Ausgabe 6/2001, Seite 3 ff.


Heizung


Fußbodenheizung mit Noppenplatten

Dipl.-Ing. Olaf Kloetzel*

Noppenplattensysteme haben bei der Fußbodenheizung in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Über ein Drittel der im Jahr 2000 verlegten Fußbodenheizungsfläche in Deutschland wurde bereits mit Noppenplattensystemen ausgestattet, und die Tendenz ist steigend.

Vom grundsätzlichen Aufbau lassen sich Noppenplattensysteme in zwei Klassen einteilen:

 einschichtige Systeme

 zweischichtige Systeme

Während einschichtige Dämmplatten in der Regel über Stufenfalze untereinander verbunden werden, kann bei zweischichtigen Systemen, je nach System, die Verbindung entweder durch Stufenfalz oder durch Überlappung der Deckschicht erfolgen. Eine absolut dichte Verbindung der Platten ist bei beiden Systemen notwendig, um gemäß Estrichnorm DIN 18560 ein Eindringen von Estrichwasser und somit ein Entstehen von Schallbrücken zu vermeiden.

Bild 1: Vertikal angeordnete große Noppen.

Ein weiteres Unterscheidungskriterium ist die Art und Anordnung der Noppen. Ein Teil der Systeme besitzt große Noppen, die horizontal bzw. vertikal versetzt angeordnet sind. Diese Noppen weisen zwar eine hohe Trittfestigkeit auf, für eine Diagonalverlegung sind jedoch zusätzliche Elemente erforderlich (Bild 1).

Bild 2: Ringförmig angeordnete kleine Noppen.

Andere Systeme sind mit kleineren, meist ringförmig angeordneten Noppen ausgestattet. Zwar ist die Trittsicherheit hier geringer, es müssen jedoch keine Zusatzelemente für eine Diagonalverlegung verwendet werden (Bild 2).

Die Verlegung

1. Randdämmstreifen

Zunächst wird der Randdämmstreifen an allen aufgehenden Bauteilen aufgestellt. Der Randdämmstreifen nimmt die thermische Längenausdehnung des beheizten Estrichs auf. Fehlt dieser, kann sich der Estrich nicht ausdehnen, was Estrichschäden zur Folge haben kann. Der obere Überstand des Randdämmstreifens darf erst nach Fertigstellung aller Bodenbelagsarbeiten (Fliesen, Teppich usw.) entfernt werden.

2. Zusatzdämmung

Noppenplatten besitzen in der Regel einen Wärmedurchgangswiderstand, der für Wohnungstrenndecken ausreicht. Für Decken gegen Erdreich, bzw. unbeheizte Räume schreibt die Wärmeschutzverordnung einen k-Wert von 0,35 W/(m2 K) vor, der nur durch eine zusätzliche Dämmschicht zu erzielen ist.

Bild 3: Verlegeschema für die Systemplatten eines Noppensystems.

Liegen Rohre oder Kabel auf dem Rohfußboden, muss auch hier zweischichtig gedämmt werden. Hierbei ist es sinnvoll, die Unterdämmung so zu wählen, dass sie mindestens die Stärke der auf dem Boden liegenden Rohrleitungen aufweist.

Bild 4: Übereinandergreifen des Folienüberstandes auf die angrenzende Systemplatte.

3. Verlegung der Systemelemente

Die Systemelemente sind auf der besenreinen, ebenen Rohdecke in einer Raumecke beginnend gemäß der Zeichnung zu verlegen (Bild 3). Die wandseitigen Folienüberstände werden vor dem Verlegen entfernt. Alle anderen Folienüberstände werden auf die Noppen der jeweils angrenzenden Systemplatte aufgesteckt, sodass sich eine geschlossene Oberfläche ergibt (Bild 4). Die Folienlaschen der Randdämmstreifen werden auf die Dämmung aufgelegt (Bild 5). Wird Fließestrich verwendet, müssen diese Folienlaschen abgedichtet werden. Je nach System erfolgt dies durch Eindrücken eines Rundprofiles, des Heizrohres oder durch Abkleben auf einem glatten Randelement.

Bild 5: Randdämmstreifen mit Befestigung durch Rundprofil (System "noppjet" von Purmo).

4. Fugen

Ein wichtiges Kriterium für eine schadensfreie Ausführung einer Fußbodenheizungsfläche sind die Fugen. Größere Flächen und Türdurchgänge müssen zusätzlich zu den Randdämmstreifen durch Bewegungsfugen getrennt werden, damit sich der beheizte Estrich ungehindert ausdehnen und wieder zusammenziehen kann (Bild 6). Derartige Fugen müssen den gesamten Querschnitt des Estrichaufbaus trennen und von der Dämmung bis zur Oberkante des Bodenbelages reichen. Nach Abschluss dieser Arbeiten kann mit der Rohrverlegung begonnen werden.

Bild 6: Bewegungsfuge im Türdurchgang (System "noppjet" von Purmo).

5. Heizrohrverlegung

Hierzu wird, am Heizkreisverteiler beginnend, das Heizrohr mit dem Fuß im gewünschten Verlegeabstand auf der Systemplatte fixiert (Bild 7). Im Hinblick auf eine gleichmäßige Wärmeverteilung ist eine spiral- der mäanderförmigen Verlegung vorzuziehen (Bild 8).

Bild 7: Vorteile eines guten Noppenplattensystems: Die Ein-Mann-Rohrverlegung.

6. Heizkreisverteiler

Der Heizkreisverteiler sollte zentral angeordnet werden, um die Länge der Anbindeleitungen zu den einzelnen Heizkreisen möglichst gering zu halten. In Frage kommen z.B. Flure, Dielen oder Abstellräume. Bei großen Leitungskonzentrationen kann es u.U. notwendig sein, die Rohrleitungen zu dämmen, da durch die Wärmeabgabe der Raum überhitzt werden könnte.

Bild 8: Verlegearten

Bei der Wahl von Art und Größe des Heizkreisverteilerschranks sollte schon in der Planungsphase der eventuelle Einbau von Wärmemengenzählern und Regelkomponenten berücksichtigt werden (Bild 9). Die Heizrohre werden mittels Klemmverschraubungen am Heizkreisverteiler angeschlossen. Der hydraulische Abgleich wird je nach System an den Mengenbegrenzern des Vor- oder Rücklaufs durchgeführt. Hiermit wird sichergestellt, dass alle Heizkreise mit der jeweils erforderlichen Warmwassermenge versorgt und gleichmäßig durchflossen werden.

Bild 9: Heizkreisverteiler mit Rohr und Regelung.

7. Inbetriebnahme

Nach Abschluss der Verlegearbeiten wird das System mit Wasser gefüllt und einer Druckprobe mit dem 1,3-fachen des späteren Betriebsdruckes unterzogen. Der Druck wird auch während der Estricheinbringung aufrecht erhalten, um Undichtigkeiten sofort erkennen zu können. Nach Estricheinbringung und einer Stillstandszeit von 21 Tagen bei Zementestrichen bzw. 7 Tagen bei Anhydritestrichen (Fliesestrich) hat der Estrich seine Endfestigkeit erreicht, und es kann mit dem Funktionsheizen begonnen werden. Hierzu ist die Anlage 3 Tage lang mit einer konstanten Vorlauftemperatur von 25C zu betreiben. Danach wird die maximale Betriebstemperatur eingestellt und 4 Tage lang gehalten. Ist die Estrichfeuchte danach noch zu hoch, muss ein zusätzliches Ausheizen des Estrichs erfolgen. Erst wenn der Estrich ausreichend trocken ist, darf mit Bodenbelagsarbeiten begonnen werden.

Über die Druckprüfung und das Funktionsheizen ist ein Protokoll zu führen, das beim Hersteller des jeweiligen Fußbodenheizungssystems angefordert werden kann.

Vor- und Nachteile

Zusammenfassend ist zu sagen, dass ein Noppenplattensystem gegenüber anderen Fußbodenheizungssystemen folgende Vor- und Nachteile bietet:

Vorteile

 Möglichkeit der Verlegung durch nur einen Monteur,

 sicherer Rohrhalt auch in engen Bögen und bei kleinen Verlegeabständen,

 sichere Verbindung der Systemplatten mittels Stecktechnik,

 Schutz der Rohre bereits während der Bauphase ohne Estrich,

 zuverlässiger Schutz gegen Eindringen von Estrichwasser auch bei Fließestrich.

Nachteile

 tendenziell mehr Verschnitt als bei Tacker-Dämmsystemen,

 aufwendigere Verlegung bei außergewöhnlichen Raumgeometrien.


* Dipl.-Ing. Olaf Kloetzel, Produktmanager Fußbodenheizung bei Purmo DiaNorm Wärme AG, Vienenburg


B i l d e r :   Purmo DiaNorm Wärme AG Vienenburg


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