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Ein neuer Standard für Energieeffizienz

Neue EU-Ökodesign-Verordnung verändert den Ventilatorenmarkt

Mit der neuen Ventilatoren-Verordnung (EU) 2024/1834 beginnt für die Lüftungs- und Klimatechnikbranche eine neue Ära. Hier ein Großventilator als Teil eines Belüftungssystems in einer Tiefgarage. (Systemair)

Die Verordnung bietet die Chance, Effizienz, Nachhaltigkeit und Qualität in der Lüftungstechnik auf ein neues Niveau zu heben. Im Bild der Axialventilator „AXCPV“ von Systemair. (Systemair)

 

Ventilatorensysteme werden dank der neuen EU-Ventilatoren-Verordnung 2024/18354 künftig systemisch europaweit und nahezu ausnahmslos deutlich energieeffizienter als bisher. Das entlastet die Betreiber und wirkt als industriepolitischer Impuls, der Innovation und technologischen Wettbewerb in der Branche deutlich beschleunigt. Ab Mitte dieses Jahres gelten u.a. umfassende Informationspflichten.

Mit der neuen Ventilatoren-Verordnung (EU) 2024/1834 beginnt für die Lüftungsund Klimatechnikbranche eine neue Ära. Die am 3. Juli 2024 veröffentlichte Verordnung gilt für alle Ventilatoren mit einer elektrischen Eingangsleistung zwischen 125 W und 500 kW und ersetzt die bisherige Verordnung (EU) Nr. 327/2011.

Das Ziel ist klar formuliert: höhere Energieeffizienz, weniger Ausnahmen, mehr Transparenz. Was bislang als freiwilliger Innovationsvorsprung galt, wird nun regulatorischer Mindeststandard – und schafft damit den Rahmen für eine technologische Weiterentwicklung des gesamten Markts.

 

Weniger Ausnahmen, mehr Verantwortung

Unter der alten Verordnung war noch etwa die Hälfte aller Ventilatoren von den Effizienzanforderungen befreit. Das hat sich grundlegend geändert:

 

 

  • Rauchabzugsventilatoren, die auch im regulären Lüftungsbetrieb eingesetzt werden, müssen künftig dieselben Effizienzstandards erfüllen wie Standardventilatoren.
  • Explosionsgeschützte Ventilatoren sowie bestimmte Sonderanwendungen (z. B. Ventilatoren für nukleare Anlagen, extreme Temperaturen, oder für Materialtransport mit außergewöhnlicher Partikelkonzentration) bleiben hingegen ausgenommen, da hier Sicherheits- oder Funktionsanforderungen Vorrang haben.

 

 

Mit der deutlichen Ausweitung des Geltungsbereichs rückt die Branche näher an ein gemeinsames Ziel: systemische Energieeffizienz – von der Komponenten- bis zur Anlagenebene.

Neue Maßstäbe für Design und Nachweisführung

Die Verordnung definiert dabei erstmals klar, was als Ventilator gilt: Für die energetische Einstufung darf nur eine vollständige Einheit aus Motor, Laufrad und Einlass- bzw. Auslassdüse bewertet und in Verkehr gebracht werden.

Für Hersteller bedeutet das: Leistungsdaten von Zulieferern dürfen nur dann verwendet werden, wenn der Ventilator als vollständige, geprüft e Einheit verkauft wird. Das verbessert die Vergleichbarkeit der angegebenen Effizienzwerte erheblich. Ab 24. Juli 2026 gelten zudem umfassende Informationspflichten. Hersteller müssen u. a. angeben:

 

 

  • Ventilatortyp
  • Gesamtwirkungsgrad
  • Eingangsleistung (Pe)
  • Volumenstrom (qv)
  • Druckdifferenz (Δp)
  • Effizienzklasse (N-Grad).

 

 

Diese Daten sind auf Typenschildern, in Handbüchern und Online-Datenbanken zu veröff entlichen und über die gesamte Produktlebensdauer vorzuhalten. Ab 24. Juli 2027 kommen zusätzlich Teillastkennlinien hinzu. Sie ermöglichen Planern eine präzisere Systemauslegung und eine realitätsnähere Bewertung der Betriebseffizienz.

Ersatzteilverfügbarkeit und Kreislaufwirtschaft

Die neue Verordnung geht über reine Energieeffizienz hinaus. Sie greift Th emen der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) auf und verlangt:

 

 

  • Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Soft - ware-Updates für Modelle, die ab dem 24. Juli 2026 in Verkehr gebracht werden.
  • Bereitstellung von Informationen zur Demontage, Wiederverwertung und Entsorgung im Benutzerhandbuch.

 

 

Damit wird das Produktlebensende zur Designaufgabe: Langlebigkeit, Wartungsfreundlichkeit und Wiederverwendbarkeit werden integraler Bestandteil der Produktentwicklung.

Hersteller im Wandel

Die verschärft en Anforderungen werden viele bisherige Modelle vom Markt verdrängen. Insbesondere im Segment der Axialventilatoren dürft en zahlreiche Niedrigpreisprodukte die neuen Effizienzschwellen nicht erreichen: Branchenanalysen gehen davon aus, dass rund 35 bis 40 % der heute verfügbaren Modelle auslaufen werden.

Dieser Druck wirkt zugleich als Innovationsmotor. Denn die neuen Anforderungen zwingen Hersteller, in hocheffiziente Motoren, optimierte Laufrad-Geometrien und intelligente Regelungen zu investieren. Eine durchschnittliche Effizienzsteigerung von 6 bis 10 % gilt dabei als realistisches Branchenniveau – nicht als Vorgabe der Verordnung, aber als Folge des technologischen Fortschritts.

Qualität braucht Nachweis

Die Einhaltung der Effizienzvorgaben muss durch mess- und prüfb asierte Nachweise belegt werden. Grundlage sind die in der Verordnung (EU) 2024/1834 genannten harmonisierten europäischen Normen, insbesondere:

 

 

  • EN ISO 5801 für Leistungsprüfungen,
  • EN ISO 12759-5 für Energieeffizienzbewertung von Ventilatoren.

 

 

Diese Verfahren sichern europaweit die Vergleichbarkeit der Effizienzangaben und bilden die Grundlage für die CE-Konformitätserklärung. So entsteht Markttransparenz auf Basis verbindlicher EU-Normen, nicht freiwilliger Zertifikate.

Klarheit durch Zusammenarbeit

Da die Verordnung in 24 EU-Sprachen vorliegt, sind einheitliche Interpretationen entscheidend. Hier leisten Verbände wie Eurovent und AMCA International wertvolle Arbeit: Sie entwickeln Interpretationshilfen, FAQs und Branchenleitfäden, um sicherzustellen, dass die Umsetzung in allen Mitgliedsstaaten konsistent erfolgt. Nur durch gemeinsame Definitionen und abgestimmte Prüfverfahren kann die Regulierung ihre volle Wirkung entfalten, im Sinne von Markttransparenz und fairer Wettbewerbsbedingungen.

Fazit: Meilenstein mit Zukunftsperspektive

Die Verordnung (EU) 2024/1834 markiert einen Wendepunkt in der europäischen Lüft ungstechnik. Sie fordert Hersteller heraus und bietet zugleich die Chance, Effizienz, Nachhaltigkeit und Qualität auf ein neues Niveau zu heben. Effizienz darf kein optionaler Mehrwert sein, sie muss der Standard werden. Wer jetzt proaktiv in effiziente Technologien, transparente Daten und nachhaltige Produktkonzepte investiert, wird die Transformation nicht nur meistern, sondern aktiv gestalten.

Autor: Thomas Landgraf, Leiter Produktmanagement, Systemair GmbH

www.systemair.com

 


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