Heizungsmarkt zum zweiten Mal in Folge rückläufig – Produktionsstandort Deutschland steht unter Druck
Absatzzahlen der vergangenen 10 Jahre. Der rückläufige Absatz von Wärmeerzeugern in 2025 stellt die Heizungsindustrie vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Bild: BDH
Köln/Berlin. Der Absatz von Heizungen ist in Deutschland im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen. Die Jahresbilanz des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) weist für das vergangene Jahr rund 627000 verkaufte Anlagen aus. Das sind 12 % weniger als im bereits schwachen Vorjahr. Damit ist der Heizungsmarkt in Deutschland das zweite Jahr in Folge rückläufig.
„Der Produktionsstandort für Heizungsanlagen in Deutschland steht unter Druck“, warnt BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt. „Die Politik muss jetzt schnellstmöglich einen verlässlichen, bedarfsgerechten und investitionsfreundlichen ordnungspolitischen Rahmen schaffen, flankiert von einer stabilen Förderung.“
Verunsicherung hemmt Investitionen
Aus Sicht des Verbandes sind politisch verursachte Unsicherheiten hauptverantwortlich für die gegenwärtige Absatzkrise. Die hitzige öffentliche politische Auseinandersetzung um das Gebäudeenergiegesetz 2023 habe Vertrauen zerstört. Die große Koalition hat im Koalitionsvertrag beschlossen, das sogenannte „Heizungsgesetz“ abzuschaffen, ließ jedoch bislang offen, welche Regelungen künftig gelten sollen.
„Verbraucherinnen und Verbraucher handeln rational: Solange die politischen Rahmenbedingungen unklar sind, werden Investitionen in neue Heizungen aufgeschoben“, sagt Staudt. Auch die kommunale Wärmeplanung, die ursprünglich als Orientierungshilfe für Investitionen gedacht war, wirke derzeit in vielen Fällen als Investitionsbremse. Zahlreiche Bürger zögerten mit Entscheidungen, solange unklar bleibe, welche Optionen ihre Kommune für die zukünftige Wärmeversorgung vorsehe.
Technologiedebatten kein Mittel gegen Verunsicherung
Während Wärmepumpen zuletzt mit rund 299000 verkauften Geräten und einem Wachstum von 55 % gegenüber dem Vorjahr zulegten, können sie allein den Einbruch im Gesamtmarkt nicht kompensieren. So wurde das noch unter der Ampel beschlossene Ziel von 500000 installierten Wärmepumpen pro Jahr ab 2024 das zweite Jahr in Folge deutlich verfehlt. Auch Heizsysteme auf Basis von Biomasse, etwa Pelletanlagen, verzeichneten eine leichte Erholung, liegen mit 29000 abgesetzten Geräten jedoch weiterhin auf niedrigem Niveau.
In Summe liegt der Absatz des Jahres 2025 damit auf einem Stand, der die Hersteller vor ernste wirtschaftliche Herausforderungen stellen dürfte. Der durchschnittliche Gesamtmarkt der vergangenen Dekade lag bei rund 800000 Geräten pro Jahr – davon ist die Branche aktuell weit entfernt.
Neben Wärmeerzeugern auch Systemkomponenten betroffen
Der rückläufige Absatz der Wärmeerzeuger schlägt sich auch auf Systemkomponenten des Heizungssystems wie Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung, Umwälzpumpen oder Heizkörper nieder. Zwar weisen einige dieser Technologien ein prozentuelles Wachstum auf, die absoluten Stückzahlen bewegen sich jedoch auf niedriger Basis.
„Wenn weniger Heizungen modernisiert werden, ist das nicht nur schlecht für Wachstum und Beschäftigung, sondern auch für die CO2-Minderung. Je geringer die Modernisierungsraten in der Gegenwart sind, desto mehr muss in den kommenden Jahren modernisiert werden. Wir schieben eine immer größer werdende Welle vor uns her“, so Staudt. Aktuell entsprächen mehr als 40 % der Heizungen im Bestand nicht dem Stand der Technik, viele Anlagen seien älter als 30 Jahre. Um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, müssten jedes Jahr 1 Mio. Heizungen modernisiert werden. Die Kapazitäten in Industrie und Handwerk seien vorhanden. Einzig brauche es jetzt eine Initialzündung in Form einer verlässlichen und praktikablen Rahmensetzung sowie Anreizen.
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