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„Die Komplexität der zu installierenden Systeme steigt“

Interview mit Norbert Betzl (Solarwatt) zu PV-Anlagen, Aufdach- und Indachmontage

Die Montage eines PV-Systems wird mehr und mehr ein Schlüssel in der ­Wett­bewerbsfähigkeit von Solarteuren. Die ­Systeme vereinfachen sich. Aufdach-Lösungen sind noch in der Mehrzahl. Aber Indach-Lösungen gewinnen an Fahrt. Bild: Solarwatt

Die Nachfrage nach PV boomt. „Der Fachkräftemangel macht auch vor der Berufsgruppe der Elektroinstallateure und Solarteure nicht halt. Für eine fachgerechte Installation einer PV-Anlage ist es notwendig, sich nicht nur auf oberflächlich angelernte, mobile Arbeitskräfte zu verlassen, wenn die Anlage in der gebotenen Qualität realisiert werden soll“, sagt Norbert Betzl. Bild: Solarwatt

Der Beginn des Post-EEG-Zeitalters ist privatwirtschaftlich längst schon gesetzt. Der Solarstrom der Vonovia-Projekte wird heute zwar größtenteils ins öffentliche Netz eingespeist. Mittel- bis langfristig setzt das Unternehmen jedoch auf eine dezentrale Energieversorgung der eigenen Quartiere. Das Unternehmen hatte in einem ersten Schritt zunächst seinen Wohnungsbestand auf PV-Tauglichkeit sondiert. Innerhalb der ersten Tranche werden 210 Gebäude mit PV ausgerüs­tet. Das Programm startet in Dresden und München. Die ersten Anlagen in Dresden sind bereits installiert. Bild: Vonovia

Sind Installateure in der Klemme? „Auf die Anlage selbst bezogen, wird sich die ­mechanische Montage der PV-Anlage weiter vereinfachen. Allerdings steigt die Komplexität der zu ­installierenden Systeme“, sagt Norbert Betzl. Bild: Pixabay

 

Solarwatt hat erst jüngst einen dicken Fisch an Land gezogen über einen 1 MW-Auftrag von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen Vonovia im Rahmen dessen 1000-Dächer PV-Programms. Der EEG-Debatte zum Trotz boomt die Photovoltaik in Deutschland. Ein wesentlicher Bestandteil der Wettbewerbsfähigkeit ist neben guten Modulen die ihr zugrunde liegende Montage. Wir sprachen mit Norbert Betzl, bei Solarwatt als Director Product Management Solar Modules verantwortlich für das Solarmodul-Portfolio über Aufdach- und Indachsysteme und wie sich die Situation für Planer und Installateure weiter entwickeln wird.

IKZ-Energy: Herr Betzl, überlassen Modulhersteller den Solarteuren, mit welchen Montagesystemen sie die Module beim Endkunden verbauen? Wie macht es Solarwatt?
Norbert Betzl: Grundsätzlich liegt es in der Verantwortung des Solarteurs, welches Montagesystem er auswählt. Für Aufdachsysteme empfehlen wir die Montagesysteme, die wir als Handelsware im Portfolio haben und die der Solarteur über unseren Online-Shop gleich mitbestellen kann. Wir unterstützen ihn durch Online-Konfiguratoren bei der Auswahl und Auslegung des gesamten Systems. Solarwatts Indach-Lösung EasyIn ist PV-Modul und Montagesystem in einem, dabei spart sich der Installateur die Auswahl komplett.

IKZ-Energy: Was sind die Vorteile von Aufdach-Montagesystemen im Vergleich zu Indach-Lösungen – was sind die Nachteile?
Norbert Betzl: Der Vorteil bei einer Aufdach-Anlage ist, dass der Installateur nicht die Kompetenzen eines Dachdeckers braucht. Für ihn ist die Installation dadurch einfacher. Prinzipiell kann auf jedes geeignete Dach eine Aufdach-PV-Anlage installiert werden. Da man bei einer Indach-Anlage in die bestehende Dachkonstruktion eingreift, empfielt sich diese Variante vor allem für einen Gebäude-Neubau oder bei einer Dachsanierung. Obwohl beide Anlagearten gleich zuverlässig sind, gilt das edle Design der Indach-Variante als großer Vorteil. Dadurch, dass sich die Module harmonisch in die Dachhaut einfügen, konnten sogar schon denkmalgeschützte Gebäude mit einer PV-Anlage ausgerüstet werden. Die Indach-Module sind etwas teurer als ihre Pendants für die Aufdach-Montage, dafür spart man sich aber die unnötige Material-Doppelung Dachhaut-Solarmodul auf der Fläche, auf der die Module installiert werden.

IKZ-Energy: Welche allgemeinen Trends gibt es am Markt? Oder sind Montagesys­teme im Grunde genommen technisch ausgereizt? Renusol hat bspw. eine neue Universalklemme für Glas-Glas-Module auf den Markt gebracht, die Installateuren noch mehr Zeitersparnis verspricht – geht es noch um Innovationen, vor denen die Montagesystem-Hersteller stehen, vielleicht auch angesichts sich verändernder Modultechnik?
Norbert Betzl: Die Branche tendiert zu einfacheren Montagesystemen, die mit weniger Einzelteilen die zügige Montage von PV-Anlagen ermöglichen. Damit spart der Installateur Kosten, andererseits trägt es der angespannten Arbeitskräftesituation Rechnung. Gleichzeititg wird ein ansprechendes Erscheinungsbild der PV-Anlage für die Kunden immer wichtiger. Ausgereizt sind Dinge aber immer nur so lange, bis wieder jemand eine geniale Idee hat. Dementsprechend werden die Innovationen nicht aufhören. Das Zusammendenken des Modulrahmenkonzepts und des Montagesystems bietet beispielsweise noch einiges an Potenzial, aber auch viele zu lösende Herausforderungen.

IKZ-Energy: Was werden die Herausforderungen für das Handwerk bei der Montage von PV-Anlagen in Zukunft sein – auch angesichts neuer technischer und markttechnischer Entwicklungen?
Norbert Betzl: Der Fachkräftemangel macht auch vor der Berufsgruppe der Elektroinstallateure und Solarteure nicht halt. Für eine fachgerechte Installation einer PV-Anlage ist es notwendig, sich nicht nur auf oberflächlich angelernte, mobile Arbeitskräfte zu verlassen, wenn die Anlage in der gebotenen Qualität realisiert werden soll. Dies gilt noch mehr für Indachanlagen. Sobald sich die Situation im Arbeitsmarkt wieder entspannt, wird allerdings der Kostendruck im Wettbewerb wieder relevant. Es ist nicht einfach, hier eine Balance zu finden.
Auf die Anlage selbst bezogen, wird sich die mechanische Montage der PV-Anlage weiter vereinfachen. Allerdings steigt die Komplexität der zu installierenden Systeme: Immer häufiger sind PV-Module in das Energiemanagementsystem zu integrieren oder mit Speicher und Heizung zu vernetzen. Sie sind zu Komponenten einer Energie-Gesamtlösung geworden. Die Kunden möchten möglichst wenig Mühe mit dieser Komplexität haben und erwarten umfassende, aber für Laien nachvollziehbare Informationen, bevor ein Angebot gestellt wird. Das Handwerk braucht Kompetenzen, komplexe Systeme kundenfreundlich erklären, planen, installieren und warten zu können. Entweder muss der Solarteur diese Kompetenzen vorweisen oder Akteure unterschiedlicher Gewerke koordinieren können.

IKZ-Energy: Welche Entwicklungen hat es in jüngster Zeit aus Ihrer Sicht gegeben, die Indach-Montage wirtschaftlich attraktiver zu machen als bisher – optisch ist sie’s ja schon.
Norbert Betzl: Die sinkenden Kosten für PV-Anlagen generell senken auch die Höhe der Investitionskosten für Indachanlagen deutlich. Das verringert zwar zunächst nicht den Preisunterschied Aufdach versus Indach, aber wenn der Kunde bzw. der Investor generell deutlich we-
niger Geld in die Hand nehmen muss, ist der Aufpreis für Indach eher bezahlbar. Auch der zunehmende Trend, Bestandsgebäude zu sanieren, spricht für den Einsatz von Indach-Anlagen. Daneben zeigen sich auch Routine-Effekte bei den Installateuren: Immer mehr Planer und Solarteure verlieren ihre Scheu vor dieser Art PV-Anlage. Und je erfahrener sie im Umgang mit Indachsystemen sind, desto effizienter und damit kostengünstiger werden diese Anlagen in Planung und Ins­tallation. Durch neue Technologien bei Solarzellen sind auch die Unterschiede im Energieertrag der Indachlösungen, die durch die höheren Betriebstemperaturen entstehen, signifikant kleiner geworden.

IKZ-Energy: Dachziegel halten 60 Jahre und länger – was halten Sie denen in puncto Langlebigkeit einer solaren Dachhaut entgegen?
Norbert Betzl: Auch bei Dachziegeln gibt es Abstufungen hinsichtlich der Qualität und Gebrauchsdauer, nicht jeder Ziegel hält 60 Jahre. Viele Dächer werden nur für eine Lebensdauer von 35 Jahren ausgelegt. Die Lebensdauererwartung von hochwertigen Glas-Glas-Modulen sehen wir bei mindestens 40 Jahren. Das heißt, sie können mit Dachziegeln durchaus mithalten. Auch ein Ziegeldach wird innerhalb seiner Lebensdauer gewartet, ggf. werden einzelne Ziegel ausgetauscht. Warum sollte das nicht für die PV-Dachhaut genauso legitim sein?

IKZ-Energy: Gibt es einen signifikanten Trend hin zum vermehrten Einbau von Indach-Modulen und worauf lässt sich das zurückführen aus Sicht von Solarwatt?
Norbert Betzl: Ja, wir sehen einen Trend bei der Sanierung von Bestandsgebäuden, konkret beispielsweise bei Projekten, in denen größere Gebäude im städtischen Umfeld für eine Umnutzung saniert werden. Dabei müssen heute die steigenden Anforderungen der Stadtbildentwicklung und der energetischen Gebäudesanierung bestmöglich verbunden werden. Indachanlagen sind absolut prädestiniert dafür. (Stadt-)Planer und Anbieter beginnen, diese Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.

Die Fragen stellte Dittmar Koop, Fachjournalist für Erneuerbare Energien


Zur Person:


Bild: Solarwatt

Der studierte Geophysiker ­Norbert Betzl ist seit 2004 in verschiedenen Positionen in der ­Solarindustrie ­tätig – u.a. in der Produktentwicklung und -prüfung sowie im ­Produktmanagement. Heute verantwortet er als Director Product Management Solar Modules das Solarmodul-­Portfolio von Solarwatt. Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen, verbunden mit der Ermächtigung der ­Bürger zu weitreichender Entscheidungsfreiheit bei ihrer Strom- und Wäremversorgung, treiben ihn an.

 


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