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Effektive Anreize schaffen

 

Deutschland hat sich – wie allgemein bekannt – hohe Klima- und Energieziele gesetzt. Mehr und mehr kommt nun aber zum Vorschein, dass diese mit den bisherigen politischen Maßnahmen eher nicht erreichbar sind. Jüngst hatten z. B. die Süddeutsche Zeitung und die Tageschau berichtet, dass nach einer internen Berechnung des Umweltbundesamtes die Lücke zum Reduzierungsziel der klimaschädlichen CO2-Emissionen weit größer als angenommen sei. Statt der angestrebten -40 % bis zum Jahr 2020 könne die Bundesregierung ohne ein Nachsteuern bestenfalls eine Senkung um 32,5 % erreichen. Als Zwischenziel für die Energiewende wäre dies ein herber Rückschlag.
Mit Blick auf 2020 und 2050 ist es aber noch nicht zu spät, die Vorgaben des Klimaschutzplanes zu erreichen (CO2-Minderung bis 2050 um 80 bis 95 %). Voraussetzung ist allerdings, dass die „neue“ Bundesregierung ab dieser Legislaturperiode nun endlich weitreichende und langfristige Maßnahmen aufsetzt, statt der bisher meist halbherzig angewendeten Stop-and-Go Förderpolitik. Um den Regierungsparteien jetzt mit aller Deutlichkeit zu zeigen, welche Lösungen im Gebäudesektor für das Erreichen der Klimaschutz- und Ener­gieeffizienz-Ziele notwendig sind, hat sich ein Bündnis aus sieben führenden Verbänden und Organisa-
tionen gebildet. Mit einer gemeinsamen Stimme formulierten sie eine Forderung an die Regierungsparteien, die eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung für selbstgenutztes Wohn­eigentum beinhaltet.
Konkret vorgeschlagen wurde ein Steuermodell, mit dem in der Anfangsphase 30­ % der Sanierungskosten über einen Zeitraum von drei Jahren von der Steuerzahlung abgezogen werden können. Und das Programm solle mindes­tens zehn Jahre Bestand haben – ein Ansatz, der vielversprechend klingt, da durch den langen Zeitraum bei den Bürgern und Handwerksbetrieben Vertrauen gewonnen werden kann. Damit das Fördermodell in der Praxis leicht umzusetzen ist, wird eine Abrechnung durch die Finanzämter im Rahmen der Steuererklärung zur Verrechnung mit der Steuerlast empfohlen.
Unter dem Strich verspricht das – wenn es dann so umgesetzt wird – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu werden: Die empfehlenden Institutionen sehen durch die Möglichkeit zum Steuersparen einen „psychologischen unvergleichlich starken Hebel“ zur Nutzung des Instruments. Und auf der Seite der staatlichen Geldtöpfe könnte das vorgeschlagene Modell zu Steuermehreinnahmen führen, sodass eine spezifische Gegenfinanzierung nicht erforderlich sei. Last but not least könnte so ein Anreiz entstehen, der auch effektiv ist, sodass vom Handwerksbetrieb über die Industrie bis hin zur Politik und letztlich die Umwelt profitieren.

Markus Münzfeld
Redakteur
m.muenzfeld@strobel-verlag.de

 


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