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Entwicklungstrends in smarten Gebäuden

Wie kann der TGA-Bereich davon profitieren?

Die richtige Stimmung zum richtigen Zeitpunkt: Mit intelligenter Haustechnik lässt sich u. a. die Lichtsteuerung regeln. Bild: Loxone

Neben dem Komfort kann auch die Effizienz des Hauses gesteigert werden, beispielsweise durch die Verknüpfung der Heiztechnik über intelligente Heizkörperventile. Bild: RWE Effizienz GmbH

Smart Home vom Heizsystem ausgehend gedacht: Viessmann bietet mit „Vitocomfort 200“ ein eigenes Smart Home-System für die Hausautomation und ein umfassendes Energiemanagement an. Bild: Viessmann Werke

Mit Smart Home-Systemen lässt sich die gesamte Haustechnik komfortabel und zentral bedienen. Bild: RWE Effizienz GmbH

Stefan Thiel, Leiter Vertrieb Buderus Deutschland.

Dr. Norbert Verweyen, Mitglied der Geschäftsführung der RWE Effizienz GmbH.

Dr. Jens Wichtermann, Vaillant Group Direktor Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeitsmanagement und Politik.

Markus Fromm-Wittenberg, Leiter Anwendung und Kooperation Gebäudesystemtechnik bei Gira.

Martin Vesper, CEO digitalSTROM.

Holger Knöpke, Vice President, Connected Home, Deutsche Telekom AG.

 

Intelligente Gebäudetechnik – in jedem Gewerbebau heute ein Muss. Doch wie sieht es im privaten Eigenheim aus? Klar ist: Der Trend geht nach oben, auch wenn bei den potenziellen Nutzern noch großer Aufklärungsbedarf und Skepsis bestehen. Dabei lässt sich dank einer Vielzahl an Systemen jedes Haus einfach zum Smart Home umrüsten. Eine Entwicklung, von der auch das SHK-Fachhandwerk profitieren kann. Gesetzt den Fall, er rüstet sich für die Zukunft. Nachfolgend ein Einblick, wie Endkunden die neue Technologie sehen, was Experten raten und wie sich der SHK-Unternehmer einen Teil des Kuchens sichert.

Dass sich das Smart Home etablieren wird, steht außer Frage. So gaben 51 % der Teilnehmer einer aktuellen repräsentativen Befragung des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) die Einschätzung, dass sich Smart Home-Lösungen in den kommenden 5 bis 10 Jahren im deutschen Massenmarkt durchsetzen. 29 % der Befragten rechnen bei einem Zeithorizont von 3 bis 5 Jahren sogar noch deutlich früher damit. Und: Wer Smart Devices in seinem eigenen Zuhause nutzt, möchte sie in der Regel auch nicht mehr missen: 78 % der Nutzer möchten auf ihre Smart Home-Anwendungen nicht mehr verzichten. Lediglich 21 % finden, dass ihnen die derzeitigen Produkte und Lösungen nur geringe Vorteile gebracht haben.
Dieser Trend lässt sich auch in den Marktprognosen erkennen. Einer Erhebung von Deloitte zufolge werden die Haushalte, die in einem Smart Home leben, selbst bei einem konservativen Szenario bis 2020 die Millionenmarke durchbrechen. In einem progressiven Szenario könnte es sogar bereits 2018 der Fall sein. Einzelne Smart Home-Komponenten werden laut Bitkom heute bereits von jedem siebten Bürger ab 14 Jahren eingesetzt, was einer Zahl von 10 Mio. Bürgern entspricht.
All diesen rosigen Aussichten stehen jedoch noch eine große Skepsis und ein gro­ßer Aufklärungsbedarf gegenüber. So haben der Bitkom-Umfrage zufolge rund die Hälfte der Befragten bereits von Begriffen wie Smart Home, Connected Home oder Heimvernetzung gehört und 44 % wissen auch, was damit gemeint ist. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass bei der anderen Hälfte noch Unwissenheit herrscht. Hinzu kommen Vorbehalte. Die Skeptiker fürchten zu 37 % einen zu aufwendigen Einbau, zu 33 % zu teure Geräte sowie zu 25 % eine zu komplizierte Bedienung.

Das zukünftige Zuhause ist smart
Grundsätzlich bietet das Smart Home für jeden Haushalt die Möglichkeit, die Eigenschaften des eigenen Zuhauses zu verbessern. Die Smart Devices zielen dabei auf die drei Dimensionen Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz ab. So erklärt Dr. Christian P. Illek, Mitglied des Bitkom-Präsidiums: „Ein smartes Zuhause bietet enor­men Komfort und Sicherheit. Wer z. B. eine intelligente Heizung besitzt, die sich den Gewohnheiten der Hausbewohner anpasst, spart Kosten.“ Und er prognostiziert: „Die Zukunft des Wohnens hat mit der intelligenten Vernetzung der eigenen vier Wände bereits begonnen.“
Grundsätzlich gibt es bei der Weiterentwicklung des Eigenheims zum Smart Home zwei Herangehensweisen. Zum einen kabelgebundene Lösungen und Lösungen auf Funkbasis. Bei einem Neubau oder einer umfassenden Sanierung bieten sich kabelgebundene Lösungen mit intelligenter KNX-Verkabelung an. Alle Schalter und Steckdosen können im ohnehin erforderlichen Einbau auf diese Weise vernetzt werden. Verschiedene Hersteller haben in ihrem Portfolio entsprechende Produkte, die sich für die intelligente Hausautomatisierung eignen. Der Nachteil kabelgebundener Lösungen liegt in ihrem Preis. Die Kosten betragen bei einem Bauprojekt mehrere 10 000 Euro. Die Verbreitung dieser Lösung ist daher vergleichsweise gering und fällt häufig dem Rotstift bei der Budgetplanung zum Opfer. Hinzu kommt, dass die Zahl der Neubauten im Vergleich zur Zahl des Gebäudebestands nur einen Bruchteil der Eigenheime in Deutschland ausmacht.
Damit sich das Smart Home im Massenmarkt und in der Breite durchsetzt, werden daher Systeme benötig, die sich leicht in einem bestehenden Gebäude nachrüs­ten lassen. Dabei gibt es zum einen den Ansatz, das bestehende Stromnetz zu nutzen und es mit entsprechenden Komponenten der Hausinstallation zu digitalisieren. Deutlich verbreiteter sind jedoch Lösungen auf Funkbasis, die beispielsweise mittels Zwischensteckern eine Vernetzung der Haustechnik ermöglichen und deren Zahl an Anbietern im Markt kontinuierlich wächst.

Große Chance für Handwerksbetriebe
Für Betriebe ist die Entwicklung der intelligenten Hausautomation sehr attraktiv. Wie die Bitkom-Umfrage zeigt, sind Handwerksunternehmen direkt nach den spezialisierten Anbietern von Smart Home-Systemen die gefragtesten Ansprechpartner zum Thema: 48 % der Befragten gaben an, dass sie sich im Fall der Informationssuche an einen spezialisierten Fachbetrieb wenden würden, der Elektrofachhandwerker kommt mit 46 % nur knapp dahinter. Doch auch für den SHK-ler ist das Smart Home ein Tätigkeitsfeld, mit dem er sich beschäftigen sollte, wie Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) meint: „Sicher ist Smart Home für unser Handwerk ein Thema und das schon seit Längerem.“ Bereits 2001 hat der Verband auf der damaligen Weltleitmesse ISH ein vollständig vernetztes Haus präsentiert. „Die Vernetzung der Technik ermöglicht einen hohen Komfort und hilft Energie einzusparen – egal ob im Neu- oder Altbau. Darüber hinaus ergeben sich zusätzliche Geschäftsfelder für das SHK-Handwerk.“ Dazu zählt beispielsweise Ambient assis­ted living (AAL), die Unterstützung eines selbstbestimmten Lebens im eigenen Heim statt in einer Pflegestation.
Smart Home-Systeme sind also Anwendungen, die sich direkt mit den Kundenbedürfnissen verknüpfen lassen und ihnen einen deutlichen Nutzen bieten. Handwerksbetriebe können dies als Chance in ihr Angebots-Portfolio integrieren. Dabei liegt das Hauptproblem aktuell darin, dass es noch keine einheitlichen Standards gibt. Frank Ebisch: „Von Nachteil ist, dass eine Vielzahl von nicht kompatiblen Komponenten die Schulung, Pflege und Wartung des Gesamtsystems erschweren.“

Vom intelligenten Haus zum Internet der Dinge
Die mangelnde Standardisierung ist auch von den jeweiligen Anbietern inzwischen erkannt worden. Die Herausforderung ist einfach: Der Trend zur Vernetzung geht weit über die klassische Haustechnik hinaus. Im Sinne eines Internets der Dinge sollen künftig möglichst alle elektrischen Geräte miteinander kommunizieren können. Dies reicht bereits heute bis zu intelligenten Haushaltsgeräten oder sogar bis zum Rasenmäher-Roboter. An das System der Vernetzung stellt sich daher der Anspruch, dass es flexibel erweiterbar bleibt und sich Anwendungen und Geräte integrieren lassen, die es heute noch gar nicht gibt. Eine Vielzahl an Unternehmen und Konsortien befasst sich daher mit der Entwicklung eines einheitlichen Kommunikationsstandards, der sich für das Internet der Dinge durchsetzt. An diesem Rennen sind viele bekannte Größen aus den Bereichen Energie und Elektronik beteiligt, u. a. Apple, Google, die Telekom, RWE, Samsung, Intel oder Microsoft. Daneben gibt es Anbieter, die Systeme zur Vernetzung und einheitlichen Steuerung der Produkte verschiedener Hersteller entwickeln. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen ­iEXERGY, das mit dem „wibutler“ die Kategorie „Bestes Produkt“ des Smart Home Awards 2015 gewinnen konnte. Die Initiativen zur Schaffung eines einheitlichen Standards und der Vernetzung der verschiedensten Produkte ist ein entscheidender Baustein dafür, dass sich das Smart Home im Massenmarkt durchsetzen kann. Denn nur wenn sich die Anwender darauf verlassen können, dass die gewünschten Produkte und Lösungen unabhängig vom Hersteller miteinander zusammenspielen, werden die Smart Home-Systeme für private Haushalte erst richtig attraktiv.

Das SHK-Unternehmen für die Zukunft rüsten
Wie ein SHK Unternehmen sich auf die aktuellen Entwicklungen einstellen sollte, ist schwierig zu prognostizieren. Ob beispielsweise spezielles Personal notwendig ist, hängt davon ab, welchen Stellenwert die Smart Home-Projekte im Portfolio des Unternehmens einnehmen soll. Auf Herstellerseite ist für Dr. Jens Wichtermann, Vaillant Group Direktor Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeitsmanagement und Politik, klar, dass der Ausbau des Angebots im Bereich der digitalen Services kurze Innovationszyklen und Entwicklungskompetenzen in Technologien erfordere, die nicht zum klassischen Portfolio der Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik zählen. Wichtermann: „Die Vaillant Group investiert deshalb erheblich in den Ausbau der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Perspektivisch werden in der Branche auch Entwicklungspartnerschaften und Kooperationen mit spezialisierten Technologiezulieferern häufiger anzutreffen sein.“
Auch bei Viessmann nehmen moderne Regelungstechnik und Systeme für die Datenkommunikation zunehmend größeren Raum im Portfolio ein. Digitalisierung und Vernetzung wurden in den Entwicklungsaktivitäten aufgegriffen, sodass das Unternehmen eine ganze Reihe internetfähiger Produkte anbietet. Dazu gehört mit „Vitocomfort 200“ auch ein eigenes Smart Home-System, mit dem neben der Hausautomation auch ein umfassendes Energiemanagement von Heizung, Kühlung, Lüftung und Photovoltaik möglich wird – auch via Smartphone oder Tablet.

Fazit
Die Entwicklungen auf dem Smart Home-Markt zeigen deutlich: Intelligente Hausautomation wird sich im Privatbereich durchsetzen und das Wohnen künftig in zunehmend stärkerem Maße beeinflussen. Eine intelligent gesteuerte Versorgung mit Strom und Wärme bietet Effizienz- und Kos­tenvorteile. Lichtsteuerung, Bewegungsmelder, Schließsystem und Ähnliches erhöhen gleichermaßen den Komfort wie die Sicherheit. Damit sich das Smart Home flächendeckend durchsetzt, ist allerdings noch einiges an Grundlagenarbeit von den Herstellern zu leisten, um eine einfache Vernetzung aller Smart Devices zu ermöglichen. Für Handwerksbetriebe ist jetzt allerdings der richtige Zeitpunkt, das Smart Home als Geschäftsfeld der Zukunft für sich zu entdecken.

Autor: Christoph Lindemann, freier Fachjournalist

Expertenmeinungen zum Thema Smart Home

 

„Konnektivität und Regelungstechnik sind zentrale Themen in der Heiztechnik. Die Ausrichtung auf Systeme führt dazu, dass nicht mehr einzelne Komponenten im Fokus stehen, sondern insbesondere die Intelligenz, die mit den Komponenten kommuniziert und diese clever steuert. Alle Bestandteile eines Heizsystems wie Wärmeerzeuger, Speicher, Sonnenkollektoren oder Photovoltaikmodule müssen in der Lage sein, mit dieser Intelligenz zu kommunizieren. Als Komplett­anbieter haben wir hier beste Voraussetzungen.“

 

„Wir erleben aktuell die Entstehung des Internets der Dinge: Geräte aus unterschiedlichsten Lebensbereichen sollen miteinander kommunizieren und sich zentral steuern lassen. Dazu müssen sie dieselbe Sprache sprechen. Mit Lemonbeat haben wir einen neuen Sprachstandard entwickelt, der dies ermöglicht und schon heute erfolgreich arbeitet.“

„Konnektivität spielt in der Heiztechnik eine immer wichtigere Rolle. Das beginnt bei einer einfachen Steuerung des Heizsystems über mobile Endgeräte und reicht bis zur Einbindung der gesamten Anlagentechnik in komplexe Gebäudeautomationslösungen. Aktuell geht die Vaillant Group bereits den nächsten Schritt mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für digitale Services, die sowohl dem Anlagenbetreiber als auch dem Fachhandwerker Mehrwert bieten.“

„Der größte Entwicklungstrend im Smart Home ist der sogenannte Mittelmarkt. Hier ist es Aufgabe aller Marktpartner, möglichst flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren. Die größte Herausforderung ist es, neben kabel- auch funkbasierte Systeme mit endkundengerechten Anwendungsmöglichkeiten auf den Markt zu bringen.“

„Kunden wollen einen Ansprechpartner. Um ein Smart Home nach Kundenwunsch abzubilden, müssen jedoch mehrere Gewerke zusammenarbeiten. Egal ob Bad- oder Küchenrenovierung, neue Heizung oder allgemeine Nachrüstung eines Smart Home-Systems – Handwerker werden sich breiter aufstellen müssen, um Kunden professionell zu beraten und nachgelagerte Gewerke in eine Projektierung koordinierend einzubeziehen.“

„Verbraucher wollen möglichst viele vernetzte Geräte und Funktionen einfach und reibungslos miteinander kombinieren. Mit Insellösungen ist das nicht möglich, denn sie lassen keine geräte- und funktionsübergreifenden Szenarien zu. Viele Studien und Beratungsunternehmen prognostizieren, dass offene, herstellerübergreifende und flexibel erweiterbare Plattformen wie Qivicion sich durchsetzen. Kunden müssen keine Kompatibilitätsprobleme befürchten und profitieren von einer zukunftssicheren Basis für ihre Haussteuerung.“

 

 

 

 


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