Ausgabe 4/2003, Seite 6 f.


Sanitär


Manipulation abgewehrt

Der Einsatz von Sicherheitsstopfen bei Gasinstallationen

Clemens M. Luthe, Dipl.-Ing. Werner Murczak*

Immer wieder wird in Tageszeitungen oder Nachrichten über Gasunfälle in Wohngebäuden berichtet. Nicht selten handelt es sich hier um vorsätzliche Taten von Personen, die an der Gasinstallation Verschraubungen gelöst oder Stopfen und Kappen abgedreht haben. Die verheerenden Folgen sind bekannt: Eine Gasexplosion kann das gesamte Haus in Schutt und Asche legen und angrenzende Bauten und Autos beschädigen. Menschenleben werden da aufs Spiel gesetzt und der Tod von Personen billigend in Kauf genommen. Um hier den Tätern einen Riegel vorzuschieben, wird in der aktuellen TRGI** verschiedene Maßnahmen gefordert, die in diesem Beitrag erläutert werden sollen.

Regelwerk

Die aktuelle Fassung der TRGI fordert Maßnahmen zur Manipulationsabwehr an neu installierten Gasanlagen (Altanlagen sind also nicht betroffen). Diese Neuregelung bezieht sich ausschließlich auf Mehrfamilienhäuser, d.h. Ein- und Zweifamilienhäuser gehören nicht dazu. Der Grund hierfür ist, dass sich Unbefugte leichter Zugang zu Mehrfamilienhäusern verschaffen können, z.B. durch Betätigen sämtlicher Türklingeln ("Irgendwer wird schon öffnen").

Sicherung der Hauptabsperreinrichtung durch einen SEPP-Protect-Sicherheitsstopfen.

Zur Manipulationsabwehr sieht die TRGI unterschiedliche Möglichkeiten vor. Die erste Maßnahme ist das Verschließen der Hauptabsperreinrichtung (HEA) vor der Inbetriebnahme. Hier haben sich die Stadtwerke Düsseldorf für SEPP-Protect*** Sicherheitsstopfen aus dem Hause Seppelfricke entschieden, der in das ausgangsseitige Innengewinde der HEA eingeschraubt wird. Aber auch in allen anderen Abschnitten einer Gasinstallation, für die die Stadtwerke Düsseldorf zuständig sind, setzt der Versorger auf SEPP-protect-Elemente.

Montage einer SEPP-Protect-Sicherheitskappe für Einrohrzähleranschlüsse.

Der Vollständigkeit halber soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch andere Möglichkeiten zur Manipulationsabwehr bestehen wie z.B. die Vermeidung lösbarer Verbindungen, das Verschließen der Gasanlage oder die Einhausung gefährdeter Anlagenteile.

Sicherung der 2 Zoll-Überwurfmutter eines Einrohrzählers durch SEPP-Protect-Sicherheitsschellen.

Aufbau der Sicherheitselemente

Allen Sicherheitselementen ist gemeinsam, dass sie nur mit Spezialwerkzeug montiert und demontiert werden können. Eine normale Rohrzange kann da nichts ausrichten. Doch dazu später mehr.

Wichtig ist zu beachten, dass laut DVGW-Arbeitsblatt VP 634 zum Eindichten nur nicht aushärtende Dichtmittel nach DIN 30660 und oder EN 751-2 verwendet werden dürfen, die keinen Dichtmittelträger benötigen. Darunter fallen Gewindedichtfäden wie z.B. Loctite 55, den Seppelfricke seinen Werkzeug- und Montagesets beilegt. Aber auch PTFE-Bänder (z.B. Teflon) oder Flüssigdichtmittel mit DVGW-Zeichen sind zulässig. Da Hanf definitionsgemäß kein Dichtmittel, sondern Dichtmittelträger ist, darf er nicht verwendet werden.

Sicherung einer Schraubverbindung mit einer SEPP-Protect-Flanschsicherung. An der vorderen Schraube ist die Rastscheibe zu erkennen.

Auch die weiteren Montagefortschritte bis zur endgültigen Fertigstellung können komplett mit Produkten aus dem SEPP-Protect-Programm gesichert werden: Eine Sicherheitskappe mit konischem Rp-Gewinde sichert Leitungsenden, eine spezielle Sicherheitskappe mit zylindrischem G-Gewinde sichert Zählerplätze für Einrohrzähler vor der Montage des Zählers. Diese Ausführung dichtet über eine Flachdichtung und benötigt keine weiteren Dichtmittel.

Fortlaufend nummerierter SEPP-Protect-Spezialsteckschlüssel.

Nach der Montage des Zählers müssen alle zugänglichen Überwurfmuttern vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Das ist die Aufgabe der SEPP-Protect-Sicherheitsschellen aus Glasfaser verstärktem Kunststoff, die nach Verrasten der Hälften die Überwurfmutter komplett abdecken. Entgegen der teilweise anzutreffenden Meinung verlangt die TRGI keine Sicherheitsschellen aus Metall. Die Sicherheitsschellen sind in zwei Größen erhältlich: für G 13/8 Zoll Überwurfmuttern (z.B. bei ein- und ausgangsseitigen Verschraubungen an Gasarmaturen DN 25) und für G 2 Zoll Überwurfmuttern z.B. von Einrohrzählern.

Hinweisschild der Stadtwerke Düsseldorf.

Zur Sicherung von Flanschverbindungen sind Schraubensicherungen zu haben, die mittels spezieller Unterlegscheiben aus Stahl und Rastkappen aus Glasfaser verstärktem Kunststoff Schraubenköpfe und Sechskantmuttern vor unbefugtem Zugriff schützt.

Speziell für beengte Einbauverhältnisse wurde auf Wunsch des Potsdamer Gasversorgers EVP eine Variante mit einer selbst sichernden Sondermutter entwickelt. Hier muss lediglich der Schraubenkopf mit einer Rastkappe gesichert werden.

Kompletter Montagekoffer: Sicherheitsstopfen und -kappe mit Ratsche, Steckschlüsseln und Dichtband.

Werkzeuge

Gemäß den Anforderungen der TRGI lassen sich Sicherheitsstopfen und -kappen nur mit speziellen Steckschlüsseln montieren und demontieren. Diese Werkzeuge werden ausschließlich an Versorgungsunternehmen sowie konzessionierte Installationsunternehmen vertrieben. Der Verkauf der fortlaufend nummerierten Steckschlüssel wird im Werk und beim Großhändler vorschriftsmäßig dokumentiert. Die spezielle Kontur (ähnlich der so genannten Felgenschlösser bei Autos) verhindert den Einsatz handelsüblicher Schlüssel. Ein drehbar gelagerter Ring sowie die Geometrie der Flanken verhindern den Angriff mit einer Zange. Nicht jeder Installateur verfügt über solche Werkzeuge. Die Stadtwerke Düsseldorf beispielsweise bietet daher die Möglichkeit der Ausleihe; und so findet der Handwerker vor Ort ein Hinweisschild mit allen wichtigen Daten.

Neben einem Montagekoffer (mit je 1 Sicherheitskappe und -stopfen jeder Nennweite) und kompletten Werkzeugsatz sowie einem Werkzeugkoffer mit Ratsche, Reduzierstück und drei Steckschlüsseln bietet Seppelfricke die Steckschlüssel auch einzeln an.


*) Clemens M. Luthe ist tätig in der Marketingabteilung der Seppelfricke Armaturen GmbH & Co. in Gelsenkirchen, Dipl.-Ing. Werner Murczak ist Leiter der Abteilung Technischer Service, ebenfalls bei Seppelfricke Armaturen GmbH & Co.


**) TRGI: Technische Regel Gasinstallation, Ausgabe 1996


*** englisch: to protect = (be-)schützen. Beispielsweise schützen spezielle Schaumstoffpolster (Protektoren) in Motorradkleidung bei Stürzen.


B i l d e r :   Seppelfricke Armaturen GmbH, Gelsenkirchen


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