Werbung

Rückstauschutz im Abwasser-Mischsystem

Absperreinheit und Druckentwässerung als Hybrid-Lösung für den Übergabeschacht

Bild 1: Die „RKS800 – Rückstau- und Kanalsicherungsanlage“ dient als Absperreinheit und bietet im Rückstaufall eine Druckentwässerung für anfallendes Abwasser.

Bild 2: Wenn das Abwasser in der Kanalisation durch Starkregen oder Hochwasser ansteigt, wird der Hauptkanal in dem Übergabeschacht innerhalb einer Sekunde versperrt. Von der Gebäudeseite anfallendes Schmutz- und Regenabwasser kann über die per Rückschlagklappen gesicherten Pumpen in den öffentlichen Kanal abgeführt werden.

Bild 3: Erstellung der Aussparung zur Montage des Druckabgangskopfs.

Bild 4: Montage des Einspannrahmen.

Bild 5: Vergießen der Hohlräume mittels Schnellbeton.

Bild 6: Einhängen der höhen- und längsverstellbaren Fäkalienhebepumpen.

 

Das Thema Rückstauschutz ist in den letzten Jahren aufgrund vermehrt auftretender Starkregenfälle mehr in den Fokus von Hausbesitzern gerückt. Die Nachrüstung einer Rückstausicherung ist bei Abwasser-Mischverfahren mit gemeinsamer Ableitung von Schmutz- und Regenabwässern jedoch oft durch vorhandene bauliche Hindernisse eine größere Herausforderung. Um diese Situation zu vermeiden und die Entwässerung auch bei Rückstau zu ermöglichen, bietet das Unternehmen Con-Pat ein Schutzsystem an, das in den Übergabeschacht installiert wird.

Ein großer Teil des Entwässerungssystems in Deutschland und Europa besteht aus Abwasser-Mischsystemen. Die Nachrüstung einer Rückstausicherung in diese Systeme ist nicht selten mit größerem baulichen Aufwand verbunden. Dies liegt an der Situation, dass für alle Entwässerungsstellen unterhalb der Rückstau­ebene die Stelle der Absperrung gegen Rückstau richtig platziert sein muss. Denn wenn sich in Fließrichtung des Wassers vor der Absperrung noch Zuleitungen von Regenwasser-Entwässerungsstellen befinden, dann können diese in die vermeintlich „gesicherten“ Ablaufstellen drücken und somit das Gegenteil bewirken. Vor diesem Hintergrund müssen die Regenwasser-Zuleitungen hinter der Rückstausicherung angeschlossen werden, wodurch größere Umbauarbeiten notwendig sein können.

Zentrale Lösung vor dem Gebäude
„Rückstausicherungen gibt es in vielen Varianten. Was nützt uns aber das bes­te System, wenn man es nicht an der gewünschten Stelle einbauen kann“, sagt Manuel Goerke, Geschäftsführer des Unternehmens Con-Pat Kanalschutz-System GmbH. Als Lösung für solche Fälle bietet das Unternehmen die „RKS800 – Rückstau- und Kanalsicherungsanlage“ an, die in den Mischwasserkanal des auf dem Grundstück befindlichen Übergabeschachts montiert werden kann (Bild 1). Die Anlage bietet zum einen eine Absperreinheit und zum anderen eine Druckentwässerung, die im Rückstaufall bei Bedarf automatisch aktiviert wird. Das System wird am Boden des Schachtes mit einem speziellen Rahmen eingespannt. Zur Druckentwässerung befinden sich zwei am Rahmen montierte Fäkalienpumpen mit Schneidwerk, die das im Rückstaufall anfallende Mischabwasser hinter den geschlossenen Absperrschieber in das öffentliche Kanalnetz drücken. Eine elektro-pneumatische Schaltanlage, die im Gebäude platziert werden kann, dient zur Steuerung und Überwachung der Anlage. Durch die Absperrung vor dem Gebäude können alle Leitungen auf dem Grundstück gleichzeitig gesichert werden, während im Standby-Betrieb eine Überwachungsfunktion stattfindet.

Kontrollierte Entwässerung
Der im Standby–Betrieb dauerhaft geöffnete pneumatische Absperrschieber lässt das Mischabwasser im normalen Leitungsgefälle ganzjährig abfließen. Eine Überwachungsfunktion schaltet die Pumpen und den Absperrschieber kontinuierlich automatisch jeweils für einige Sekunden ein, um ein Festsitzen der Bauteile zu verhindern. Eventuelle Fehler werden dabei von der Steuerung erkannt.
Wenn das Abwasser in der Kanalisation durch Starkregen oder Hochwasser ansteigt, wird der Hauptkanal in dem Übergabeschacht innerhalb einer Sekunde versperrt und das Eindringen des Wassers somit verhindert. Ähnlich einer Hebeanlage werden die von der Gebäudeseite anfallenden Schmutz- und Regenabwässer über die per Rückschlagklappen gesicherten Pumpen in den öffentlichen Kanal abgeführt. Dabei kann neben den häuslichen Abwässern die Regenwassermenge von 800 m² Niederschlagsfläche während eines Starkregens abgeführt werden (Bild 2). Während dieser Zeit regelt eine Steuerung über Staudruckmessung die gleichmäßige Auslastung der beiden Pumpen. Sinkt der Pegel in dem öffentlichen Kanal auf normales Niveau, öffnet sich der Absperrschieber, sodass die Abwässer wieder über das normale Freispiegelgefälle abfließen können. „Die jährlichen Betriebskosten sind gegenüber einer klassischen Hebeanlage äußerst gering, da nur die Laufzeiten im Rückstaufall, die Selbstüberprüfungszeiten und der Standby-Strom anfallen“, erklärt Goerke.

Vorgefertigte Technik
Die Installation der vormontiert gelieferten „RKS800“-Anlage kann in einem vorhandenen oder neu gesetzten Übergabeschacht der Mindestgröße DN 800 oder einem innerhalb des Gebäudes erstellten Schacht von ca. 90 x 90 x 90 cm Mindestgröße erfolgen. Dabei ist der Rohrquerschnitt in der Regel DN 150/160, in selteneren Fällen DN 200. Zu Beginn wird eine Leerrohrverbindung zwischen dem geplanten Raum für die Steuerungsanlage und der Absperrstelle (z. B. dem Übergabeschacht vor oder in dem Gebäude) verlegt. Zum Einbau der Anlage in den Schacht ist an der Auslaufseite des offenen Gerinnes eine Aussparung für den Absperrschieber zu erstellen (Bild 3). Über den Einspannrahmen, der auf der gegenüberliegenden Schachtwand ansetzt, wird der Absperrschieber zusammen mit dem Druckabgangskopf gegen die Abgangsleitung gepresst – bei glatter Anpressfläche mittels flach dichtender EPDM-Dichtung, bei vorhandenem Rohrende mittels entsprechenden Verbindungselements (Bild 4). Anschließend können die beiden Fäkalienpumpen auf der Spannvorrichtung eingehängt und mit den Druckleitungen verbunden werden (Bild 6). Durch Verlängerung der Druckleitungen lassen sich zudem Rückstauschleifen erstellen. Für die elektrische Versorgung ist ein 230-V-Anschluss mit einer Absicherung von 25 Ampere notwendig.

Einsatz in Siedlungsgemeinschaft
Den erfolgreichen Einsatz des „RKS800“-Systems verzeichnet das Unternehmen Con-Pat bereits seit einigen Jahren. Als Beispiel nennt der Geschäftsführer eine Siedlungsgemeinschaft mit Reihenhäusern in Dortmund-Scharnhorst, die sogenannte MSA-Siedlung. „Annähernd jedes Reihenhaus war dort bei Starkregen von Rückstau aus der Mischkanalisation betroffen. Der Einbau eines Rückstauautomaten wäre bei den baulichen Gegebenheiten nicht durchführbar gewesen“, erklärt Goerke und weiter: „Die Verantwortlichen der Siedlungsgemeinschaft haben im Jahr 2012 erstmals von der Hybrid-Hebeanlage gehört und diese bei einem Gebäude zum Test installieren lassen. Seit dem gab es keine Probleme mehr und in der Folge wurden weitere Gebäude mit der Anlage ausgestattet.“

Wartung und Kontrolle
Nach DIN EN 13564 müssen Rückstausicherungen und Hebeanlagen alle sechs Monate gewartet und kontrolliert werden. Schwerpunkte bei der Durchführung sind die Reinigung, die Sicht- und die Funktionsprüfung. Die Steuerung der Anlage („RKS800 ­Control“) speichert dabei die vergangenen Pumpenstarts- und Laufzeiten, sowie die Alarmzustände ab (Bild 7). Diese können während der Wartungsarbeiten über eine Klartextanzeige abgerufen und dokumentiert werden. „Durch die übersichtliche Bedienung kann auch der Besitzer oder Betreiber der Anlage zwischen den Wartungsintervallen Informationen der Anlage abfragen und die Betriebsfunktionen testen“, so Goerke. Um Fehleinstellungen durch Dritte zu vermeiden, kann der Zugang zu den Grundeinstellungen durch das Installationsunternehmen gesperrt werden.

Bilder: Con-Pat Kanalschutz-System GmbH, Wissen (Sieg)

www.con-pat.de

 

„RKS800 – Rückstau- und Kanalsicherungsanlage“

  • Verwendung: Hybrid-Hebeanlage zur Sicherung gegen Rückstau in der Trenn- oder Mischkanalisation fäkalienhaltiger und nichtfäkalienhaltiger Abwässer
  • Einbauort: Revisionsschacht oder Sonderschacht im Freispiegelgefälle zwischen Gebäude und öffentlichem Kanal
  • Anschließbare Niederschlagsfläche: 800 m² bei 50 mm/h Niederschlagsmenge
  • Pumpleistung: 14,66 l/Sekunde
  • Absperrschieber: DN 150 bis DN 200
  • Absperrleistung: 2,5 bar
  • Absperrzeit: 1 Sekunde
  • Steuerung: Elektronische Regelung über Staudruckmessung mit Klartextanzeige in 8 Sprachen

 

 

 

Artikel teilen:
Weitere Tags zu diesem Thema: