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Die Zukunft braucht Wasserstoff

In Zeiten, in denen sich die deutsche Politik allzu eng auf die Elektrifizierung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr konzentriert, holt Greenpeace Energy über zwei Auftrags-Studien den Wasserstoff aus dem Exil.

Große Teile des Verkehrssektors, z. B. der Flug- und der Güterverkehr, werden in absehbarer Zeit nicht elektrifiziert werden können, so ein Ergebnis zweier von Greenpeace Energy in Auftrag gegebener Studien. Sie werden auf synthetische Kraftstoffe und erneuerbare Gase (wie Wasserstoff) angewiesen sein. Bild: Shutterstock

Grüne Gase wie Wasserstoff sind laut Studienergebnis unverzichtbar für die Stabilität der Energieversorgung, zum Beispiel bei sogenannten „Kalten Dunkelflauten" – längeren Phasen mit wenig Wind und Sonne und hohem Energieverbrauch. Bild: Pixelio

 

Deutschland muss massiv auf erneuerbaren Wasserstoff setzen, um seine Klimaziele zu erreichen. Das ist das Ergebnis zweier von Greenpeace Energy beauftragter Analysen, die der Ökoenergieanbieter in Berlin präsentiert hat. Demnach wird in einem künftig vollständig erneuerbaren Energiesystem der Bedarf an erneuerbar produziertem Wasserstoff und daraus hergestellten Treibstoffen mit 1.089 Terawattstunden (TWh) im Jahr höher sein als der Bedarf an grünem Strom mit 959 TWh. Heute liegt der Stromverbrauch bei 596 TWh. „Elektrolyseure werden künftig eine attraktive Investition. Wir werden in Deutschland um das Jahr 2040 bis zu 115 GW an Elektrolyseuren wirtschaftlich betreiben können“, sagt Fabian Huneke von Energy Brainpool.

Klaffende Versorgungslücken
Bei ihren Berechnungen haben die Experten des Wuppertal Instituts und von Energy Brainpool die größtmögliche Energieeffizienz und entsprechende Einsparungen zugrunde gelegt. „Doch auch wenn wir den Verkehrssektor maximal elektrifizieren, werden für den Flugverkehr, die Seeschifffahrt und relevante Teile des Lkw-Verkehrs batterieelektrische Antriebe noch für viele Jahre keine Option sein“, sagt Karin Arnold vom Wuppertal Institut, das den Verkehrsbereich untersucht hatte. Arnold beziffert den Energiebedarf eines emissionsfreien Verkehrssektors auf 355 TWh im Jahr. Davon entfallen 107 TWh auf Grünstrom, der direkt durch batterieelektrische Mobilität genutzt wird, mit 249 TWh aber deutlich mehr als das Doppelte auf erneuerbare Gase und synthetische Kraftstoffe, vor allem für den Flugverkehr.

Beitrag zur Versorgungssicherheit
Zudem würden durch aus erneuerbaren Energien produzierte Gase wie Wasserstoff oder synthetisches Methan in wichtigen Industriesparten und der Wärmeversorgung in großen Mengen gebraucht, wenn fossile Energieträger dort nicht direkt durch grünen Strom ersetzt werden können. Auch für die Versorgungssicherheit in einem vollständig erneuerbaren Energiesystem seien grüne Gase unverzichtbar, zum Beispiel bei sogenannten „Kalten Dunkelflauten" – längeren Phasen mit wenig Wind und Sonne und hohem Energieverbrauch.

Marktanschubprogramm angeregt
Um der Technologie hierzulande zum Durchbruch zu verhelfen, schlägt Greenpeace Energy ein zeitlich und im Volumen begrenztes Marktanschubprogramm vor. Dabei sollten Elektrolyseure aber nur an netzdienlichen Standorten und bei energiewendedienlicher Betriebsweise gefördert werden. Bei einer energiewendedienlichen Betriebsweise laufen Elektrolyseure in Stunden mit besonders hohem Erneuerbaren-Anteil an der Stromerzeugung. Nach Analyse von Energy Brainpool wären 3.000 Betriebsstunden jährlich ein passender Wert, der auch die nötige Wirtschaftlichkeit der Anlagen sichert. Nur in diesen Stunden sollten die Anlagen von den sonst üblichen Abgaben und Umlagen auf den Strombezug befreit oder mit einem Betrag in dieser Höhe gefördert werden.

 


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