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Leuchtturmprojekt: Sportplatz wird zur Energiequelle für Erdwärmepumpen

Die Erdwärmekollektoren unter dem Spielfeld des Sportplatzes der Reinfelder Schule in Berlin-Charlottenburg und Wärmepumpen sollen künftig drei benachbarte Schulgebäude und eine Turnhalle klimafreundlich mit Umweltwärme beheizen. Bild: TechnoCare GmbH

 

Berlin. Am Maikäferpfad in Berlin-Charlottenburg entsteht derzeit ein deutschlandweit wegweisendes Infrastrukturprojekt: Unter einem sanierungsbedürftigen Fußballspielfeld wird erstmals eine großflächige Erdwärmeanlage realisiert, die öffentliche Gebäude in der direkten Umgebung mit erneuerbarer Wärme versorgen soll. Das Projekt gilt als Leuchtturm für die kommunale Wärmeversorgung.

Im Auftrag des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf installiert die Consulting Janssen GmbH als Generalübernehmer aktuell 8 800 Hochleistungs-Erdkollektoren des Herstellers GeoCollect in 1,5 m Tiefe. Über ein Kaltes Nahwärmenetz sollen Wärmepumpen damit künftig drei Schulgebäude und eine Turnhalle beheizen. 

Innovative Technik unter bestehender Infrastruktur

Die Wärmeerzeugung findet nach Abschluss vollständig unter einer bereits vorhandenen Fläche statt. Sportplätze gelten aufgrund ihrer Größe, offenen Bauweise und regelmäßigen Sanierungszyklen als besonders geeignet für diese Form der Energiegewinnung. Da bei einer Sportplatzsanierung ohnehin große Erdarbeiten anfallen, hält sich der Mehraufwand für die Erdkollektoren in Grenzen. 
Mit einer thermischen Leistung von rund 477 kW soll die Anlage am Maikäferpfad jährlich etwa 118 000 m3 Erdgas ersetzen. Die geplante Einsparung wird auf rund 1,23 Gigawattstunden Energie und etwa 180 t CO₂-Emissionen pro Jahr beziffert, die Bauzeit auf rund 14 Monate. Die eigentliche Installation der Kollektoren soll innerhalb von vier Monaten erledigt sein (Zeitraum: November 2025 – März 2026).

Wirtschaftlich attraktiv, langfristig stabile Preise

Neben den ökologischen Vorteilen will das Projekt auch wirtschaftlich überzeugen. Eine vergleichbare einlagige Erdkollektoranlage unter einem Sportplatz verursache inklusive Wärmepumpen Investitionskosten von rund 2,7 Mio. Euro. Durch staatliche Förderprogramme, etwa aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) oder der Bundesförderung Effiziente Wärmenetze (BEW), seien projektabhängig Förderquoten von bis zu 50 % möglich. Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigten, dass sich solche Anlagen bereits nach rund zehn bis 16 Jahren amortisieren – abhängig von Förderquote, Strom- und Gaspreisentwicklung. Selbst bei gleichbleibenden Energiepreisen entstehe ein finanzieller Vorteil gegenüber einer Gasversorgung. „Dieses Leuchtturmprojekt macht sichtbar, welches Potenzial in großflächiger, intelligent geplanter Erdwärmenutzung für öffentliche Gebäude steckt. Und das in einem dicht besiedelten Innenstadtgebiet wie Berlin“, sagt Dipl.-Ing. Michael Roos, dessen Berliner Planungsbüro TechnoCare die Anlage geplant hat und die Bauarbeiten betreut.

Großes Potenzial für Städte und Gemeinden

In Deutschland gibt es rund 45 000 Fußball- und Bolzplätze sowie zahlreiche weitere Freiluftsportanlagen. „Ein einzelner Fußballplatz kann – je nach Auslegung – genug Wärme liefern, um 50 bis 80 Einfamilienhäuser oder mehrere öffentliche Gebäude wie Schulen, Kitas oder Sporthallen versorgen. In Kombination mit kalten Nahwärmenetzen lassen sich dabei hohe Effizienzwerte erzielen, insbesondere im Gebäudebestand“, erläutert Volkmar Frotscher, am Projekt beteiligter Fachberater für erneuerbare Energiesysteme.

www.consulting-janssen.de
www.technocare.de
www.gebrueder-karstens.de
www.owl-fluessigboden.de 
www.volkmar-frotscher.de

 


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