IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 5/2004, Seite 20 f.


SANITÄRTECHNIK


Aktive Sicherheit

Das neue Gas-Sicherheits-System von Gebo

Seit Jahrzehnten sind sie als sichere Verbindungen im Reparaturfall bekannt: die Gebo-Verschraubungen. Jetzt hat sich der Schwelmer Armaturenhersteller vorgenommen, mehr für die Gas-Sicherheit zu tun. Mit dem Gas-Sicherheitssystem GSS bietet er ein Produkt an, das nicht nur aktiven Manipulationsschutz, sondern auch mehr Sicherheit für den normalen Betriebsfall verspricht.

Obwohl der Umgang und die Verwendung von Erdgas in Deutschland so sicher ist wie nirgendwo sonst auf der Welt, kommt es - wenn auch sehr selten - zu Explosionen oder Verpuffungen in Gas-Installationen. In den allermeisten Fällen ist dies auf bewusste oder unbewusste Manipulationen zurückzuführen (z.B. Baggerabriss oder Suizid). Regelsetzer und Politik haben darauf reagiert; im August 2000 fanden so genannte "passive Maßnahmen" wie Sicherheitsstopfen Einzug in die Technischen Regeln Gas-Installation (TRGI).

Besser aktiv als passiv

Mit der TRGI Ergänzung Dezember 2003 sind nun auch "aktive Maßnahmen" (z.B. Strömungswächter) ins Regelwerk aufgenommen worden. Unter aktiven Maßnahmen versteht man solche, die auf einen Manipulationsversuch reagieren. Strömungswächter beispielsweise sperren die Gaszufuhr ab, wenn ein zuvor festgelegter Gasdurchfluss überschritten wird. Werden aber nur Leitungsverschraubungen gelockert, wodurch die austretende Gasmenge unter dem Ansprechdurchfluss des Strömungswächters liegt, kann dieser nicht reagieren.

Die Zentraleinheit des Gas-Sicherheits-Systems wird im Bereich des Gas-Hausanschlusses installiert.

Gebo-GSS: neue Dimension der Sicherheit

Natürlich kann es eine hundertprozentige Sicherheit in der Technik nicht geben. Einen möglichst hochprozentigen Schutz zu erreichen, war aber die Zielsetzung für die Entwicklungsabteilung des Armaturenherstellers Gebo. Hier ging man daran, nach Wegen zu suchen, die einen umfassenden Schutz vor den Folgen einer Manipulation an Gasleitungen bieten. Nicht nur ein großer Gasaustritt sollte erkannt und unterbunden werden. Auch die kleinen Gasmengen, die entweichen, sollten nicht mehr zum Unglück führen können. Das Ganze musste dann auch noch derart beschaffen sein, dass es durch kriminelle Energie nicht so ohne weiteres ausgetrickst werden konnte. Die neue Lösung nennt sich GSS-Gas-Sicherheits-System. Dabei handelt es sich um eine Zentraleinheit, die im Bereich des Gas-Hausanschlusses installiert wird. In dieser befindet sich ein Absperrventil. In den Räumen, in denen sich Gasleitungen befinden, werden Sensoren angebracht, die mit der Zentraleinheit verbunden sind. Stellt einer der Sensoren einen Gasaustritt fest, sperrt das Absperrventil in der Zentraleinheit die Gaszufuhr ab. Auf den ersten Blick könnte man nun meinen, man hätte es hier mit einer Gas-Warnanlage zutun. Schon der zweite Blick zeigt aber, dass das neue System damit nicht vergleichbar ist. Die Beschaffenheit der einzelnen Komponenten, ihre Logik beim Zusammenspiel und insbesondere die Möglichkeit der aktiven Unterbrechung der Gaszufuhr sind es, die laut Gebo eine neue Dimension der Absicherung ermöglichen.

Prinzipschema des Gas-Sicherheits-Systems von Gebo.

Druck statt Strom

Das GSS erfasst austretendes Gas und reagiert darauf, zählt also zu den aktiven Schutzmaßnahmen. Es beinhaltet eine Kombination aus pneumatisch gesteuerter Absperrmechanik und Sensorik. Gewissermaßen das Herzstück ist die Zentraleinheit. Das dort integrierte Absperrventil arbeitet nach dem Umkehrprinzip. Es wird mit CO2-Druck in Offenstellung gehalten. Nach der Installation der Anlage wird in die Zentraleinheit eine CO2-Patrone eingesetzt und angestochen. Das Gas füllt dann einen Faltenbalg, der sich ausweitet und so einen Stellhebel bewegt. Dadurch wird das Ventil gegen den Druck einer Feder geöffnet. Vorteil dieser Konstruktion ist, dass das System nur mit Schutzkleinspannung betrieben wird und somit eine Funkenbildung ausgeschlossen werden kann. Bei einer Störung wird lediglich der Druck aus dem Faltenbalg abgelassen und das Ventil schließt sofort. Mehr noch: Kommt es im Raum der Zentraleinheit zu einem Brand, führt der Druckanstieg im Faltenbalg dazu, dass ein Ablassventil öffnet. Auch rohe Gewalt, die gegen die Zentraleinheit eingesetzt wird, hat einen Druckabfall zur Folge. Einmal geschlossen, kann das Ventil nur durch Einsetzen einer neuen CO2-Patrone wieder geöffnet werden. Und dazu ist die Hand des Fachmannes erforderlich, der auf jeden Fall prüfen muss, warum das GSS ausgelöst hat. Vereinfacht wird ihm das durch die Systemelektronik der Zentraleinheit. Der nur mit Schutzkleinspannung betriebene Rechner gibt mit einem Klartext-Display detaillierte Auskunft darüber, welche Sensoren Alarm geschlagen haben. So lässt sich sehr schnell eingrenzen, wo der Schaden an der Gasanlage liegt.

Zentraleinheit.

High-Tech vom Installateur

Das GSS arbeitet in zwei Stufen. Eine Methankonzentration in einem Raum von ca. 2200 ppm löst die erste Alarmstufe aus. Dabei wird an der Zentraleinheit optisch und akustisch das Ansprechen eines Sensors angezeigt, das Gas aber noch nicht abgesperrt. Das geschieht erst, wenn im Raum eine Gaskonzentration von ca. 4400 ppm erreicht wird. (Nur zum Vergleich: Bei einer üblichen Erdgasodorierung kann ein "Gasgeruch" erst ab einer Konzentration von ca. 10.000 ppm wahrgenommen werden.) Da die Unterbrechung der Gaszufuhr schon bei Erreichen von zehn Prozent der unteren Zündgrenze des Erdgases erfolgt, wird auch der Tatsache Rechnung getragen, dass die Gaskonzentration innerhalb eines Raumes unterschiedlich sein kann. Die Sensoren werden im oberen Raumbereich angeordnet. Bei den Sensoren handelt es sich um die neueste Generation so genannter selektiver Halbleiter-Sensoren, die über eine BUS-Verkabelung im Millisekundentakt mit dem Rechner der Zentraleinheit kommunizieren. Auf diese Weise wird ihre Betriebsbereitschaft permanent überwacht. Wird ein Sensor beschädigt oder ein Kabel durchtrennt, sperrt die Zentraleinheit das Gas ab. Die Basisausstattung des GSS kann auf Wunsch erweitert werden. So ist es möglich, über das Gas-Sicherheitssystem im Alarmfall auch den elektrischen Strom für das Gebäude abschalten zu lassen. Auf diese Weise wird etwa eine Zündfunkenbildung durch elektrische Geräte verhindert. Das Gebo-GSS ist für eine Modulbauweise vorgesehen und kann daher individuell konfektioniert werden. Für den Einsatz im Ein- oder Zweifamilienhaus kann das System mit wenigen Sensoren arbeiten. Geht es um die Kontrolle größerer Objekte, wie Mehrfamilienhäuser, Gewerbebetriebe oder Industriebauten, ist der Anschluss von bis zu 250 Sensoren möglich.

Bedieneinheit mit Klartext-Display.

Gebo und GaSiTec: ein starkes Team

Für die Vermarktung hat sich Gebo mit der in Witten ansässigen Gesellschaft für Gas-Sicherheits-Technik (GaSiTec) einen erfahrenen Partner ausgesucht. Um gerade in diesem sensiblen Bereich das Vertrauen der Kunden zu rechtfertigen, war es erforderlich für ein durchgängig höchstes Maß an Qualifikation zu sorgen. Daher hat sich Gebo entschlossen, die GSS ausschließlich über GaSiTec-Fachbetriebe vermarkten, errichten und warten zu lassen. Dabei übernehmen die Wittener Gas-Profis die spezielle Schulung der Betriebe und geben, in Zusammenarbeit mit Gebo, Hilfestellung bei der Planung und Errichtung von GSS-Anlagen.

Auf diese Weise soll der erforderliche Qualitätsanspruch von der Fertigung über die Anlagenplanung bis zum Einbau und Service sichergestellt werden. Darüber hinaus wird so das Ziel verfolgt, die bislang schon zuverlässigen Gas-Installationen nunmehr durch eine permanente Überwachung vor den Folgen von Leckagen und Manipulationen zu schützen. Ein aktiver Schutz, der in gewissem Sinne sogar mitdenkt.

Internetinformationen:
www.gasitec.de
www.gebo.de


B i l d e r :   Gebo-Armaturen GmbH, Schwelm