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Abluft-Wärmepumpen - effiziente Technik für Neubau und Sanierung

Teil 2: Intelligente Nutzungskonzepte für Abluft-Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern

Bild 1: Wohnanlage Gelnhausen mit 42 Wohneinheiten – jede Wohnung ist mit einer Abluft-Wärmepumpe ausgestattet. (NIBE Systemtechnik)

Bild 2: Die kompakte Abluft-Wärmepumpe rechts im Bild, sowie das Zuluftmodul oberhalb der Waschmaschine wurden platzsparend im Hauswirtschaftsraum installiert. (NIBE Systemtechnik)

Bild 3: Zweites OG rechts: In der Wohnung wurde die Heizung ausgetauscht, ohne dass die Umbau arbeiten die anderen Bewohner belastet haben. (NIBE Systemtechnik)

Bild 4: Wärmepumpe im Abstellraum, Abluftund Zuluftleitungen sind unsichtbar verkleidet. (NIBE Systemtechnik)

Bild 5: Eine perfekte Lösung für die enge Bebauung in einer Altstadt – das mittlere Haus wurde kernsaniert und kommt zukünftig ohne fossile Brennstoffe aus. (NIBE Systemtechnik)

Bild 6: In der Wohnung im Obergeschoss wurde die Abluft-Wärmepumpe in einer Nische im Badezimmer platziert. (NIBE Systemtechnik)

 

Abluft-Wärmepumpen haben sich im Einfamilienhausbau als effiziente und besonders platzsparende Heizlösung etabliert. Sie kombinieren die Funktionen von Heizung, Warmwasserbereitung und kontrollierter Wohnraumlüftung in einem kompakten System. Im ersten Teil dieses Artikels (siehe IKZ 11/2025) wurden die technischen Grundlagen, das Funktionsprinzip, der Aufbau und die Planungsgrundlagen erläutert. Der zweite Teil betrachtet die wachsende Bedeutung dieser Technik im Geschosswohnungsbau, bei der Heizungssanierungen von einzelnen Wohnungen in Mehrparteienhäusern und in der Sanierung von Gebäuden in einer Altstadt. Fachhandwerker, Architekten und Planer erhalten konkrete Beispiele für dezentrale Lösungen, die zugleich förderfähig, effizient und praxiserprobt sind.

Dezentrale Lösung für Mehrfamilienhäusern

Während im klassischen Geschosswohnungsbau vielfach zentrale Heizsysteme mit aufwendiger Verteilung eingesetzt wurden, zeigt sich zunehmend ein Paradigmenwechsel: Dezentralität wird zum Effizienztreiber. Abluft-Wärmepumpen erlauben es, jede Wohneinheit als eigenständiges Haustechniksystem zu betrachten. Die Vorteile liegen auf der Hand: 

  • Planerische Freiheit: Kein zentraler Heizraum im Keller, keine Steigstränge, keine zentrale Trinkwassererwärmung, keine Prüfpflicht auf Legionellen. Jede Wohnung erhält ihr eigenes Kompaktsystem.
  • Effizienz durch kurze Wege: Wärme entsteht direkt dort, wo sie benötigt und verbraucht wird. Leitungsverluste entfallen nahezu vollständig und bleiben innerhalb der Wohnung.
  • Hoher Nutzerkomfort: Automatische Grundlüft ung mit benutzerabhängiger Erhöhung nach Bedarf, konstant gute Raumluftqualität, geringe Schallemissionen und smarte Bedienung.
  • Zukunftssicherheit: Systeme, wie die Abluft-Wärmepumpe „NIBE S735“, nutzen natürliche Kältemittel (R290) und sind BEG-förderfähig.

Referenzprojekt Gelnhausen – KfW-55-Standard mit dezentraler Versorgung

In Gelnhausen, im Main-Kinzig-Kreis, entstand im Jahr 2018 eine moderne Wohnanlage aus fünf Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 42 Wohneinheiten im gehobenen Standard. Anstelle einer zentralen Heizungsversorgung entschieden sich die Planer für 42 Abluft-Wärmepumpen mit zentraler Zuluft. Jede Einheit übernimmt eigenständig Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung (Bilder 1 und 2).

Die Vorteile waren unmittelbar greifbar: Die Gebäude erreichten ohne zusätzliche Maßnahmen den KfW-55-Standard. Auch wirtschaftlich überzeugt das System: geringere Investitionskosten durch Wegfall zentraler Anlagen, eine transparente Heizkostenabrechnung für jeden Nutzer und eine höhere Zufriedenheit der Mieter.

Heizungssanierung in Mehrfamilienhäusern – Herausforderung und Chancen

In Deutschland sind über 4 Mio. Gasetagenheizungen installiert – ein System, das in Zeiten der Wärmewende an seine Grenzen stößt. Das Gebäudeenergiegesetz sieht vor, dass ab 2026 (bzw. 2028 in kleineren Gemeinden) alle Heizsysteme, die ausgetauscht werden, zu mindestens 65 % Erneuerbare Energien nutzen müssen. Dieser Wandel erfordert neue Konzepte für die Heizungsmodernisierung: Statt aufwendig zentrale Heizsysteme umzubauen, können einzelne Wohnungen dezentral auf Abluft-Wärmepumpen umgestellt werden. Der Einbau kann bei guter Planung und Vorbereitung innerhalb von wenigen Tagen, ohne Beeinträchtigung der Nachbarwohnungen, erfolgen. Das System arbeitet leise, effizient und autark – mit integrierter Warmwasserbereitung und kontrollierter Wohnraumlüftung.

Ein entscheidender Vorteil: Jede modernisierte Wohnung erfüllt sofort die gesetzlichen Anforderungen und ist förderfähig. Für Eigentümergemeinschaften entsteht damit ein stufenweiser, planbarer Weg zur Dekarbonisierung. Anstatt 40 Wohneinheiten gleichzeitig zu sanieren, kann jede einzeln, nach Bedarf umgestellt werden – ein enormer Vorteil gegenüber zentralen Konzepten, die den gesamten Gebäudebetrieb lahmlegen und eine massive Belastung für die Bewohner darstellen würden.

Sanierung einzelner Wohnungen – Beispiel Nürnberg

Das Pilotprojekt einer Nürnberger Wohnungsbaugenossenschaft zeigt exemplarisch, wie sich Abluft-Wärmepumpen im Bestand integrieren lassen: In einer Wohnung aus den 1950er-Jahren wurde eine Gasetagenheizung durch eine Abluft-Wärmepumpe ersetzt. Das Gerät wurde platzsparend in einem kleinen Abstellraum im Flur der Wohnung aufgestellt; Abluftleitungen führen unsichtbar über abgehängte Decken und saugen die verbrauchte Luft über Abluftventile aus Küche und Bad zur Wärmepumpe, Frischluft strömt über Außenwandventile in den Rollladenkästen in die Wohn- und Schlafräume (Bilder 3 und 4).

Die technische Auslegung erfolgte nach DIN 1946-6 und DIN EN 12831. Bei einer Wohnfläche von 50 m2 und 2,5 m Raumhöhe beträgt der empfohlene Luftwechsel 0,5 – das entspricht 62,5 m3/h Abluftvolumenstrom. In der Praxis wurde der Volumenstrom bei diesem Projekt auf rund 70 m3/h erhöht, um Warmwasserbereitung und Heizlast simultan zu decken.

Die Heizkörper wurden auf Niedertemperaturbetrieb (35/28 °C) angepasst; zusätzlich sorgen Ventilatoren in den Heizkörpern für eine gleichmäßige Wärmeverteilung. Die Bewohner berichten von einem angenehmen Wohnklima, moderaten Verbrauchskosten und einer komfortablen Bedienung

Sanierung historischer Gebäude – Beispiel Nördlingen

In der denkmalgeschützten Altstadt von Nördlingen wurde ein Haus aus dem 16. Jahrhundert kernsaniert und auf ein modernes Energieniveau gebracht. Jede der drei Wohnungen erhielt eine eigene Abluft-Wärmepumpe vom Typ „NIBE S735“. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe war ausgeschlossen – die engen Gassen und die geringen Abstände zwischen den Häusern der Altstadtbebauung erlaubten keine Außeneinheiten, die Auflagen des Denkmalschutzes verboten sichtbare Veränderungen. Die Abluft-Wärmepumpe bot die Lösung: kompakt, leise und vollständig im Innenraum installierbar (Bilder 5 und 6). Die Geräte wurden im Hauswirtschaftsraum, bzw. im Badezimmer der Wohnungen aufgestellt, die Fortluft wird unauffällig über das Dach abgeführt. Im Erdgeschoss sorgt eine Fußbodenheizung für gleichmäßige Wärme, im Obergeschoss wurde eine Deckenheizung eingebaut. Dank Dämmmaßnahmen – 16 cm Vollwärmeschutz und 25 cm Einblasdämmung – erreicht das Gebäude nahezu Neubaustandard. Die Sanierung wurde mit 30 % BEG-Zuschuss gefördert. Thomas Merkl, Geschäftsführer von Merkl Haustechnik, bezeichnet das Projekt als „Beweis, dass Denkmalschutz und Klimaschutz sich nicht ausschließen“. Die Kombination aus Lüftung, Heizung und Warmwasserbereitung in einem Gerät machte das Projekt überhaupt erst realisierbar.

Technische und planerische Aspekte

Abluft-Wärmepumpen stellen besondere Anforderungen an die Planung. Neben der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist die korrekte Dimensionierung des Luftvolumenstroms entscheidend. Für einen hygienischen Luftwechsel wird ein Wert von 0,5 empfohlen. Bei zu geringem Volumenstrom sinkt die Energieausbeute, bei zu hohem kann die Luft zu schnell austrocknen. Schallschutz und Brandschutz (z. B. Abschottung in Geschossdecken) müssen von Anfang an berücksichtigt werden.

Hydraulisch ist das System einfach: Ein direkt angeschlossenes Heizkreisnetz mit Fußbodenheizung oder Heizkörpern reicht aus. Die elektrische Einbindung erfolgt über einen separaten Stromzähler. Optional lassen sich PV-Anlagen mit der Abluft-Wärmepumpe koppeln, die intelligente Steuerung der Wärmepumpe kommuniziert mit Wechselrichtern namhafter Hersteller, sodass PV-Überschüsse auch thermisch, zum Beispiel durch eine beliebige Erhöhung der Brauchwasser-Speichertemperatur genutzt werden können. Mit Funktionen wie zum Beispiel Smart Price Adaption können dynamische Stromtarife für einen preisoptimierten Anlagenbetrieb sorgen.

Ausblick – Chancen der Abluft-Wärmepumpe in der Energiewende

Die Systembeispiele und vorgestellten Projekte in Teil 1 und 2 zeigen, dass Abluft-Wärmepumpen sowohl im Einsatz für Ein- und Zweifamilienhäuser als auch Mehrfamilienhäuser ein enormes Potenzial für die Dekarbonisierung des Gebäudebestands besitzen. Ihr modularer Aufbau ermöglicht flexible Lösungen: vom energieeffizienten Neubau bis zur denkmalgerechten Sanierung. Für Kommunen sind sie eine Ergänzung zur - nicht überall verfügbaren-Fernwärme, für Eigentümergemeinschaften eine Investition in Unabhängigkeit.

Mit wachsender Integration von Smart-Grid-Technologien werden Abluft-Wärmepumpen zu einem aktiven Element der Stromnetzstabilisierung. Die Kombination mit Photovoltaik und Speichern erlaubt hohe Eigenverbrauchsquoten und senkt die Betriebskosten nachhaltig. Darüber hinaus berücksichtigen moderne Abluftwärmepumpen steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Damit ist die Abluft-Wärmepumpe nicht nur eine Heiztechnik, sondern ein Teil der Sektorenkopplung im Gebäudebereich.

Autor: Jörg Schickedanz, NIBE Systemtechnik GmbH

www.nibe.de

 


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