 1 m zur Inneneinheit. Aber mit den heutigen Leitungsdämmungen sind auch längere Distanzen kein Problem, nur ein etwas höherer Installationsaufwand.“
Besonders angenehm empfand Neumann die abnehmbare und gleichzeitig stabile Dämmung des Warmwasserspeichers. „Ohne Wärmedämmung konnten wir den Speicher viel leichter in den Keller einbringen. Die Dämmung war auch schnell und einfach wieder montiert. Die Inbetriebnahme verlief ebenfalls reibungslos. Die Anlage war sofort betriebsbereit und was mir aufgefallen ist: Die Wärmepumpe ist wirklich leise – kein Vergleich zu so manchem anderen Modell“. Durch den dreifach entkoppelten Kältemittelkreislauf mit dem umweltschonenden Kältemittel R290 und dem soliden Gehäuse erreicht die Außeneinheit einen maximalen Schallleistungspegel von 58,2 dB(A) – ein Pluspunkt in Sachen Schallschutz, insbesondere in dicht bebauten Wohngebieten.
Für Bondke und Schiedeck war der Heizungstausch mit PV-Anlage vor allem eine Investition in die Zukunft. Damit übernehmen sie in Marienheide eine aktive Vorreiterrolle in Sachen praktizierter Wärmewende. Viele der Ein- und Zweifamilienhäuser in Marienheide stammen ebenfalls aus den 1970er Jahren oder sind älter und besitzen noch fossile Heizsysteme. Auch Nachbarn und andere Hausbesitzer erkundigen sich über mögliche umweltschonende Alternativen, die zusätzlich auch noch Kosten sparen.
Überzeugt von der Technologie
Der Bedarf an Lösungen ist da und die Zufriedenheit mit Wärmepumpen bietet hilfreiche Antworten: Laut einer im März 2025 veröffentlichten, repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Heiztechnikherstellers Vaillant sind fast 90 % der deutschen Eigenheimbesitzer mit ihrer Wärmepumpe zufrieden oder sehr zufrieden. Über 80 % der befragten Hauseigentümer – sowohl von Neubauten als auch von Bestandsgebäuden – würden Verwandten und Freunden ihre Wärmepumpe weiterempfehlen. Bondke zählte zwar nicht zu den Befragten, aber auch sie freut sich über den gelungenen Heizungstausch in den eigenen vier Wänden. „Wir waren von Anfang an überzeugt von dieser Technologie. Mit Wärmepumpe und Photovoltaik sind wir in Zukunftbei unserer Energie- und Wärmeversorgung viel unabhängiger, und dass wir auch der Umwelt etwas Gutes tun, ist für uns ein echter Gewinn.“