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Badezimmer interkontinental

Vom New Yorker Master Bathroom zum Eltern-Spa in Bad Honnef

In Großstädten wie New York herrscht an Penthäusern mit 100-m²-Bädern kein Mangel. Offen und frei stehend ist das Nonplusultra im Land des unbegrenzten Bades. Bild: XtravaganT-Source / fotolia.com

Wohnraum ist in Metropolen wie Tokio knapp. Multifunktionale Nutzungen gehören deshalb ebenso zum Gestaltungskonzept wie eine Inneneinrichtung, in der jeder überflüssige Aspekt entfernt wird. Bild: Ken‘ichi Suzuki Kobe-Source / baunetzwissen.de

In China wird Reichtum ebenso offen gezeigt wie im eurasischen Russland, in Indien oder den Arabischen Staaten. Bild: daxueconsulting.com

Die Mischung aus amerikanischer, europäischer und asiatischer Inneneinrichtung spiegelt sich in Sydney in offenen Raumkonzepten mit schlanken, geraden Möbeln wider. Sharrin Rees Sydney-Source / homemagazine.co.nz

Bodeneben, transparent und mit großflächigen Kopfbrausen – so präsentieren sich üppige Bäder in Deutschland. Bild: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft

Jens Wischmann, Geschäftsführer der VDS.

 

Andere Länder, andere Bäder: Bescheidene 7 m² misst das bundesdeutsche Durchschnittsbad. Und auch wenn es hierzulande durchaus üppige Bäder gibt, 100-m²-Bäder, wie sie in US-amerikanischen Großstädten wie New York regelmäßig zu finden sind, sind hier eher die Ausnahme. Im fernen Osten dagegen tüfteln Planer daran, viel Bad auf wenig Raum unterzubringen. Ästhetische Nachhaltigkeit wird im modernen Sydney groß geschrieben und in São Paulo spielt die Integration der Außenwelt eine wichtige Rolle.

Der neueste Luxus-Wohntrend in den USA ist ein Ort, den Gäste niemals zu sehen bekommen: der „Master Bathroom“. Mehr als je zuvor werden luxuriöse Badezimmer verkauft – für exklusive Häuser sogar im „Er“- und „Sie“-Format. „Das Master-Bad ist das Juwel in der Krone“, erzählt Jim Winters, ein 61-jähriger Pensionär, dem Wall Street Journal. Er ist Besitzer eines 3480-m²-Hauses, dessen Badezimmer ein Drittel der Wohnfläche einnehmen – und damit kein Einzelfall. Immobilienmakler bezeichnen die Nachfrage nach Nobel-Bädern als steigend, und in Großstädten wie New York herrscht an Penthäusern mit 100-m²-Bädern kein Mangel. Offen und frei stehend ist das Nonplusultra im Land des unbegrenzten Bades, in dem sich neben der Ei-Wanne mitten im Raum auch küchenzeilenbreite Waschtische sowie üppige Duschen mit XXL-Armaturen breitmachen dürfen. Zum urbanen
Architektur-Ambiente werden pure Formen und minimalistische Geometrien mit hellen Farben und poliertem Chrom kombiniert.
Anders im fernen Osten. Dort tüfteln Planer daran, viel Bad auf wenig Raum unterzubringen. Japan hat ein Platzproblem, und Wohnraum in Metropolen wie Tokio ist knapp. Multifunktionale Nutzungen gehören ebenso zum Gestaltungskonzept wie die Inneneinrichtung, in der jeder überflüssige Aspekt entfernt wird. Nicht aber die traditionelle Sitzbadewanne, in die der Nutzer gleich einem Ritual bis zum Hals eintaucht. Sie darf ebenso wenig in einem Haushalt fehlen wie die Dusche davor, die der gründlichen Reinigung vor dem Badegang dient. Überwiegend weiß ist es, das moderne japanische Bad, filigran und von schlichter Ästhetik. Das gilt besonders für die häufig nach Maß gefertigten Schränke aus edlen Holzsorten asiatischen Ursprungs. Während drinnen die Natur stets ein Thema ist, bleibt die Toilette draußen. Immer.
In Shanghai hat Baden ebenfalls Tradition. Was jedoch früher im öffentlichen Badehaus zelebriert wurde, hat sich mit der Zuwendung nach Europa in die privaten Wände verlagert. In den weltoffenen Metropolen Chinas bewegen sich die Menschen zwischen den Kulturen, und eigene klassische Werte und zeitgemäßer europäischer Glamour verbinden sich zu zahlreichen Stilzitaten. In China wird Reichtum ebenso offen gezeigt wie im eurasischen Russland, in Indien oder den Arabischen Staaten. Goldene Armaturen und Löwenfüße an der Badewanne sollen Macht symbolisieren, florales Art Déco eine elegante Haltung. Teuer gefertigte Möbel in modern interpretierter Opulenz prägen die Badezimmer derjenigen, die es sich leisten können. Nicht immer aber muss es glitzern: Bäderwelten renommierter Designer und Architekten, die sich fernab modischer Strömungen und regionaler Besonderheiten bewegen, sind dabei, auch Asien zu erobern.
Ästhetische Nachhaltigkeit wird im modernen Sydney von jeher groß geschrieben: mit natürlichen Materialien sowie der richtigen Balance zwischen Funktionalität und Luxus. Auch in den Häusern und Apartments an Australiens Ostküste zeigt sich der Einfluss zahlreicher Kulturen. Die Mischung aus amerikanischer, europäischer und asiatischer Inneneinrichtung spiegelt sich in offenen Raumkonzepten mit schlanken, geraden Möbeln wider. Dem weißen Standard der Ausstattung, der in vielen Bädern ins Auge fällt, wird mit Licht, Holz und handgearbeiteten Fliesen begegnet. Landestypische oder jeweils eng auf die individuelle Umgebung abgestimmte Farben demonstrieren die enge Verbundenheit der modernen australischen Urbanität mit der sie umgebenden Natur.
Die Integration der Außenwelt spielt in São Paulo ebenfalls eine wichtige Rolle – nur, dass sie wegen der Kriminalität hinter hohen Mauern stattfindet. Innerhalb der geschützten Zone öffnen sich die Häuser und fusionieren häufig mit dem Garten zu einer Einheit. Fronten, die sich komplett öffnen lassen, ersetzen die Fenster. So entstehen auch völlig offene Bäder, für die Brasilien natürlich der beste Ort ist, allein schon der Temperaturen wegen. Ein Gemisch aus Beton, Naturstein, traditionellen Mosaikfliesen und dunklem Holz gibt den Rahmen für minimalistische Formen. Angesichts der Hitze lieben es die Südamerikaner, sich in der Dusche unter großflächigen Kopfbrausen zu erfrischen. Der Spritzschutz ist transparent, der Zugang bodeneben.
Zurück in Deutschland. Bei Hausmann in Bad Honnef wird auf allen Etagen gestrahlt. Auch hier bodeneben, transparent und mit großflächigen Kopfbrausen. Gleich vier Bäder hat die alte Jugendstilvilla – für den Fall, dass bei der Großfamilie „der Bär steppt“. Im Gäste- und Ausweichbad sind klare Strukturen, weiße Objekte und gerade Linien vorherrschend. Gleiches gilt für das Kinderbad. Liebevoll ausgesuchte Accessoires sorgen für Farbe und wohlige Atmosphäre, auch im wenige Schritte entfernten „Eltern-Spa“. In der separaten Dampfdusche, vordem Vorratskammer, lassen sich Alltagsstress wegspülen und Abwehrkräfte steigern. Holzmöbel und Kieselfliesen am Boden vermitteln Wärme und das Gefühl, „endlich zu Hause zu sein“. An einem Ort, den Gäste niemals zu sehen bekommen.

www.messefrankfurt.com

Globale Badtrends auf der ISH 2015

Wer sich über (neue) globale Badtrends informieren will, dem ist eine „Badreise“ nach Frankfurt zur ISH zu empfehlen. Die Weltleitmesse u. a. für innovatives Baddesign findet vom 10. bis 14. März 2015 statt. Hier präsentieren sich im Bereich ISH Water Aussteller mit nachhaltigen, designorientierten Badlösungen. Der weltgrößte Showroom zeigt die neuesten Design-Entwicklungen genauso wie moderne, auf heutige Bedürfnisse abgestimmte nachhaltige Technik, also das gesamte Spektrum von High-Tech- und High-End-Design. Der Bereich ISH Water steht zur ISH 2015 unter dem Top-Thema „Interior + Technology – Design und Funktion im Einklang“. Hier geht es unter anderem um den effizienten Umgang mit der Ressource Wasser, um Reinigung und Hygiene, aber auch um Speziallösungen für individuelle Benutzerbedürfnisse.

 

 

Nachgefragt

IKZ-HAUSTECHNIK: Luxusbäder, beinahe so groß wie eine 4-Personen-Wohnung. Gibt es so etwas hier in Deutschland?

Jens Wischmann: Nun, solche Bäder werden in Deutschland wohl die Ausnahme sein. Immerhin sind laut der letzten großen Badumfrage der VDS durch die GfK 27 % der deutschen Bäder größer als 10 m². Das lässt zumindest den einen oder anderen Luxus im Bad zu. Allerdings sind eben auch 28 % der deutschen Bäder kleiner als 6 m² – und mit 7,8 m² Durchschnittsgröße stagniert die Badgröße leider seit Jahren.

IKZ-HAUSTECHNIK: Bleiben wir also bei den hierzulande üblichen Größenordnungen von 7 bis 20 m² Fläche. Welche Trends und Techniken beobachten Sie derzeit?

Jens Wischmann: Ganz klar der Trend zu einer individuellen Badplanung und -gestaltung, die die Komfortangebote der Badhersteller nutzt. Bodengleiche Duschen, spülrandlose WCs und Waschtischkombinationen mit Stauraum sind fast schon Standard. Dabei wird das Bad immer wohnlicher, moderne Badmöbel z. B. sind von ihren „Wohnzimmerverwandten“ kaum mehr zu unterscheiden.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie steht es um die Funktionalität oder anders gefragt: Ist das barrierefreie, generationenübergreifende Bad inzwischen beim Endkunden angekommen?

Jens Wischmann: Noch nicht ganz so, wie wir uns das erhoffen. Über 70 % der Bundesbürger sagen, ihr jetziges Bad ist nicht altersgerecht. Was uns Hoffnung macht: Die uneingeschränkte Nutzung des Bades auch im Alter steht ganz oben bei den Wünschen der Deutschen an ihr neues Bad. Mit unserer Aktion Barrierefreies Bad wollen wir, gemeinsam mit dem ZVSHK, die Verbraucher über die Vorzüge eines barrierefreien Bades aufklären. Übrigens nicht nur im Alter. Und natürlich auch über die neuen Fördermöglichkeiten der KfW.

IKZ-HAUSTECHNIK: Das Thema Licht im Bad ist in der Vergangenheit mitunter stiefmütterlich behandelt worden. Beobachten Sie inzwischen ein Umdenken?

Jens Wischmann: Auf jeden Fall! Zu jeder gründlichen Komplettbadplanung gehört auch eine spezielle Lichtplanung. So vermitteln wir es in der Bad-Akademie bei der Weiterbildung zum Bad-Manager, so ist es aber auch schon vielerorts gelebte Praxis. Gerade die neue LED-Technik verschafft den Bäderbauern neue Möglichkeiten, Licht funktional und zugleich stimmungsvoll im Bad zu inszenieren.

IKZ-HAUSTECHNIK: Vom 10. bis 14. März öffnet die ISH 2015 ihre Tore. Welche Aktivitäten hat die VDS zur Weltleitmesse geplant?

Jens Wischmann: „Eine Reise durch ein Bad-Leben“ verspricht unsere Trendinszenierung im Rahmen unseres Trendformates pop-up-my-bathroom in der Halle 3.0. Unter dem Motto „Freibad“ zeigen wir, wie frei Badplanung und Badnutzung bereits heute sein kann und sein muss – in jeder Lebensphase! Auf dem ebenfalls in Halle 3.0 befindlichen Trendforum pop-up Atelier werden wir wieder ein umfangreiches Vortrags- und Diskussionsprogramm für Fachhandwerker, Badplaner und Architekten anbieten. Mit prominenten Gästen, soviel sei hier schon verraten. Die VDS waterlounge wird darüber hinaus wieder als Branchen- und Medientreffpunkt in der Halle 3.1 ihre Pforten öffnen. Schwerpunkte des Informationsangebotes sind die Bad-Akademie und die Aktion Barrierefreies Bad. Eine herzliche Einladung an alle IKZ-Leser, dort vorbeizuschauen.

 

 

 


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