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„Der gute Ruf unserer Branche hängt von Beständigkeit und Qualität ab“

Seit mehr als 300 Jahren ist die Thurnauer Firma Schwender in Familienbesitz. Geschäftsführer Hans Schwender wünscht sich mehr kooperierende SHK-Betriebe

Geschäftsführer Hans Schwender (Mitte) führt IKZ-Redakteur Markus Münzfeld durch die betriebseigene Werkstatt.

In der Werkstatt sollen zukünftig vermehrt Produkte und Module vorgefertigt werden.

Bei der Arbeit: Diplom-Ingenieur Matthias Vetter (links) und Mitarbeiter Christian Bär.

Hans Schwender zeigt stolz die Urkundensammlung. Das Unternehmen besitzt das Umweltmanagement-Gütesiegel der EU: EMAS.

Auf Wiedersehen: Geschäftsführer Hans Schwender nach dem Unternehmensrundgang mit IKZ-Redakteur Markus Münzfeld.

 

Kaum ein Handwerksbetrieb in Deutschland kann so viel Tradition nachweisen wie die Schwender Energie- und Gebäudetechnik GmbH & Co.KG in Thurnau (Bayern). 1701 wurde die „Schwender’sche Schlosserei“ erstmals urkundlich erwähnt. „Tradition macht stolz und verpflichtet: zum Fortbestand des Unternehmens, zur Fürsorge gegenüber Mitarbeitern und gegenüber der Region“, sagt Geschäftsführer Hans Schwender im Gespräch mit der IKZ.

Hans Schwender hält stolz ein altes Haustürsperrschloss in der Hand. Es ist ca. 200 Jahre alt, ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert, gut erhalten und funktionstüchtig. „Aufgrund seiner Komplexität ist es damals oft als ‚Hexenwerk‘ tituliert worden – nicht verächtlich gemeint, sondern anerkennend in Bezug auf die handwerkliche Leistung zu jener Zeit“, hebt Schwender hervor. Das antike Schloss aus Metall zaubert ein Leuchten in die Augen des Unternehmers.
Seine Augen glänzen auch dann, wenn Schwender die Entwicklung der Firma in den vergangenen 30 Jahren Revue passieren lässt: von der Wandlung des kleinen Handwerksbetriebs hin zu einem bedeutenden mittelständischen Unternehmen der Heizungs-, Sanitär-, Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik. Heute beschäftigt Schwender, zusammen mit einigen Tochterunternehmen, nahezu 300 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz ist von 37 Mio. Euro in 2013 kontinuierlich auf aktuell 47 Mio. Euro gestiegen. Davon entfällt mit knapp 40 Mio. Euro der größte Teil auf das Thurnauer Stammwerk mit seinen 230 Beschäftigten. Zur Gruppe gehören noch Huber Haustechnik in Jahnsdorf (Sachsen), Hummel Haustechnik in Lichtenfels (Bayern), der Schwender-Service in Stuttgart und ein Ingenieurbüro in Chemnitz.

Qualität hat Bestand
Hans Schwender, u. a. langjähriger Obermeister der Innung SHK Kulmbach sowie stellvertretender Kreishandwerksmeister, umtreibt aber nicht die Historie, sondern der Blick in die Zukunft – getreu der Firmenphilosophie „Qualität hat Bestand“. „Wenn ich Qualität habe und sie vernünftig einsetze, dann ist Bestand das Ergebnis“, sagt er und ergänzt: „Dann gibt es den Betrieb auch die nächsten 50 Jahre und darüber hinaus.“ Um Qualität langfristig gewährleisten zu können, spricht der Diplom-Ingenieur des SHK-Handwerks – er ist auch Mitglied des Betriebswirtschaftsausschusses des Fachverbandes SHK Bay­ern – von „ganzheitlichen Prozessen und Prinzipien“ – und erzählt, was er sich darunter vorstellt.

Nachhaltigkeit
Schwenders Bestreben ist es, Menschen langfristig eine Perspektive zu geben – sozial wie auch wirtschaftlich. Damit dem Privatkunden finanzielle Luft zum Atmen bleibe, müssten Bauteile bezahlbar sein und Produkte so lange ihren Zweck erfüllen, wie es möglich und nötig sei. Zwar unterliegen bestimmte Teile einem Alterungsprozess, aber: „Dann muss die Möglichkeit geschaffen werden, dass Materialien, die eine kürzere Lebensdauer haben, einfach oder mit überschaubarem Aufwand ausgetauscht werden können“, so Schwender.
Seiner Meinung nach muss die Planung optimiert werden, um mögliche Folgekos­ten niedrig zu halten. So sollten Rohrleitungen nicht im Estrich (Fußbodenaufbau) im Keller, sondern z. B. durch Installationskanäle geführt werden. Um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, seien technisch ausgereifte Produkte seitens der Hersteller sowie geschulte Mitarbeiter erforderlich – mehr noch: zwingend notwendig. Schwender: „Der gute Ruf unserer Branche hängt dauerhaft von Beständigkeit und Qualität ab.“
Aufgrund der im Handwerk außergewöhnlichen Betriebsgröße und Mitarbeiterzahl kann Schwender sein Glück ein Stück weit selbst in die Hand nehmen. So ist ein Investitionsprogramm in Millionenhöhe mit dem Ziel gestartet worden, in der betriebseigenen Werkstatt mehr Produkte und Module vorzufertigen. Der Prozess minimiere auf Dauer Kosten und erhöhe Qualität sowie Schnelligkeit auf der Baustelle. Weiterer Vorteil laut Schwender: Mit gesteigerten Vorfertigungsraten lasse sich der Fachkräftemangel abmildern.

Ausbildung
Denn auch bei Schwender wird es schwieriger, gute Auszubildende zu finden. 2018 ist die Zahl der Azubis von 25 auf 18 gesunken. Der Geschäftsführer selbst ist Pate von Kindergärten und Schulen und leistet finanzielle Unterstützung, um eine bestmögliche Ausbildung zu garantieren und um Imagepflege zu betreiben. Im Landkreis Kulmbach gibt es das größte berufliche Schulzentrum von Oberfranken, u. a. mit einer Technikerschule und Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zum SHK-Anlagenmechaniker, Systemplaner oder Kälteanlagenbauer. Weil die Berufsschule die Anschaffung nicht stemmen konnte, hat Schwender kurzerhand das CAD / BIM-Zeichenprogramm gesponsert. „Davon profitieren nicht nur unsere Azubis, sondern alle“, sagt der Installations- und Heizungsbaumeister.
Um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, werden Leuchtturmprojekte initiiert. Schwender-Azubis engagieren sich sozial, sammeln Praxis- und Planungserfahrung und ganz nebenbei erntet der Betrieb eine gute Publicity für eine strukturierte, motivierende und praxisnahe Ausbildung im SHK-Handwerk. Beispiele: Auszubildende haben ein Gebäude – die  Kleiderkammer in Thurnau – saniert und somit den Fortbestand dieser Einrichtung für bedürftige Menschen gesichert. In einem Leuchtturmprojekt wurde auch das Schwimmbad im Ort gerettet. In Kooperation mit der Kältefachschule bauten die jungen Menschen eine neue Wärmepumpe ein. Der Clou: Ein selbst entwickelter Sole-Absorber nutzt die Sonneneinstrahlung als Wärmequelle für die Pumpe. So wurden die Kosten erheblich reduziert und die Schließung des Bades konnte abgewendet werden.
Für Hans Schwender hat soziales Engagement eine hohe Bedeutung. „Ich will meinen Teil als Bürger und als Unternehmer in der Gesellschaft beitragen“, sagt er. Für sein Engagement bekam er 2018 den bundesweit ausgeschriebenen Marketingpreis für das deutsche SHK-Handwerk verliehen.

Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterfindung
Mit Extras sollen Angestellte langfristig an den Betrieb gebunden und qualifiziertes Fachpersonal gefunden werden. So gibt es beispielsweise seit 20 Jahren eine Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmensgewinn, berichtet Schwender. Familien würden bei der Kindergartengebühr bezuschusst. Und nicht zuletzt gebe es Vorteile zur Altersabsicherung und Gesundheitsvorsorge.
Um die Mannschaft zu verstärken, stellt das Unternehmen auch Fachkräfte aus benachbarten EU-Ländern ein, allen voran aus Ungarn und Kroatien. Damit sie dauerhaft bleiben, soll ihr engster Familienkreis in Oberfranken wohnen und leben. Dazu wurde in Thurnau Wohnraum mit niedrigen Mietpreisen geschaffen. Kauft ein Mitarbeiter ein Haus, kann er zudem Finanzierungshilfen vom Betrieb erhalten. „Wir haben preiswerte, schöne Wohnungen gebaut, um die Kollegen möglichst langfristig und erfolgreich im Unternehmen und in der Gemeinde zu integrieren“, sagt Schwender. Damit die Integration in die Gemeinschaft schnellstmöglich gelingt, ist eine Deutschlehrerin im Betrieb angestellt, die wöchentlich Unterricht erteilt. „Diesen Weg werden wir auch in Zukunft gehen“, betont der Firmenchef.

Was wollen Kunden? Was will die Industrie? Was will Schwender?
Ein Weg, der laut Schwender immer das gleiche Ziel verfolgt: zufriedene Kunden. „Sie wollen Problemlösungen, Komfort und – vor allem in Großstädten mehr denn je – einen Partner, der einen Rundumservice anbietet.“ Für die Industrie stünden hocheffiziente Anlagen im Fokus, die sich innerhalb kurzer Zeit rentieren. „Zuverlässigkeit, Termintreue und der Preis müssen hier stimmen“, sagt Schwender. Um Privat- wie Industriekunden zukünftig gleichermaßen zufriedenstellen zu können, wirbt der Geschäftsführer für „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, gerade auch in Zeiten des Fachkräftemangels. Gemeint sind Kooperationen zwischen Industrie und Handwerk, aber auch von kleinen und großen SHK-Betrieben untereinander. Schwender: „Die Gemeinschaft kann mehr erreichen als ein Einzelkämpfer.“ Dass ihm Industrieunternehmen in der Vergangenheit Fachkräfte abgeworben haben, ärgert ihn bis heute. „Das darf nicht sein. Das gegenseitige Ausstechen ist nicht zielführend.“ Dagegen könne von gewerke-übergreifenden Projekten jeder profitieren.

Unternehmensnachfolge
Hans Schwender könnte längst Rentner sein, ans Aufhören denkt der Vollblutunternehmer aber nicht. An die Betriebsnachfolge dagegen schon. Neffe Thomas Schwender und Dr. Christian Schwarz vervollständigen bereits die Geschäftsführung der Energie- und Gebäudetechnik GmbH & Co.KG und sollen die Firma eines Tages in Eigenregie führen. Wird es eine goldene Zukunft sein? „Nur dann, wenn wir sie aktiv gestalten“, sagt Schwender. Noch so ein Stück Unternehmensphilosophie.

Bilder: IKZ

www.schwender-shk.de

 

 

 

Daten und Fakten
Geschichte: Vor 300 Jahren wurde die St.-Laurentius-Kirche in Thurnau gebaut und dabei auch die „Schwender’sche Schlosserei“ erstmals urkundlich erwähnt. Im Ausgabenbuch der Kirchenbaurechnung ist nachzulesen, dass Schlossermeis­ter Mattheus Paul Schwender im Jahr 1701 u. a. Arbeiten an der Orgel und an der Sakristei ausgeführt hat.

Kerngeschäft: Spezialisiert auf Heizungsanlagen, sanitäre Installationen, Lüftungs-, Klima- und Kälteanlagen, Rohrleitungsbau und Schwimmbäder.

Mitarbeiter: Insgesamt 300, davon etwa 230 am Stammsitz in Thurnau.

Besonderheit: Das Unternehmen besitzt das Umweltmanagement-Gütesiegel der Europäischen Union: EMAS. Dahinter verbirgt sich die Kurzbezeichnung für das „Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung“ (Eco-Management and Audit Scheme). Es zielt auf Firmen, die Energie- und Materialeffizienz systematisch verbessern, schädliche Umweltwirkungen und umweltbezogene Risiken reduzieren sowie ihre Rechtssicherheit erhöhen wollen.

Über den Betrieb Schwender in Thurnau (Bayern) berichten Alexander Bange und Markus Münzfeld.

 

 

 

 


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