IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 16/17 2004, Seite 48 ff.



Das stille Örtchen...

Dipl.-Kfm. Marcus Sauer*

In unserer Serie rund um die senioren- und behindertengerechte Badplanung geht es heute um das "Stille Örtchen", das WC. Dabei ist es bemerkenswert, dass sich am Vorgang selbst, also am Gang zur Toilette, seit der Erfindung der Sanitärkeramik nichts Wesentliches verändert hat. Zumindest das "große Geschäft" ist ein Vorgang, der im deutschsprachigen Raum im Sitzen ausgeführt wird. Da aber ältere und behinderte Menschen oft Probleme beim Hinsetzen und vor allem beim Aufstehen haben, sind bei der Planung der Toilette die individuellen Einschränkungen und die Lebenssituation der Nutzer besonders zu berücksichtigen. Gut gemeinte Hilfsmittel für eine Person können eine große Barriere für eine andere Person sein.

 

Der WC-Sitz Comfort Due ermöglicht zwei unterschiedliche Sitzhöhen.
Foto: La Difference Vertriebsgesellschaft mbH

Grundsätzlich sollten Flachspüler eingesetzt werden. Der mögliche Nachteil des Geruchsproblems wird durch einen entscheidenden Vorteil für die Nutzer ausgeglichen: ihnen wird die Sichtkontrolle des Stuhls ermöglicht. Bei Bedarf wird auch die Entnahme von Stuhlproben erheblich erleichtert. Abenteuerliche Geschichten wie der Einsatz des Küchensiebes für die Stuhlprobe sind dann nicht mehr nötig. Und selbst gegen das Geruchsproblem gibt es mittlerweile Absaug-Lösungen, die geschlossene Bäder ohne Fenster entlüften (siehe Beitrag "Prima Klima auf stillem Örtchen", Heft 8/2004, Seite 110 ff.).

Die Standard-Sitzhöhe der Toilette ist seit vielen Jahrzehnten nicht mehr verändert worden, und das, obwohl die Menschen immer größer geworden sind. Standard sind auch heute noch 40 cm. So ist es für viele Menschen beschwerlich, von der Toilette aufzustehen. Bequemer kann es sein, die Toilette höher anzubringen.

Für die ideale Montagehöhe gibt es im privaten Bereich keine präzise Vorschrift, vielmehr ist der Bedarf des Kunden zu erfüllen. In der Regel wird bei erhöhten Toiletten eine Höhe von 48 cm inklusive WC-Sitz vorgesehen - dies beschreiben auch die DIN 18024 Teil 2 (öffentlich zugängliche Sanitärräume) und die DIN 18025 Teil 1 (Wohnungen für Rollstuhlfahrer).

 

Beispiel für ein erhöhtes und verlängertes Flachspül-WC.
Foto: Villeroy & Boch

Die meisten Hersteller haben erhöhte WCs in ihrem Angebot, einige wandhängende Varianten lassen sich problemlos auf die üblichen Anschlüsse aufsetzen. Es gibt mittlerweile auf dem Markt auch Vorwand-Installationssysteme, die eine nachträgliche Höhenverstellung ermöglichen, ohne dabei Fliesen zu beschädigen.

Bei der Installation einer erhöhten Toilette ist immer auch zu bedenken, ob verschieden große Menschen zusammen wohnen und die gleiche Toilette benutzen. Dann muss ein geeigneter Kompromiss gefunden werden, denn nichts ist für einen kleineren Menschen unbequemer, als mit in der Luft baumelnden Beinen auf der Toilette sitzen zu müssen - zumal ältere Menschen oft deutlich längere Zeit auf der Toilette verbringen.

Eine pfiffige Idee ist für einen solchen Fall ein WC-Sitz, der eine normale und eine erhöhte Sitzposition hat. Damit können die unterschiedlichen Benutzer die für sie angenehmste Sitzhöhe wählen.

Der Idealfall wäre aber, dass es im Haus oder in der Wohnung eine weitere Toilette gibt, die nicht erhöht wird. Eine gute - wenn auch teure Lösung - stellt eine höhenverstellbare Toilette dar.

 

Bei einem Dusch-WC wird der Intimbereich zunächst durch einen Wasserstrahl gereinigt, bevor er durch einen warmen Luftstrom getrocknet wird.
Foto: Spahn Reha

Hilfsmittel von der Krankenkasse

Ist die Fähigkeit des Hinsetzens und Aufstehens stark eingeschränkt, können vom Arzt Toilettensitzerhöhungen verordnet werden, die dann von den Krankenkassen bezahlt werden. Diese Erhöhungen aus Kunststoff oder Metall werden auf das bestehende Toilettenbecken aufgesetzt und mit Schrauben oder Klammern befestigt. Beim Einsatz einer solchen Toilettensitzerhöhung ist auf eine stabile und sichere Befestigung sowie auf die problemlose Reinigungsmöglichkeit zu achten.

Die meisten Toilettensitzerhöhungen zeichnen sich sicherlich nicht durch dezentes Design aus, sind aber durch die Finanzierung durch die Krankenkassen für viele Kunden eine Alternative zu aufwendigen baulichen Maßnahmen.

 

Ein langer Griff und die besondere Form des Behälters ermöglichen eine komfortable Nutzung der Bürstengarnitur.
Foto: sam

WCs für Rollstuhlfahrer

Wird die Toilette für einen Rollstuhlfahrer geplant, muss sie in einer Höhe von 48 cm inklusive Sitzbrille angebracht sein. Außerdem muss sie länger sein. 70 cm sind das vorgesehene Maß. So ist ein seitliches Übersetzen vom Rollstuhl auf die Toilette möglich. Notwendig sind dazu selbstverständlich ausreichende Bewegungsflächen vor und neben der Toilette. Dabei ist zu berücksichtigen, von welcher Seite der Rollstuhlfahrer die Toilette anfährt.

Über Haltegriffe im Bereich der Toilette gibt es in der DIN 18025 keinerlei Vorgaben. Es sollte bedacht werden, dass ein heruntergeklappter Haltegriff auf der Seite, von der der Rollstuhlfahrer übersetzen will, eine Barriere darstellt. Hier muss auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen werden.

Ähnlich verhält es sich mit einem Toilettendeckel. Der ist zwar dekorativ, stellt aber ebenfalls eine Barriere für einen Rollstuhlfahrer dar.

 

Haltegriffe im Bereich der Toilette sind eine absolute Notwendigkeit. Innovative Produkte wie der im Bild gezeigte Stützklappgriff lassen sich mittels Papierrollenhalter, Rückenstütze und/oder WC-Spülauslösung aufrüsten. Griffhöhe und -länge sind zudem auf die Körpermaße des Nutzers anpassbar.
Foto: Hewi

Die DIN 18024 Teil 2 schreibt für den öffentlichen Bereich 55 cm hinter der Vorderkante des Toilettenbeckens eine Rückenlehne vor. Eine solche Installation kann der Handwerker auch im privaten Bereich vorschlagen. Allerdings sollte die genaue Position auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sein.

Wenn das gesamte Bad eines Rollstuhlfahrers neu geplant wird, sollte auch über die Anordnung der Sanitärobjekte nachgedacht werden. So ist ein Waschbecken - zumindest ein Handwaschbecken - in greifbarer Nähe neben der Toilette eine große Hilfe.

Kann ein Kunde die Arme und Hände nicht mehr benutzen, so gibt es verschieden Arten von Dusch-WCs auf dem Markt. Diese sind mit Duschdüsen ausgerüstet, die der Reinigung des Intimbereichs dienen. Nach dem Duschvorgang wird warme Luft zum Trocknen zugeführt. Einige Varianten lassen sich anstelle der normalen Toilettenbrille auf die herkömmliche Keramik aufsetzen, andere benötigen größere Installationen, die hinter einer Vorwandkonstruktion versteckt werden können.

In einigen Fällen werden Dusch-WCs auch von den Krankenkassen als Hilfsmittel bezuschusst.

Die elektrische Höhenverstellung kann eine große Hilfe sein, wenn die Toilette von einem Rollstuhlfahrer und von einem Nicht-Rollstuhlfahrer im selben Haushalt genutzt wird. Mit einer elektronischen Steuereinheit lässt sich das WC sehr präzise höhenverstellen, sodass ein bequemes Übersetzen vom Rollstuhl möglich ist.

Für Nicht-Rollstuhlfahrer hilfreich: bei Bedarf lassen sich die WCs bis auf Standhöhe aufrichten und zusätzlich nach vorne neigen, sodass sie das Aufstehen erleichtern.

Für den vorausschauenden Handwerker ist es auch in einem Bad, das bisher keine dieser Hilfsmittel erfordert, sehr empfehlenswert, im Bereich der Toilette einen Stromanschluss vorzusehen - entweder als extra abgesicherte Steckdose oder als vorbereitetes Kabel unter den Fliesen. Nur so ist es bei späterem Bedarf problemlos möglich, elektrische Hilfsmittel nachzurüsten.

 

Höhen- und Neigungsverstellbares WC. Die Bedienung erfolgt über Tastatur oder Fernbedienung.
Foto: A.S.T. Energie und Umwelttechnik

Accessoires - kleine Objekte mit viel Zusatznutzen

Die Accessoires rund um die Toilette sollten praktisch angebracht werden. Meist wird die Toilettenpapier-Rolle im Rückenbereich angeordnet. Diese ist dort schon für gesunde Menschen nur schwer zu erreichen. Besser ist es, die Rolle links oder rechts neben der Toilette zu platzieren - vielleicht an der nebenstehenden Wand. Wird ein Griffsystem verwendet, so bietet sich hier die Integration des Toilettenpapierhalters an.

Auch für die Toilettenbürste gibt es sinnvolle Weiterentwicklungen: Ein langer Griff ermöglicht die Benutzung ohne tiefes Bücken, ein an der Wand montierter Behälter in Trichterform hilft beim treffsicheren Zurückstellen der Bürste.


Schulungen zum "Fachbetrieb für senioren- und behindertengerechte Installation" bei der GGT in Iserlohn

Termine 2004

15. bis 17. September 2004, 10. bis 12. November 2004, 1. bis 3. Dezember 2004

Infos und Anmeldung: GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik mbH, Max-Planck-Straße 5, 58638 Iserlohn, Tel.: 02371/9595-0,

Fax: 02371/9595-20, E-Mail: Feedback@gerontotechnik.de.


Themenbereiche

Ausgabe

Was ist Gerontotechnik?

22/2002

Wie sieht der Markt aus?

4/2003

Überblick über die DIN-Normen

9/2003

Rund um das Thema Armaturen

12/2003

Waschtisch und Accessoires

14/2003

WC-Einrichtungen

 

Dusche und Accessoires

 

Badewanne und Accessoires

 

Das ideale Bad

11/2004

Kostenträger und Finanzierung

19/2003

Kommunikationsproblem und Vermarktung

 

Marketing

 

Fazit

 


Internetinformationen:
www.das-bewegte-bad.de
www.gerontotechnik.de
www.hewi.de
www.spahn-reha.de
www.villeroy-boch.com


*) Dipl.-Kfm. Marcus Sauer, Projektleiter Sanitär, Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik, Iserlohn.