„Haustechnische Anforderungen systematisch lösen“
TECE-Key-Account-Manager Daniel Kobold über industriell vorgefertigte Installationswände, kalkulierbare Bauzeiten, Brandschutz mit System – und warum der größte Widerstand im Kopf beginnt
Zeitdruck, Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Brandschutz und Dokumentation – die TGA steht unter enormem Effizienzdruck. Industriell vorgefertigte Installationswände versprechen schnellere Montage, höhere Qualität und mehr Rechtssicherheit. Doch warum zögern noch immer viele Marktteilnehmer? Im Gespräch mit der IKZ erklärt Daniel Kobold, Key Account Manager Projektvertrieb bei TECE, wo der tatsächliche Mehrwert serieller Vorfertigung liegt, weshalb frühe Planung entscheidend ist – und warum sich der Umstieg für Handwerk, Planer und Betreiber gleichermaßen rechnet.
IKZ: Herr Kobold, Sie sind Key Account Manager für den Projektvertrieb bei TECE. Hier sind Sie zuständig für „TECE-system“, die Lösung für werkseitig vorgefertigte Installationswände. Worin liegt für Sie der größte Mehrwert industrieller Vorfertigung?
Kobold: Der größte Mehrwert liegt für mich klar darin, dass wir komplexe haustechnische Anforderungen systematisch lösen, statt sie auf der Baustelle in viele kleine Einzelschritte aufzuteilen. Eine industriell gefertigte Installationswand enthält bereits die komplette Verrohrung, Zähler- und Absperreinheiten, Lüftungskomponenten sowie ggf. die vorbereitete Schalung für Deckenschotts. Dadurch reduzieren wir Montagezeit und Fehlerrisiken erheblich, während wir gleichzeitig kalkulatorische und rechtliche Sicherheit bieten. Außerdem entsteht eine konstante Qualität, die auf der Baustelle in Einzelarbeit nicht immer erreichbar ist.
IKZ: Können Sie das näher erläutern?
Kobold: Gerne. Mit serieller Vorfertigung ist der Zeitaufwand für die Sanitärinstallation transparent und damit besser kalkulierbar, was das Verzugsrisiko erheblich reduziert. In Abstimmung mit den Kunden erfolgt die Lieferung zu den gewünschten Terminen just-in-time auf die Baustelle. Bei größeren Stückzahlen auch in mehreren Abrufen. Auf Wunsch können Teilmengen in Containern geliefert und auf der Baustelle zwischengelagert werden. An Ort und Stelle werden die Sanitärwände und Schächte nur noch ausgerichtet und am Baukörper fixiert. Dann müssen lediglich die Rohrleitungen miteinander verbunden werden. So verringert sich die Montagezeit vor Ort deutlich, ebenso wie der Koordinationsaufwand zwischen verschiedenen Gewerken. Zudem entfällt auf der Baustelle die kontinuierliche Verwaltung, die Beschaffung und das Zusammensuchen der vielen Einzelteile. Stillstandzeiten werden so nachweislich reduziert.
IKZ: Das klingt ja, als gebe es ausschließlich Vorteile.
Kobold: Im Prinzip ist das auch so. Unsere Kunden haben es uns schon oft bestätigt: Wer einmal mit Vorfertigung gearbeitet hat, ist überzeugt und trägt dies innerhalb seines Netzwerks auch weiter.
IKZ: Dennoch ist das Thema längst nicht so verbreitet, wie man annehmen möchte. Woran liegt das?
Kobold: Das stimmt. Das liegt meines Erachtens vor allem daran, dass es einfach eine Umstellung von der gewohnten Praxis bedeutet. Es ist nicht so, dass die Vorteile industrieller Vorfertigung nicht bekannt wären. Im Gegenteil. Aber es ist ein Unterschied, ob man theoretisch weiß, wie etwas besser gehen könnte, oder ob man praktisch dafür bekannte Prozesse komplett umstrukturiert und dafür die Verantwortung übernehmen muss. Besonders wenn man unter Zeitdruck steht. Hinzu kommt, dass trotz der Fülle an verfügbaren Informationen bei Menschen ohne Erfahrung auf diesem Gebiet leider immer noch eine gewisse Skepsis besteht. So werden Kalkulationen insbesondere bei den Montagezeiten dann beispielsweise deutlich zu konservativ aufgestellt, weil man sich schlicht nicht vorstellen kann, dass der Zeitgewinn wirklich so groß ausfällt, wie vom Systemanbieter versprochen. Das führt dann zu nicht wettbewerbsfähigen Angeboten und man gewinnt den Eindruck, dass sich Vorfertigung nicht rentiert. Wenn man sich aber darauf einlässt und dem Prozess vertraut, erkennt man schnell, dass das Gegenteil der Fall ist.
IKZ: Sie sprechen den Prozess an. Wie läuft so ein Projekt im Idealfall ab?
Kobold: Wir beginnen immer mit einem Anforderungsprofil. Danach folgen Konzept, Grundvarianten, Fertigungsplanung und die Freigabezeichnung. Alles in enger Absprache mit den Beteiligten. Unsere Anwendungstechniker und der technische Innendienst unterstützen nicht nur bei der Planung, sondern auch bei der Erstellung von Leistungsverzeichnissen mit klaren, eindeutigen Beschreibungen der Leistungskriterien. Auch die komplette Dokumentation – Prüfberichte, Zulassungen, Abnahmeunterlagen – liefern wir mit. Die Installationswände selbst werden im Werk produziert, zur eindeutigen Kennzeichnung ihres Einsatzortes auf der Baustelle mit Typenschildern versehen und wie gesagt just-in-time geliefert.
IKZ: Welche Herausforderungen treten typischerweise bei der Montage auf?
Kobold: Tatsächlich weniger als bei der konventionellen Installation. Die Wände kommen auf der Baustelle an, werden ausgerichtet, fixiert und angeschlossen. Dafür erhalten die ausführenden Installationsunternehmen immer eine ausführliche Einweisung durch unsere Anwendungstechniker, bei der wir unter anderem eine Checkliste mit allen zu beachtenden Details zur Verfügung stellen. Diese reichen von Tipps zum richtigen Handling der Register bis zu einer Auflistung der auszuführenden Montageschritte. Die häufigsten Stolpersteine entstehen, wenn bauseitige Voraussetzungen fehlen, etwa unklare Leitungswege oder unzureichende Zuwegungen im Bestand. Deshalb prüfen wir vorab Anlieferung, Entladewege, Raummaße und mögliche Hindernisse.
IKZ: Welche Informationen brauchen Sie, um ein Projekt zu planen?
Kobold: Wir benötigen vor allem die Werkplanung, Gebäudeschnitte, die Bad-Detailplanung und die TGA-Planung, um Wandtypen, Durchbrüche und Schachtgrößen abzustimmen. Je früher wir diese Unterlagen erhalten, desto präziser können wir die Installation definieren und wirtschaftliche Alternativen zur konventionellen Bauweise aufzeigen.
IKZ: Wann sollte TECE also idealerweise ins Projekt geholt werden, um Zeit- und Kostenvorteile bestmöglich auszuschöpfen?
Kobold: Spätestens in Leistungsphase 2 bis 3, optimalerweise sogar im Vorentwurf. Je eher serielle Vorfertigung in der Planung berücksichtigt wird, desto mehr Möglichkeiten bietet sie. Ab der Entwurfsphase können wir Raumaufteilungen, Schachtlagen und Installationswege aktiv optimieren. Außerdem empfehlen wir auch gemeinsame Gespräche mit anderen Gewerken wie Trockenbau und Elektro ab Leistungsphase 2, in denen wir Schachtbelegung, Leitungswege und Abschottungen mit allen Beteiligten definieren. Besonders bei Projekten mit hohen Stückzahlen – Studentenwohnheime, Hotels, serieller Wohnungsbau – entscheidet die frühe Einbindung über Wochen Bauzeitgewinn. Darüber hinaus lassen sich komplexe Installationssituationen flexibler lösen – etwa durch versetzte Schächte, neue Schachtlagen in Fluren, die dann sogar die Sanierung im bewohnten Zustand möglich machen, oder Trennwandlösungen zwischen Bädern.
IKZ: Trennwand? Sie meinen statt Vorwand? Was bedeutet das konkret?
Kobold: Das bedeutet, dass die Installationswand als beidseitig nutzbare Raumtrennwand eingesetzt wird. Dann wird sie anstelle der klassischen Mauerwerksoder Trockenbauwand, statt davor eingesetzt. Typische Einsatzbereiche sind zwischen zwei Bädern, wie in Hotels, Pflegeeinrichtungen oder Studentenwohnheimen sowie zwischen Bad und Küche, bspw. in Mikroapartments oder kleinen Wohneinheiten. Pro Raum können so 10 bis 15 cm Wandstärke eingespart werden, was insbesondere im Kontext der Barrierefreiheit von entscheidender Bedeutung sein kann.
IKZ: Sie haben anfangs die rechtliche Sicherheit angesprochen. Ich nehme an, das bezieht sich unter anderem auf Brandschutzanforderungen?
Kobold: Grundsätzlich liegt die Herausforderung hier in der Vielzahl unterschiedlicher Brandschutzprodukte – von Manschetten über Dämmhülsen bis hin zu Kombiabschottungen. Denn für jede einzelne Anwendung ist ein zum Zeitpunkt des Einbaus gültiger Verwendbarkeitsnachweis erforderlich. Hinzu kommt, dass nur geprüft e Produktkombinationen, z. B. Rohr plus Manschette desselben Systems, zulässig sind und die Ausführung exakt den Zulassungen entsprechen muss. Die Installationsfirmen müssen nicht nur den Einbau nach Herstellervorgaben vornehmen, sondern auch eine lückenlose Dokumentation führen. TECE bietet hier zwei Vorfertigungslösungen in Form von zwei unterschiedlichen Bauarten: „TECE system“ als klassische Bauart mit Deckenschott und Einzelabschottungen und „TECE system-Pro“ als Bauart in Kombination mit Einblasdämmung. Bei beiden Varianten werden alle Schacht- und Wandelemente werkseitig unter kontrollierten Bedingungen mit geprüft en und aufeinander abgestimmten Systemkomponenten mit gültigem Verwendbarkeitsnachweis bestückt. Beide Varianten kommen also als fertiges Komplettbauteil mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) auf der Baustelle an und erleichtern so Nachweisführung, Ausführungssicherheit und Schnittstellenkoordination erheblich, während gleichzeitig die Einhaltung der geforderten Schutzziele gewährleistet bleibt. Für den Installateur liegt der Unterschied im Wesentlichen darin, dass bei „TECE-system“, also der klassischen Bauart, er selbst die vertikale brandschutztechnische Abschottung per Deckenschott übernimmt und die Übereinstimmungserklärung unterzeichnet, während bei „TECE-system-Pro“ vor Ort nur noch gemäß allgemeiner Bauartgenehmigung (aBG) montiert und beplankt wird. Anschließend verfüllt eine zertifizierte Fachfirma die Installationswand hohlraumfrei mit mineralischer Einblasdämmung und übernimmt dann auch per Übereinstimmungserklärung die brandschutztechnische Verantwortung.
KZ: Gibt es bei diesen Bauarten auch Unterschiede im Anwendungsbereich?
Kobold: Prinzipiell lassen sich beide Bauarten gleichwertig als Vorwand- und Schachtlösung einsetzten. Jedoch spielt die Pro-Variante ihre Vorteile besonders dann aus, wenn sie wie oben beschrieben als Trennwand statt als Vorwand eingesetzt wird. Hier spielt neben dem vertikalen, nämlich insbesondere auch der horizontale Brandschutz eine wichtige Rolle – beides wird zuverlässig durch die moderne Einblasdämmung gewährleistet. Denn das Dämmgranulat verhindert die Ausbreitung von Rauch und Feuer sowohl auf andere Geschosse als auch auf angrenzende Räume sicher. Ein weiterer Vorteil ist die Trinkwasserhygiene: Das hohlraumfreie Dämmen reduziert die Wärmeübertragung auf Kaltwasserleitungen. In Summe entsteht so ein Bauprodukt, das Normen systematisch erfüllt, statt sie in Einzelmaßnahmen anzugehen.
IKZ: Stichwort Bestandsgebäude: Maßabweichungen und Überraschungen sind dort an der Tagesordnung. Wie flexibel ist ein vorgefertigtes System wirklich?
Kobold: Flexibler, als viele zunächst denken. Vorfertigung bedeutet nicht starr, sondern vordefiniert – aber variabel. Wir entwickeln für jedes Projekt Grundtypen, die wir an unterschiedliche Geschosse, Leitungsquerschnitte oder Raumgeometrien anpassen. Es ist ein Irrglaube, dass sich Vorfertigung nur für den Neubau wirklich eignet. Gerade bei Sanierungen konnten wir immer wieder zeigen, wie robust das System auf Abweichungen reagiert.
IKZ: Welche digitalen Werkzeuge nutzen Sie? Stellen Sie beispielsweise BIM-Datenbereit?
Kobold: Wir arbeiten mit gängigen CAD-Systemen zur digitalen Planerstellung. Auf Wunsch stellen wir BIM-Daten bereit oder integrieren unsere Planung in bestehende Modelle. IFC-Exporte sind selbstverständlich möglich.
IKZ: Können Sie uns zum Abschied noch Ihr Fazit für unsere Leser geben? Warum sollte sich die Branche mehr mit industrieller Vorfertigung beschäft igen?
Kobold: Vorfertigung lohnt sich immer, weil sie von vornherein die Th emen Zeitverzug, überbordende Kosten und Mängel ausschließt. Handwerker profitieren vor allem von kurzen Montagezeiten und vereinfachter Logistik, Planer gewinnen baurechtliche Sicherheit, und Betreiber profitieren von kürzeren Ausfallzeiten und kalkulierbaren Kosten.