Ausgabe 8/2003, Seite 10 f.


Heizung


Service und Wartung von Gas-Brennwertkesseln

Dipl.-Ing. Peter Kuhl*

Die Inspektion und Wartung von Heizungsanlagen nimmt in der heutigen Zeit einen immer höheren Stellenwert im Heizungshandwerk ein. Eine regelmäßig durchgeführte Wartung hat einen sicheren und energetisch optimierten Betrieb der Heizungsanlage als Resultat. Dies führt zu einem zufriedenen Kunden und somit auch zu einer langfristigen Geschäftsbeziehung. Schon bei der Auswahl von neu zu installierenden Geräten sollte auf eine Wartungsfreundlichkeit Wert gelegt werden. Die serienmäßige Ausstattung der Geräte mit einem Modul wie dem Energie Management System (EMS) von Buderus, das auch ein Diagnosesystem mit Fehlerspeicher und Relaistest beinhaltet, erleichtert die Wartung und unterstützt das Fachhandwerk bei der Arbeit.

Serviceebene des Regelgerätes RC 30.

Energie Management System (EMS)

Die Bedieneinheiten des EMS ermöglichen zum einen, dass die Heizungsanlage ökonomische und ökologische Aspekte miteinander verknüpft. Zum anderen erhält der Fachhandwerker über die zur Verfügung stehenden Daten eine optimale Serviceunterstützung bis hin zu einer Fehlerlokalisierung. Im Rahmen einer Wartung sollten die Monitordaten des Gerätes geprüft und ggf. eine Optimierung der Einstellung durchgeführt werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Parameter und deren Bedeutung kurz erläutert.

Wärmetauscher Gas Brennwertkessel mit demontiertem Brenner.

Betriebsstunden/Brennerstarts

Um die ökonomisch und ökologisch optimierte Einstellung zu erreichen, ist die Prüfung der Brennerstarts und Betriebsstunden durchzuführen. Bei Brennwertkesseln sollte das Verhältnis Betriebsstunden/Brennerstarts ca. 1/6 bis 1/10 betragen, d.h. 6 bis 10 Starts pro Betriebsstunde. Liegt das Verhältnis deutlich höher (z.B. 1/15), so sollte im Rahmen der Wartung die Einstellung des Gerätes hinsichtlich Kesselleistung und Heizkurve geprüft und angepasst werden. Insbesondere die Wahl der Heizkurve ist direkt von der Gebäudeart und Gebäudedämmung abhängig.

Geräteinterner Kondensatablauf/Siphon.

Wasserdruck

Verschiedene Hersteller haben einen heizkreisseitigen Drucksensor. Auch bei nur kurzzeitigem Unterschreiten des minimalen Wasserdrucks wird im Speicher des Energie Management Systems eine Meldung hinterlegt. Ist diese vorhanden, so ist dies für den Fachhandwerker ein Indiz, dass ggf. noch Luft in der Anlage ist oder das Ausdehnungsgefäß zu prüfen ist (vgl. Pkt. Prüfung des Ausdehnungsgefäßes).

Gasdichtheitsprüfung mit Gasdetektor.

Relaistest

Der Relaistest der Komponenten wie z.B. Pumpe, Gebläse, Brenner, Umschaltventil etc. über eine Serviceebene des Energie Management Systems ermöglicht deren Prüfung.

Wartung des Gerätes

Im Folgenden sollen die wesentlichen Wartungsschritte eines Gas-Brennwertkessels erläutert werden. Prinzipiell ist es empfehlenswert, sich über das zu wartende Gerät im Vorfeld zu informieren und ggf. bei dem jeweiligen Hersteller die speziell auf Heizungsfachfirmen zugeschnittenen Schulungen zu besuchen. Die notwendigen Unterlagen erhalten Sie über ihre Hersteller oder können diese im Internet downloaden. Aus den gerätespezifischen Unterlagen können Sie die Service- und Wartungsschritte ersehen und in den beigefügten Protokollen die Wartung dokumentieren.

Messung des Ionisationsstroms.

Wärmetauscher

Zu Beginn der Wartung sollte der Wärmetauscher des Gas-Brennwertgerätes gereinigt werden. Hierzu ist die Geräte- und die Wärmetauscherabdeckungen abzunehmen.

Je nach Verschmutzungsgrad kann die Reinigung mechanisch mit Hilfe von Reinigungskamm und Druckluft oder unter Zuhilfenahme von flüssigem Reinigungsmittel (z.B. TAB 2/2000 bei Aluminium-Wärmetauschern) erfolgen.

Kondensatablauf

Anschließend ist der geräteinterne Siphon zu entfernen und die Rückstände herauszuspülen. Gleiches gilt für einen im Abgassystem installierten Siphon.

Abgasmessung

Gas- und wasserseitige Dichtheitsprüfung

Nach dem Zusammenbau der demontierten Komponenten ist auf jeden Fall eine wasserseitige Dichtheitskontrolle durch Sichtprüfung und eine Gasdichtheitsprüfung durchzuführen.

Verschleißteile

Die Zünd- und Überwachungseinrichtungen der Gas-Brennwertkessel (hierzu zählen z.B. Taktzünder, Glühzünder und Überwachungselektroden) sind entsprechend den Herstellerangaben zu prüfen und ggf. zu tauschen.

Bei der Überwachungselektrode kann der Ionisationsstrom mittels geeignetem Messgerät (hierbei ist insbesondere der Messbereich richtig zu wählen) geprüft werden. Unterschreitet dieser Wert die herstellerspezifischen Grenzwerte, so ist sie zu wechseln. Auf dem Markt befinden sich mittlerweile auch Messgeräte, die den Ionisationsstrom direkt in A (Mikro-Ampere) anzeigen.

Daneben sollten auch die zum Brenner zählenden Dichtungen auf mechanische Beschädigungen bzw. Aushärtung geprüft und ggf. gewechselt werden. Nähere Angaben können Sie den jeweiligen Montage- und Wartungsanleitungen entnehmen.

Prüfung des Ausdehnungsgefäßes.

Abgasmessung

Nach Abschluss der oben beschriebenen Arbeiten ist eine Abgasmessung durchzuführen. Die gemessenen Werte sind mit den Angaben in den jeweiligen Unterlagen zu vergleichen. Abweichungen, insbesondere bei den CO2- und CO-Werten werden über die jeweiligen Brennereinstellungen (Brennerdruck Kleinlast/Großlast, Gas-Luft-Verhältnis) korrigiert bzw. optimiert.

Prüfung des Ausdehnungsgefäßes

Wie im Vorspann bereits angeführt, zählt zum Wartungsumfang nicht nur der Wärmeerzeuger, sondern auch die Peripherie (Randbereiche). Ein Stiefkind hierbei ist die Prüfung des Ausdehnungsgefäßes. Ein Indiz für ein defektes, oder ungenügend dimensioniertes Ausdehnungsgefäß sind Aussagen des Anlagenbetreibers über häufiges Nachfüllen von Wasser oder Luftgeräusche in der Anlage. Das Ausdehnungsgefäß muss bei der Prüfung wasserseitig drucklos gemacht werden und der dann gemessene Druck im Ausdehnungsgefäß mit dem Anlagendruck durch Befüllen oder Ablassen von Stickstoff abgeglichen werden.


*) Dipl.-Ing. Peter Kuhl, Werkskundendienst der Buderus Heiztechnik GmbH, Wetzlar


B i l d e r :   Buderus Heiztechnik GmbH, Wetzlar


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