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Vertrauensverlust

 

Damit hat wohl niemand gerechnet. Überraschend und mit einer sehr kurzen Übergangsfrist bis Mitte August hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die Förderbedingungen im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) deutlich beschnitten. Betroffen ist insbesondere der für die SHK-Branche relevante Bereich der Einzelmaßnahmen und damit die Heizungssanierung mit Erneuerbaren Energien.

In einer offiziellen Mitteilung ist von einer Absenkung von 5 bis 10 % die Rede. Tatsächlich aber fallen die Kürzungen deutlich höher aus. Für Pelletkessel beispielsweise gibt es nun einen maximalen Zuschuss von 20 %, in Verbindung mit einer Solaranlage sind es 30 %. Nur wenn eine Wasser/Wasser- oder Sole/Wasser-Wärmepumpe dazu kommt, sind es 35 %. Bislang waren bis zu 55 % möglich. Angesichts der hohen Erstellungskosten dürften nicht wenige Verbraucher von einer Umrüstung auf Pellets Abstand nehmen, zumal die Brennstoffhersteller in den vergangenen Monaten die Pelletpreise massiv angehoben haben. Bedenklich: Einige Kesselhersteller haben in der jüngsten Vergangenheit ihre Produktionskapazitäten hochgefahren oder sind gerade dabei. Die Befürchtung, dass die gesunkenen Fördersätze in Kombination mit den aktuell hohen Pelletpreisen den Markt regelrecht ausbremsen, dürfte nicht unberechtigt sein.

Noch heftiger hat es den Brennstoff Gas getroffen: Die Förderung von Gaskesseln und auch Gas-Hybridkesseln wurde komplett gestrichen. Neu eingeführt wurde dafür ein Austauschbonus für alte Gaskessel.

Lediglich das System Wärmepumpe ist – dem politischen Willen geschuldet – mit einem blauen Auge davongekommen. Hier sind bis zu 40 % Förderung drin, wenn eine Wasser/Wasser- oder eine Sole/ Wasser-Wärmepumpe eingesetzt werden.

Und so wiederholt sich der Fehler der Vergangenheit. Statt auf Technologieoffenheit und einem breiten Brennstoffmix zu setzen, gibt es eine deutliche Fokussierung in Richtung Wärmepumpe – und damit erneut eine Abhängigkeit. Auch wenn ich mich wiederhole (siehe Standpunkt Heft 6/2022): Oftmals, aber eben nicht immer, ist die Wärmepumpe die optimale Variante. Für alle anderen Fälle hält die Heizungsindustrie bewährte und alternative energieeffiziente Lösungen bereit. Und die gilt es zu fördern. Das Signal, das von dieser plötzlichen BEG-Anpassung ausgeht, ist fatal und mit einem Wort zu beschreiben: Vertrauensverlust.

Markus Sironi
Chefredakteur und Handwerksmeister
m.sironi@strobelmediagroup.de

 


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