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Verschlissenes raus, Effizientes rein

Wann ein Wechsel von Heizkörpern sinnvoll ist

Wird ein neuer Heizkessel eingebaut, sollten auch die Rohrleitungen überprüft werden. Eine Dämmung der Heizungsrohre ist auch im Bestand bei Sanierungen Pflicht. Bild: ZVSHK

Dr.-Ing. Matthias Wagnitz, Referent beim ZVSHK für Energie- und Wärmetechnik. Bild: ZVSHK

Heizleisten können unter bestimmten Bedingungen eine Alternative zu herkömmlichen Heizkörpern sein. Bild: Variotherm

In Bädern werden Heizkörper, die gleichzeitig als Handtuchtrockner dienen, gern mit Fußbodenheizungen kombiniert. Bild: Kermi

Für die Kombination von Fußboden- und Flachheizung werden vom Markt passende Tools angeboten. Bild: Kermi

Beim Umstieg auf eine Wärmepumpe sind Flächenheizungen besser geeignet. Bild: ZVSHK

 

Wird ein alter Wärmeerzeuger gegen ein neues ausgetauscht, so bleiben die Heizkörper meist erhalten. Eine Vorgehensweise, die Probleme nach sich ziehen kann. Denn die Heizkörper sind in der Regel auf die notwendigen Leistungen bei entsprechender Vorlauftemperatur ausgelegt worden. Daher ist eine Überprüfung unumgänglich. Zudem sind ältere Modelle längst nicht so effizient wie neue. Doch es gibt Ausnahmen. Nicht immer macht ein Heizkörpertausch Sinn.

Eines vorab: Heizkörper gehören dringend ausgetauscht, wenn sie offensichtliche Verschleißerscheinungen zeigen. Dazu zählen Roststellen, undichte Anschlussstellen oder aufgrund von Korrosion nicht mehr funktionsfähige Thermostate. Zwar könnte man Letztere austauschen, sie sind aber ein deutlicher Hinweis, dass der Heizkörper seine besten Zeiten hinter sich gelassen hat. Auch wenn die Heizungsanlage komplett erneuert wird, also weg von Verbrennungstechnik und hin zur Wärmepumpe, scheint ein Austausch geboten, da diese Systeme besser mit Flächenheizungen korrespondieren.
Ausnahmen gibt es nur wenige, etwa, wenn Flächenheizungen aus verschiedenen baulichen oder Denkmalschutzgründen nicht groß genug ausfallen können. In jedem Fall muss die neue Leistung für den Heizkörper entsprechend der DIN EN 12831 berechnet und mit der Heizlast abgeglichen werden. Das könnte problematisch werden, wenn die notwendigen Daten dafür nur unvollständig oder überhaupt nicht vorliegen. Hier hilft eine Recherche, in der das Mauerwerk mithilfe des Baujahrs des Gebäudes zugrunde gelegt und die wahrscheinlichen Energieverbräche je m² berechnet werden. Mittlerweile bieten auch zahlreiche Hersteller Apps, die sowohl diese Recherche als auch die Heizlastberechnung unterstützen.

Ein Austausch mit Vorteilen
Den wenigen Ausnahmen, in denen die alten Heizkörper weiterhin betrieben werden können, stehen jedoch einige Gründe entgegen, die für einen Austausch sprechen. Der wichtigste ist die mangelnde Wirtschaftlichkeit. So sind die alten und durchaus noch häufig anzutreffenden Radiatoren mit bis zu zwei Dritteln mehr Wasser gefüllt als moderne Flachheizkörper und vor allem häufig knapp dimensioniert. Deswegen benötigen sie höhere Vorlauftemperaturen, als es für moderne Wärmeerzeuger gewünscht wird, um behagliche Zimmertemperaturen zu erreichen. Zudem lassen sie sich durch die höheren Wassermengen im Inneren schwerfälliger via Thermostat regeln.
Auch der bauliche energetische Standard spielt eine Rolle. Wird nachträglich gedämmt, reichen nicht nur Heizkessel mit geringerer Leistung aus. Die vorhandenen Heizkörper können nun auch mit geringeren Temperaturen betrieben werden. Zudem kann es zu Leistungsverlusten kommen. Die liegen zwar nicht direkt bei den alten Heizkörpern, aber bei den ungedämmten Rohrleitungen für Vor- und Rücklauf. Diese geben im Verhältnis zur Oberfläche des Heizkörpers sehr viel ungeregelte Wärme ab. Verlaufen die Leitungen durch einen Raum, der via Thermostatventil geregelt wird, werden sie diesen aufwärmen. Selbst wenn das Thermostatventil geschlossen ist. Im Prinzip müssten diese Rohrleitungen nach EnEV gedämmt werden. Häufig sind die Leitungen aber in der Wand verlegt, eine nachträgliche Dämmung ist daher nicht möglich.
Ebenfalls zu beachten ist, dass für alte Heizkörper meist eine Nische unter dem Fenster geschaffen wurde, in der das Mauerwerk deutlich dünner ist. Das wiederum lässt Wärmebrücken entstehen. Beim Auswechseln der Heizkörper könnten diese beseitigt werden.

Alternative: Plattenheizkörper
Platten- oder Flachheizkörper sind die gängige Alternative zum Austausch alter Radiatoren. Sie sind deutlich weniger materialintensiv und haben aus Gründen der Wärmeübertragung nur eine Werkstoffdicke von 1 bis 1,5 mm Stahlblech. Als Qualitätsmerkmal gelten saubere Schweißnähte und eine Pulverbeschichtung. Zudem sind für Nassräume wie Schwimmbäder eigens dafür gefertigte Heizkörper erhältlich, die feuchtigkeitsbeständig sind. Hier erfolgt die Oberflächenbehandlung mit einem speziellen Verfahren.
Zusätzlich innen liegende Lamellen bei Kompaktheizkörpern sorgen für eine noch effizientere Wärmeübertragung und -abgabe. Sie arbeiten nach dem Prinzip der seriellen Durchströmung und dienen damit der Wärmeverteilung im Heizkörper. Zunächst wird die Frontplatte erwärmt, die nachgeschaltete Platte dient als Strahlungsschirm. Sie wird ebenfalls durchströmt, wenn der Heizungsbedarf steigt. Gegenüber normalen Flachheizkörpern sorgt diese Technologie für maximale Strahlungswärme.
Die Hersteller bieten als Ersatzlösung schon an die alten Maße passend ausgelegte Heizkörper an. Meist sind die Anschlüsse genormt und passen, etwa speziell bei Sanierungsheizkörpern, auch bei den neuen Heizkörpern problemlos. Wenn die Maße außerhalb der Norm liegen, bietet der Markt entsprechende Anschlussadapter. Selbst für die verschiedenen Wohnbereiche wie Wohnzimmer oder Bad gibt es unterschiedliche, aber passende Lösungen – früher ein purer Luxus.

Mit Fußbodenheizung kombinierbar
Solche Heizkörper lassen sich auch gut mit einer Fußbodenheizung kombinieren. Sie verbinden den Fußbodenheizungskreis mit dem vorhandenen Heizkörpernetz – ohne Stromanschluss, ohne aufwendige Baumaßnahmen, ohne Eingriff in die Heizkesselregelung. Dabei werden die Anschlussgarnituren beider Systeme im Ventilhahnblock vereint. Die Anschlüsse liegen alle auf einer Ebene. Innerhalb der Garnitur ist ein Regler integriert, der die Rücklauftemperatur auf den für die Fußbodenheizung zulässigen Wert begrenzt. Das für die Heizkörper nötige, höhere Niveau wird davon nicht beeinflusst. Doch auch diese Variante hat Grenzen: Die Einbindung ist nicht ganz einfach und nur schwer hydraulisch in den Griff zu bekommen. Hinzu kommt, dass die Wärmeabgabe nur schwer berechnet werden kann.

Wasserbeschaffenheit beim Wechsel beachten
Bei einem Wechsel der Heizkörper ist auch der Austausch des Wassers wichtig. SHK-Handwerker sollten dies dafür extra aufbereiten. Wird einfaches Leitungswasser genommen, sind Probleme vorprogrammiert – hier hilft eine Aufbereitung nach VDI 2035. Demnach muss das Heizungswasser in Abhängigkeit von der Erzeugerleistung und dem Wasserinhalt der kompletten Anlage Randbedingungen bezüglich Härte, pH-Wert und Leitfähigkeit einhalten. Darüber hinaus muss es klar und frei von sedimentierenden Bestandteilen sein. Probleme mit der diesbezüglichen Korrosion treten vor allem bei Wärmeübertragern und Kesseln auf.
Erreicht werden können die Vorgaben bei Bedarf mittels Enthärtung oder Entsalzung. Die Methoden dafür sind wiederum abhängig von der Beschaffenheit des verwendeten Wassers (siehe hierzu auch IKZ-Fachplaner Oktober/2017 ab Seite 18, „Bestandsrenovierung: Auch das Heizwasser gehört dazu“). Das einfachste Verfahren leitet das Wasser durch eine Kartusche mit Harz, das die Härtebildner und Salze aufnimmt. Dennoch ist dies alles keine Lösung für die Ewigkeit. Nach einiger Zeit kann das Kreislaufwasser wieder aggressiv reagieren. Die Beschaffenheit des Heizungswassers muss mit jeder Wartung überprüft werden.

Heizleisten als weitere Variante
Als weitere Alternative, die aber auch umstritten ist, bieten sich Heizleisten an. Diese werden immer innen liegend vor Außenwänden dicht über dem Fußboden angebracht. Tatsächlich bauen sie relativ schnell entlang dieser Außenwand und potenziellen Kältequelle einen Wärmeschleier auf. Dennoch sind keinerlei Ener­gieeinsparungen oder geringere Heizkos­ten zu erwarten – sondern eher mehr, als es bei einem Wechsel auf Platten- und insbesondere Kompaktheizkörper geben kann.
Durch ihre Anbringung an der Außenwand haben Heizleisten gegenüber Plattenheizkörpern allerdings einen Vorteil: Sie mindern Kondenswasserbildung, vorausgesetzt, man heizt regelmäßig damit. Deswegen bieten sie sich etwa für Räume an, deren Außenwände zur Schimmelbildung neigen. Eine Dauerlösung sollte das aber nicht sein. Besser wären eine ordentliche Sanierung der Wand bzw. ein ausreichender Luftaustausch.
Heizleisten gibt es sowohl wassergeführt, die mit einem bestimmten Aufwand für Rohrleitungen und Hydraulik an ein bestehendes Heizsystem angeschlossen werden können, als auch stromgeführt. Letztere sind aufgrund der hohen Stromkosten nur als Zusatzheizung für Räume zu empfehlen, die selten genutzt werden.

Autor: Frank Urbansky


 

Nachgefragt
IKZ-HAUSTECHNIK: Wie erkennt man am besten, wann ein Heizkörper ausgetauscht werden sollte?
Matthias Wagnitz: Optisch – sobald er erkennbar durchgerostet ist. Nur Kantenrost ist noch kein Todesurteil. Auch wenn die Gewindeverbindungen korrodiert sind, sollte unbedingt getauscht werden, weil die Korrosion dann in den Heizkörper eindringt.
Bei Renovierungen ist in jedem Fall anzuraten Optimierungsmaßnahmen durchzuführen, etwa mittels hydraulischen Abgleichs und Absenkung der Vorlauftemperatur. Dazu gehört auch die Berechnung der Heizlast. Wenn das zu dem Ergebnis führt, dass der Heizkörper zu klein ist, was häufiger vorkommt, ist das hydraulisch nicht in den Griff zu bekommen. Dann muss der Heizkörper getauscht werden. Denn wenn man die Temperatur im System absenkt, was bei einem Umstieg auf Brennwerttechnik ja tatsächlich geschieht, erreicht der Raum mit dem relativ kleinsten Heizkörper nicht mehr die gewünschten Temperaturen, während alle anderen Räume noch ausreichend versorgt werden. Ist der Heizkörper zu groß, was eher selten ist, kann man das eventuell hydraulisch regeln.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie sieht es mit den guten alten Gussheizkörpern aus?
Matthias Wagnitz: Gussheizkörper sind an sich kein technisches Problem, eher ein ästhetisches. Manchmal reicht es, wenn man die Thermostatventile austauscht. Aber: Bei einem Tausch des Heizkörpers werden ebenfalls die inneren Ablagerungen entfernt, die sich über die Jahrzehnte hinweg darin angesammelt haben und die sich mit Spülen nur schwer entfernen lassen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie sollte man diesen Korrosionen bei einem Beibehalten der Heizkörper begegnen?
Matthias Wagnitz: Bei einem Einfamilienhaus kann ich das komplette System noch spülen, bei einem Mehrfamilienhaus geht das schon nicht mehr. Eine Lösung kann es sein, das Wasser im laufenden Betrieb aufzubereiten, etwa 24 Stunden lang mittels Schmutzfänger und mittels Entsalzungspatronen.

IKZ-HAUSTECHNIK:
Heizen sich alte Heizkörper nicht deutlich langsamer auf?
Matthias Wagnitz: Ja, aber das ist kein echtes Problem. Aus meiner Sicht ist das kein Austauschgrund für den Heizkörper.

IKZ-HAUSTECHNIK:
Wann ist eine Kombination alter Heizkörper mit einer Flächenheizung sinnvoll?
Matthias Wagnitz: Ein Wechsel auf eine Fußbodenheizung ist immer ein erheblicher Eingriff ins Gebäude. Das kann man nur machen, wenn die Räume zeitweise nicht bewohnt sind. Die Mischung aus Heizkörper und Fußbodenheizung hat im Bestand durchaus Sinn. Die Radiatoren sind dann die Verlängerung der Heizfläche des Fußbodens. Im Bad ist diese Kombination ja fast schon Standard. Aber wenn umfassend saniert wird, sinkt die Heizlast. Damit sollte die Fußbodenheizung in den meisten Fällen ohne ergänzende Heizkörper auskommen.

IKZ-HAUSTECHNIK:
Sind bei einer Umrüs­tung auf die Flächenheizung auch die alten Rohrleitungen zu gebrauchen?
Matthias Wagnitz: Nein. Die Anschlüsse für Heizkörper sind meist an den falschen Stellen. Die Rohre sind veraltet, zugesetzt oder durch Korrosion nicht mehr so leistungsfähig. Die einzelnen Räume lassen sich durch die fehlende Dämmung der Stränge nicht mehr optimal regulieren, was zulasten der Effizienz geht. Wenn, dann sollte man es richtig machen und die Heizungsrohre auch auswechseln und die neuen Rohrleitungen dämmen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wären in diesem Zusammenhang Heizleisten eine Alternative?
Matthias Wagnitz: Im Einzelfall kann das eine Option sein, wenn sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten. Ob die Wand dann noch Wärme abstrahlt, was man ja schon bei einem modernen Radiator kaum merkt, ist eine andere Frage. Um das zu erreichen, muss ich hohe Temperaturen fahren. Hier sind manche Marketingaussagen eventuell etwas zu vollmundig. Die Raumluft muss bei einer Heizleiste ähnlich wie bei einem Heizkörper zirkulieren können. Ich darf den Platz also nicht zustellen. Das wiederum wirkt sich auf die Nutzbarkeit der Räume aus.

 

 

 


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