Ausgabe 2/2002, Seite 4


Sanitär


Sicherheit und leichtes Handling mit Rückstauverschlüssen

Teil 1

Beim Rückstau drücken sich Abwässer über die Entwässerungs-Kanäle zurück in die Gebäude. Selbst eine Bemessung nach anerkannten Regeln oder ein besonders sorgfältiger Betrieb der Kanalisation können das nicht gänzlich verhindern; und Kanäle so zu dimensionieren, dass sie auch bei starkem Regen immer einwandfrei ableiten, wäre schlicht zu teuer. Aber es gibt eine Möglichkeit, sich vor zurückdrückendem Wasser zu schützen: Mit Rückstauverschlüssen. Teil 1 befasst sich zunächst mit fäkalienhaltigem Abwasser, Teil 2 im nächsten Heft mit fäkalienfreiem Abwasser.

Die Einsatzbereiche von Rückstausicherungen im Gebäude
1 "grundfix plus" für fäkalienhaltiges Abwasser
2 "grundfix" für fäkalienfreies Abwasser
3 "optifix 3" Kellerablauf
4 "sperrfix 3" Röhrengeruchverschluss für Spülbecken, Waschmaschinen...

Rückstauschleife oder Rückstauverschluss?

Maß aller Dinge ist die Rückstauebene, sie wird definiert als "höchste Ebene, bis zu der das Wasser in einer Entwässerungsanlage ansteigen kann" (DIN EN 12 056-4). Das ist normalerweise die Höhe des Gehwegs bzw. die Straßenoberfläche (Bild 1). Liegt der Ablaufbereich niedriger als diese Ebene, ist eine Abwasserhebeanlage mit Rückstauschleife vorgeschrieben, die permanent die Abwässer über den höchsten Punkt der Schleife in den Kanal pumpt. Dabei muss die Schleife höher liegen als die Rückstauebene - bekanntermaßen eine recht kostenintensive Sicherung vor Rückstau.

Besteht aber ein Gefälle zum Kanal, dürfen Rückstauverschlüsse eingesetzt werden, wenn:

(1) die Räume untergeordneter Nutzung sind, also nicht die Gesundheit der Bewohner bei Überflutung beeinträchtigt,

(2) keine wesentlichen Sachwerte zerstört werden,

(3) der Benutzerkreis klein ist und diesem ein WC oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung steht und

(4) bei Rückstau auf die Benutzung der Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene verzichtet werden kann.

Alle vier Bedingungen müssen erfüllt sein.

Bild 1: Darstellung der Rückstauebene.

Bei Rückstau auf der sicheren Seite

Wenn im Ausnahmefall Abwasser durch die Leitungen ins Gebäude zurückdrückt, verschließen die Klappen der Rückstausicherungen automatisch diesen Weg; der Einbauort ist so zu wählen, dass die Rückstausicherung nicht überflutet werden kann. Viega* empfiehlt daher auch, von Außenmontagen abzusehen und sie nur in trockenen Schächten einzubauen. Eine Rückstausicherung muss mindestens zwei voneinander unabhängige Verschlüsse haben - einen automatischen Hauptverschluss und einen Notverschluss, der von Hand betätigt werden kann.

Fäkalienhaltige Entwässerung

Die Norm unterscheidet nach fäkalienhaltigem (DIN 19578) und fäkalienfreiem (DIN 1997) Abwasser. Sind Exkremente im Abwasser enthalten, müssen höhere Kräfte auf den Verschluss wirken, damit dieser selbst bei Behinderung durch Feststoffe schließen kann. Die Viega-Rückstausicherung "grundfix plus" (Bild 2) hat deshalb eine motorbetriebene Verschlussklappe, die durch die Meldung eines Sensors ausgelöst wird - dem Rückstaufühler.

Bild 2: "grundfix plus" für fäkalienhaltiges Abwasser. Einmal mit geöffneter, einmal in Funktion mit geschlossener Rückstauklappe. Der Notverschluss kann zusätzlich von Hand geschlossen werden.

Wesentliche Bestandteile einer Rückstausicherung für fäkalienhaltiges Abwasser ist das Gehäuse und das vormontierte Oberteil mit Motor, Druckschalter und Handbetätigung, das in das arretierte Unterteil eingesetzt wird (Bild 3). Hier ist die Rückstausicherung in Fließrichtung der Grundleitung eingebaut; der Handgriff steht dabei auf ZU, um im Rohbau Rückstau zu verhindern.

Bei der typischen Einbausituation von "grundfix plus" in einem Wohnhaus, muss die Anbindung der oberen Etagen an die Grundleitung zwischen Rückstauverschluss und Kanal innerhalb des Gebäudes erfolgen, um eine einwandfreie Funktion des Abwassersystems zu gewährleisten. Wichtig: Für eine einwandfreie Rückstauerkennung ist eine Anstauhöhe in der Grundleitung von 100 mm nötig. Der Rückstauverschluss sollte ganzflächig unterfüttert oder in ein Betonbett eingesetzt werden: Ein trockener Einbauschacht verhindert Fehlfunktionen; das Leerrohr wird auf dem Rohboden von "grundfix plus" bis zur Montagestelle der Steuerung verlegt und beidseitig verschlossen.

Bild 3: Einfache Montage: Das vormontierte Oberteil mit Motor, Druckschalter und Handbetätigung wird in das vorher arretierte Unterteil eingesetzt.

Abwasser mit Fäkalienanteilen ist aggressiv, aber der Werkstoff Polypropylen (PP) zeigt sich auch in diesem Fall korrosionsbeständig. Die glatten Wandungen von "grundfix plus" eignen sich hervorragend für die rückstandsfreie Durchströmung; seine Klappen sind so konzipiert, dass sie nach dem Rückstau wieder einwandfrei den Abwasserfluss gewährleisten.

Die Steuerung zeigt den Betriebszustand an, löst den Testbetrieb und die Entriegelung aus, überwacht die Spannung und bietet bei Netzausfall einen 24-Stunden-Akkubetrieb. Sie ist ein separates Bauteil, das über ein Kabel mit der eigentlichen Rückstausicherung verbunden ist.

Die Montage der Steuerung darf nur ein Elektrofachmann durchführen; sie ist nach VDE Richtlinie 0100 spritz- und tropfwassergeschützt. Vor allem ist sie so anzubringen, dass sämtliche Meldungen vom Nutzer der Anlage registriert werden! So wird sichergestellt, dass bei geschlossenen Betriebsklappen eine Nutzung der über den Rückstauverschluss entwässerten Einrichtung unterbleibt. Außerdem wichtig: Bei der Inbetriebnahme müssen eine Funktions- und Dichtheitsprüfung durchgeführt werden.

Wartung und Instandhaltung

Für alle Ablaufbereiche gilt: Jede Rückstausicherung muss zweimal im Jahr durch einen Fachbetrieb gewartet werden (also auch ein Röhrengeruchverschluss mit Rückstausicherung!). Deshalb hat Viega seine Produkte neben dem Sicherheitsaspekt auch auf ein einfaches Handling ausgerichtet. Zum Beispiel bei ‚grundfix plus’: In wenigen Schritten wird die obere Einheit gelöst, der Fachinstallateur kann sie am Ort seiner Wahl reinigen und problemlos wieder einbauen. Bei einer Wartung sollten folgende Arbeitsschritte durchgeführt werden: Entfernen von Schmutz und Ablagerungen und überprüfen der Dichtungen, gegebenenfalls Austausch.

(Teil 2 im nächsten Heft)


*) Viega ist Hersteller von Rückstauverschlüssen, wie sie hier im Beitrag beschrieben werden. Weitere Infos gibt es über diese Adresse: Viega, Ennester Weg 9, 57439 Attendorn, Tel.: 02722/61-0, Fax: 02722/61-1415, www.viega.de, werbung@viega.de


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