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Elektromobilität: Führungs-Rolle mal umgedreht

Das Henne-Ei-Problem beim Ausbau der Elektromobilität lautet bisher: Wenn endlich mehr Ladesäulen da sind, werden auch mehr Leute Elektroautos kaufen. Da aber zu wenig Ladesäulen da sind, kauft kaum jemand ein E-Auto... Im Rahmen der Präsentation des neuen Ladesäulen-Registers kommt der BDEW zu einem anderen Ergebnis und fordert Umschichtungen bei den Fördermitteln.

Umkehrung der Rollen: Der Ausbau des Ladesäulennetzes in Deutschland kommt schneller voran als gedacht – leider kommt die Zahl der Elektrofahrzeuge nicht hinterher, sagt der BDEW. Bild: SWM

Der BDEW fordert die Autohersteller auf E-Mobile auf den Markt zu bringen, die preislich mit Verbrennern konkurrieren können. Die Fördermittel allein reichen als Kaufanreiz offenbar nämlich nicht. Bild: Audi

Bislang treiben interessanter Weise Energieunternehmen den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran selbst wenn das keineswegs rentabel ist. Der BDEW fordert allerdings von der Politik, den eigentlichen Brennpunkt zu entschärfen. Das ist die Ladeinfrastruktur im häuslichen Bereich hier finden laut BDEW 80% der Ladevorgänge statt. Bild: SWM

 

Im neuen Ladesäulenregister des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind aktuell rund 13.500 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte an rund 6.700 Ladesäulen für Deutschland erfasst – davon 13% Schnelllader.
In die Erfassung eingeflossen sind Meldungen der Energieunternehmen und weiterer Marktakteure wie Parkhaus- und Parkplatzbetreiber, Supermärkte und Hotels. Ende Juni 2017 waren es rund 10.700 Ladepunkte. Das ist ein Zuwachs von über 25% innerhalb eines Jahres. Eine detaillierte Auswertung der Zahlen für die Bundesländer und Städte soll in Kürze folgen.

Bemerkenswerte Erkenntnisse
Die Arbeit liefert über den Service an sich hinaus ein paar bemerkenswerte Erkenntnisse. Die erste beschreibt Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung so: „Die Energiewirtschaft drückt beim Ladesäulen-Ausbau weiter aufs Tempo: Über drei Viertel der Ladepunkte werden von Energieunternehmen betrieben. Und das, obwohl es angesichts der geringen Anzahl an E-Autos noch keineswegs rentabel ist.“
Die zweite Erkenntnis ist, dass die Förderung des Ausbaus der öffentlichen Ladeinfrastruktur ihr ursprüngliches politisches Ziel von 15 000 zusätzlichen Ladepunkten voraussichtlich schon nach der Hälfte der Laufzeit erreichen wird.
Um den Flaschenhals jetzt weiter zu öffnen, liegt das Mandat nicht bei der Ladeinfrastruktur, sondern bei der Automobilindustrie: „Wenn die Elektromobilität in Deutschland in den nächsten Jahren den Durchbruch schaffen soll, muss die Automobilindustrie endlich Modelle auf den Markt bringen, die in Preis und Leistung mit Verbrennern konkurrieren können. Wie wir sehen, bleibt selbst die Kaufprämie zwecklos, wenn das Produkt nicht attraktiv und bezahlbar ist“, sagt Kapferer.
Nach zwei Jahren Laufzeit wäre von den 600 Mio. Euro Fördersumme gerade einmal ein Sechstel abgerufen.

Forderung zur Umschichtung
Da die Große Koalition das Ziel auf 100 000 Ladepunkte bis 2020 erhöht hat, fordert der BDEW eine Umschichtung der Fördermittel: „Sollten weiterhin die Mittel für die Fahrzeuge so langsam abfließen, sollte über eine Umverteilung nachgedacht werden. Zudem sollte die Regierung mehr Tempo machen, wenn es darum geht, die Installation von Ladeinfrastruktur im privaten Bereich zu erleichtern: Durch Fördermittel und Anpassungen im Wohneigentumsrecht. Immerhin finden hier rund 80% der Ladevorgänge statt“, fordert Kapferer.

Zum Ladesäulenregister
Aber nun zum Service: Mit der neuen Plattform www.ladesaeulenregister.de bieten der BDEW ab sofort ein umfassendes Serviceangebot rund um Fragen der Infrastruktur für Elektromobilität. Es dient der tagesaktuellen Erfassung der in Deutschland vorhandenen öffentlichen und teilöffentlichen Ladepunkte. Fahrer von E-Autos finden auf der interaktiven Deutschlandkarte die Ladepunkte in ihrem Umkreis mit allen relevanten Informationen für einen hoffentlich unkomplizierten Ladevorgang. Für Ladesäulenbetreiber stehen auf der Plattform zentrale Informationen zum technischen Aufbau, der Fördermittelvergabe und Meldepflichten bereit.
„Wir entwickeln das Ladesäulenregister zur zentralen, unabhängigen Informationsplattform für alle Fragen rund um die Ladeinfrastruktur in Deutschland. Betreiber von Ladesäulen können sich kostenlos in unser Register eintragen und so ihre Bekanntheit und die Auslastung ihrer Ladesäule steigern“, sagt Franziska Kronberg, Geschäftsführerin der Energie Codes und Services GmbH. Das Unternehmen wurde 2016 als hundertprozentige Tochter des BDEW gegründet.

 


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