IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 05/2005, Seite 62 f.

REPORT

Vorausschauende Installation

Um eine langfristige Nutzungsperspektive für ein kombiniertes Wohn- und Ärztehaus in Ostfriesland sicherzustellen, entwickelten die Architekten Marsell* und der SHK-Fachbetrieb Natelberg GmbH** ein zukunftsorientiertes Konzept. Heizung, Trinkwasserversorgung und kontrollierte Wohnraumlüftung sind so flexibel angelegt, dass sich viele Nutzungsvarianten realisieren lassen. Anhand eines Objektberichts der Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG soll der Hintergrund zu diesem Konzept verdeutlicht und die technischen Details erläutert werden.

Nach Erkenntnissen von Experten werde die Nachfrage im Wohnungsmarkt zunehmend sinken, insbesondere in strukturschwachen, ländlich geprägten Regionen. Eine ähnliche Einschätzung haben auch verschiedene Maklerverbände - demnach werde sich in einigen Jahren ein massives Überangebot an Wohnraum einstellen, der nur noch bedingt "verwertet", sprich verkauft oder vermietet werden könne. Ein Grund dafür sei nicht zuletzt die nur durchschnittliche Ausstattung der Objekte. Diese erfüllten oft nicht die Bedürfnisse der Interessenten, die nach einer modernen Haustechnik im Einklang mit der Gebäudearchitektur suchten. Für Bauherren, die trotz dieser Perspektiven heute in den Bau einer Immobilie investieren, so erläutert der Remscheider Geräte- und Komponentenhersteller, bedeutet dies vorausschauend zu planen und verschiedene Szenarien zu berücksichtigen, in welcher Form das Objekt genutzt werden kann. Das folgende Beispiel eines Wohn- und Praxis-Gebäudes in Ostfriesland soll die Umsetzung dieses Konzeptes aufzeigen.

Vielseitige Nutzungsperspektiven "verstecken" sich hinter der aufgelockerten Fassade des Wohn- und Ärztehauses in Friesland.

Anforderungen

Mitten in einem vor wenigen Jahren erschlossenen Wohngebiet gelegen fällt der Neubau trotz seiner Größe von rund 450 m Wohn- und Nutzfläche aufgrund seiner in der Region üblichen "äußeren Erscheinung" kaum auf. Die Architekten Barbara und Carsten Marsell haben im Gebäudeinnern die Funktionsbereiche Wohnen bzw. Praxisräumlichkeiten klar voneinander getrennt, wobei diese über eigene Zu- und Eingänge verfügen. Dies ist bereits ein wichtiges Element der vorausschauenden Planung, denn ob diese Trennung dauerhaft bestehen bleibt, ist ebenso offen wie die Art der Nutzung der Gebäudehälften. Eine klare Trennung, die auch in der haustechnischen Installation von dem SHK-Fachbetrieb Natelberg gefordert wurde. Einerseits bestand die Zielvorgabe, von einem zentralen Haustechnikraum aus das komplette Gebäude mit Heizwärme, Warmwasser, kontrollierter Wohnraumlüftung und einer Staubsaugeranlage zu versorgen. Andererseits mussten alle Funktionskreise so aufgebaut sein, dass sie für jede Hälfte unabhängig voneinander betrieben werden können.

Umsetzung

Um die technischen Anforderungen umsetzen zu können, setzte das SHK-Unternehmen Natelberg ein Vaillant Gas-Brennwertgerät vom Typ "ecoTEC exclusiv" mit 35 kW Leistung und einen 200-l-Kombispeicher für die Warmwasserversorgung ein. "Durch den kleinen Haustechnikraum mit nur knapp 4 m2 Grundfläche konnte ich auf diese Weise die Heiztechnik Platz sparend an der Wand unterbringen", so Folker Natelberg, "während durch den 200-l-Speicher die gewünschte Flexibilität bei verändertem Bedarf ohne große Nach- oder Umrüstung erhalten bleibt." Diese Flexibilität findet sich auch in der Wärmeverteilung wieder. Das gesamte Gebäude ist mit Fußbodenheizung ausgestattet, die über 24 Heizkreise verfügt. Da eine differenzierte Raumerwärmung zum jetzigen Zeitpunkt nicht benötigt wird, reicht eine Vaillant-Zweikreis-Regelung vom Typ "VRC 420s" aus - doch auch hier gilt: spätere Ausweitung nicht ausgeschlossen.

Bis zu 35 kW an der Wand installierte Heizleistung reichen für die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser auch in der kalten Jahreszeit aus; bei Bedarf kann zusätzlich die Lüftungsanlage nachgeheizt werden.

Die zweite große Komponente im Haustechnikraum stellt das zentrale Lüftungsgerät für die kontrollierte Wohnraumlüftung des Wohn- und Praxisbereichs dar. Bis 400 m/h Leistung liefert die Anlage, die bei Bedarf über das Gas-Brennwertgerät nachgeheizt werden kann.

Frühzeitiger Abstimmungsbedarf

Durch die frühzeitige Abstimmung aller am Bau Beteiligten ließen sich zum einen die haustechnischen Komponenten ohne größere Störungen im Bauablauf in die Gebäudeplanung integrieren und zum anderen das Ziel der vielfältigen Nutzungsvarianten realisieren. Dazu Natelberg: "Gerade bei so komplexen, zugleich möglichst variabel nutzbaren Installationen hat sich die Abstimmung bereits in der Entwurfsphase bestens bewährt."

Internetinformationen:
www.vaillant.de


B i l d e r :  Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG, Remscheid


* Architekten Marsell, Rhauderfehn
** Theodor Natelberg GmbH, Rhauderfehn


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