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Öl mit Image-Problem

Symposium am 17. September in Hamburg

In den letzten zehn Jahren ist der Verkauf von Ölheizungen um mehr als die Hälfte gesunken. Vor allem im Neubau geht die Akzeptanz zurück. 4 Mio. Ölheizungen mit schlechtem Wirkungsgrad müssen erneuert werden, doch Betreiber sehen keinen Handlungsbedarf. Lässt sich das schlechte Image der Ölheizung verbessern? Lässt sich der Modernisierungsstau auflösen? Mineralölwirtschaft, Fachhandwerk und Industrie suchten auf dem Ölsymposium nach Antworten.

 

Trotz der Innovation Öl-Brennwert ging der Absatz von gut 250 000 Wärmeerzeugern mit Heizöl in den letzten zehn Jahren auf deutlich weniger als die Hälfte zurück. Erdgas-Systeme halten etwa 70 % Marktanteil.

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Etwa 30 Sekunden lang konnten sich die 160 Teilnehmer des Ölsymposiums ein Bild vom dramatischen Rückgang der Ölheizung in den letzten Jahren machen. Reinhard Kaiser vom Bundesumweltministerium (BMU) setzte sich mit der Marktentwicklung auseinander. Seine Illustration zur Entwicklung des Heizungsmarktes bekamen die Anwesenden nur kurze Zeit auf der Leinwand zu sehen. Deshalb lassen sich diese, vom BDH (Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e. V.) herausgegebenen Zahlen zur Strukturentwicklung der Wärmeerzeuger auf dieser Seite genau studieren:

Im Jahr 1998 hatte die Ölheizung bei insgesamt 920 000 neu installierten Anlagen noch einen Marktanteil von gut 28 %. Zehn Jahre später ist der Gesamtmarkt auf 660 000 Neuanlagen geschrumpft und der Anteil neuer Ölheizungssysteme bleibt unter der 18-%-Marke. In harten Zahlen drückt sich dies so aus: Statt 257 600 neue Systeme mit Öl erlebten im vergangenen Jahr nur noch 110 880 Neuanlagen die End­abnahme.

Rohöl vorhanden
Die Ölheizung hat ein Akzeptanz-Problem. Was lässt sich wirksam dagegen unternehmen? "Weg vom Öl - dies ist nicht nur beim Endverbraucher ein Thema, sondern auch in der Politik. Das ist schade!", beklagte Dr. Uwe Franke, der Vorsitzende des Mineralölwirtschaftsverbandes. Er machte die Rechnung auf, dass bisher erst etwa 1 Mrd. Fass Rohöl auf der Erde verbrannt wurden und man jetzt erst mit der 2. Mrd. begonnen hätte, denn soviel sei als Vorrat bereits erschlossen. Eine 3. Mrd. könnte darüber hinaus noch gefunden werden, lautete seine Einschätzung. Die Kernfrage: Warum versteht der Endverbraucher dies nicht, erkennt die gewaltigen Ressourcen und ordert verstärkt eine neue Ölheizung?

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"Welche Beratung will der Kunde wirklich?" Für verständliche und vom Bürger klar überschaubare Maßnahmen plädierten (v. l.): Adrian Willig (IWO), Bernd Jorczyk (Mineralölhandel), Birgit Jünger (ZVSHK), Markus König (Fa. Friedrich Scharr) sowie Hessens Landesinnungsmeister Jürgen Jakob.

Verwirrend viele Systemlösungen - tatenlose Kunden
"Vor Jahren hatten wir den uninteressierten Kunden, jetzt haben wir den desillusionierten Kunden, der vor lauter widersprüchlicher Botschaften nicht weiß, was er machen soll", konstatierte Hessens Landesinnungsmeister Jürgen Jakob. In einem Podiumsgespräch zum Thema "Welche Beratung will der Kunde wirklich?" wurden Aspekte beleuchtet, warum der Modernisierungsstau so ist, wie er ist. Vorschläge für verständliche und vom Bürger klar berechenbare Maßnahmen machten die Runde. Von der Abwrackprämie für alte Kessel bis zum Wunsch nach nur einer Heizölsorte reichten die Wortmeldungen. Deutlichen Beifall bekam Andreas Müller (ZVSHK) mit der Forderung, möglichst nur ein Förderangebot zu eröffnen, um die Bemühungen zur Anlagenmodernisierung zu vereinfachen.

Dem Heizungs-Check attestierten die Gesprächspartner aus Mineralölwirtschaft, Fachhandwerk und Kesselindustrie eine wichtige Schlüsselrolle. "Ist der Tank + Technik-Check in den Hintergrund gedrängt worden?", fragte Adrian Willig vom Institut für wirtschaftliche Oelheizung (IWO). Das Weiterbildungsangebot für die SHK-Betriebe und auch die Dienstleistung beim Kunden wird kaum nachgefragt. "Da muss mehr passieren!", appellierte der stellvertretende IWO-Geschäftsführer an das Fachhandwerk.

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Gilt es Systeme im Wärmemarkt zu vergleichen, dann sollte nach Auffassung des IWO der Primärenergiebedarf im Mittelpunkt stehen.

Modernisierung kommt nicht voran
Wie kann der Bürger für seine unwirtschaftliche Heizung sensibilisiert werden? Vieles lief auf die­se wichtige Frage hinaus, doch ließ sich keine Patentlösung finden. Deutlich wurde vielmehr, dass sich momentan nichts Entscheidendes bewegt im Modernisierungsmarkt mit millionenfach veralteten Heizöl-Systemen

Wie schwer Modernisierungsvorhaben umzusetzen sind, verdeutlichte Dr. Ernst-Moritz Bellingen (IWO) an Beispielen aus der Energieberatung für den Modernisierungsmarkt. "Mehr Effizienz - diese Forderung wird von vielen Seiten als Ziel genannt. Doch offenbar gibt es viele Ziele. Verständigen sollte man sich bei aller Diskussion auf nur eines: den Primärenergiebedarf." Unter dieser Prämisse stellte er Projekte zur Althaus-Modernisierung vor. Allen diesen Bauvorhaben ist gemeinsam, dass sie nach Abschluss der Sanierung beim Primärenergiebedarf um 30 % unter den Neubau-Regelungen der EnEV (Energieeinsparverordnung) aus dem Jahr 2007 bleiben. In dem Report über insgesamt 14 Modernisierungen zeigte sich allerdings, dass ein hohes Maß an Effizienz meist Kosten von deutlich über 60 000 Euro für Ein- oder Zweifamilienhäuser auslösen. "Zu viel für viele", kommentierte Bellingen.

Derzeit liegt die Modernisierungsrate im Bestand bei etwa 1 % jährlich, doch müssten es 3 % sein, um den europäischen Fahrplan für ehrgeizige Ziele zur CO2-Minderung im Gebäudebestand einhalten zu können, rechnen Experten vor.

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Wie lassen sich Markthemmnisse überwinden? Auf dem Hamburger Ölsymposium wurde auch in den Pausen weiter diskutiert.

Viele MarktHemmnisse - kein Durchbruch in Sicht
Wie sollen die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung zum Klimaschutz realisiert werden, wenn sich im Markt wenig bewegt? In der abschließenden Podiumsdiskussion bot sich ein Spektrum unterschiedlichster Standpunkte:

  • Die Kesselindustrie hält die geeignete Technik zur CO2-Reduzierung vor. Die Produkte müssen nur gekauft werden.
  • Das Fachhandwerk genießt das Vertrauen der Kunden und hat die Beratungskompetenz, um eine geeignete Modernisierung empfehlen zu können. Es mangelt an Auftragsabschlüssen.
  • Der Betreiber einer veralteten Heiztechnik ist nicht informiert über die Wärmeverluste des Kessels und bekommt durch den Schornsteinfeger jährlich attestiert, dass die Anlage ordnungsgemäß betrieben wird. Der feuerungstechnische Wirkungsgrad gibt jedoch keinen Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit des Heizungssystems. Das Mess-Protokoll des Schornsteinfegers macht dazu keine Aussage, der Laie fühlt sich dennoch in der Position bestärkt, dass weiterhin kein Handlungsbedarf besteht.
  • Die Politik setzt weiterhin auf Freiwilligkeit statt auf Zwang. Gesetzgebung und Ordnungsrecht wird nicht als zielführend eingestuft, um Heiztechnik mit schlechtem Wirkungsgrad nach bestimmten Fristen stillzulegen.

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  • Eine große Menge von Förderprogrammen ist unübersichtlich. Wenige, für jedermann transparente Maßnahmen wären erfolgversprechend. Beispielsweise steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, mit denen sich langfristig kalkulieren lässt.
  • Statt bestimmter Technologien gilt es Einsparungen zu fördern. Eröffnen sich beispielsweise gesetzlich geregelte Steuererleichterungen nach einfachem Muster, könnten Energieberater, Handwerker und Steuerberater gemeinsam als Multiplikatoren einen deutlichen Schub im Modernisierungsmarkt auslösen.
  • Die EnEV verschärft die Anforderungen an die Gebäudetechnik stufenweise in nur wenigen Jahren. Jetzt, bei Inkrafttreten der EnEV 2009, sind nicht einmal Auswertungen darüber verfügbar, welche Erfolge die letzte Einsparverordnung gebracht hat.
  • KfW-Förderprogramme werden von Technikern für Techniker gemacht, ohne dass Transparenz und Akzeptanz eine wichtige Rolle spielt, lautete die Kritik vonseiten der Verbraucherverbände.
  • Die Kraft-Wärme-Kopplung im kleinen Leistungsbereich (Mikro-KWK) sowie die Wärmepumpentechnik lässt sich in Kombination mit Heizöl realisieren. Allerdings starten entsprechende Feldversuche erst noch. Seit Jahren laufen bereits Feldversuche mit dem Energieträger Erdgas, doch gibt es noch keine Serienproduktion.
  • Die technische Weiterentwicklung wird an vielen Stellen vorangetrieben. Ob Pelletheizung, Wärmepumpe, Mikro-KWK, Brennwert mit Solar oder Zuhause-Kraftwerk - dem interessierten Laien präsentieren sich immer neue Systemlösungen bzw. verbesserte Wirkungsgrade. Solange die Heizung nicht ausfällt, reagiert der Bürger mit Attentismus: Abwarten, was noch alles kommt...

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Warum bewegt sich so wenig bei der Heizungsmodernisierung? Nach Antworten suchten (v. r.): Andreas Müller (ZVSHK), Prof. Christian Küchen (IWO), Helmut Jäger (Bundesverband Solarwirtschaft), Reinhard Kaiser (BMU), Moderator Dr. Peter Frey (ZDF), Klaus Jesse (BDH), Dr. Holger Krawinkel (Verbraucherzentrale), Dr. Andreas Stücke (Haus & Grund).

Auf den Punkt gebracht
Die Zielmarke, bis zum Jahr 2020 eine mindestens 20%ige Reduzierung des Treibhausgases gegen­über dem Stand von 1990 zu erreichen, erscheint unrealistisch. Am wenigsten Zeitdruck geht offenbar vonseiten der Bundesregierung aus, die diese Zielmarke gesetzt hat. Reinhard Kaiser (BMU) stellte Marktanreizprogramm, Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz und andere Maßnahmen als ausreichend wirksam dar. Unbefriedigend für die Fachleute in Handwerk und Industrie: Erst 2011 wird in seinem Ministerium nach seinen Aussagen die Zeit gekommen sein, um sich über Kurskorrekturen neu zu verständigen - dann soll beispielsweise auch mit dem Fachhandwerk "ein intensiver Meinungsaustausch" geführt werden. Die Konsequenz: Stärkere Impulse durch die Regierung in Berlin für deutlich größere Energieeinsparungen könnten frühestens 2012 wirksam werden.

Schon jetzt ist eine zeitgemäße Technik verfügbar - beim Öl heißt die aktuelle Botschaft "Brennwert mit Solar". Auch das Fachhandwerk zeigt sich bereit, die individuell bestmögliche Modernisierungsmaßnahme beim Kunden in die Tat umzusetzen. Doch es mangelt an Investoren. Werden in der Zeitspanne bis 2020 mindestens zwei weitere Jahre verschenkt, weil die finanziellen Anreize nicht attraktiv genug sind? TD

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Energiegewinn im Fokus
Investitionen in kleinem Rahmen will das IWO mit einem neuen Projekt voran bringen: Dazu ist die Bewerbungsphase unter dem Motto "Wir fördern den Energiegewinner" angelaufen (www.iwo.de). Im Mittelpunkt der bis 2011 terminierten Kampagne steht die Energieeinsparung. Willkommen sind Handwerksbetriebe, die gute Ergebnisse über erfolgversprechende Modernisierungsmaßnahmen zeigen können.

25 Jahre IWO
Nach Abschluss des Ölsymposiums hatte das IWO die Teilnehmer des Branchentreffs zu einer Feierstunde eingeladen. Vor 25 Jahren, im August 1984, wurde das Institut als Einrichtung der deutschen Mineralölwirtschaft in Hamburg gegründet und gilt seit den 90er-Jahren als Kompetenzzentrum für das Heizen mit Öl. Die zentrale Beratungseinrichtung informiert sowohl Fachhandwerker als auch Heizungskunden herstellerunabhängig über alle Aspekte moderner Ölheizungstechnik und ihrer Kombination mit Erneuerbaren Energien.

 


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