IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 13/2004, Seite 42 f



Noch rechtzeitig reagiert

Legionellen im Trinkwassernetz der 70er-Jahre

Eine Probenahme zeigte in 2002, dass die Warmwasserversorgung in der Schleswiger Internatschule für Hörgeschädigte dringend saniert werden musste. Wo füher Stagnation und Inkrustationen herrschten, sorgen jetzt Ringleitungen aus Edelstahl für den Erhalt der Trinkwasserqualität.

 

Statt durch alte verzinkte Stahlrohre fließt warmes und kaltes Trinkwasser jetzt in einwandfreier Qualität durch Edelstahl.

Die Rahmenbedingungen im Schulungszentrum aus den 1970er-Jahren boten "ideale" Voraussetzungen für eine Legionellenkontamination: Dazu gehörten betagte verzinkte Stahlrohe mit starken Inkrustationen, Stagnationen in verschiedenen Abzweigungen und zwei innenbeschichtete Trinkwasserspeicher mit jeweils üppigen 1500 Litern. Eine thermische Desinfektion hätte sich allein wegen der Verzinkung verboten, wäre aber auch zumindest zeitweise gar nicht zustande gekommen, weil die Fernwärmeanbindung nicht permanent Temperaturen oberhalb von 75 Grad bereitstellt. Auf der Kaltwasserseite begünstigten zudem Löschwasserleitungen "nass" die Stagnation. Für einen versierten Fachinstallateur, Planer oder Hygieniker war es da sicher keine Überraschung, dass gleich die erste Untersuchung der Trinkwasserqualität im Jahr 2002 ins Schwarze traf. Obwohl das Gesundheitsamt die Waschräume sofort schließen ließ, bedeutete dies für die etwa 100 Kinder und Jugendlichen des Gehörlosen-Internats nicht das Ende ihres Aufenthalts. Zum Glück konnte man innerhalb des Schleswiger Schulkomplexes auf einwandfrei funktionierende Sanitäreinrichtungen der Turnhalle, die nicht kontaminiert waren, ausweichen.

 

Die Staatliche Internatschule für Gehörlose in Schleswig im betagten Chic der 1970er-Jahre: Die Warmwasserversorgung gab Anlass zur sofortigen Stilllegung der Duschanlagen.

Komplett-Sanierung binnen eines Jahres

Welche Systemänderungen in der Trinkwasserversorgung vorgenommen werden mussten und welche Modernisierungsmaßnahmen in den fünf Stockwerken einzuleiten waren, bedeutete für das Ingenieurbüro von Hans-Jürgen Molzen aus Hattstedt reine Routine. Schwieriger war der Zeitablauf, denn die lärmintensive Sanierung in insgesamt vier Sektionen des fünfstöckigen Internatsgebäudes musste wegen der sensiblen Akustik-hilfen vorwiegend in die Ferienzeiten gelegt werden. Deshalb wurde das Team des ausführenden SHK-Unternehmens Hans Schröder aus Gettorf phasenweise bis auf 12 Mann aufgestockt. Alte Versorgungsleitungen für Kalt- und Warmwasser entsorgte man ausnahmslos und die Wandhydranten wurden auf Löschwasserleitungen "trocken" umgerüstet.

 

Edelstahl in Sichtmontage

Edelstahl in der Ausschreibung

Vom Planer wurde ein Pressfitting-System aus Edelstahl in den Dimensionen d = 15 bis 108 mm und in einer Gesamtlänge von knapp 5000 Metern ausgeschrieben. Zum Einsatz kam das Rohrsystem von Mapress. Eine weitere Anforderung war, dass die Stockwerke ausschließlich durch Ringleitungen versorgt werden. Sie führen direkt von Entnahmestelle zu Entnahmestelle, um eine möglichst wirksame Durchspülung an den Armaturen zu erreichen. Hinzu kommt eine knapp bemessene Dimensionierung der Leitungsquerschnitte.

Die zuvor genutzten Leitungswege konnten durchweg weiter verwendet werden. Im gesamten Schulkomplex für insgesamt etwa 200 Schüler befinden sich nun
- 100 WCs,
- 40 Ausgussbecken,
- 90 Duschen,
- 20 Wannen,
- 150 Waschtische und
- 20 weitere Zapfstellen im Küchenbereich.

 

Die Hauptverteilungen für Kalt- und Warmwasser sowie Zirkulationssysteme aus Edelstahl.

Sektionale Inbetriebnahmen nötig

Die Sanierungsmaßnahmen in einem Kostenrahmen von etwa 1,1 Millionen Euro erstrecken sich noch bis in die Sommerferien 2004 und haben bisher diverse sektionale Inbetriebnahmen erforderlich gemacht. Dazu wurde jeweils nach DVGW-Arbeitsblatt gespült, eine Druckprobe mit Wasser durchgeführt und anschließend die Anlage gleich in Betrieb genommen. Mithilfe von Strangregulierventilen konnte der hydraulische Abgleich der Zirkulationsleitungen in den jeweils vier Zonen pro Etage erreicht werden.

Eine elektrolytische Desinfektion sorgt für die einwandfreie Beschaffenheit des Trinkwassers. Unter dieser Voraussetzung kann man in der staatlichen Internatschule weiteren Wasserproben des Gesundheitsamtes gelassen entgegen sehen.  

Internetinformationen:
www.geberit.de
www.mapress.de


B i l d e r :   Geberit Mapress