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EG-Richtlinie für Trinkwasser sieht Bleiwert-Absenkung vor – Industrie übt Kritik

Vöhringen. Qualitätsstandards, zusätzliche Kontrollen und eine neue EG-Richtlinie: Die EU möchte Bürger dazu bringen, mehr Leitungswasser zu trinken.

Workshop mit GMS-Geschäftsführer Hilbert Wann (r.). Bild: Bruno Lukas, Press’n’Relations

 

Der Gesamtverband Messing-Sanitär (GMS) befasste sich im bayrischen Vöhringen mit dem seit Januar 2018 vorliegenden Entwurf der neuen EG-Richtlinie für Trinkwasser. Die Kommission schlägt vor, den Blei-Grenzwert von derzeit 10 auf 5 µg/l und den Chrom-Grenzwert auf 25 µg/l zu senken. GMS-Geschäftsführer Hilbert Wann sieht das kritisch und erklärt auf unsere Anfrage hin: „Warum abweichend von der WHO-Empfehlung eine Halbierung bei Blei von derzeit 10 auf 5 µg/l im Entwurf vorgesehen ist, können wir nicht nachvollziehen. Uns sind jedenfalls keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zugänglich. Die GMS-Mitgliedsunternehmen bieten heute schon technische Lösungen in Form von optimierten Bauteilen, welche auch strengere Grenzwerte als den derzeitig gültigen Wert von maximal 10 µg/l einhalten. Hierzu gehören insbesondere Bauteile aus bleifreien und stark bleiarmen Messingwerkstoffen.“ Die Frage der Konformität hänge davon ab, wie die neue Richtlinie von den Überwachungsbehörden ausgelegt werde. Die vorgesehene zehnjährige Übergangsfrist helfe der Branche, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen.
Wann ging in Vöhringen auch auf die geplante Konformitätsbestätigung der UBA-Hygieneliste ein – ein Verfahren, das die Einhaltung hygienisch geeigneter Materialien in Kontakt mit Trinkwasser vorsieht. Hersteller müssten nachweisen, dass die von ihnen vertriebenen Produkte den Anforderungen des §17 Absatz 2 und Absatz 3 der Trinkwasserverordnung bzw. der darauf basierenden UBA-Hygieneliste entsprechen. Dafür werde eine Konformitätsbestätigung der hygienischen Eignung nach dem System 1+ (Bauprodukteverordnung) gefordert. „Gleichzeitig ist aber unbedingt auch die technische Eignung der Werkstoffe und Bauteile zu berücksichtigen“, betont Wann. Anhand der Werkstofftests, die die Mitgliedsunternehmen gemeinsam in Auftrag geben, sowie der Analyse von Schadensfällen im technischen Ausschuss des Verbandes, bestehe die Möglichkeit, gezielt korrosionsbeständige Legierungen und Bauteile zu entwickeln, so der GMS-Geschäftsführer.
www.messing-sanitaer.de

 


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