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Clevere Kooperationen gefragt

 

Die Branche ist im Umbruch. Schon seit Jahren. Das Handwerk kämpft mit Nachwuchsproblemen, die Industrie gegen Überkapazitäten. Zu viel Ware, zu wenig Monteure – das ist das eigent­liche Dilemma. Vom Sog der Konjunktur in der Technischen Gebäudeausrüstung angezogen, spielen immer mehr branchenfremde Konzerne mit im lukrativen SHK-Monopoly – darunter auch große Marktplayer wie Google. Eine der Auswirkungen: Der professionelle Vertriebsweg gerät unter Druck, Verkaufen um jeden Preis, über jeden Kanal scheint die Devise auf Herstellerseite. Premium-Armaturen beispielsweise gibt es heute sogar im Onlineshop von Real. Wie sie dahin kommen? Keiner will’s gewesen sein.
Beinahe unüberschaubar ist das Angebot von Smart-Home-Kits zur Heizungssteuerung. Hier punkten einige Produkte mit cleveren Funktionen und sind sogar endkundentauglich, weil sie auf die vorhandene Gebäude-Infrastruktur zugreifen: Das Thermostat von tado zum Beispiel kann mit einer Wettervorhersage vernetzt werden, Netatmo ermöglicht die Heizungssteuerung per Siri und Alexa. Sogar über Internet-Router wie die Fritz-Box lassen sich Wohnräume inzwischen gradgenau temperieren. Den Markt teilen sich also nicht mehr nur die klassischen SHK-Anbieter und auch für das Handwerk zeichnen sich Veränderungen ab. Die klassische Rollenteilung – Produktion, Distribution, Montage – sie bröselt.
So ist das ehrwürdige Heizkesselgeschäft längst nicht mehr die alleinige Spielwiese des Fachhandwerks. Energiekonzerne, Contractoren oder auch Stadtwerke mischen mit im Kessel-Geschäft – und manch einer bietet als Bonbon sogar günstige Strom- oder Gasverträge. Oder das Handwerk wird über den Ausbau von Fernwärmetrassen gleich ganz aus dem Geschäft gekickt. Ein Straßenzug ersetzt mal eben Dutzende von Kesselanlagen – und der Kunde ist für 20 Jahre weg.
Und die Hersteller? Die rüsten sich ebenfalls für die Zukunft und stocken ihren Werkskundendienst auf – insbesondere im Wärmeerzeugungslager. Ist speziell die Heizungsbranche auf dem Weg in die Einstufigkeit, wie es Experten prognostizieren, oder bekommen wir österreichische Verhältnisse? In der Alpenrepublik übernimmt das Handwerk in der Regel die Lieferung und Installation des Wärmeerzeugers. Wartung und/oder Störungsbehebung werden dagegen vielfach von den Herstellern durchgeführt. Dem Bekunden nach fahren die Installateure im Nachbarland gut mit dieser Arbeitsteilung. Angesichts der Komplexität heutiger Heizungstechnik erscheint das Modell für den deutschen Markt durchaus vorstellbar.
Ob sich branchenfremde Anbieter tatsächlich dauerhaft im SHK-Markt etablieren können und wie sich der Markt aufgrund der wachsenden Anzahl von Onlineshops verändern und das (letztlich) Einfluss auf die unternehmerische Kalkulation im Betrieb haben wird, das wird die Zukunft zeigen. Das Handwerk jedenfalls wird Antworten finden müssen auf die wandelnden Gegebenheiten, auf transparente Preise, beigestellte Materialien und steigende Anforderungen auf technischer und betrieblicher Ebene. Und sich letztlich auch fragen müssen, ob und welche Leistungen es gegebenenfalls auslagert, um sich auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können. Beispiele sind Aufmaß und Montage hochwertiger Duschtrennwände, Störungsbehebung von Wärmeerzeugern, Wartungsarbeiten im Bereich von Schmutzwasser-Hebeanlagen…
Clevere Kooperationen können Umsatz und Qualität steigern, wenn der Partner passt. Das meint

Markus Sironi
Handwerksmeister und
Chefredakteur
m.sironi@strobel-verlag.de

 


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