Ausgabe 9/2001, Seite 6 f.


Heizung


Tagebuch eines Heizkesselaustauschs

Dr. Gerhard Meier-Wiechert*

4,5 Millionen Heizkessel in Deutschland sind älter als 15 Jahre. Oft genügen sie den Anforderungen der Bundesimmissionsschutz-Verordnung, die seit 1996 in Kraft ist, nicht. Die Verordnung fordert Abgasverluste von höchstens neun bis elf Prozent je nach Kesselgröße. Deshalb müssen bis 2004 viele dieser Kessel ausgetauscht werden.

Alter Kessel = unnötige Energieverluste

Aber auch wenn der Schornsteinfeger grünes Licht für den Betrieb der Altanlage gibt, weil die Abgasverluste die Grenzwerte nicht überschreiten, gilt: Zulässige Abgasverluste allein sagen nur wenig über die Wirtschaftlichkeit einer Anlage aus. Denn ein alter Heizkessel muss das ganze Jahr mit konstant hoher Kesselwassertemperatur betrieben werden. Gerade während der Übergangsmonate oder auch im Sommer, wenn er lediglich zur Trinkwassererwärmung benötigt wird, entsteht bei einem alten Heizkessel ein hoher Auskühl- und Oberflächenverlust. Der Nutzungsgrad eines alten Kessels liegt durchschnittlich bei 68 Prozent, während ein moderner Niedertemperaturkessel bis zu 96 Prozent erreicht. Ein Niedertemperatur- oder Brennwertkessel passt seine Kesselwassertemperatur automatisch der jeweiligen Außentemperatur an. Und wenn keine Wärme benötigt wird, schaltet er sogar ganz ab und reduziert so den Brennstoffverbrauch.

Die Zeit ist abgelaufen

Das folgende Beispiel zeigt, wie ein Kesselaustausch praktisch abläuft. In einem Wohnhaus, Baujahr 1964, tat seit 1977 ein Öl-Konstanttemperaturkessel Viessmann Duo-Parola mit obenliegendem Trinkwasserspeicher klaglos seinen Dienst (Bild 1). Selbst die Anforderungen der BImSchV konnten ihm nichts anhaben, er erfüllte seine vorgeschriebenen Abgaswerte. Allerdings war die Ölbevorratung (18.000 Liter) dringend sanierungsbedürftig, der Bodenbereich im Lagerraum hätte vollständig neu abgedichtet werden müssen. Dies war der Startschuss für den Kesselaustausch.

Bild 1: Duo-Parola, Baujahr 1977: Betrieb mit konstant hoher Kesselwassertemperatur.

Da der Wärmebedarf des Gebäudes in den letzten Jahren durch eine Verbesserung der Wärmedämmung (Fensteraustausch) deutlich gesenkt worden war, konnte die Leistung des neuen Kessels mit 44 kW gegenüber dem alten Duo-Parola (70 kW) erheblich gesenkt werden. Die Heizflächen in den Räumen waren so großzügig ausgelegt, dass die ursprüngliche Auslegungstemperatur von 90C im Vorlauf praktisch nie erreicht wurde. Deshalb war klar, dass sich der Einsatz der Brennwerttechnik lohnen würde, denn durch die Überdimensionierung der Heizflächen und die damit entstehenden niedrigen Vor- und Rücklauftemperaturen kann die überwiegende Zeit der Heizperiode Kondensation der Abgase erreicht werden.

Bild 2: Demontage des alten Heizkessels.

Die Entscheidung fiel zugunsten eines Gasbrennwert-Wandgerätes (Viessmann Vitodens 200). Die Trinkwassererwärmung erfolgt bei der neuen Anlage in einem nebenstehenden Speicher-Wassererwärmer (Vitocell 100). Die alten Öltanks wurden entsorgt, sodass der ehemalige Öllagerraum inzwischen als zusätzlicher Kellerraum genutzt werden kann.

Auch der Heizungskeller hat erheblich "gewonnen": Das Wandgerät benötigt erheblich weniger Platz im Keller und ist außerdem viel leiser. Durch den raumluftunabhängigen Betrieb konnte die Zuluftöffnung zur Ansaugung der Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum verschlossen werden.

Bild 3: Verlegung neuer Verteilleitungen an der Kellerdecke.

Acht kleine Schritte zur modernen Heizungsanlage

Die Modernisierung läuft bei guter Planung schnell und problemlos ab:

1. Zu Beginn der Arbeiten muss der alte Kessel abgebaut werden. Nach Entfernung der Verkleidung und Kappung der Anschlüsse können Speicher und Kessel getrennt werden, um so den Abtransport zu erleichtern (Bild 2). Besondere Vorsicht gilt beim Transport des alten Ölbrenners, um das Austreten von Öl und die damit verbundene Verschmutzung und Geruchsbelästigung zu vermeiden.

2. Um eine übersichtliche und gut wärmegedämmte Verteilung sicherzustellen, empfiehlt es sich, im Aufstellraum neue Heizungsrohre zu verlegen (Bild 3). Gleiches gilt auch für die Verteilleitungen der Trinkwarmwasserversorgung.

Bild 4: Montage des Gasbrennwert-Wandgerätes.

3. Der neue Brennwertkessel senkt die Abgastemperatur bis weit unter den Taupunkt des Wasserdampfes. Deshalb muss ein Abgassystem vorhanden sein, das feuchteunempfindlich ist. In den bestehenden Schornstein wird ein bauartzugelassenes, brennwertgeeignetes Kunststoffrohr eingezogen. Über den Spalt zwischen Schornstein und neuem Abgasrohr wird die Luftzufuhr für den raumluftunabhängig arbeitenden neuen Kessel sichergestellt.

4. Das neue Brennwert-Wandgerät wird montiert (Bild 4). Damit liegen die Anschlussmaße für alle Leitungen fest. Sofern für das Gerät Montagerahmen verfügbar sind, bietet es sich an, nur den Rahmen zu montieren und damit alle Anschlüsse vorzunehmen. Das Gerät wird dann erst nach Abschluss aller Installationsarbeiten in den Rahmen eingehängt. So können Beschädigungen des Gerätes bei den Verlegearbeiten vermieden werden. Außerdem wird der Speicher-Wassererwärmer aufgestellt.

Bild 5: Montage der Anschlussleitungen.

5. Alle Leitungen sowie das Membranausdehnungsgefäß werden montiert, ebenso die Umwälzpumpen und der Kondensatablauf für das bei der Brennwertnutzung anfallende Kondenswasser (Bild 5). Eine Neutralisationseinrichtung für das anfallende Kondensat wird bei der Gasbrennwertnutzung bis zu einer Kesselleistung von 200 kW in der Regel nicht benötigt.

6. Außerdem werden die elektrischen Anschlüsse verlegt. Dazu gehört auch der Außentemperaturfühler (Montage an der Gebäude-Nord- oder -Ostseite).

7. Nach Abschluss der Verlegearbeiten wird die Regelung angeschlossen und die Kesselverkleidungen angebracht.

8. Abschließend werden alle Verteilleitungen sowie die trinkwarmwasserführenden Rohre wärmegedämmt (Bild 6).

Bild 6: Das Ergebnis der Modernisierung.

Bei guter Planung sind die Arbeiten in wenigen Tagen komplett erledigt. Insbesondere die Versorgung mit Trinkwarmwasser kann häufig innerhalb eines Tages wieder aufgenommen werden. Die gesamte Modernisierung dauert je nach Kesselgröße nicht mehr als 2-5 Tage.


*) Dr. Gerhard Meier-Wiechert, Viessmann Werke, Allendorf


B i l d e r :   Viessmann Werke, Allendorf


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