IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 15/2004, Seite 76 f.


UNTERNEHMENSFÜHRUNG


 

Finanzierungsgewinn durch Skontovorteil

Finanzierung über Lieferantenkredit

Dr. Siegfried Santura*

Der Lieferantenkredit wird in vielen Sanitär-, Heizungs- und Klimabetrieben in Anspruch genommen. Die Gründe liegen darin, dass dieser Kredit relativ einfach und ohne Formalitäten zu bekommen ist. Meist genügt eine längere gemeinsame Geschäftstätigkeit, um Kreditvereinbarungen zu treffen. Dr. Siegfried Santura zeigt aber, dass der Verzicht auf den Lieferantenkredit wirtschaftlich fast immer günstiger ist.

Durch teure Kredite am Geld- und Kapitalmarkt kann es nicht überraschen, dass Mängel im Finanzierungsbereich vielfach zu einer Existenz bedrohenden Gefahr werden. Im Hinblick auf Maßnahmen zur Abwehr von Krisen im Finanzierungsbereich hat im Tätigkeitsfeld der Kostenrechnung verschiedentlich ein Umdenkprozess eingesetzt. Viele klein und mittelständische Unternehmer übersehen jedoch die in vielen Fällen extrem hohen Kosten eines Lieferantenkredites.

Der Skontoabzug lohnt sich immer, wenn der Betrieb genügend flüssige Mittel besitzt. Ist man allerdings gezwungen, einen Kontokorrentkredit bei seiner Hausbank aufzunehmen, um die Skontierung ausschöpfen zu können, muss der Skontobetrag die Kreditkosten einschließlich der Bearbeitungsgebühren und Provision der Geldinstitute übersteigen.

Kosten eines Lieferantenkredites

Skonto drückt sich in einem fixen Prozentsatz aus, der auf den Rechnungsbetrag anzuwenden ist, um den Skontobetrag und über diesen den Nettobetrag der Regulierung zu ermitteln. Zahlt der Schuldner diesen bei "Nettofälligkeit", so nimmt er den angebotenen Lieferantenkredit für die Dauer zwischen Rechnungsstellung und Nettoziel in Anspruch. Die Kosten für diesen Kredit bestehen im Verzicht auf den vom Lieferanten angebotenen Skonto. Ein Betriebsinhaber wird nur darauf verzichten Vorteile wahrzunehmen, wenn ihn besondere Umstände dazu zwingen. Fehlt ein solcher Zwang, hat er also die Wahl unter mehreren Möglichkeiten der Kreditbeanspruchung und wird die billigste anstreben: den Kredit, der zum niedrigsten Zinssatz zu bekommen ist.

Die Bedingungen müssen verglichen werden. Dazu muss der Skontosatz in den Zinssatz umgerechnet werden, weil andere Kredite, die vergleichsweise herangezogen werden können, die Verzinsung mit deren Beziehung zur Jahresrechnung fordern. In aller Regel wird es der Kontokorrentkredit der Hausbank sein, der als Alternative zum Lieferantenkredit beansprucht werden kann.

Beim Umrechnen von Skonto auf den Zinssatz ist zu überlegen: Der Skontobetrag wird dafür gewährt, dass der Rechnungsbetrag des Lieferanten eher als bei der Zielfälligkeit bezahlt wird. Der Zeitraum, auf den sich der feste Skontosatz bezieht, ist die Differenz zwischen dem Zeitpunkt der Zielfälligkeit und dem der Skonto-Fälligkeit. Lauten also beispielsweise die Zahlungsbedingungen "2% Skonto bei Zahlung innerhalb von zehn Tagen oder netto nach 30 Tagen", so ist der Lieferant bereit, für die Dauer von 30 minus 10, also von 20 Tagen zwei Prozent vom Rechnungsbetrag abziehen zu lassen.

Nachfolgend ein Beispiel aus der Praxis: Ein Betrieb kauft Ware für 10.000 Euro, zahlbar innerhalb von 10 Tagen mit 2% Skonto oder in 30 Tagen netto. Wird die Ware am zehnten Tag unter Inanspruchnahme des Kontokorrentkredites (Zinsen 12%) bezahlt, entsteht für das Unternehmen ein Zinsgewinn von 133,34 Euro:
Lieferantenkredit für 20 Tage (36%) = 200,- Euro
./. Kreditzinsen für 20 Tage (12%) = 66,66 Euro
Zinsgewinn bei Skontierung = 133,34 Euro

Um die Höhe des Zinsfußes zu berechnen, wird die Beziehung zum Jahr mit seinen 360 (Zins-)Tagen hergestellt. Die nachfolgende Tabelle soll deutlich machen, wie teuer Lieferantenkredite sind. So unterschiedlich nun auch die Skontobedingungen der verschiedenen Zulieferer des Betriebes auch sein mögen: Ein Bankkredit kann nie so teuer werden wie der eines Lieferanten, der Skonto gewährt.

 

So teuer sind die Lieferantenkredite.

Da man davon ausgehen muss, dass die meisten Unternehmen sich in Betriebsführung nach kaufmännischen Gesichtspunkten ausrichten, muss es noch andere Gründe geben, weshalb sie den Lieferantenkredit in Anspruch nehmen:

Manche klein und mittelständische Unternehmer argumentieren, dass ohne Lieferantenkredite ihr Warenlager nicht zu finanzieren wäre. Sie sehen darin die einzige Finanzierungsmöglichkeit.

Lieferantenkredite werden ohne besondere Formalitäten bewilligt.

Auch die Ansprüche an die Kreditwürdigkeit des Käufers sind geringer als die der Kreditinstitute.

Der Lieferant ist in erster Linien am Absatz seiner Ware interessiert. Ein großzügiges Zahlungsziel wird dafür hingenommen.

Für Lieferantenkredite werden in der Regel keine Sicherheiten gestellt. Der Lieferant hat als einzige Sicherheit den Eigentumsvorbehalt an der gelieferten Ware.

Zinsgewinn bei Skontierung

Skonto ist ein prozentualer Nachlass, der vom Zielkaufpreis entsprechend den Zahlungsbedingungen auf den Rechnungsbetrag binnen einer bestimmten Frist gewährt wird, oft auch gestaffelt, z.B. "zahlbar in 3 Monaten netto, binnen 1 Monat 2%, binnen 10 Tagen 3% Skonto". Tatsächlich ist Skonto der Preis für die Kreditnutzung bzw. Vorfinanzierung, die bei der Warenlieferung dem Abnehmer eingeräumt wurde. Außer den anteiligen Zins- und Verwaltungskosten enthält der dem Barpreis zugeschlagene Skonto noch eine Prämie für das Kreditrisiko, sodass dem Käufer ein Anreiz für Barzahlung gegeben wird.

Für Betriebe, bei denen die Beschaffung von Fremdmitteln Schwierigkeiten bereitet, wird der Lieferantenkredit weiterhin eine wichtige Rolle in der Finanzierung spielen. Sofern die Möglichkeit der Kreditaufnahme bei der Hausbank besteht, sollte der Unternehmer allerdings stets die Zahlung unter Abzug vom Skonto erwägen. Darüber hinaus stärkt die sofortige Skontierung die Position des Käufers bei den Lieferanten. Möglicherweise lassen sich auch günstigere Einkaufskonditionen erreichen. Lieferantenkredite sollte man sich nur leisten, wenn eine entsprechende Kreditfinanzierung über die Hausbank ungünstiger abschneidet.

 


*) Dr. rer. soc. oec. Siegfried Santura arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Wirtschaftspublizist.


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