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Mängel in Ausbildungsqualität und Unzufriedenheit bei Azubis nehmen zu

Ausbildungsreport 2019 zeigt Ergebnisse zur Qualität von Berufsausbildungen auf. Nachbesserungen im Berufsbildungsgesetz gefordert

„Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden“, so Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende. Bild: DGB

Zu einer besseren Ausbildungsqualität muss auch die Politik ihren Teil beitragen, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte, zum vorliegenden Gesetzentwurf für die Novelle des Berufsbildungsgesetzes. Bild: DGB

Durchschnittlich rund 30 % der Azubis sind mit ihrer Ausbildung unzufrieden bzw. teilweise unzufrieden.

Rund 72 % der befragten Anlagenmechaniker/-innen erachten Aspekte der Digitalisierung in ihrer Ausbildung als wichtig oder sehr wichtig. Doch nur etwa 39 % der Auszubildenden sehen sich in der Ausbildung gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert.

 

Durchschnittlich weniger als 70 % der Auszubildenden (Azubis) sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Tendenz sinkend. Zudem sehen sich viele Azubis durch ihre Berufsausbildung nur unzureichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Das belegen Zahlen des Ausbildungsreports 2019 der Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)-Jugend, der Ende August veröffentlicht wurde.

An dem jährlich durchgeführten Ausbildungsreport haben sich in 2019 über 16 000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt, darunter z. B. Industriemechaniker/-innen, Elektroniker/-innen, Verkäufer/-innen, Maler/-innen und Lackierer/-innen. Der Anteil an Anlagen-mechaniker/-innen betrug dabei 654 Personen. Ein Schwerpunkt der repräsentativen Befragung ist die Digitalisierung. Weitere Themen sind die Ausbildungszufriedenheit und Qualität der Ausbildung.

Digitalisierung: Hohe Erwartungen, die schnell schwinden
Zwar geben durchschnittlich rund 80 % der Befragten an, dass Aspekte der Digitalisierung in ihrer Ausbildung wichtig oder sehr wichtig sind. Doch nur 54 % der Jugendlichen sehen sich während ihrer Ausbildung gezielt darauf vorbereitet, digitale Technologien zu nutzen. In der Sparte der Anlagenmechaniker/-innen fällt das Urteil noch gravierender aus: Hier sehen sich von rund 72 % der Befragten, die das Thema als wichtig erachten, nur etwa 39 % in der Ausbildung gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert.
Ein Grund für die negative Sichtweise der Auszubildenden dürfte in der schlechten technischen Ausstattung vieler Berufsschulen liegen. Fast ein Drittel der Azubis beurteilen die digitale Ausstattung an ihrer Berufsschule als „ausreichend“ oder sogar „mangelhaft“.
„Diese Zahlen machen uns Sorge“, erklärt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack und sagt weiter: „Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden. Die Mittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern müssen auch an den beruflichen Schulen ankommen. Überdies gilt es, das betriebliche Ausbildungspersonal besser zu qualifizieren.“

Ausbildungsqualität/-zufriedenheit
Große Probleme sehen die Studienmacher bei der Qualität der Ausbildung. So gehörten z. B. regelmäßige Überstunden für viele Auszubildende noch immer zum Ausbildungsalltag. Der Anteil der Befragten, die angaben, regelmäßig Überstunden zu leisten, liegt mit rund 36 % auf Vorjahresniveau. Ähnliches auch für Auszubildende, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der minderjährigen Azubis, die regelmäßig mehr als 40 Stunden arbeiten müssen, sogar noch gestiegen, um 1,9 Prozentpunkte, auf durchschnittlich 11,9 % – „obwohl dies verboten ist“, betont DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte.
Eine solche Situation ruft Unzufriedenheit bei den Auszubildenden hervor. Die sinkende Zufriedenheit dürfte auch damit zusammenhängen, dass immer mehr Azubis ausbildungsfremde Tätigkeiten ausführen müssen. Der Report blickt dabei auf Daten bis zum Jahr 2010 zurück. Und noch nie war der Anteil der Befragten, die angaben, im Betrieb „häufig“ oder „immer“ ausbildungsfremde Arbeiten ableis­ten zu müssen, so hoch. Er beträgt derzeit 12,2 %. Dazu mahnt Bundesjugendsekretärin Conte: „Die Ausbildungsbetriebe müssen sich an geltende Gesetze halten. Eine Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Die Auszubildenden dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.“

Nachbesserung des Berufsbildungsgesetzes gefordert
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) befindet sich zurzeit in Überarbeitung. Der vorliegende Entwurf des neuen BBiG soll bereits zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Zu den großen Änderungen zählen u. a. eine Mindestvergütung, höherqualifizierende Berufsausbildungen mit einheitlichen neuen Abschlussbezeichnungen sowie Regelungen zur Durchführung von Teilzeitausbildungen.
Unabhängig vom derzeitigen Stand der BBiG-Novellierung sieht der DGB-Jugend noch weiteren Nachbesserungsbedarf. „Zu einer besseren Ausbildungsqualität muss auch die Politik ihren Teil beitragen“, sagt Bundesjugendsekretärin Conte. Der DGB-Jugend fordert daher u. a. die Rückkehrpflicht in den Betrieb nach der Berufsschule abzuschaffen, die Azubis für die Prüfungsvorbereitung freizustellen und die Ausbildung kostenfrei zu gestalten. Conte: „Zudem sollte der Geltungsbereich des Gesetzes auf die betrieblichen Phasen des dualen Studiums ausgeweitet werden, das immer mehr Jugendliche absolvieren.“

 

Ende August wurde der 60 Seiten umfassende Ausbildungsreport 2019 veröffentlicht. Über 16 000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen haben sich daran beteiligt.

Der Link führt direkt zur Studie Ausbildungsreport 2019.
http://bit.ly/ausbildungsreport

 

 

 

 


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