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Dem Biofilm an den Kragen gehen – Verfahren zur inneren Rohrreinigung

Vorfälle von Legionellen oder anderen biologischen Erregern in der Trinkwasserinstallation können mitunter durch Ablagerungen in den Rohren, durch Totleitungen oder Fehleinstellungen in einer Anlage verursacht werden. Doch wie kann ein System effektiv und nachhaltig gereinigt und saniert werden?

Mithilfe einer Computersteuerung erfolgen die einzelnen Impuls-Spülungen, um den Biofilm zu entfernen.

Die Wirkungsweise des Verfahrens: Luftblöcke, die den gesamten Querschnitt der Leitung ausfüllen, und Wasser durchströmen abwechselnd die Leitungen.

An den Armaturen werden Hand-Zyklonabscheider befestigt, über die die Luft und die im Wasser gelösten Ablagerungen austreten können.

 

Aus Sicht der Trinkwasserhygiene ist die Verkeimung eines Systems ein schwerwiegendes Problem. Die Erfahrungen in diesem Bereich zeigen, dass vor allem nachhaltige Lösungen vonseiten der Betreiber notwendig sind, um langfristig vorzubeugen und einer erneuten Kontamination entgegenzuwirken. Kommt es zu Vorfällen nachweislicher Verunreinigungen, so ist vonseiten der Betreiber die thermische oder chemische Desinfektion der Anlage meist der erste Schritt. Die chemische Desinfektion wie z.B. Chlorung tötet die Bakterien und Erreger zwar ab, besei­tigt diese jedoch nicht. Daher bietet diese Vorgehensweise nur eine temporäre Lösung des Problems. Zudem ist der Einsatz von Chlor oder Chlordioxid nachweislich mit Risiken belegt. Aus diesem Grund ist es dem Deutschen Fachverband für Luft- und Wasserhygiene e.V. (DFLW) ein besonderes Anliegen, in seinen Foren und Schulungen über Alternativen aufzuklären und die Wirkungsweise der Methoden anschaulich dar- bzw. vorzustellen. So auch das Impuls-Spül-Verfahren der Hammann GmbH.

Neue Technik mit altem Prinzip
Bereits seit 13 Jahren reinigt das Unternehmen Rohrnetzleitungen und hat sein Verfahren weiterentwickelt, sodass es ihnen seit 2005 möglich ist, auch Hausinstallationen zu reinigen. Das Spülverfahren ist eine Weiterentwicklung des klassischen Luft-Wasser-Spülverfahrens. Luftblöcke – die den gesamten Querschnitt der Leitung ausfüllen – und Wasser wandern im Wechsel durch die Leitungen und erzeugen so an den Grenzflächen zur Rohrwand Kavitationserscheinungen und Verwirbelungen, welche eine Geschwindigkeit von bis zu 15?m/s haben. So werden die mobilisierbaren Ablagerungen ohne Angriff der schützenden Deckschichten abgelöst. Da die Zugabe der Luft innerhalb eines druckreduzierten Spülabschnitts impulsartig mithilfe einer Computersteuerung erfolgt, spricht man vom Impuls-Spül-Verfahren. Dass dabei der Biofilm fast vollständig entfernt wird, wurde durch Prof. Dr. med. Martin Exner von der Universität in Bonn gutachterlich belegt.
„Das Gutachten belegt unsere eigenen Erfahrungen“, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Kai Birnbaum, Bereichsleiter Gebäudetechnik der Hammann GmbH. „Die Ergebnisse, die wir mit unserem Impuls-Spül-Verfahren erzeugen, lassen unsere Kunden immer wieder staunen. Vor allem sind sie überrascht und häufig sogar erschrocken über die Trübung des ausgespülten Wassers und der darin enthaltenen Feststoffe.“ Doch das Reinigen der Leitungen ist nur einer von vielen Mosaiksteinen, um die Trinkwasserqualität in einer Anlage dauerhaft zu gewährleisten. Daher ist es wichtig, dass der Betreiber weitere Maßnahmen einleitet, um eventuelle Mängel zu beseitigen. Hierüber wird der Kunde von dem Annweiler Unternehmen informiert und auf Wunsch an sachkundige Ingenieurbüros verwiesen.

Kundenberatung ist hier ein wichtiges Thema
„Uns ist es wichtig, die Kunden umfassend zu beraten, auf Schwachstellen aufmerksam zu machen und über die Risiken der bestehenden Mängel zu informieren. Eigentlich sollten die Betreiber regelmäßig Reinigungen in ihren Trinkwassersystemen vornehmen. Doch die Erfahrung zeigt, dass prophylaktische Maßnahmen viel zu selten durchgeführt werden“, erklärt der Bereichsleiter. In der Regel besteht bereits eine Kontamination, bevor sich die Kunden über die Möglichkeiten einer fachgerechten Spülung informieren. Die Verantwortlichen beginnen meist umgehend mit Umbaumaßnahmen oder spülen die Leitungen eigenständig. Doch mit herkömmlichen Spülverfahren oder durch reine Desinfektionen können solche Ablagerungen nicht entfernt werden. Eine gute Recherche und umfassende Beratung kann daher hilfreich sein, um die Kontamination in den Griff zu bekommen. Nach einer gemeinsamen Begehung vor Ort, in der auch auf bestehende Schwachstellen in der Anlage hingewiesen wird, und einem Beratungsgespräch durch die Hammann GmbH erfolgt die Angebotserstellung. Gemeinsam mit dem Kunden wird ein Projektplan erstellt. „Dabei achten wir genau auf die Nutzungszeiten der Anlage“, merkt Birnbaum an. „Handelt es sich beispielsweise um eine öffentliche Einrichtung wie eine Schule, dann nehmen wir die Spülungen am Wochenende oder während der Ferien vor. Bei einem Krankenhaus oder einem Altenzentrum ist dies natürlich nicht möglich. Hier legen wir dann gemeinsam mit dem Kunden die Spül-Abschnitte und Zeiträume fest, um einen sicheren und reibungslosen Betrieb der Anlage zu gewährleisten.“

Säuberung der Trinkwasserleitung
Bei der Reinigung wird dann, je nach Grad der Verschmutzung, eine reine Impuls-Spülung oder die Kombination mit einer kurzfristig stagnierenden Desinfektion durchgeführt. Durch die Kombination mit verschiedenen Desinfektionsmitteln wie beispielsweise Chlordioxid und Wasserstoffperoxid kann die Reinigungswirkung verbessert werden. Dies belegen wissenschaftliche Studien des vom Bundesminis­terium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojektes „Vermeidung und Sanierung von Trinkwasser-Kontaminationen durch hygienisch relevante Mikroorganismen aus Biofilmen der Hausinstallation“. Im Verlauf der Spülung werden dann alle weichen und mobilisierbaren Ablagerungen mitsamt ihrem Bewuchs ausgetragen, so wird den Mikro­organismen der Nährboden entzogen. Dies kann über die Armaturen erfolgen, an denen spezielle Hand-Zyklonabscheider befes­tigt sind. Ist dies nicht möglich, wird das Wasser über Schläuche von der Zapfstelle an einen WC-Zyklonabscheider abgeleitet.
Die Nachhaltigkeit der Reinigung hängt jedoch stark von den installationstechnischen Gegebenheiten ab. Darauf weist auch Kai Birnbaum innerhalb seiner Vorträge ausdrücklich hin. Nur durch die Beseitigung der Mängel und unter Berücksichtigung der anerkannten Regeln der Technik kann eine dauerhafte Problemlösung geboten werden. Eine mechanische Reinigung ist ein wesentlicher Schritt, jedoch nur einer von vielen Bausteinen in einem Gesamtsanierungskonzept. Denn nur aus sauberen Leitungen kann auch sauberes Wasser kommen.


Nachgefragt

IKZ-Haustechnik: Herr Birnbaum, es wird beschrieben, dass Ihr System mittels Kavitationserscheinungen und Verwirbelungen an der Rohrwand den Biofilm abträgt, ohne die schützenden Deckschichten zu verletzen. Was macht Sie so sicher, dass dies nicht der Fall ist?

Kai Birnbaum: Unser Impuls-Spül-Verfahren arbeitet mithilfe von sogenannten Luftmolchen, die aufgrund ihrer fluiden Beschaffenheit gar keine festen Ablagerungen lösen können. Deckschichten sind jedoch immer harte Ablagerungen, sonst wären es keine Deckschichten. Zudem arbeiten wir immer unter dem normalen Netzbetriebsdruck, sodass das Rohrsystem nicht zusätzlich belastet wird.

IKZ-Haustechnik: Gerade große Trinkwasseranlagen weisen eine Vielzahl von selten bis gar nicht genutzten Rohrabschnitten auf. Mitunter sogar Totstränge aufgrund von baulichen Veränderungen. Macht eine Spülung hier Sinn, müsste nicht erst die Wurzel des Übels saniert werden?

Kai Birnbaum: Sie haben recht: Das macht wenig Sinn. Deswegen weise ich den Betreiber der Anlage auch immer auf solche Mängel hin und empfehle dringend, die bestehenden Totleitungen zurückzubauen. Selten bis gar nicht genutzte Rohrabschnitte sollten nach Absprache mit den Nutzern eventuell auch zurückgebaut werden, oder es muss regelmäßig, z.B. durch den Hausmeister, eine Spülung erfolgen. Auch die Installation einer selbsttätig arbeitenden Spülarmatur ist möglich.

IKZ-Haustechnik: Betreiber sollten eine regelmäßige Reinigung der Trinkwasserleitungen vornehmen, so Ihre Empfehlung. Gibt es Ihrerseits bestimmte Vorgaben oder Erfahrungswerte, in welchen Abständen eine solche Reinigung erfolgen sollte?

Kai Birnbaum: Bestimmte Vorgaben gibt es nicht. Das hängt immer vom Einzelfall ab. Ich kann nur bestimmte Empfehlungen aussprechen, je nachdem, um welchen Werkstoff es sich handelt. Da verzinkte Stahlleitungen zu erhöhter Korrosionsbildung neigen, sollte hier eine Reinigung generell öfter erfolgen als z.B. bei Edelstahlleitungen. Das hängt natürlich auch immer von der Wasserbeschaffenheit und dem Nutzungsverhalten ab. Zwischen 5 Jahren und 10 Jahren ist ein mittlerer Richtwert.

IKZ-Haustechnik: Ist eine Anlage erst einmal kontaminiert, so ist die Spülung nur ein erster Schritt in einem Sanierungs-Gesamtkonzept. In wieweit begleiten Sie Ihre Kunden bei weiteren erforderlichen Schritten?

Kai Birnbaum: Wir arbeiten mit sachkundigen Ingenieurbüros zusammen, die das installationstechnische System dokumentieren, Mängel aufzeigen, Lösungen unterbreiten und auch den Erfolg der Maßnahmen kontrollieren. Sind installationstechnische Mängel vorhanden, müssen diese in jedem Fall abgestellt werden. Auch die bestimmungsgemäße Nutzung muss gewährleistet sein, d.h. Wasser muss fließen. In jedem Fall ist die Reinigung des Trinkwassersystems notwendig, um die Leitungen von Biofilm und Ablagerungen zu befreien.


 

Autor: Deutscher Fachverband für Luft- und Wasserhygiene e.V. (DFLW)
Bilder: Hammann GmbH


www.dflw.info

 

 

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