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Wirkungsvoller Brandschutz für Sanitärinstallationen

Brände können sich über Entwässerungssysteme ausbreiten. Das lässt sich verhindern

Verstecktes Risiko: Über Entwässerungssysteme können sich Brände ausbreiten. Das lässt sich verhindern. Bild: KI-generiert / Dallmer

Manfred Lippe, von der IHK Mittlerer Niederrhein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für den baulichen und anlagentechnischen Brandschutz. Bild: Manfred Lippe

Die Funktionsweise der installationsfertigen Brandschutzelemente: Die Deckendurchführung wird verschlossen … Bild: Dallmer

… Feuer erwärmt den im Brandfall aufschäumenden Baustoff, den sogenannten Dämmschichtbildner. Bild: Dallmer

Anforderungen an die Feuerwiderstandsfähigkeit von Bodenabläufen entsprechend der Musterbauordnung / den Landesbauordnungen. Bild: Dallmer

 

Brandschutzmaßnahmen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gebäudesicherheit. In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass der Brandschutz im Bereich der Entwässerungssysteme vernachlässigt wird. Dabei können Abwasserleitungen im Brandfall als ungewollte Brand- und Rauchkanäle fungieren. Welche wichtige Rolle der Installateur für den vorbeugenden Brandschutz in öffentlichen Gebäuden, Mehrfamilienhäusern und Sonderbauten – beispielsweise bei der Sanierung von Bestandsgebäuden – einnimmt, beleuchtet dieser Beitrag.

Es ist ein Szenario, das niemand erleben möchte: Man übernachtet in einem Hotel und wacht plötzlich in einem verrauchten Zimmer auf. Im Hotel brennt es. Die Flammen breiten sich schnell von Stockwerk zu Stockwerk aus. Erstaunlich ist nicht nur die Geschwindigkeit des Feuers, sondern auch sein unvorhersehbarer Weg: Es verbreitet sich entlang der Abwasserleitungen.

Bricht ein Feuer aus, können sich Flammen, Rauch und Hitze sehr schnell über die Abwasserleitungen ausbreiten und so auch weitere Etagen in Brand setzen, zeigt die Erfahrung. Aus diesem Grund ist ein wirksamer Brandschutz in der Entwässerung so wichtig. An ihn werden in Sonderbauten, aber auch in öffentlichen Gebäuden oder in Wohnanlagen, wo sich viele Menschen aufh alten, besondere Anforderungen gestellt.

Anforderungen an den Brandschutz

Jedes Hotelzimmer gilt baurechtlich als eigenständige Nutzungseinheit und muss mit einer entsprechen Feuerwiderstandsdauer voneinander getrennt werden. „Dies ist auch im Entwässerungsbereich z. B. beibodengleichen Duschtassen zu berücksichtigen. Man benötigt eine Abschottung im Bereich der Geschossdecken oder im Bereich der Zimmertrennwände. Das ist für die Entwässerung sehr wichtig und in der Vergangenheit oft vernachlässigt worden“, erläutert Manfred Lippe, von der IHK Mittlerer Niederrhein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für den baulichen und anlagentechnischen Brandschutz. Das sogenannte Deckenabschottungsprinzip für Leitungsanlagen und Bodenabläufe ist Teil der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR).

In der MLAR, Abschnitt 3 und 4, werden die Anforderungen an Rohrleitungen einschließlich der erforderlichen Befestigungen und Dämmstoffe im Zusammenhang mit der Verlegung in Rettungswegen beschrieben. Die MLAR/LAR soll den vorbeugenden Brandschutz bei Leitungsanlagen verbessern und alle Beteiligten dabei unterstützen, das Gebäude in einem angemessenen und vertraglichen Sicherheitsstandard zu errichten. Die MLAR/ LAR definiert ebenso die Ausführungsgrundsätze für die Durchdringung einer Rohrleitung oder eines Boden- bzw. Deckenablaufs in senkrechter Ausführung durch eine feuerbeständige Wand oder Decke. Danach sind Wand- und/oder Deckendurchführungen in Verbindung mit nationalen Verwendbarkeitsnachweisen (abZ / abP / aBG) in R 30/60/90/120-Qualität auszuführen. Das „R“ steht für Rohrabschottung.

Entwässerungstechnik im Brandschutzkonzept

Das Brandschutzkonzept wiederum bildet die Grundlage für die Planung von öffentlichen Gebäuden. Es berücksichtigt alle für das jeweilige Gebäude brandschutzrechtlichen Anforderungen und wird Bestandteil der Baugenehmigung. Die Entwässerungstechnik nimmt im Brandschutzkonzept einen nur sehr knappen Teil ein. „Meistens steht zur Entwässerungstechnik nur im Konzept: Die Leitungsanlagen-Richtlinie ist als baurechtliche Planungs- und Ausführungsgrundlage umzusetzen. Damit ist aus brandschutzrechtlicher Sicht alles beschrieben“, erklärt Manfred Lippe. Der Brandschutzexperte weiß: „Der Entwässerungsbereich ist im Brandschutzkonzept nur relativ knapp enthalten, führt aber sehr oft zu Mängeln. Viele Details werden nicht beachtet.“

Das Konzept wird von einem Brandschutzplaner erstellt. Außerdem sind Architekt, Statiker und die Planungsbüros TGA involviert. Das Problem sei, dass Brandschutz im Studium eines TGA-Planers nicht abgedeckt ist und umgekehrt Brandschutzkonzeptersteller wenig Berührungspunkte zur TGA-Welt haben. Daher sei es wichtig darauf zu achten, dass die Schnittstellen im Rahmen der Planung und insbesondere im Rahmen der Umsetzung sauber eingehalten werden, erläutert der Diplom-Ingenieur. Daher empfiehlt er allen an diesem Prozess Beteiligten regelmäßige Fortbildungen.

Installateur in der Verantwortung

In der Altbausanierung und in der Sanierung von Bestandsgebäuden gibt es oft keinen TGA-Planer. In vielen Fällen fehlt auch ein genehmigtes Brandschutzkonzept. Gleichzeitig gibt es in Mehrfamilienhäusern Anforderungen, etwa an die Durchdringung von Bauteilen mit Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer. „Dann muss der Installateur für die Einhaltung aller brandschutztechnischer Vorschriften auch in der Entwässerungstechnik die Funktion eines Planers übernehmen. Im Bestand ist er der Allrounder“, so der Sachverständige. „Und wenn er Fehler macht, muss er haften“. Daher seien auch für den Installateur entsprechende Fortbildungen und Fachliteratur immens wichtig.

Brandschutz für Bodenabläufe

Im vorbeugenden Brandschutz werden Kunststoffabläufe mit einem senkrechten Ablaufstutzen als Rohr- bzw. Deckendurchführungen angesehen, die abgeschottet werden müssen. Ansonsten kann sich im Brandfall das Feuer über die Entwässerungsleitungen ausbreiten. Um das zu verhindern, müssen alle Durchführungen dieser Art fach- und normgerecht gesichert werden. Ähnliches gilt auch für Flachdächer. Hier kann der Brand über die Dachabläufe auf das Dach überspringen.

Zur Abschottung von Deckendurchführungen bietet Dallmer installationsfertige Brandschutzelemente an. Kernstück dieser Elemente ist eine Brandschutzeinlage bestehend aus einer intumeszierenden Masse (im Brandfall aufschäumender Baustoff), die bei einer Hitzeeinwirkung von ca. 150 °C aufzuschäumen beginnt. Das Volumen des Materials vergrößert sich dabei um das 15- bis 20-Fache. Dadurch wird die Deckendurchführung schnell, zuverlässig und sicher verschlossen. Weder Wärme noch Flammen oder Rauch können sich über diese Durchführung weiter ausbreiten.

Die Brandschutzelemente werden in unterschiedliche Feuerwiderstandsklassen eingeteilt. Diese Klassifizierung wird sowohl von der deutschen Norm DIN 4102-2 als auch von der europäischen Norm DIN EN 13501-2 geregelt. In beiden Fällen entscheidet die Dauer, wie lange ein Bauteil dem Feuer widerstehen kann, über seine Einstufung. Planer, Architekten oder eben die Installateure müssen darauf achten, Brandschutzelemente auszuwählen, deren Feuerwiderstandsklasse zu der Decke passt, in der das Element eingesetzt wird. Ist die Feuerwiderstandsklasse des Brandschutzelements niedriger, mindert das die Effektivität der Decke. Anders ausgedrückt: Eine widerstandsfähige Decke nützt nichts, wenn sich das Feuer über die Rohre ausbreiten kann.

Die geforderten Feuerwiderstandsdauern für Bodenabläufe sind bei der Planung und Ausführung zu berücksichtigen. Der Nachweis der jeweiligen Feuerwiderstandsdauer muss über einen An-/Verwendbarkeitsnachweis, z. B. ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP), eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder eine allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) geführt werden. Europäische Klassifizierungen gelten auch für Bodenabläufe, die nach europäischen Normen geregelt und in der Muster Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) dokumentiert sind.

Fazit: Brandschutz rettet Leben

Nur wenn der Brandschutz im Entwässerungsbereich von Anfang an mitgedacht wird, kann die Sicherheit von Gebäuden und deren Nutzern gewährleistet werden und nur so kann man verhindern, dass aus einem kleinen Feuer eine unkontrollierbare Katastrophe wird. Ein sorgfältig geplanter und umgesetzter Brandschutz rettet Leben – das sollten alle Beteiligten niemals vergessen.

Autorin: Sylvia Bösch, PR-Referentin bei Dallmer

www.dallmer.de/brandschutz

Literatur: Kommentar zur Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR). Mit Anwendungsempfehlungen und Praxisbeispielen: Hrsg. v. Manfred Lippe, Knut Czepuck, Frank Möller und Dr. Jörg Reintsema. 2025. 6. überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-86235-327-9.


Fortbildungen zum Brandschutz

Das Europäische Institut für postgraduale Bildung GmbH (EIPOS) bietet die Fachfortbildung „Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz“ an: www.eipos.de

Das VDI Wissensforum bietet z. B. ein Seminar zum „Brandschutz bei Leitungs- und Lüftungsanlagen“: www.vdi-wissensforum.de

 


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