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Zentralverband – Heizungs-Check erhält Fördergeld

Technische Referenten tagten zu aktuellen Themen

Die Politik setzt auf das SHK-Handwerk: Für den Aktionsplan Energieeffizienz soll der Heizungs-Check als wichtiges Instrument ab 2016 finanziell gefördert werden.

Die Bundesregierung drängt auf Erfolg: Noch ist nicht in allen Punkten klar, wie die Sofortmaßnahmen des Aktionsplans Energieeffizienz im Detail umgesetzt werden sollen.

Was sind die drängenden Themen der SHK-Branche? Die Technischen Referenten aus Landesverbänden und ZVSHK suchten am 9. und 10. September in Lohmar nach praktikablen Lösungen.

Andreas Müller (stv. ZVSHK-Hauptgeschäftsführer): „Die Förderung des Heizungs-Checks ist ein Volltreffer für das SHK-Handwerk. Die Bundesregierung verbindet dies allerdings auch mit einer hohen Erwartung an unsere Aktivitäten.“

Udo Wirges (Bereichsleiter Technik im ZVSHK): „Die neuen Marktpotenziale zu heben, wird für die Fachunternehmer mit intensiver Beratung und erhöhtem Aufwand verbunden sein. Innungsbetriebe sollen dabei bestmögliche Unterstützung erhalten.“

Matthias Wagnitz (ZVSHK-Referent Heizungstechnik): „Die jetzt fertig gestellten neuen Schulungsunterlagen für den Heizungs-Check mussten an vielen Stellen ergänzt werden. Die Schulung ist deshalb wichtig für die organisierten Innungsbetriebe.“

Jörg Knapp (Fachverband SHK Baden-Württemberg) zum landesweiten novellierten EWärmeG, dem eine Pilotfunktion für den Bund zugesprochen wird: „Wer den Sanierungsfahrplan erstellt, darf auch selbst die nötigen Arbeiten ausführen.“

Klaus Rüttiger (Fachverband SHK Bayern) zum landesweiten 10 000-Häuser-Programm: „25 bis 30 Jahre alte Heizungen stehen im Fokus der Modernisierung. Die Förderung lässt sich z. B. auch mit KfW-Maßnahmen kombinieren.“

Andreas Braun (ZVSHK-Referent Sanitärtechnik) zu der Verwendbarkeit von Werkstoffen in der Trinkwasser-Installation: „Produkte drängen auf den Markt, die Bleianteile durch Aluminium ersetzt haben – das erhöht die Anfälligkeit für Korrosion.“

Carsten Müller-Oehring (ZVSHK-Referent Recht) zu der Verwendbarkeit von Produkten in der Trinkwasser-Installation: „Die Fachbetriebe können ihr Risiko reduzieren, indem sie Hersteller wählen, mit denen eine Haftungsübernahmevereinbarung besteht.“

Christian Wolf (ZVSHK-Referent Lüftungstechnik): „Der Gesetzgeber muss die Notwendigkeit des Mindestluftwechsels festlegen und mit der EnEV kombinieren – sonst bleibt ein gesundes Raumklima weiterhin optional.“

Tim Froitzheim (ZVSHK-Referent Ofen- und Luftheizungstechnik) zu Regelungen im Bestand: „Die Motivation, eine Feuerstätte zu sanieren, darf nicht ausgebremst werden, indem man gleichzeitig verpflichtet wird, die Abgasanlage zu erhöhen.“

Christian Winsel (Referent Klempnertechnik im ZVSHK) zu Dachaufbauten unter Metalldächern: „Die Bauaufsichtliche Zulassung für den Brandschutz bei der Unterkonstruktion wird oft nur für bestimmte Dachneigungen erteilt.“

 

Das politische Berlin hat erkannt, welches Potenzial an Einsparung im Heizungskeller zu finden ist und will dort mit einer verlässlichen Förderung den Hebel ansetzen – und das SHK-Handwerk wird zum wichtigen Mittler! Endlich bekommt der Wärmemarkt in der Diskussion um mehr Energieeffizienz eine höhere Bedeutung. Über Jahre hinweg haben ZVSHK und Heizungsindustrie darauf gedrängt, finanzielle Anreize für die Modernisierung veralteter Wärmeerzeuger zu schaffen. Jetzt zeigt sich Erfolg: Ein Katalog an Sofortmaßnahmen samt Fördergeld soll bis 2020 den Weg ebnen, dass das SHK-Handwerk veraltete Technik kenntlich macht und deutlich mehr moderne Heiztechnik für den Klimaschutz installiert.

Die Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung ist nicht so gut vorwärts gekommen, wie sie angesichts der ambitionierten Schutzziele Erfolg haben müsste. Es sollen weitere Anstrengungen unternommen werden. Auf der Tagung der Technischen Referenten am 9. September 2015 in Lohmar skizzierte Andreas Müller, stv. ZVSHK-Hauptgeschäftsführer, das Szenario rund um den Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE). Demnach sollen bis zum Jahr 2020 insgesamt 22,5 Mio. t CO2 eingespart werden. Den Großteil von 13 Mio. t soll die Reduktion der Verstromung durch Braunkohle bringen, 4 Mio. t weniger CO2 der verstärkte Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung bewirken und die Verringerung weiterer 5,5 Mio. t soll durch Effizienzmaßnahmen entstehen.
Dem letzten Punkt gehört besondere Aufmerksamkeit. Dieser NAPE-Bereich bündelt vielschichtige Aktivitäten, die sich u.a. in einem Katalog von Sofortmaßnahmen überschauen lassen (siehe Übersicht). „Sofort“ bedeutet hier, dass mit Nachdruck an den Rahmenbedingungen gearbeitet wird. Erste Schritte, z. B. die seit Ende September in Kraft getretene Verbrauchskennzeichnung für neue Heizungsanlagen, zeigen bereits jetzt Wirkung. Für andere Schritte bedarf es noch weiterer Abstimmung innerhalb der Minis­terien oder nötige Verordnungen müssen erst noch ausgearbeitet werden.

Politiker gehen aufs SHK-Handwerk zu
Andreas Müller machte in seinen Erläuterungen deutlich, dass dabei in den letzten Monaten eine sehr bedeutsame Entwicklung in Berlin festzustellen ist. Politische Entscheidungsträger erkennen die Mittlerrolle des SHK-Handwerks beim Bürger bzw. Endverwender. Um elementare Lebensgrundlagen wie Wasser, Wärme und Luft sicherzustellen, bietet der SHK-Unternehmer und seine Kundenbindung eine wertvolle Beziehung.
Diese Erkenntnis, die jetzt zunehmend auf politischer Ebene greift, ist nicht neu. Ob Heizungsmodernisierung, Trinkwasserhygiene oder für das altersgerechte Leben in den eigenen vier Wänden – das SHK-Handwerk zeigt zu verschiedenen Brennpunkten Flagge und bringt auf politischer Ebene Lösungsansätze ins Gespräch. Doch erst jetzt, nach etlichen Jahren, in denen das Vertrauen durch viele Gespräche zwischen SHK-Handwerk und politischen Entscheidungsträgern gewachsen ist und eine gute Vernetzung besteht, zeichnet sich ein besonderer Erfolg ab.
Ohne das SHK-Handwerk geht es nicht, könnte inzwischen die Losung im Wirtschaftsministerium lauten. Denn weil der NAPE für die Bundesregierung den erwünschten Erfolg bringen muss, hält man in Berlin Ausschau, wie und mit wem die Ziele für den Klimaschutz denn nun erreicht werden könnten. Auch dazu hat sich die SHK-Organisation als Gesprächspartner angeboten.

Ab 2016 gibt’s Geld für den Heizungs-Check
Durch finanzielle Förderung soll Bewegung in den trägen Heizungsmarkt kommen. Vor allem soll möglichst vielen Besitzern von Ein- und Zweifamilienhäusern deutlich werden, dass ein betagtes Heizungssystem zwar weiter Wärmeleistung bringen kann, doch längst nicht so effizient ist, wie moderne Technik sein könnte. Um die Modernisierungsrate alter Heizsys­teme zu beschleunigen, sollen verschiedene Wege beschritten werden. Mehrere Konzepte stehen vor dem Abschluss und sollen nächstes Jahr starten.
Zum einen soll das Altanlagen-Label dem Besitzer deutlich machen, wie ineffizient der betagte Wärmeerzeuger arbeitet. 2016 wird vor allem der Heizungsbauer im Rahmen seiner Wartungstätigkeit dieses Label am Gerät anbringen können. In den Folgejahren soll der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger fehlende Label anbringen. Weitere Einzelheiten dazu jedoch nicht an dieser Stelle. Im Vordergrund steht hier das Konzept rund um den Heizungs-Check, der ohnehin mehr im Blick hat als die Effizienz des Heizgerätes. Nachfolgend die wichtigsten Punkte:

  • Für die Durchführung des Heizungs-Checks in Ein- und Zweifamilienhäusern wird ein Wert von 120 Euro angesetzt und voraussichtlich mit bis zu 80 Euro als anteilige Förderung bezuschusst. Inwieweit der Fachbetrieb den Differenzbetrag mit einer Gutschrift kombiniert, die bei einem Modernisierungsauftrag eingelöst werden kann, bleibt dem Akquisekonzept des Fachunternehmers überlassen.
  • Den Nachweis für den Heizungs-Check bzw. Förderantrag soll der Heizungsbauer durch eine möglichst einfache Online-Meldung erledigen können.
  • Ein neues Schulungsangebot wird über die SHK-Landesverbände vorbereitet. Das macht Sinn, weil zum einen bisher 5000 Teilnehmer geschult wurden, diese Weiterbildung jedoch bereits einige Jahre zurückliegt. Zum anderen wurden bislang wichtige Komponenten der Anlagentechnik wie Biomasse, Wärmepumpe oder die Trinkwarmwasserbereitung nicht behandelt – in Zukunft aber integriert. Ebenso ist die Bafa-Förderung ein wichtiges Thema in der Weiterbildung.
  • Bis 2020 sollen jedes Jahr etwa 80 000 Heizungs-Checks realisiert werden. Etwa 4,8 Mio. Euro an Förderung ist dafür eingeplant.

Großes Marktpotenzial bei den Eigenheimen
Die Immobilienwirtschaft hat in der Vergangenheit bereits vielfach Modernisierungsmaßnahmen im Bestand vorangebracht und dabei bestehende finanzielle Fördermöglichkeiten und das güns­tige Zinsniveau genutzt. Jedoch zeigt sich bei den Eigenheimbesitzern eine bislang eher träge Bereitschaft, in effiziente Haus- und Gebäudetechnik zu investieren. Das Tauziehen um eine verlässliche steuerliche Förderung hat dazu beigetragen. Doch mit den jetzt beschlossenen langfristigen Fördermaßnahmen, die allerdings noch im Detail konkretisiert werden müssen, bietet sich für SHK-Betriebe auch bei privaten Liegenschaften über etliche Jahre hinweg ein lukrativer Markt.
Wie auf der Tagung zur Sprache kam, sieht die SHK-Berufsorganisation einen hohen Beratungsbedarf bei den Eigentümern, um sie zur Investition in moderne Gebäudetechnik zu bewegen. Deshalb sollen die SHK-Mitgliedsbetriebe gute Schulungsangebote nutzen können, um ihre Akquise auf diesen Markt ausrichten zu können. Wettbewerbsvorteile gegenüber Nicht-Innungsmitgliedern sind da durchaus beabsichtigt.

Weitere Themen der Sitzung

  • Für das Energieeffizienzlabel neuer Heizungen hatten sich bis Mitte September etwa 100 Hersteller bereit erklärt, ihre technischen Daten für die Webseite www.heizungslabel.de zur Verfügung zu stellen. Diese Datenplattform bündelt und automatisiert die erforderlichen Aufgaben für den Heizungsbauer. So kann der Handwerksunternehmer auch in Zukunft passgenaue, individuell zusammengestellte Heizungsanlagen anbieten und die Planungshoheit bleibt im SHK-Handwerk.
  • UBA-Liste, Zert-Zeichen, Herstellerzusage: Wie gelingt es dem SHK-Betrieb zweifelsfrei, eine mängelfreie Trinkwasseranlage zu bauen? Diese Frage beschäftigte die Techniker auch in dieser Sitzung. Antwort: Es gibt für alle Materialien derzeit keine absolute Sicherheit, dass nicht doch erhöhte Bleiwerte im Trinkwasser festgestellt werden können. Jedoch lässt sich ein hohes Maß an Sicherheit dadurch gewinnen, dass die Mitgliedsbetriebe Hersteller wählen, die eine Haftungsübernahmevereinbarung (HÜV) abgeschlossen haben. Alle Infos dazu einschließlich der Liste der HÜV-Partner zum Download im internen Bereich von www.zvshk.de mit Quicklink QL2021599.
  • Die Ursache für Schäden in Trinkwasser-Installationen im Versorgungsgebiet Dorsten-Holsterhausen konnte bislang nicht ermittelt werden. Die Untersuchungen gehen weiter.
  • Der DVWG hat im Infoblatt Twin Nr. 11 zusammengefasst, was bei der Installation von Wasserzählern zu beachten ist. Ziel ist eine sorgfältige Handhabung bei der Montage, damit es nicht zu einer Verkeimung der Trinkwasseranlage kommt. Das Infoblatt steht unter www.dvgw.de (Suchbegriff: twin11) zum Download bereit.
  • Die Normung der Raumlufttechnik befindet sich mitten in der Überarbeitung – auf europäischer und auf nationaler Ebene. Absehbar ist, dass sich Änderungen in der europäischen Normenreihe (EN 16798) auf nationale Vorgaben der DIN 1946 Teil 6 auswirken können.
  • In Vorbereitung ist eine Pilotschulung zur energetischen Beurteilung von Lüftungsanlagen, die noch in diesem Jahr stattfinden soll.
  • Im Bereich Klempnertechnik ging es auf der Tagung um den Aufbau von Holzkonstruktionen unter Metalldächern. Offenbar wird in der Praxis häufig nicht bedacht, dass Bauaufsichtliche Zulassungen in Bezug auf den Brandschutz nicht generell erteilt, sondern von bestimmten Dachneigungen und anderen Parametern abhängig gemacht werden.
  • Für den Ofen- und Luftheizungsbau: Die VDI 3781 Blatt 4 stellt Anforderungen an die Höhe und Anordnung von Abgasanlagen. Ziel ist es, Beläs­tigungen durch Immissionen von Kleinfeuerungsanlagen zu minimieren. Die dort gestellten Anforderungen gehen deutlich über die bestehenden Anforderungen der 1. BImSchV hinaus. Dagegen hat die SHK-Verbandsorganisation Einspruch erhoben. TD

 


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