IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 06/2005, Seite 96 ff.

ISH 2005 - VON A - Z
P wie Piraterie

 

"Alles nur geklaut"

... mit diesem Schlager landeten die Prinzen bereits 1993 einen Riesenhit. Heute ist das Thema aktuell wie nie zuvor - leider. Werkzeuge und Maschinen, Software, Mode-Accessoires, Uhren... Immer häufiger gelangen solche Markenprodukte als Raubkopien in den Handel. Auch in der SHK-Branche spiegelt sich diese Entwicklung wider. Allerdings: Waren in früheren Zeiten ausschließlich die Sanitärhersteller Opfer der Fälscher, so sind es heute vereinzelt auch Heiztechnik- und Komponentenhersteller - Tendenz steigend. Die IKZ-HAUSTECHNIK-Redaktion hat renommierte Hersteller zu ihren Erfahrungen mit der Produktpiraterie befragt.

Der Schaden durch gefälschte Markenware ist enorm. Allein der volkswirtschaftliche Verlust wird weltweit nach Angaben der Zentralstelle für Marken- und Namensrecht der Robert Bosch GmbH auf 220 Mrd. Euro geschätzt. Für die Bundesrepublik wird ein volkwirtschaftlicher Schaden von 35 Mrd. Euro angenommen. Dadurch sollen im gesamteuropäischen Raum bis zu 300.000 Arbeitsplätze gefährdet oder vernichtet werden, schätzt die OECD; die Spitzenorganisation der westlichen Industrieländer geht ebenfalls von einem ökonomischen Schaden von 200 bis 300 Mrd. Euro jährlich aus.

Besonders deutlich stellt sich die Problematik am Beispiel von Computer-Software dar: Jedes dritte Programm, das weltweit eingesetzt wird, ist einer Studie des Marktforschungsunternehmens IDC (www.idc.com) bereits eine Raubkopie. Nach der aktuellen Studie betrug der Umsatzausfall allein in Westeuropa in 2003 rund 9,6 Mrd. Dollar. Musik- und Filmindustrie reklamieren ebenfalls jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Immer häufiger werden Kinofilme noch vor ihrer Veröffentlichung in den illegalen Internet-Tauschbörsen gehandelt, das Kopieren von Musik-Cds wird in weiten Kreisen bestenfalls als Kavaliersdelikt gewertet.

Produktpiraterie in der SHK-Branche

Die Raubkopiererei betrifft aber mehr und mehr auch den Erzeugermarkt für Sanitär- und Heizungstechnik. Billige Nachbauten als 1:1-Plagiate, angeboten in (scheinbar) Original-Umverpackungen, inklusive des EAN-Codes der Verpackung - längst muss sich die Branche auch mit diesen Härtefällen auseinandersetzen. Die Arbeitsgemeinschaft Sanitärarmaturenindustrie (AGSI) schätzt den Umsatzverlust durch die Nachahmer-Sortimente für das Jahr 2003 allein im Bereich der heimischen Armaturenindustrie auf etwa 60 Mio. Euro. Einige Armaturenhersteller haben sich deshalb bereits zu einer "Koalition gegen Produktpiraterie" formiert. Ihr Ziel ist der gegenseitige Meinungs- und Erfahrungsaustausch, um u.a. gezielte Aktivitäten zu erleichtern.

Die Messe Frankfurt hat zur kommenden ISH im März 2005 den Ausstellern ihre Unterstützung im Kampf gegen die Produktpiraterie zugesagt. In einer eigenen Broschüre gibt die Messegesellschaft Tipps und Hinweise zum Schutz des geistigen Eigentums, außerdem organisiert sie einen anwaltlichen Notdienst, der bei Bedarf umgehend helfen soll (Infos unter www.ish.messefrankfurt.com).

Immenser Imageverlust

Doch es sind nicht nur die rein wirtschaftlichen bzw. materiellen Schäden, die den Unternehmen zu schaffen machen. Dazu kommt der immense Imageverlust für die Markenindustrie. Denn bei einem auftretenden Qualitätsmangel macht der Endkunde im Glauben, er habe ein Originalprodukt erworben, zumindest spontan den vermeintlichen Hersteller verantwortlich, auch wenn der eigentliche Übeltäter häufig aus China kommt. Warum die Produktnachahmer häufig aus Fernost kommen, will das Magazin Stern ergründet haben. "Produktklau gilt in China nicht als Verbrechen, sondern als Kunstform", schreibt das Magazin in einem Bericht (Heft 33/2004). Im Künstlerdorf Dafen beispielsweise würden 40-mal täglich van Goghs "Sonnenblumen" kopiert.

Allianz gegen Produktpiraterie

Patente und Marken sind das Herzstück vieler Unternehmen, die sich vom 15. - 19. März 2005 auf der ISH in Frankfurt präsentieren. Dieses geistige Eigentum stellt einen wesentlichen Teil des Unternehmenswertes dar und sollte dementsprechend geschützt werden. Die Messe Frankfurt steht den Ausstellern der ISH im Kampf gegen Produktpiraterie unterstützend zur Seite. Eine eigene Broschüre mit Hinweisen und Kontakten ist im Internet unter www.ish.messefrankfurt.com als Download verfügbar.

 

Längst schon betrifft der Produktklau nicht mehr nur die Proukthersteller. Selbst Handwerksbetriebe werden zunehmend Opfer der Raubkopierer, etwa, indem sie gefälschte Elektrowerkzeuge einkaufen oder auch kopierte Produkte, wie das nachfolgende Beispiel aus der Praxis zeigt: Ein Fachbetrieb wird innerhalb der Gewährleistungszeit vom Kunden zwecks Mängelbeseitigung gerufen. Ein undichter Hahnblock, den er bei einem fliegenden Händler zum "Sonderpreis" eingekauft hat, muss ausgewechselt werden. Der Handwerker beseitigt den Mangel und schickt das schadhafte Teil mit der Rechnung für seine Leistungen zum vermeindlichen Hersteller des Produktes. Bei der Überprüfung im Herstellerwerk stellt sich heraus, dass es sich um eine Fälschung handelt. Der Handwerker bleibt auf seiner Rechnung sitzen. Ein Einzelfall? Wohl kaum.

Stimmen der Hersteller

Die IKZ-HAUSTECHNIK-Redaktion hat einmal nachgefragt, ob und welche Erfahrungen die heimische SHK-Industrie mit den Raubkopierern gemacht hat und welche Strategien sie im Kampf gegen die Plagiatoren ergreifen. Nachfolgend eine Auswahl der Statements, bunt gemischt aus der Heizungs-, Sanitär- und Werkzeugbranche:

Otto Schinle, Hansgrohe: Das Kopieren von Markenprodukten ist ein Problem, dem sich Hansgrohe seit Jahren gegenübersieht. Kopiert werden sowohl Brausen und Armaturen wie auch Duschpaneel und Duschtempel; selbst Produktverpackungen werden nachgeahmt.

Den entstandenen Vermögens- bzw. Imageschaden zu beziffern, ist kaum möglich. Gemeinhin geht man von Einbußen in Höhe von 1 bis 3% des Umsatzes aus. Fast schwerer wiegt der Imageschaden, der durch die oft mangelhafte Qualität, die schlechte Verarbeitung, Funktions- und Sicherheitsmängel von Plagiaten entsteht, wenn sie dann dem Original zugeschrieben werden.

Den entstandenen Vermögens- bzw. Imageschaden durch Plagiate zu beziffern, ist kaum möglich. Gemeinhin geht man von Einbußen in Höhe von 1 - 3% des Umsatzes aus.

Otto Schinle

Die Hansgrohe AG meldet weltweit Patente, Geschmacksmuster und Marken zum Schutz an. Stellen wir Verletzungen fest, leiten wir stets juristische Schritte ein, und zwar überall auf der Welt. Wir haben gerade in China in der ersten Instanz einen Prozess gegen ein dort ansässiges Unternehmen gewonnen, das das Pharo Duschpaneel Helis kopiert hat. Das Verfahren geht nun allerdings in die nächste Runde, da der Beklagte gegen das Urteil Berufung eingelegt hat. Dies zeigt, dass Rechtsmittel nicht immer schnell zum gewünschten Erfolg führen. Hinzu kommt: Wirklich empfindliche Strafen drohen den Raubkopierern eher selten. In der Regel muss zwar Schadensersatz gezahlt werden. Die Größenordnungen sind je nach Land unterschiedlich. Spürbar sind Strafen jedoch nur, wenn der Kopierer noch große Mengen der Plagiate vorrätig hat und diese vernichten muss. Erschwerend kommt hinzu, dass Plagiate oft erst im Handel entdeckt werden, der Produzent aber im fernen Ausland sitzt. In diesen Fällen muss der Händler belangt werden, der eigentliche Übeltäter im Hintergrund kommt ungeschoren davon.

Dr.-Ing. G. Meier-Wiechert, Viessmann Werke: Patent- und Schutzrechtsverletzungen kommen selbstverständlich auch in unserer Branche vor. Wir haben dies als Kesselhersteller insbesondere im Bereich der Mittel- und Großkessel festgestellt, die vereinzelt von südeuropäischen Herstellern nachgebaut wurden. Diese Plagiate wurden jedoch immer unter dem Markennamen des jeweiligen Herstellers vertrieben und haben daher nicht zu einer direkten Beeinträchtigung unseres Markenwertes geführt. Gleichwohl ist uns natürlich ein Schaden dadurch entstanden, dass in diesen Märkten eigene Kessel nicht platziert werden konnten. Der wirtschaftliche Schaden ist aus unserer Sicht allerdings nicht zu beziffern. Neben der Anmeldung von Patent- und Schutzrechten helfen uns technisches know-how und langjährige Erfahrung, Nachbauten zu verhindern. Die detaillierten Kenntnisse der thermischen und hydraulischen Prozesse, die in unseren Produkten ablaufen, haben zu speziellen konstruktiven Lösungen geführt, die sich "Raubkopierern" in der Regel nicht erschließen. Außerdem sorgt unser Wissen um die anwendungsgerechte Werkstoffauswahl und die materialspezifische Verarbeitung für einen wirkungsvollen Schutz vor zuverlässigen und langlebigen Plagiaten.

Neben der Anmeldung von Patent- und Schutzrechten helfen uns technisches Know-how und langjährige Erfahrung, Nachbauten zu verhindern.

Dr.-Ing. G. Meier-Wiechert

Rüdiger Messing, DeWalt: In Deutschland wurden wir bisher relativ wenig mit dieser Problematik konfrontiert. Weitaus extremer sieht diese Situation in asiatischen Ländern aus, wo 1:1 gefälschte Produkte, die äußerlich einen sehr hohen Verwandtschaftsgrad aufweisen, mit kopierten Bedienungsanleitungen verkauft werden. Probleme gibt es auch auf internationalen Messen, wo speziell chinesische Händler in der Vergangenheit Elektrowerkzeuge angeboten haben, die entweder gegen den Gebrauchsmusterschutz verstoßen haben oder die relativ schlechte Kopien mit leicht veänderten Namen (DeWolt, DeValt etc.) waren. In diesen Fällen wird in der Regel direkt vor Ort rechtlich vorgegangen, indem unsere Justiziare entweder den Vertrieb dieser Produkte per einstweilige Verfügung verbieten oder im Extremfall den Messestand über die Messeleitung per Gerichtsbeschluss schließen lassen.

In Deutschland wurden wir bisher relativ wenig mit dieser Problematik konfrontiert.

Rüdiger Messing

Johannes Fischl, Hansa: Der finanzielle Schaden, der uns aus Plagiaten entsteht, ist nicht unerachtlich. Viel ärgerlicher und schmerzhafter ist jedoch der Imageschaden. Wir müssen mit aufgebrachten Endverbrauchern diskutieren, die Raubkopien gekauft haben im Glauben, eine Hansa-Armatur mit den von unserem Haus gewohnten hohen Qualitätsstandards erworben zu haben. Auch das ehrliche Fachhandwerk ist durch solche "Schwarzen Schafe" zurecht aufgebracht. Solche Aktionen machen sehr viel kaputt und das verlorengegangene Image muss erst wieder aufgebaut werden. Die Chance, diese Problematik in den Griff zu bekommen, ist innerhalb Deutschlands aufgrund der rechtlichen Schutzmechanismen recht gut. Schwieriger gestaltet es sich zum Teil, auf ausländische Plagiat-Hersteller im Ursprungsland durchzugreifen. Hier ist sicher die gesamte Industrie gefordert, gemeinsam Druck auszuüben.

Dirk Lückemann, Schell: Das Problem Produktpiraterie hat in den letzten 2 - 3 Jahren enorm zugenommen. Zu über 90% werden die Produkte in der Volksrepublik China kopiert und von dort aus in den Verkauf gebracht. Auch über das Internet sind wir in Mitteleuropa schon auf kopierte Ware gestoßen. Ich wage zu behaupten, dass es einzelne Märkte gibt, in denen nur die Hälfte der unter unserem Namen als Originalware angebotenen Produkte auch tatsächlich aus unserem Hause stammt. Dies betrifft hauptsächlich die Eckventile, aber selbst verchromte Kupferrohre und elektronische Waschtischarmaturen werden kopiert. Der entstandene Image- bzw. Vermögensschaden ist seriös nicht zu beziffern, außer dass man sagen kann, dass der Imageschaden in manchen Länder so erheblich ist, dass der sprichwörtlich gute Ruf deutscher Markenqualität gefährdet wird, weil auch der Installateur unwissender Weise gefälschte Ware beim Großhandel gekauft hat und wir oft erst durch Reklamationsfälle hiervon erfahren. Der Umsatzverlust beträgt für das Gesamtunternehmen ca. 3% in einzelnen Ländern; in Nah- und Fernost ist er deutlich zweistellig. Bezüglich juristischer Maßnahmen zum Schutz der eigenen Patente, Marken, Gebrauchs- und Geschmacksmuster sei gesagt: Zunächst einmal versuchen wir, in den wesentlichen Ländern unsere Markenrechte zu sichern, was ebenso für Patente und Gebrauchsmuster gilt. Bei Geschmacksmustern ist der Aufwand enorm, wird jedoch für die wesentlichsten Produkte und in für uns wichtigen Ländern betrieben. Letztendlich sind die Chancen, dem Plagiatunwesen massiv Einhalt zu gebieten, allerdings noch recht gering. Oft werden in den betroffenen Ländern Kopien als Darstellung ihrer technischen Leistungsfähigkeit angesehen und maximal als Kavaliersdelikt betrachtet.

Der Imageschaden in manchen Ländern ist so erheblich, dass der sprichwörtlich gute Ruf deutscher Markenqualität gefährdet wird.

Dirk Lückemann

Andreas Dornbracht, Dornbracht: Wir sind in erster Linie durch Design-Plagiate betroffen, wobei insbesondere der Einsatz von Plagiaten in größeren Objekten in Überseemärkten für uns zu Umsatzverlusten führt. Einzelne Kommissionen sind davon weniger betroffen. Allerdings ist auch hier in letzter Zeit zu spüren, dass Handelspartner und Handwerk verstärkt auf die vermeintlich preiswerteren Plagiate zurückgreifen.

Wir schätzen, dass der uns durch Design-Plagiate entgangene Umsatzverlust in 2003 bei etwa 4 Mio. Euro gelegen hat. Der Image-Schaden ist nicht direkt zu beziffern. Zum Schutz der eigenen Patente, Marken, Gebrauchs- oder Geschmacksmuster haben wir in den letzten Jahren erhebliche Mittel aufgewandt. Bei Gebrauchs- und Geschmacksmustern müssen wir jedoch immer wieder feststellen, dass eine weltweite Anmeldung unsere Kostenbudgets zu stark belasten würde, sodass wir hier gezwungen sind, selektiver vorzugehen. Wir haben in den letzten 18 Monaten mehr als 25 gerichtliche Verfahren angestrengt, um gegen die Designpiraten vorzugehen. Die damit verbundenen Kosten belaufen sich leider auf über 200.000 Euro.

Während es vor 15 Jahren noch 5 Jahre dauerte, bis ein erfolgreiches Produkt kopiert wurde, müssen wir heute davon ausgehen, dass eine ISH-Neuheit schon innerhalb von 6 Monaten kopiert wird.

Andreas Dornbracht

Die Verletzung von Markenrechten ist - so denke ich - in den nächsten Jahren immer besser in den Griff zu bekommen, weil auch die Schwellenländer, in denen Marken-Plagiate hergestellt werden, aufgrund ihrer internationalen Verflechtungen zunehmend gezwungen sind, die Markenrechte ausländischer Hersteller zu schützen und entsprechende Maßnahmen gegen deren Verletzung zu unterstützen. Allerdings ist zu erwarten, dass die Flut an Design-Plagiaten weiter zunehmen wird und auch die europäischen Kernmärkte mit diesen Waren überschwemmt werden. Während es vor 15 Jahren noch 5 Jahre dauerte, bis ein erfolgreiches Produkt kopiert wurde, waren es vor 5 Jahren noch 2 Jahre, und jetzt müssen wir davon ausgehen, dass eine ISH-Neuheit schon innerhalb von 6 Monaten kopiert wird.

Jens Kammerer, Bosch Power Tools: Probleme mit Plagiaten gibt es nicht nur hierzulande, sondern auch in China selbst. Bei den Fälschungen handelt es sich meistens um Fälle, bei denen sowohl die Maschinen kopiert als auch der Markenname Bosch direkt verletzt oder abgewandelt wird (Bocsh, Boosh, Boss, Boscha ...). Wir gehen in China gemeinsam mit Hitachi, Makita, Black&Decker und Hilti gegen Produktfälscher vor. Sowohl Vermögens- als auch Imageschaden sind nur schwer zu bewerten. Man vermutet, dass der Verkaufswert gefälschter Ware in China im Durchschnitt bei ca. 10 - 20% des Verkaufswerts von Originalprodukten liegt.

Man vermutet, dass der Verkaufswert gefälschter Ware in China im Durchschnitt bei ca. 10 - 20% des Verkaufswerts von Originalprodukten liegt.

Jens Kammerer

In den Griff bekommen wird man das Problem dennoch - zumindest kurzfristig - nicht, man kann aber durch aktive Maßnahmen gegen Produktfälschungen folgendes erreichen: Die Fälscher merken, dass ihr Geschäft ein Risiko darstellt. Um sich zu schützen, werden in vielen Fällen die Produkte nicht mehr in der Fabrik gelabelt, verpackt und mit Bedienungsanleitung versehen, sondern alle Bestandteile werden separat versandt und erst beim Einzelhändler zusammengeführt. Solche Maßnahmen machen das Geschäft für Fälscher zunehmend teuer und weniger interessant.

Ihre Meinung interessiert uns!

Sind Sie, liebe Handwerkerinnen und Handwerker, in der täglichen Praxis bereits auf Plagiate getroffen oder haben Sie sich schon mal über minderwertige Nachahmungen geärgert? Ist es dadurch gar zu einem Schadensfall gekommen?

Schreiben Sie uns! Ihre Zuschrift erreicht uns unter:
STROBEL VERLAG GmbH & Co. KG
Redaktion IKZ-HAUSTECHNIK
Postfach 5654
59806 Arnsberg
oder digital an: redaktion@strobel-verlag.de

 

Plagiatsverpackung inclusive EAN-Code.
Bild: Schell

Es bleibt festzuhalten...

Die Produktpiraterie stellt zunehmend eine ernsthafte Bedrohung dar. Für die Industrieunternehmen, aber auch für den Handel bzw. für den Installateur geht es jedoch nicht nur um den fehlenden Umsatz, sondern auch darum, dass Plagiate ein nicht unerhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. So haben Armaturen- und Komponentenhersteller in der Vergangenheit bereits mehrfach vor minderwertigen Nachbauten ihrer Produkte gewarnt. Ein branchenübergreifendes Problem übrigens, wie die unlängst gestartete Rückrufaktion fehlerhafter Rauchmelder belegt. In einem Discounter waren Ende vergangenen Jahres gefälschte, nicht funktionstüchtige Rauchmelder als VdS-anerkannte Produkte angeboten worden. Zwar sind die Melder mittlerweile längst aus den Regalen genommen worden - was bleibt, ist der Imgageschaden.

Handbrause Croma 3jet: Original (jeweils rechts) und Fälschung.
Bild: Hansgrohe

Produktpiraterie ist aber auch gleichbedeutend mit Kinderarbeit, dem Diebstahl von Ideen und Innovationen und Verbrauchertäuschung. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sollte der Fachbetrieb ausschließlich Markenware aus zuverlässiger Quelle kaufen und sich auch nicht auf Geschäfte mit dubiosen fliegenden Händlern einlassen.

Waschtischarmatur Tara: Original (links) und Fälschung.
Bild: Dornbracht

(Unerwartete) Hilfe naht derweil aus dem Reich der Mitte selbst: Das chinesische Handelsministerium hat angekündigt, bis August 2005 verstärkt gegen die Verletzung von Markenrechten und geistigem Eigentum vorzugehen. Härtere Strafen und Razzien sollen das florierende Geschäft mit Fälschungen eindämmen.

Schnellentlüfter Robocal: Original (links) und Fälschung.
Bild: Caleffi
 

Links zum Thema

Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e.V.:
www.asw-online.de

Deutsches Patent- und Markenamt:
www.dpma.de

Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz:
www.grenzbeschlagnahme.de

Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V.:
www.markenpiraterie-apm.de

Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht:
www.ip.mpg.de

 

Zahlen und Fakten

  • Die EU und die Internationale Handelskammer schätzen, dass 10% des Welthandels Fälschungen und Nachahmungen sind. Der internationale Verband der Arzneimittelhersteller beziffert die Zahl der weltweit gehandelten Medikamente auf 7%.
  • Volkswirtschaftlicher Schaden pro Jahr: 200 - 300 Mrd. Euro.
  • Neue Techniken unterstützen Plagiatoren: Mittels Digitalkamera, Foto-Handy, Scanner, E-Mail und Internet können Produkte und Verpackungen immer schneller kopiert werden.
  • Wettbewerb "Plagiarius": 1977 von Prof. Rido Busse ins Leben gerufen, wird der Negativpreis "Plagiarius" - Symbol ist der schwarze Zwerg mit der goldenen Nase - jährlich verliehen. Ziel war und ist, die Öffentlichkeit über die Machenschaften der Nachahmer aufzuklären und sie für Ausmaß und die negativen (volks-)wirtschaftlichen Auswirkungen des Problems zu sensibilisieren (Infos unter www.plagiarius.com).
  • Polizei und Zoll bekämpfen die Produktpiraterie auf vielfältige Weise. So hat der Zoll allein in 2003 in 3461 Fällen Beschlagnahmungen durchgeführt und dabei einen Schaden von 178 Mio. Euro ermittelt.


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