IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 16/17 2004, Seite 36 ff.


SANITÄRTECHNIK


Panzerschläuche für die Sanitärinstallation

DVGW-Arbeitsblätter sollen sicheren Einsatz gewährleisten

Dipl.-Ing. Falk Höhne*

Nach langem Ringen liegt nun mit den beiden DVGW-Arbeitsblättern W 543 (Druckfeste flexible Schlauchleitungen) und W 270 (Vermehrung von Mikroorganismen auf Werkstoffen für den Trinkwasserbereich) ein Regelwerk vor, das aufgrund der verschärften Prüfbedingungen maximale Sicherheit bei dem Einsatz von zertifizierten Panzerschläuchen verspricht.

Auch wenn beim DVGW-Arbeitsblatt W 543 durch weitere Einsprüche noch möglicherweise das Schiedsverfahren durchlaufen werden muss, so darf man davon ausgehen, dass es noch in diesem Jahr endgültig verabschiedet wird. Es sei angemerkt, dass bereits heute die Produkte nach der bis dato vorläufigen Prüfgrundlage zu prüfen sind, um eine DVGW-Zertifizierung zu erlangen. Aufgrund der begrenzten Gültigkeitsdauer von Prüfzeichen und der seit 2001 nur geringfügig modifizierten Normen müssen alle heute mit DVGW-Zertifikat angebotenen Produkte diese verschärften Prüfungen durchlaufen haben. Leider wird von "schwarzen Schafen" versucht, auch weiterhin Produkte ohne oder mit veralteten und somit ungültigen Prüfzeichen in den Markt zu bringen. Mit Kenntnis der Normen und ggf. beharrlichem Fordern entsprechender Nachweise lassen sich geeignete Produkte jedoch problemlos finden.

Produktkennzeichnung einer flexiblen Schlauchleitung.

Schlauchleitungen im Sinne des Arbeitsblattes W 543 sind wie folgt definiert:

Gruppe A:
Schlauchleitungen für den Anschluss von Armaturen und Apparaten für sichtbare oder zugängliche Installationen, (Betriebszeit 20 Jahre)

Gruppe B:
Schlauchleitungen für den Anschluss von Wasch- und Geschirrspülmaschinen und Trommeltrocknern, (Betriebszeit 10 Jahre)

Gruppe C:
Schlauchleitungen für unzugängliche Installationen, (Betriebszeit 50 Jahre)

Grundsätzlich müssen druckfeste flexible Schlauchleitungen - umgangssprachlich als Panzerschläuche bezeichnet - so beschaffen sein, dass ihre Wirkungsweise und Haltbarkeit durch die bei üblichem Betrieb auftretenden mechanischen, chemischen und thermischen Beanspruchungen nicht beeinträchtigt werden. Alle mit dem Trinkwasser bestimmungsgemäß in Berührung kommenden Teile der Schläuche und Schlauchverbindungen sind Bedarfsgegenstände im Sinne des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes (LMBG) und müssen deshalb den einschlägigen KTW-Empfehlungen des Bundesgesundheitsamtes sowie den Anforderungen des DVGW-Arbeitsblattes W 270 entsprechen. Durch den Hersteller sind die Produkte mindestens zu kennzeichnen mit

Als zusätzliche Kennzeichnung sind möglich

DVGW-zertifizierte Panzerschläuche aus unterschiedlichen Materialien: links: EPDM, Mitte: Silikon, rechts: PEX-c. (Bilder: Lindner Armaturen)

Anforderungen an Panzerschläuche

Schlauchleitungen der Gruppe A

Druckfeste flexible Schlauchleitungen dieser am weitesten verbreiteten Bauart sind als Anschlussstück Bestandteil von Sanitärarmaturen (z.B. Einlochbatterien mit druckfesten flexiblen Schlauchleitungen für Waschtisch, Bidet, Spüle oder Wannenwulstmontage) oder werden zum Anschluss von Apparaten verwendet. Mit den Schlauchleitungen wird die Verbindung zwischen der Installation und den Armaturen/Apparaten hergestellt.

Schlauchleitungen der Gruppe B

Schlauchleitungen der Gruppe B werden für elektrische Geräte verwendet, die an die Trinkwasser-Installation angeschlossen werden sollen. Sie stehen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch in der Regel unter Wasserdruck und sind dauerhaft an die Wasserversorgung angeschlossen. Die Schläuche bestehen aus thermoplastischem Material, nicht thermoplastischem Material oder diesen Materialien mit Metallumflechtung bzw. aus Ganzmetall.

Die Schlauchlängen sind standardmäßig auf 2000 mm beschränkt, Sonderausführungen bis 4000 mm sind möglich. Hervorzuheben ist die Prüfung der Zeitstandinnendruckfestigkeit und des Berstdruckes: Konstanter Innendruck 31,5 bar, Wassertemperatur konstant:

Kaltwasser-Schlauchleitungen 20C

Warmwasser-Schlauchleitungen 70C

Heißwasser-Schlauchleitungen 90C

Die Druckbelastung geht über ein Jahr.

Schlauchleitung der Gruppe B für den Anschluss elektrischer Geräte an die Trinkwasser-Installation. (Bild: IKZ-HAUSTECHNIK)

Schlauchleitungen der Gruppe C

Für Schlauchleitungen der Gruppe C gilt: Die druckfeste flexible Schlauchleitung dieser Bauart ist Bestandteil der Trinkwasser-Installation. Unabhängig von der Installationsart unterliegen sämtliche Komponenten der Schlauchleitung der Gruppe C den folgenden Anforderungen:

Anschlussarten: nach DVGW-Arbeitsblatt W 534

Maße: Die maximale Länge darf 4000 mm betragen

Metallschläuche: 50 bar Dichtheitsprüfung

Nichtmetallene und metallene Schläuche: Druckstoßprüfung min. 1 bar bis max. 25 bar Überdruck bei sinusförmigem Verlauf 30 Druckzyklen pro Minute zwischen 1 und 25 bar 10.000 Druckzyklen Temperaturwechsel 5000 Lastwechsel zwischen 20C und 93C Durchflussdauer je 15 Minuten, konstant 10 bar Temperaturwechseldauer max. 1 Minute

Zeitstandinnendruck Prüftemperatur und -spannung nach W 544 (n. Werkstoff) Prüfdauer 1/1000/8760/165 Stunden.

Prüfung nach DVGW-Arbeitsblatt W 270

Um die Vermehrung von Mikroorganismen auf Werkstoffen der Installation einzugrenzen, wird die Prüfung nach DVGW-Arbeitsblatt W 270 angewandt. Gegenstand der Prüfung ist ausschließlich das mikrobiologische Verhalten von Werkstoffen organischer Art bzw. von solchen mit organischenInhaltsstoffen,die bestimmungsgemäß mit Trinkwasser oder Rohwasser, das zu Trinkwasser aufbereitet wird, direkt oder indirekt in Berührungkommen. ZweckderPrüfung ist es, Werkstoffe, die durch die Abgabe von organischen Substanzen zu einer Vermehrung von Mikroorganismen führen können, für den Einsatz im Trinkwasserbereich inmikrobiologischerHinsichtzubewerten.

Druckfeste flexible Schlauchleitungen der Gruppe A sind als Anschlussstück Bestandteil von Sanitärarmaturen wie z.B. Einlochbatterien. (Bild: IKZ-HAUSTECHNIK)

Prüfvorgang

Aus den zu prüfenden Werkstoffen werden Prüfkörper hergestellt, die in einem permanentvom Prüfwasser durchströmten Becken (Prüfeinrichtung) 6 Monate exponiert werden. Nach 3 Monaten und nach 6 Monaten (1. und 2. Prüfperiode) wird der Prüfkörper entnommen und nach Verwerfen des ablaufenden Wassers der Oberflächenbewuchs vom Prüfkörper abgeschabt und quantitativ(volumetrisch) und qualitativ untersucht. Damit wird in zwei aufeinanderfolgenden Prüfperioden das mikrobiologische Langzeitverhalten der Werkstoffe bei Benetzung mit Wasser unter praxisnahen Bedingungen anhand der mikrobiellen Bewuchsbildung auf der Oberfläche untersucht.

Die Beurteilung der Werkstoffe erfolgt anhand des Volumens des Oberflächenbewuchses. Die untere Erfassungsgrenze des Verfahrens beträgt 0,1 ml/80.000 mm2. Die Werkstoffe werden wie folgt beurteilt:

a) Werkstoffe, die in beiden Versuchsperioden eine fest anhaftende Oberflächenbesiedlung (Kontaktkultur) aber keinen Oberflächenbewuchs bzw. bis zu 0,1 ml/80.000 mm2 aufweisen, sind aus mikrobiologischer Sicht für den Einsatz im Trinkwasserbereich unabhängig vom Einsatzbereich (Kategorie A bis D der KTW-Empfehlungen) geeignet.

b) Werkstoffe, die bei einer oder bei beiden Testperioden einen Oberflächenbewuchs von mehr als 0,1 ml/80.000 mm2 zeigen, sind für den Einsatz im Trinkwasserbereich ungeeignet.

c) Werkstoffe, die keinen Oberflächenbewuchs und auch keine Oberflächenbesiedlung (Kontaktkultur) aufweisen, sind nicht ohne zusätzliche Untersuchung als unbedenklich einzustufen. Es ist zu prüfen, ob der Werkstoff einen wachstumshemmenden Zusatz enthält.

Schlauchleitungen, die unzugänglich installiert sind, gelten als Bestandteil der Trinkwasserinstallation. Einzusetzen sind in diesem Fall Schlauchleitungen der Gruppe C. (Bild: Lindner Armaturen)

Alternative Lösungen

Neben Schläuchen mit Inlinern aus EPDM existieren auch Silikon, Pex und NBR als W 270 zertifizierte Materialien. Diese Materialien haben sich bereits in der Medizintechnik, der Luftfahrt und der Gebäudetechnik bewährt. Der Lindner PE-flex beispielsweise ist flexibel wie ein herkömmlicher Panzerschlauch und erreicht bei den Prüfungen identische Ergebnisse wie starre strahlenvernetzte PE-Rohre. Die mechanischen Eigenschaften und die Beständigkeit dieses Produktes definieren einen neuen Qualitätsstandard für Panzerschläuche.


*) Dipl.-Ing. Falk Höhne, Lindner Armaturen GmbH, Chemnitz, E-Mail: info@lindner-armaturen.de


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