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Renaissance eines Klassikers

Druckspüler für WCs und Urinale spielen ihre Vorteile vor allem in öffentlichen und halböffentlichen Bereichen aus

WC-Druckspüler – hier in einem Museum – gewährleisten eine stets verfügbare Spülung, auch in Stoßzeiten.

Selbstschluss-Druckspüler – die hohe Spülkraft verspricht eine optimale Reinigung des Beckens.

Elektronischer Druckspüler im Urinalbereich - Hygiene und Wasserersparnis für öffentliche Sanitärräume.

 

Sowohl Spülkastensysteme als auch Druckspülsysteme für WC und Urinal haben sich seit Jahrzehnten bewährt. Beide Systeme haben ihre Vorzüge. In Bezug auf öffentliche Sanitäranlagen sind die Argumente häufig aufseiten der Druckspüler. Das zeigt ein Vergleich beider Systeme.

In öffentlich-gewerblichen Sanitäranlagen herrschen besondere Anforderungen: Vor allem Nutzungsart und -frequenz weichen hier stark von denen im Privatbereich ab. Vandalismus, sowohl gewollt als auch ungewollt, ist im öffentlichen Bereich aufgrund des anonymen und wechselnden Nutzerkreises immer ein Thema. Deshalb werden hier robuste Armaturen – möglichst ohne empfindliche Kunststoffteile – benötigt, die intensiver Beanspruchung und oft rauer Nutzungsweise standhalten. Denn robuste und widerstandsfähige Materialien spielen laut VDI 3818 „Öffentliche Sanitärräume“ eine entscheidende Rolle beim Schutz der Ausstattung und Produkte. Sowohl bei Druckspülern als auch bei Spülkästen existieren Ausführungen mit Betätigungsplatten aus Metall, um die Funktionsteile zu schützen.
Generell gilt darüber hinaus: In vandalismusgefährdeten Einsatzorten sollten Lösungen für Wandeinbau bevorzugt werden (vgl. VDI 3818). Diese Einbauvariante ist heutzutage sowohl bei der Druckspül- als auch bei der Spülkastentechnik üblich. Soll das Spülsystem vor der Wand installiert werden, beispielsweise bei Sanierungen mit knappem Budget, sind Druckspüler aufgrund des Ganzmetallkörpers in der Regel die robustere Variante.

Spülbereitschaft
Spülbereitschaft ist vor allem in stark frequentierten Einrichtungen von Bedeutung: Hier kann die Nutzerfrequenz in Stoßzeiten stark ansteigen, wie z. B. in Schulpausen oder während der Halbzeit bei Sportveranstaltungen. Für Druckspüler spricht hier, dass sie stets und ohne Nachfüllzeit spülbereit sind. So kann die Spülung bei Bedarf auch mehrmals nacheinander ausgelöst werden, auch bei direkt aufeinanderfolgenden Nutzern. Es entsteht keine Wartezeit für die Befüllung eines Spülkastens.

Nutzerkomfort und Hygiene
Da Spülkästen nach DIN 1988-300 lediglich einen Spitzenvolumenstrom von 0,13 l/s erzeugen und nicht 1 l/s wie bei einem Druckspüler, wird die Selbstreinigung der Rohrleitungen nicht mehr erreicht. Die Folgen können Ablagerungen im Rohrsystem sein. Insbesondere Rohre aus feuerverzinktem Stahl können verstärkt zuwachsen. Druckspüler sorgen also bei großzügig dimensionierten Trinkwasserleitungen in Bestandsbauten für eine gründliche Spülung der Leitungen.
Auch die Spülkraft im Becken trägt zur Hygiene bei, denn sie entscheidet über die Sauberkeit des WCs oder Urinals nach der Nutzung. Eine starke Spülkraft ist im öffentlich-gewerblichen WC unverzichtbar, um einwandfrei gespülte WC-Becken zu garantieren, denn selten erfolgt eine zweite Spülung geschweige denn die Nutzung von Bürstengarnituren. Während bei einem WC mit Spülkasten die Spülkraft lediglich aus der Schwerkraft resultiert, wirkt bei einem Druckspüler unterstützend der Druck aus dem Leitungsnetz.
In puncto Geräuschentwicklung punktet der Spülkasten. Es gibt aber inzwischen zahlreiche Druckspüler, die die gängigen Standards der Schallemission bis hin zur Geräuschklasse 1 erfüllen.

Wassersparen
Beide Technologien bieten Ausführungen, bei denen der Nutzer zwischen zwei Spülmengen wählen und somit den Wasserverbrauch an den tatsächlichen Bedarf anpassen kann. Spülmengen zwischen 2 und 6 l je Nutzung sind heutzutage sowohl bei Druckspülern als auch bei Spülkastensys­temen Standard. Vorteil der Spülkastentechnik: Einige Modelle bieten eine Stopp-Taste, durch die der Spülvorgang vorzeitig beendet werden kann.

Langlebigkeit
Langlebigkeit hängt von vielen Faktoren ab. Je nach Einsatzort kommt ihr eine mehr oder weniger große Bedeutung zu, für den öffentlichen Bereich ist sie jedoch zentral (vgl. VDI 3818). Bei der Auswahl besonders langlebiger Modelle können Herstellerangaben hilfreich sein. So gibt es Hersteller, deren Mechanismen auf 500 000 Betätigungen und mehr getestet werden. Generell sollte darauf geachtet werden, dass die Spülarmatur so wenig anfällige Komponenten wie möglich enthält. Denn Ansammlungen von Kalk- und Schmutzpartikeln können Dichtungen oder Kunststoffteile mit der Zeit beschädigen. Dies kann dann wiederum, je nach Wasserqualität und Nutzerfrequenz, zu Undichtigkeiten führen. Im Gegensatz zu einer Waschtischarmatur, bei der eine Undichtigkeit meist sofort entdeckt wird, ist ein Rinnsal im WC-Becken sehr schwer auszumachen. Dazu kommt, dass gerade im öffentlich-gewerblichen Bereich Undichtigkeiten bzw. Funktionsstörungen unter Umständen nicht umgehend dem Betreiber gemeldet werden. Besonders im öffentlichen Bereich punkten Druckspüler hier mit ihrem einfachen und robusten Aufbau.

Montagefreundlichkeit
In Bezug auf den baulichen Aufwand unterscheiden sich beide Technologien kaum. Sowohl bei Druckspülern als auch bei Spülkästen gibt es Anbieter besonders montagefreundlicher Systeme. Beispielsweise integriert in selbsttragende Montage­elemente zur Vorwandinstallation, eine Variante, die besonders für die schnelle Umsetzung von Modernisierungsmaßnahmen von Vorteil ist.

Wartungsfreundlichkeit
Je nach voraussichtlicher Wartungsfrequenz (abhängig von der Anzahl der eingesetzten Spülsysteme, der Trinkwasserbeschaffenheit usw.) kann es sinnvoll sein, sich gezielt für eine wartungsfreundliche Lösung zu entscheiden. Gerade in öffentlichen Anlagen hat man es schnell mit Dutzenden oder sogar Hunderten Nutzungsstellen zu tun.
Es ist empfehlenswert, verschiedene Hersteller zu befragen, wie die Wartung des Produkts konkret durchzuführen ist. Generell gilt: Bei Druckspülern ist der Mechanismus in die Kartusche integriert, bei Spülkästen im Inneren des Kastens. Druckspüler sind also tendenziell einfacher aufgebaut. Dennoch zeigen sich von Hersteller zu Hersteller deutliche Unterschiede in puncto Wartungsfreundlichkeit. Auch bei den Spülkastensystemen gibt es hier abhängig vom Hersteller starke Unterschiede.

Rohrdimensionierung
Die zur Installation eines Druckspülers erforderlichen Leitungsquerschnitte sind im Vergleich zu Spülkästen größer: Erforderlich sind Nennweiten ab DN 20. Wichtig hierbei ist der Gleichzeitigkeitsfaktor. Ausschlaggebend dafür ist nicht nur die Spülmenge, sondern auch die Spülzeit. Die Spüldauer eines Selbstschluss-Druckspülers beträgt durchschnittlich 7 Sekunden.
Sollen vorhandene Spülkästen im Rahmen einer Sanierung durch Druckspüler ausgetauscht werden, ist die Begutachtung des Rohrnetzes zwingend angeraten. Reichen die Rohrdurchmesser, ist das Rohrsystem vielleicht verkrustet oder gar zugewachsen? Entgegen der verbreiteten Annahme ist es jedoch bei vielen Sanierungsmaßnahmen mit vertretbarem technischen Aufwand möglich, Spülkästen durch Druckspüler zu ersetzen. Beispielsweise in Hotels, Pflegeheimen oder Bürogebäuden mit Installationsschächten und leicht zugänglicher Steigleitung. Hier reicht es in den meisten Fällen aus, die WC-Anschlussleitung auszutauschen, damit ein Druckspüler installiert werden kann.

Autorin: 
Lydia Jung, Marketing Germany, Kuhfuss Delabie

Bilder: Kuhfuss Delabie

www.kuhfuss-delabie.de

 

Nachgefragt

Lydia Jung verantwortet das Marketing in Deutschland für Kuhfuss Delabie.

IKZ-FACHPLANER: Die Umstellung von Spülkästen auf Druckspüler – kommt das in der Praxis tatsächlich vor? Was sind die Gründe dafür?
Lydia Jung: Hygiene ist, vor allem in Gesundheitseinrichtungen, ein Grund, Spülkästen gegen Druckspüler auszutauschen. Denn in Spülkästen kann es durch die Wasserstagnation bei Raumtemperatur zu vermehrter Bakterienbildung kommen. Diese können dann beim Spülvorgang als Aerosole herausgetragen und vom Nutzer eingeatmet werden. Bei immungeschwächten Personen droht hier eine Infektion mit z. B. Legionellose. Einen solchen Fall gab es beispielsweise kürzlich in einem bekannten Krankenhaus in Frankreich (Anmerkung der Redaktion: Der Name des Krankenhauses darf nicht genannt werden). Eine Untersuchung hatte gezeigt, dass die Infektion mehrerer Patienten mit Legionellose durch die Bakterien aus dem Spülkasten ausgelöst wurde.
Die Modernisierung bzw. Anpassung von Sanitäranlagen an geänderte Nutzungsweisen ist ein weiterer Grund. Bei steigender Frequentierung bzw. erhöhten Stoßzeiten in den sanitären Anlagen werden Druckspüler wegen ihrer ständigen Spülbereitschaft eingesetzt, denn hier fällt die Wartezeit während der Befüllung des Spülkastens weg.

IKZ-FACHPLANER:  Was muss bei der Umstellung beachtet werden?
Lydia Jung: Bei der Umstellung von Spülkasten- auf Druckspülsysteme muss in jedem Fall die Rohrdimensionierung überprüft werden: Für Druckspülsys­teme sind Nennweiten ab DN 20 erforderlich. Bei Einrichtungen mit Installationsschächten und leicht zugänglicher Steigleitung, wie beispielsweise in Hotels, Pflegeheimen oder Bürogebäuden, reicht es in den meisten Fällen aus, die WC-Anschlussleitung auszutauschen, damit ein Druckspüler installiert werden kann.
Bei alten, verzinkten Eisenrohrleitungen muss zudem das Spülen der Rohrleitungen vor Inbetriebnahme der neuen Armaturen erfolgen, da sich bei diesen alten Leitungen zunächst Ablagerungen lösen können, die die neue Armatur beschädigen können.
Die Schaffung von Absperrungen ist, zumindest beim Einsatz von Armaturen von Kuhfuss Delabie, nicht nötig, da diese integrierte Vorabsperrungen besitzen. So muss im Wartungsfall einer Armatur nicht die gesamte Anlage außer Betrieb genommen werden.

IKZ-FACHPLANER:  Wirkt sich die Umstellung von Spülkästen auf Druckspüler auf die betriebswirtschaftlichen Kosten aus?
Lydia Jung: Beide Technologien, Spülkästen und Druckspüler, bieten wassersparende Lösungen: Ausführungen mit Zweimengenspülungen bzw. Spülungen mit zwei bis sechs Litern pro Nutzung sind hier Standard. Der Wasser- bzw. Ener­gieverbrauch ist also durchaus vergleichbar – sofern die Armaturen störungsfrei laufen. Die Wartungskosten dürften bei Druckspülsystemen generell geringer ausfallen, da der Mechanismus in der Kartusche integriert ist. Letztlich hängt die Wartungsfreundlichkeit aber in jedem Fall vom Hersteller und Produkt ab.

 

 

 

 


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